Reizblase

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Januar 2015
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Von einer Reizblase oder hyperaktiven Blase spricht man, wenn eine Fehlfunktion der Blase mit einer übermäßig häufigen Blasenentleerung (Harndrang) vorliegt. Die Reizblase ist ein häufig auftretendes Beschwerdebild unabhängig von Alter oder Geschlecht, von dem besonders Frauen betroffen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Reizblase (hyperaktive Blase)?

Die Reizblase, in der Medizin auch als hyperaktive Blase bezeichnet, beruht auf einer Blasenschwächung. Durch Zusammenziehen der Muskulatur der Blasenwand erhält das Gehirn irrtümlicherweise verfrüht den Befehl zur Blasenentleerung, obwohl die Blase noch lange nicht gefüllt und keinerlei Notwendigkeit zur Entleerung gegeben ist.

Eine Reizblase kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. So kann es tagsüber zu unkontrolliertem Harnabgang (Harninkontinenz) beim Husten, Niesen, Lachen, Springen, Heben, Schieben, Drücken oder anderen Anstrengungen des Körpers kommen.

In diesem Zusammenhang ist die Blasenschließmuskelatur zu schwach, um das Wasser zu halten. Auch nervliche Anspannung kann zu plötzlicher Stress-Inkontinenz führen.

Vor allem in der Nacht, während des Schlafens, wenn der Betroffene keinerlei Kontrollmöglichkeiten hat, macht sich eine überaktive Blase besonders bemerkbar. Von einer Reizblase sind weitaus mehr Frauen, als Männer betroffen. Außerdem nimmt die Blasenschwäche mit steigendem Alter zu.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Reizblase sind meist nicht eindeutig zu klären. Daher handelt sich häufig um eine Ausschlussdiagnose: Wenn keine organischen Ursachen vorliegen, muss der vermehrte Harndrang auf die Reizblase zurückzuführen sein. Psychosomatische Beschwerden kommen mit einer schwachen Muskulatur im Bereich der Blase und des Beckenbodens zusammen, weshalb die Reizblase nur schwer zu behandeln ist.

Von einer Reizblase sind vor allem Frauen betroffen, da sie aufgrund hormoneller Veränderungen während der Schwangerschaft und in den Wechseljahren oder bedingt durch Geburten eher als Männer betroffen sind.

So nimmt zum einen mit zunehmendem Alter hormonbedingt die Gewebespannung des Beckenbodens ab, und nach einer Geburt ist die Muskulatur des Beckenbodens erschlafft und geschwächt.

Eine Reizblase kann aber auch auf einer anlagebedingten, angeborenen Fehlbildung der Harnwege beruhen oder seine Ursache in Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Schlaganfall finden. Bei Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks kann es zu einer nervenbedingten (neurogenen) Reizblase kommen.

Auch kann eine Reizblase durch Nebenwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden. Hier sind vor allem Schmerzmittel, Antidepressiva und Antihistaminika zu nennen. Und natürlich kann eine nicht behandelte Entzündung der Harnwege (Blasenkatarrh) - verursacht durch Unterkühlung des Beckens oder zuviel Nässe - zu einer Reizblase führen. Männer bekommen eine Reizblase primär aufgrund von Erkrankungen der Prostata. Harnsteine bilden ebenfalls manchmal die Ursache für eine Reizblase.

Symptome und Verlauf

Bei einer Reizblase verspüren die Betroffenen ständigen Harndrang, der schmerzhaft wahrgenommen werden kann, müssen bei jedem Toilettengang Wasser lassen und haben manchmal unfreiwilligen Harnabgang. Betroffen sind Frauen im vierten bis sechsten Lebensjahrzehnt. Andere Beschwerden gibt es nicht, eine Reizblase ist weder mit brennendem Schmerz noch mit sonstigen Leiden verbunden. Allerdings ist der psychische Druck meist recht groß, vor allem dann, wenn die Reizblase mit Harninkontinenz einhergeht.

Eine Reizblase verschlechtert sich in der Regel nicht signifikant. Die Symptome können durch Infekte begünstigt werden. Besonders heftig werden die Beschwerden bei Lachanfällen und einer bestehenden Erkältung mit Niesen und Husten empfunden, was mit dem starken Zusammenziehen der Bauchmuskulatur zu tun hat. Die ohnehin schwache Muskulatur bei einer Reizblase kann den Harn dann nicht mehr halten.

Diagnose

Mit dem Verdacht auf Reizblase wenden sich Patienten zuerst an ihren Hausarzt, der eine entsprechende Anamnese erstellt. Dazu stellt er viele Fragen, die die Blasenfunktion betreffen: Müssen sie nachts häufig raus? Bestehen Schmerzen beim Wasserlassen? Entsteht der Harndrang plötzlich? Gleichzeitig fragt er nach, die der Patient täglich einnimmt, weil es eine Reihe von Medikamenten gibt, die häufigen Harndrang auslösen. Hilfreich ist auch, wenn Betroffene vor ihrem Arztbesuch ein Protokoll über ihre Trinkmenge und Toilettenbesuche führen.

Der Anamnese schließt sich eine körperliche Untersuchung an, die organische Gründe für die Symptome ausschließen soll. Bei Frauen untersucht der Arzt dazu die Gebärmutter und bei Männern die Prostata. Auch ein Infekt der Harnwege muss ausgeschlossen werden, dazu wird der Urin im Labor auf Keime untersucht. Handelt es sich tatsächlich um eine Reizblase, ist der Urinbefund negativ.

Der Hausarzt überweist den Patienten zur abschließenden Diagnose und Therapie an einen Urologen, der weitere spezielle Untersuchungen einleitet.

Behandlung und Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten der Reizblase hängen von ihrer Ursache ab. Tritt die Reizblase bei Frauen aufgrund hormoneller Veränderungen und dadurch bedingter erschlaffter Beckenbodenmuskulatur in den Wechseljahren auf, helfen manchmal schon gezieltes Beckenbodentraining oder östrogenhaltige Salben, Gels oder Zäpfchen.

Sollten weder Beckenbodentraining noch Medikamente Abhilfe schaffen, können Frauen sich einer operativen Blasenkorrektur unterziehen, bei der die Blase aufgerichtet und so im Bauchraum befestigt wird, dass die Harnröhre gestreckt und vom Schließmuskel zusammengedrückt wird.

Eine neurogene Reizblase wird mit Medikamenten behandelt. Sollte diese Behandlung jedoch nicht anschlagen, werden entweder ein künstlicher Harnausgang oder ein Blasenkatheder gelegt.

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Vorbeugung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer Reizblase vorzubeugen. Zuerst ist auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme hinzuweisen. Da der Mensch über seine Nieren, seinen Atem und seine Haut viel Flüssigkeit abgibt, muss auch genügend Flüssigkeit wieder aufgenommen werden.

Viele von Reizblase Betroffene reduzieren jedoch das Trinken, da sie irrtümlicherweise glauben, dadurch das Problem in den Griff zu bekommen. Doch eine zu geringe Aufnahme von Flüssigkeit kann die Nieren nachhaltig schädigen.

Durch extreme Überdehnung der Beckenbodenmuskulatur bei einer Geburt reicht es oftmals, gezielte und regelmäßige sogenannte Rückbildungsgymnastik auszuüben, um die Muskulatur wieder zu stabilisieren und zu kräftigen und somit einer Reizblase vorzubeugen.

Effektives Beckenbodentraining lässt sich in jedem Alter erlernen und praktizieren und schützt die Beckenbodenmuskulatur vor Erschlaffung. Eine konsequente Durchführung richtigen Beckenbodentrainings über einen längeren Zeitraum kann Reizblase und Stressinkontinenz deutlich mindern.

Auch die Blase selbst lässt sich durch regelmäßige, zeitlich festgelegte und vollständige Entleerung trainieren. Durch ein gezieltes Blasen-Training kann einer Reizblase sinnvoll vorgebeugt werden.

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