Harninkontinenz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. Februar 2015
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Unter einer Harninkontinenz (Blasenschwäche) versteht man den unwillkürlichen, nicht gewollten, meist plötzlichen Abgang von Urin. Der Urin wird in der Harnblase gespeichert. Durch das Zusammenspiel der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels wird der Urin in der Blase gehalten. Ist dieses Zusammenspiel gestört, kann es zur Harninkontinenz kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Harninkontinenz?

Harninkontinenz kann sowohl angeboren als auch im Laufe des Lebens erworben sein. Die angeborene Form ist deutlich seltener. Man unterscheidet verschiedene Arten der Harninkontinenz:

Bei der Stressinkontinenz, auch Belastungsinkontinenz genannt, gehen wenige Tropfen Urin durch eine kurze Anstrengung ab, wie zum Beispiel beim Anheben einer Last oder auch beim Husten oder Niesen.

Bei der Dranginkontinenz kommt es durch eine nicht beeinflussbare Muskelkontraktion zu einem ungewollten Urinabgang. Der häufig verwendete Begriff Blasenschwäche bezeichnet eine leicht ausgeprägte Harninkontinenz.

Ursachen

Liegt eine Harninkontinenz bei einem Kind oder einem Jugendlichen vor, so ist diese zumeist in einer angeborenen Fehlbildung begründet. Psychische Probleme oder eine verzögerte Reifung können ebenso zu nächtlichem Einnässen führen.

Bei erwachsenen Frauen liegt die Ursache häufig in einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur durch eine kürzlich erfolgte Entbindung oder auch länger zurückliegende schwere Geburten oder Mehrfachgeburten.

In den Wechseljahren erschlaffen zudem die Scheidenwände und die Beckenbodenmuskulatur wird schwächer. In der Folge senkt sich die Blase. Wenn die Frau übergewichtig ist, belastet dies die Beckenbodenmuskulatur zusätzlich.

Männer sind deutlich seltener von Inkontinenz betroffen als Frauen. Bei ihnen ist diese meistens nach Prostataoperationen zu beobachten. Weitere Ursachen für Harninkontinenz sind unkontrollierte Blasenmuskelaktivitäten, welche in Folge von Blasenentzündungen oder Krebs auftreten können. Auch Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes und Schlaganfälle sowie psychische Probleme können Harninkontinenz begünstigen.

Verschiedene Arten von Inkontinenz.

Symptome und Verlauf

Mögliche Symptome von Harninkontinenz:

  • unkontrollierter Harnverlust (oft bei körperlicher Aktivität)
  • unbemerkter Harnverlust
  • permanenter Urinabgang
  • schwallartiger Urinabgang
  • Urintropfen trotz vollständiger Blasenentleerung

Typische Anzeichen einer Harninkontinenz sind ein plötzlich starker Harndrang oder das ständige Gefühl einer vollen Blase. In der Regel merkt der Betroffene nichts von dem bevorstehenden Urinverlust, sodass die Toilette meist nicht mehr rechtzeitig aufgesucht werden kann. Oft führen schon geringe körperliche Aktivitäten (z.B. Bewegung, Niesen, Husten, Lachen) zum ungewollten Urinabgang.

Abhängig von Ursache und Form der Harninkontinenz werden nur kleine Urinmengen (wenige Tropfen) oder große schwallartige Urinportionen abgegeben (Dranginkontinenz). Diese anfallsartigen Urinabänge können über einen längeren Zeitraum, manchmal mehrmals stündlich (auch Nachts) auftreten. Weitere Begleitbeschwerden können Blut im Urin, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte sein.

Diagnosedaten & Häufigkeit von Harninkontinenz

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: N39.4 Harninkontinenz) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Diagnose

Im Rahmen der Anamnese befragt der Arzt den Patienten zur Häufigkeit des Wasserlassens, zu den Urinmengen, zu Schmerzen beim Urinieren. Darüber hinaus interessiert ihn, ob beim Lachen oder beim Husten unkontrolliert Urin abgeht und welche Medikamente der Patient einnimmt. Zudem gibt es Miktionsprotokolle. In denen notieren Patienten über mehrere Tage wie oft sie Wasserlassen, ob es zu ungewolltem Urinabgang kommt und wie hoch die Trinkmenge ist. Während der körperlichen Untersuchung sieht sich der Arzt die äußeren Genitalien und den Enddarm an. Er prüft den Spannungszustand der Schließmuskeln und untersucht die Prostata.

Im Labor erfolgt die Untersuchung einer Urinprobe, um Infektionen zu erkennen. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lässt sich klären, ob die Blase nach dem Harnabgang vollständig entleert ist.

Besteht der Verdacht auf eine Belastungsharninkontinenz, bringt ein Stresstest den Arzt weiter. Mithilfe des Stresstests wird geprüft, wie groß die Urinmenge ist, die bei erhöhtem Druck im Bauchraum durch Husten oder Lachen abgeht. Über einen Pad-Test kann der Arzt die Menge Urin feststellen, die in einem definierten Zeitraum ungewollt abgeht.

Kann der Hausarzt die Diagnose Harninkontinenz nicht eindeutig stellen, überweist er den Patienten an einen Urologen oder Gynäkologen. Die Fachärzte leiten Spezialuntersuchungen wie Ultraschall der Harnwege, Untersuchungen mit einem Katheter oder eine Blasenspiegelung ein.

Behandlung und Therapie

Vor der Behandlung von Harninkontinenz bei Kindern ist zunächst zu untersuchen, ob eine Harnwegsinfektion vorliegt. Ist dies nicht der Fall, so ist die Ursache für das Einnässen in der Regel eine zu niedrige Produktion von Vasopressin.

Diese kann durch eine medikamentöse Behandlung reguliert werden. Bei einer aufgrund einer Beckenbodenschwäche bestehenden Harninkontinenz besteht die Möglichkeit mit gezielten Übungen die Muskulatur zu stärken. Bei Frauen ist in der Menopause zusätzlich die Gabe von Oestriol in Betracht zu ziehen.

Liegt eine ausgeprägte Inkontinenz vor, bei der Harn ohne körperliche Anstrengung abgeht, ist eine operative Behandlung häufig der letzte Ausweg. Eine Dranginkontinenz durch übersteigerte Reizbarkeit der Blasenmuskeln wird mit Blasentraining entgegengewirkt. Auch Medikamente oder Elektrostimulation können positive Auswirkungen zeigen.

Ist der Grund für die Inkontinenz eine Erkrankung oder Verletzung des zentralen Nervensystems ist nur selten eine Heilung möglich. Mittels Katheterisierung und Blasentraining wird eine regelmäßige Blasenentleerung erreicht. Die Verwendung von Inkontinenzhilfen ist in diesen Fällen zumeist angezeigt.

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Vorbeugung

Um einer Harninkontinenz vorzubeugen ist sowohl langes zurückhalten der Blasenentleerung, wie auch zu häufiges Wasserlassen zu vermeiden. Übergewicht sollte nach Möglichkeit abgebaut werden und eine chronische Verstopfung behandelt werden.

Schweres Heben belastet die Beckenbodenmuskulatur. Dieses zu vermeiden trägt somit zur Vorbeugung von Inkontinenz bei. Nach einer Entbindung sollte die Frau eine gute Rückbildungsgymnastik konsequent durchführen, da diese ein ausgiebiges Beckenbodentraining beinhaltet.

Gezielte Gymnastik ist aber nicht nur kurz nach einer Entbindung und nicht nur für Frauen empfehlenswert, sondern sollte von Männern und Frauen jeglichen Alters durchgeführt werden, da diese die beste Vorbeugung dargestellt.

Besonders für Personen, die eine überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben ist ein Ausgleich wichtig. Eine gesunde Lebensweise, welche der Entstehung von Diabetes mellitus und Schlaganfällen vorbeugt ist ebenfalls förderlich zur Prävention von Harninkontinenz.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Biggi kommentierte am 29.03.2015 um 12:15 Uhr

Ich habe zur Stärkung meines Beckenbodens nach der Geburt Pilates gemacht. Durch die andauernde Muskelspannung, vor allem im Bereich des Beckenbodens, ist das eine hervorragende Trainingsmethode. Sehr zu empfehlen für Frauen, die hier eine Schwäche haben!

Heini kommentierte am 14.04.2015 um 16:38 Uhr

Ich würde gerne darauf hinweisen, dass betroffene Personen Wert auf qualitativ hochwertige Inkontinenz-Produkte legen sollten, denn es gibt nichts schlimmeres als Windeln oder Vorlagen, die verrutschen, auslaufen oder den Geruch nicht binden.

Elfi kommentierte am 03.05.2015 um 12:03 Uhr

Ich muss Heini Recht geben. Schlechte Vorlagen sind für die Betroffenen eine zusätzliche Belastung. Ich bin auch der Meinung, dass man auf Qualität achten soll, denn es ist nichts schlimmer, als wenn Windeln auslaufen oder stark riechen. Ich verwende daher die guten Vorlagen von Param. Die haben mich noch nie enttäuscht.