Ohrenknacken

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. April 2017
Sie sind hier: Gesundpedia.deSymptome Ohrenknacken

Ein Ohrenknacken tritt oftmals beim Kauen oder beim Schlucken auf, manchmal auch bereits, wenn der Betroffene nur den Mund öffnet. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um eine ganz natürliche Begleiterscheinung des Druckausgleichs zwischen Innen- und Außenohr. Dennoch sollten langanhaltende Knackgeräusche im Ohr immer von einem Facharzt abgeklärt werden. Zwar kann die Belüftung im Rahmen einer Nasennebenhöhlenentzündung nur vorübergehend gestört sein; in einigen Fällen weist ein hartnäckiges Knacken im Ohr jedoch auch auf ernstzunehmende Erkrankungen hin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Knacken im Ohr?

In der Regel ist das Trommelfell der Auslöser für ein Knackgeräusch im Ohr. Kommt es zu einem Druckungleichgewicht zwischen Innen- und Außenohr, versucht das Trommelfell diesen auszugleichen, indem es sich leicht hin und her bewegt. Hierbei entstehen die charakteristischen Knackgeräusche. Der Druckausgleich wird über die Ohrtrompete, die sogenannte Eustachische Röhre, weitergeleitet. Diese stellt in anatomischer Hinsicht das Verbindungsstück zwischen dem Nasen- und Rachenraum und dem Mittelohr dar.

Verändern sich die Luftdruckverhältnisse, etwa beim Start oder beim Landemanöver eines Flugzeuges, muss der sich zwischen dem Nase-/Rachenraum und dem Mittelohr aufbauende Druck ausgeglichen werden. Hierzu öffnet sich die Tube und verändert dabei geringfügig die Position des Trommelfells. Dabei wird das Knacken im Ohr erzeugt.

Ursachen

Tritt das Ohrenknacken nur vorübergehend auf, handelt es sich in der Regel also um eine ganz normale Begleiterscheinung des Druckausgleichs zwischen Innen- und Außenohr. Tritt das Knacken jedoch immer häufiger oder sogar dauerhaft auf, handelt es sich meist um eine sogenannte Tubenventilationsstörung, eine Beeinträchtigung der Eustachischen Röhre, in Folge derer die Be- und Entlüftung des Mittelohrs nicht mehr einwandfrei funktioniert.

Ist die Eustachische Röhre in ihrer Funktion eingeschränkt, führt dies zudem dazu, dass Sekret, welches im Mittelohr entsteht, nicht mehr richtig abtransportiert werden kann – aufgrund der verminderten Reinigungsleistung entstehen hier nun schnell Infektionen. Tubenventilationsstörungen können vielfältige Ursachen haben. So können sich beispielsweise muskuläre Probleme im Nacken- und Kieferbereich negativ auf die Eustachische Röhre auswirken, ebenso wie eine schlechte Belüftung der Nasennebenhöhlen, etwa durch eine Entzündung oder durch anatomisch ungünstige Verhältnisse.

Ist die Eustachische Röhre selbst von einer Infektion betroffen, kann diese die Tubenschleimhäute so stark deformieren, dass sie die Tube anschließend nicht mehr vollständig verschließen. In der Folge wird das Knacken im Ohr dann zum dauerhaften Begleiter und tritt beim Gähnen, beim Kauen und sogar beim Sprechen auf.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein spontan auftretendes Ohrenknacken sollte von einem Arzt untersucht werden. Störungen der Atemwege oder Beschädigungen einzelner Bereiche des Ohres können vorliegen. Bei einem schleichend ausgebildeten Ohrenknacken besteht das Risiko, dass sich ein Geschwür oder ein Tumor entwickelt hat, der auf das Ohr drückt. Der Betroffene sollte die Beschwerden zur Sicherheit von einem Arzt abklären lassen. Hält das Ohrenknacken über mehrere Tage unvermindert an, ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig.

Liegt eine Erkältungserkrankung oder Infektion der Atemwege vor, können sich Ohrgeräusche einstellen. Ein Arzt muss in diesen Fällen nicht aufgesucht werden. Mit dem Abklingen der Grunderkrankung, verschwindet auch das Ohrenknacken. Langanhaltende Beschwerden über mehrere Wochen sollten einem Arzt vorgestellt werden. Es besteht das Risiko einer chronischen Erkrankung, die behandelt werden muss.

Nach einem Unfall oder Schlag auf das Ohr kann sich das Ohrenknacken einstellen. Ein Arzt ist zu konsultieren, da es bei dem Unfall zu inneren Verletzungen und Beschädigungen des Sinnesorgans gekommen ist. Bei Muskelbeschwerden oder Verspannungen im Nacken oder der Schulter kann es zu einem Ohrenknacken kommen. In den meisten Fällen kann der Betroffene auch ohne ärztliche Unterstützung Maßnahmen zur Linderung ergreifen. Sport, warme Bäder oder eine Massage führen zu einer Linderung der Beschwerden.

Diagnose und Verlauf

Tritt das Ohrenknacken mit gesteigerter Häufigkeit auf bzw. bleibt es sogar dauerhaft, sollte ein entsprechender Facharzt konsultiert werden. Denn auch wenn das Symptom zunächst keine schlimmeren Beschwerden bereitet, so sollte doch die Ursache dringend ärztlich abgeklärt werden, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen und Folgeschäden zu vermeiden. In manchen Fällen können auch Innenohrödeme das Knackgeräusch auslösen, in der Regel liegt jedoch eine Infektion vor, welche die Eustachische Röhre in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt. Wird diese nicht behandelt, entwickelt sich schlimmsten Falls eine Mittelohrentzündung, bei welcher für das Trommelfell sowie für das Hörvermögen erhebliche Schäden entstehen können.

Hält sich das Knacken also über mehrere Tage oder sogar Wochen, sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden; dieser nimmt zunächst im Anamnese-Gespräch die individuelle Krankengeschichte des Patienten auf und wird daraufhin das Ohr genauestens untersuchen, um Vorerkrankungen auszuschließen. Zudem wird er überprüfen, ob die Eustachische Röhre bereits Verengungen aufweist und beurteilen, wie kritisch sich diese auf den Gesamtzustand des Mittelohrs auswirken können. Anschließend wird er eine Diagnose stellen und gemeinsam mit dem Patienten die weiteren erforderlichen Behandlungsschritte besprechen.

Komplikationen

Das Ohrenknacken kann auf Beschädigungen des Ohres hindeuten. Die kleinsten Knochen im Körper befinden sich im Mittelohr. Bei einer Beschädigung kommt es zu den Geräuschen und einer Veränderung der Schallweiterleitung. Damit ändert sich das Hörvermögen. Dies kann sich auf alle Frequenzen auswirken. Schwerhörigkeit ist ebenso möglich, wie eine Überempfindlichkeit gegenüber den Geräuschen der Umwelt. Beschädigungen des Trommelfells können das Ohrenknacken auslösen. Darüber hinaus können sich Fremdkörper im Gehörgang oder Keime im Ohr befinden, die zu Entzündungen des Sinnesorgans führen.

Bei Fehlstellungen des Kiefers kommt es zu einem Ohrenknacken. Korrekturen sind langwierig und erfordern häufig einen operativen Eingriff. Änderungen der Zahnstellungen sind oftmals notwendig. Darüber hinaus können Probleme beim Schluckakt und der Artikulation auftreten. Störungen der Atemwege führen zu einem unangenehmen Ohrenknacken. Der Druckausgleich erfolgt nicht oder nur eingeschränkt. Ein Taubheitsgefühl und ein vermindertes Hören sind vorhanden. In einigen Fällen werden die Ohrgeräusche durch Muskelprobleme oder Beschädigungen der Nervenfasern ausgelöst. Verspannungen des Nackens oder der Schultern sind vorhanden, die zu einer Änderung der Gefäße und Atemwege führen. Bei einem veränderten Körperbau und auffälliger Anatomie des Betroffenen ist das Ohrenknacken eine Ursache von verkürzten Muskel- oder Nervenfasern sowie veränderten Atemgefäßen. Diese sind besonders krankheitsanfällig.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Knackgeräusche im Ohr ist ursächlicher Art und muss dabei genau auf das vorliegende Beschwerdebild abgestimmt sein. Tritt das Knacken im Ohr in Folge veränderter Druckverhältnisse auf, müssen diese zunächst nur zwischen Innen- und Außenohr ausgeglichen werden, um den Gleichgewichtssinn nicht zu gefährden. Da es sich hierbei um ein ganz natürliches Phänomen handelt, regelt der Körper dies meist selbstständig, eventuell kann der Betroffene den Prozess unterstützen, indem er mit Mund und Nase gleichzeitig einatmet und beide danach fest zupresst, ähnlich wie beim Tauchen. Hierdurch wird der Druck im Nasen- und Rachenraum gesteigert und kann so zum Ausgleich beitragen.

Sind die Knackgeräusche im Ohr jedoch Folge einer Krankheit, muss in der Regel eine medikamentöse oder sogar operative Therapie erfolgen. Liegen Verengungen in der Eustachischen Röhre vor, können diese mit Hilfe einer Ballontuboplastie therapiert werden. Hierbei wird unter Narkose ein Ballonkatheter durch die Nase bis in die Tube eingeführt und diese dadurch erweitert. In der Regel stabilisiert sich die Tubenfunktion nach einem derartigen Eingriff und der Druckausgleich kann anschließend wieder reibungslos stattfinden.

In einigen schwereren Fällen kann es jedoch nötig sein, eine direkte Verbindung zwischen Außen- und Innenohr herzustellen. Mit Hilfe eines Paukenröhrchens wird so ein dauerhafter Druckausgleich erzeugt und damit die Knackgeräusche im Ohr langfristig beseitigt. Ein Risiko bei diesem Eingriff besteht in der erhöhten Infektionsgefahr, da hierbei die normale Reinigungsleistung des Mittelohrs ausgehebelt wird.

Ist der Druckausgleich beispielsweise durch eine Entzündung der Nasennebenhöhlen blockiert, können schleimhautabschwellende Nasensprays oder auch Nasenduschen Abhilfe schaffen. Liegen dagegen muskuläre Verspannungen im Kiefer- oder Nackenbereich vor, helfen oftmals spezielle Gesichtsmassagen. Um eine kurzfristige Besserung zu erreichen, können manchmal auch das Kauen von Kaugummi, bewusstes Gähnen oder Lachen sowie das Schneiden von Grimassen helfen.



Vorbeugung

Da es sich bei dem Knacken im Ohr meist nur um eine Begleiterscheinung einer anderweitigen Erkrankung handelt, gibt es keinerlei vorbeugende Maßnahmen, die an dieser Stelle ergriffen werden können, um die Knackgeräusche zu vermeiden. Lassen sich die Tubenventilationsstörungen auf häufig wiederkehrende entzündliche Prozesse in den Nasennebenhöhlen zurückführen, kann der Patient im weiteren Sinne seine Immunabwehr stärken, um derartige Infektionen bestmöglich zu vermeiden.

Hierbei können eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft sowie Wechselduschen, ausreichend Schlaf und wenig Stress unterstützend wirken. Liegt der Ursprung der Tubenventilationsstörung jedoch in einem anatomischen Problem, beispielsweise in einer angeborenen Verengung der Eustachischen Röhre, kann diese nur operativ korrigiert werden.

Bücher über Ohrenknacken

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Ohrenknacken?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?