Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. Mai 2017
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Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation) ist häufig das Symptom für eine Erkrankung. Es handelt sich dabei jedoch in den meisten Fällen um eine harmlose Krankheit, die einfach behandelt werden kann. Daneben können aber auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson für die übermäßige Speichelproduktion verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)?

Unter vermehrtem Speichelfluss versteht man eine übermäßige Produktion von Speichel im Mund. In Fachkreisen wird dieser vermehrte Speichelfluss auch Hypersalivation genannt. Ein gesunder Mensch produziert täglich bis zu 1,5 Liter Speichel im Mund. Liegt die Menge deutlich darüber, spricht man von vermehrtem Speichelfluss.

Oft wird der vermehrte Speichelfluss von einer Sialorrhö begleitet. Dabei handelt es sich um das unkontrollierte Austreten von Speichel aus dem Mund, das sich anhand von Sabbern oder auch feuchter Aussprache bemerkbar machen kann. Das Gegenteil von vermehrtem Speichelfluss ist die Hyposalivation. Dabei produzieren die Speicheldrüsen zu wenig Speichel. Die Ursachen für den vermehrten Speichelfluss sind sehr unterschiedlich. Meist handelt es sich dabei aber um harmlose Erkrankungen.

Ursachen

Die Ursachen für vermehrten Speichelfluss können sehr unterschiedlicher Natur sein. Es kann sich dabei um schwere Erkrankungen handeln oder aber um harmlose Ursachen, die schnell wieder verschwinden. In den meisten Fällen handelt es sich um keine schwerwiegende Krankheit, die einfach zu behandeln ist. Somit klingt der vermehrte Speichelfluss in vielen Fällen recht rasch wieder ab.

Es können Erkrankungen der Speicheldrüsen (z.B. eine Speicheldrüsenentzündung) für den vermehrten Speichelfluss verantwortlich sein, ebenso wie Krankheiten in der Mundhöhle und Zahlfehlstellungen. Bei starker Übelkeit, vor allem unmittelbar vor dem Erbrechen, kann der Speichelfluss auch erhöht auftreten. Aber auch Vergiftungen (oft Quecksilbervergiftung) und psychische Ursachen (Nervosität, Angst) können beim vermehrten Speichelfluss vorliegen.

Daneben leiden Parkinsonpatienten häufig unter vermehrtem Speichelfluss. Auch die Infektionskrankheit Tollwut kann die Produktion von Speichel deutlich erhöhen. Ebenso kann vermehrter Speichelfluss als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Bei Infektionen, wie z.B. einer Angina, die zu einem geschwollenen oder entzündetem Rachenraum führen, tritt auch häufig vermehrter Speichelfluss auf.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Falls die Hypersalivation nur temporär auftritt und nach einer kurzen Zeit wieder von alleine verschwindet, so muss kein Arzt aufgesucht werden. In diesem Fall kann die Hypersalivation durch unterschiedliche Gründe eintreten und ist für den Menschen nicht weiter gefährlich. Sollte der vermehrte Speichelfluss allerdings länger anhalten und nicht von alleine aufhören, so muss ein Arzt aufgesucht werden.

Falls der Patient mit toxischen Mitteln in Berührung gekommen ist oder diese versehentlich eingenommen hat, muss unbedingt der Notarzt gerufen werden, falls die Hypersalivation eintritt. Hier muss der Magen ausgepumpt und der toxische Stoff neutralisiert werden. Ein Arzt ist auch dann aufzusuchen, wenn die Hypersalivation nach dem Biss eines größeren Säugetieres auftritt. Hierzu zählen zum Beispiel Hunde oder Katzen. Diese können an Tollwut erkrankt sein und diese auf den Menschen übertragen. Auch wenn der Patient gegen die Tollwut geimpft ist, sollte sicherheitshalber ein Arzt besucht werden.

Ein vermehrter Speichelfluss kann durch verschiedene Medikamente ausgelöst werden. Hier sollte der Patient die Nebenwirkungen des Medikamentes studieren und gegebenenfalls mit einem Arzt den Umstieg auf ein anderes Medikament diskutieren.

Diagnose und Verlauf

Zur Diagnose des vermehrten Speichelfluss (Hypersalivation) sollte zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt erfolgen. Der Patient sollte in diesem Gespräch die Beschwerden so genau wie möglich beschreiben, vor allem ob diese dauerhaft vorhanden sind oder nur nun bestimmten Situationen auftreten. Zudem muss vor allem geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine vermehrte Speichelproduktion handelt oder eine Abschluckstörung vorliegt. tEine solche Störung wird nämlich häufig vom Betroffenen zunächst als übermäßige Speichelproduktion wahrgenommen, obwohl die produzierte Menge des Speichels völlig normal ist. Bei der körperlichen Untersuchung werden deshalb sehr häufig so genannte Schlucktests durchgeführt. Nur so kann eine Störung beim Abtransport des Speichels ausgeschlossen werden.

Daneben kann die Speichelmenge gemessen werden. Dies kann durch eine Schätzung des Arztes erfolgen oder durch ein spezielles Verfahren. Dabei werden spezielle Apparate eingesetzt, die die Menge des Speichelflusses genauer bestimmen können. Eine Entzündung der Speicheldrüsen kann auch durch ein Abtasten am Kiefer erkannt werden. Häufig sind die Speicheldrüsen dann schmerzempfindlich.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von vermehrtem Speichelfluss richtet sich natürlich nach der Ursache. Der vermehrte Speichelfluss ist immer ein Symptom, deshalb gilt es die Grunderkrankung zu behandeln um dieses Erscheinung zu beseitigen. Es existieren Medikamente, die Einfluss auf die Speichelproduktion nehmen und diese verringern. Diese Medikamente gibt es in Form von Tabletten und als Pflaster, welche hinter das Ohr geklebt werden. Dort gelangt der Wirkstoff direkt zu den Speicheldrüsen und hemmt deren Speichelproduktion.

Eine weitere medikamentöse Möglichkeit der Behandlung ist der Einsatz von Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der gezielte Lähmungen auftreten lässt. Spritzt der Arzt Botox in die Speicheldrüsen, werden diese somit in der Produktion von Speichel gehemmt und der vermehrte Speichelfluss wird vermindert. Kommt es zu dem vermehrten Speichelfluss durch Zahnfehlstellungen, sollten diese korrigiert werden. Dazu können Zahnspangen eingesetzt werden, in schlimmen Fällen können auch chirurgische Eingriffe nötig werden.

Bei Infektionskrankheiten, die den vermehrten Speichelfluss auslösen, ist es nötig, die betreffende Krankheit gezielt zu behandeln. Klingt die Grunderkrankung ab, wird sich auch die Speichelproduktion wieder auf ein normales Maß einpendeln. Ist die Ursache für die vermehrte Speichelproduktion eine Vergiftung, müssen entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden um das Gift auf dem Körper auszuleiten. Eine einheitliche Behandlung von vermehrtem Speichelfluss ist also nicht vorhanden, da immer die genaue Ursache behandelt werden muss.



Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung gegen vermehrten Speichelfluss ist nicht möglich. Da es sich bei der übermäßigen Speichelproduktion immer um ein Symptom einer Krankheit handelt und diese Krankheiten sehr unterschiedlicher Natur sein können, ist eine direkte Vorbeugung in diesem Zusammenhang nicht möglich.

Allerdings ist immer zu empfehlen auf einen gesunden und ausgeglichenen Lebensstil zu achten. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen sowie eine ausreichende Bewegung an der frischen Luft. Nur so bleibt das Immunsystem stark und hat die Kraft eine Reihe von verantwortlichen Krankheiten abzuwehren.

Bücher über Mundhygiene

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Ellery Gabriele kommentierte am 06.04.2017 um 09:30 Uhr

Bei mir ist im letzten Jahr (Juni 2016) eine Operation an der Halsschlagader rechtsseitig ausgeführt worden. Die Ader ist von einer Blockade befreit worden. 3 Monate später fing bei mir das Sabbern an. Kann es da eine Verbindung geben oder ist es Zufall das diese beiden Dinge fast gleichzeitig passierten? Wenn es an der OP liegt, geht das dann wieder weg? Ich muß sagen das ich wegen RLS Levodopa plus Beserazid 100mg/25mg nehme. Das wird (so glaube ich) auch bei Parkinson Erkrankung verschrieben. Kann es daran liegen? Diese Kapseln nehme ich aber schon seit 7 Jahren. Ich schlafe jede Nacht mit OP-Mundschutz um nicht Schlafanzug und Kopfkissen täglich wechseln zu müssen. Gibt es Hilfe? Auf dem Rücken schlafen geht nicht, da ich nur noch eine Niere (links) habe und die andere entfernt wurde. Rückenlage verursacht Schmerzen.
Bitte helfen Sie mir.

Muntermacher kommentierte am 16.03.2017 um 18:27 Uhr

Ich habe das Problem seit Jahren und kein Arzt kann mir helfen. Welcher Arzt ist denn nun der Spezialist hierfür? HNO oder innere Medizin? Ich würde dann mal in eine größere Klinik gehen. Gerne würde ich mir die Drüse unter der Zunge taub spritzen lassen mit Botox und sehen ob das was bringt. Vielen Dank für eine Info, ich war bereits bei einem Heilpraktiker, Allgemeinmediziner, Zahnarzt, HNO-Arzt und keiner konnte mir helfen.

stefanie kommentierte am 17.08.2016 um 10:37 Uhr

Seit einigen Tagen leide ich morgens unter Speichelfluss. Nach dem Kauen von zwei Salbeiblättern aus dem Garten, beruhigt sich das Problem, dann nach zwei Stunden. Ich benötige diverse Medikamente: Novaminsulfon (regelmäßig), MCP AL 10 (seltener), Dulclax (selten), B-Komplex + Folsäure + C (ganz selten). Was kann der Auslöser für den Speichelfluss sein?

katrin kommentierte am 17.02.2016 um 19:40 Uhr

Lästiger Speichelfluss und braune Zunge. Kann das mit meinem Morbus Crohn zusammenhängen? Außerdem ein Stechen hinter dem Brustbein. Gibt es da ein Mittel?

wolfgang kommentierte am 24.08.2015 um 21:38 Uhr

Seit 5 Jahren leide ich unter membranöser Glomulinephritis. Derzeit bekomme ich eine Therapie mit Endoxan und Prednisolon und noch weiteren Medikamenten. Seit längerer Zeit habe ich eine vermehrte und lästige Speichelproduktion. Kann das in Zusammenhang mit meiner Therapie stehen?