Kieferklemme

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. April 2017
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Eine Kieferklemme verhindert, dass der Mund vollständig geöffnet werden kann. Es gibt viele Ursachen für dieses Krankheitsbild, sehr häufig sind Muskelkrämpfe für die Beschwerden verantwortlich. Durch Zusammenarbeit von Zahnärzten und Physiotherapeuten ist eine Kiefersperre gut zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kieferklemme?

Bei einer Kieferklemme kommt zu einer Störung der eigentlich gut eingespielten Zusammenarbeit von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Durch das Zusammenwirken von Kiefergelenk und Kaumuskulatur kann der Unterkiefer bewegt werden, was für die Funktion des Kiefers entscheidend ist. Ohne dieses Zusammenspiel wäre es unmöglich den Mund zu öffnen und zu schließen bzw. Kaubewegungen durchzuführen.

Bei einer Kieferklemme kann der Mund nicht mehr weit genug geöffnet werden, was die Aufnahme von Nahrung stark erschwert. Eine Kieferklemme kann nur auf einer Seite oder beidseitig auftreten; je nachdem spricht man von einer unilateralen oder bilateralen Kieferklemme.

Ursachen

Sehr häufig tritt eine Kieferklemme aufgrund eines Spasmus der Kaumuskulatur auf. Es gibt verschiedene Krankheiten, welche als Symptom einen Kaumuskelkrampf aufweisen. Dazu gehört etwa der Wundstarrkrampf bei dem die Kieferklemme eines der charakteristischen Symptome ist.

Auch in Folge von epileptischen Anfällen kann sich die Kaumuskulatur verkrampfen. Betroffene eines Parotistumor, also einer Gewebswucherung in der Nähe der Ohrspeicheldrüse, können unter Verkrampfungen der Kaumuskulatur leiden, die bis zur Kieferklemme führen können.

Bestimmte Amphetamine wie Ecstasy sind dafür bekannt Muskelkrämpfe auszulösen, davon kann auch die Kaumuskulatur betroffen sein. Im Rahmen von odontogenen Infektionen, also Infektionen welche durch eine gestörte bakterielle Flora im Mund verursacht werden, kann es zu einer Kieferklemme kommen.

Odontogene Infektionen können zur Bildung von Abszessen führen, das sind mit eitriger Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, welche zu Funktionsstörungen der Kieferbeweglichkeit führen können. Bildet sich nach kieferchirurgischen Eingriffen oder nach stumpfer Gewalteinwirkung ein Hämatom im Mundraum, kann auch dieses, je nach Ausbreitung, zu einer Kieferklemme führen. Bestimmte Verletzungen wie etwa eine Jochbeinfraktur können ebenso zu einem derartigen Beschwerdebild führen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei einer Kieferklemme ist grundsätzlich ein Arzt zu konsultieren. Die Ursachen sind vielfältig und müssen untersucht werden. In vielen Fällen lässt sich die Klemme nicht ohne einen ärztlichen Eingriff lösen. Schafft es der Betroffene dennoch, ist durch bildgebende Verfahren zu prüfen, ob weitere Beschädigungen vorliegen. Es können Beeinträchtigungen der Kaumuskulatur, Zahnprobleme oder Verletzungen des Kiefers vorhanden sein, die begutachtet und behandelt werden müssen.

Eine spontan auftretende Kieferklemme kann nach einem Unfall oder einer Gewalteinwirkung einstehen. In den meisten Fällen sind zusätzlich Schäden der Zähne oder des Zahnersatzes vorhanden. Da dauerhafte Defekte des Gebisses drohen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es nach einer Kieferklemme zu einer Instabilität des Gebisses beim Kauen, ist ein Arzt zu konsultieren. Es können Zahnverschiebungen oder Lockerungen vorliegen, die korrigiert werden müssen. Ohne eine Behandlung steigt die Gefahr eines Zahnverlustes.

Leidet der Betroffene unter Schwellungen in der Nähe des Kiefers, kann eine Tumorerkrankung vorhanden sein. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass sich ein Geschwür gebildet hat. Ein Arztbesuch ist notwendig, um eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Tritt eine Kieferklemme wiederholt auf, liegt eine weitere Erkrankung vor, die ärztlich abgeklärt werden muss. Weitere Untersuchungen sind notwendig, bis die Ursache gefunden wurde.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose einer Kieferklemme erfolgt durch die Messung der Schneidekantendifferenz, also der maximalen Entfernung der Schneidekanten bei Öffnung des Mundes. Der behandelnde Arzt bestimmt nach der Feststellung der maximalen Schneidekantenentfernung den Schweregrad. Es gibt bei der Kieferklemme drei Schweregrade. Beim ersten Schweregrad liegt nur eine minimale Einschränkung der Mundöffnung vor, beim zweiten Schweregrad kann der Mund maximal einen Zentimeter weit geöffnet werden und beim dritten Grad ist die maximale Differenz der Schneidekanten nur ein Millimeter.

Da eine Kieferklemme ein Symptom einer zugrundeliegenden Krankheit ist, muss diese Krankheit für eine korrekte Diagnosestellung bestimmt werden. Der Zahnarzt untersucht den Mundraum des Patienten und erhebt eine Anamnese. Liegt eine Verletzung, wie etwa eine Jochbeinfraktur vor, wird eine Röntgenaufnahme des Kiefers angefertigt. Die meisten Kieferklemmen verschwinden, sobald die ursächliche Krankheit behandelt wird. In Ausnahmefällen kann auch nach Abklingen der Grunderkrankung eine leichte Einschränkung der Mundöffnung vorliegen. Allgemein ist eine Kieferklemme jedoch reversibel.

Komplikationen

Bei einer Kieferklemme sind schwere Komplikationen selten. Wird die Grunderkrankung verschleppt, kann es etwa zu einem Muskelkrampf kommen, welcher je nach Schwere mit starken Schmerzen, Atemnot und Schluckbeschwerden einhergeht. Häufiger treten muskuläre Verspannungen im Kieferbereich auf, welche die Nahrungsaufnahme erschweren können. Eine Kieferklemme in Folge einer Jochbeinfraktur geht ebenfalls mit Schmerzen einher; weitere Komplikationen sind Schwellungen und Schwierigkeiten beim Sprechen.

Bei Fehlhaltungen als Ursache kann es nach der Genesung zur Entstehung einer weiteren Kieferklemme kommen, insofern die Bewegungsstörung nicht therapiert wird. Ist ein Parotistumor ursächlich für die Störung der Mundöffnung, kann es zu Lähmungen der Gesichtsnerven, speziell im Bereich des Mundwinkels und der Kieferpartie, kommen. In schweren Fällen beeinflusst ein Parotistumor auch das Geschmacksempfinden und den Speichel- und Tränenfluss. Im Verlauf bildet der Tumor weitere Tochtergeschwülste in Lunge, Leber und Knochen. Eine Kieferklemme selbst ist allerdings ungefährlich. Neben erwähnten Komplikationen kann die Störung zur Bildung einer Dentalphobie beitragen. Eine unbehandelte Kieferklemme beeinträchtigt das Sprachvermögen langfristig und zieht daneben weitere Probleme nach sich. Generell ist eine Kiefersperre jedoch reversibel und verläuft fast immer komplikationsfrei.

Behandlung und Therapie

Bei der Behandlung einer Kieferklemme wird die zugrundeliegende Erkrankung behandelt, welche die Kieferklemme als Symptom aufweist. Bei odontogenen Infektionen mit Abszessen wird der Abszess geöffnet, sodass der Eiter abfließen kann. Es kann zusätzlich mit Antibiotika behandelt werden. Nach Abheilen des Abszesses ist meist auch die Kieferklemme verschwunden. Sind Muskelkrämpfe die Ursache für die Kieferklemme ist häufig eine medikamentöse Behandlung sinnvoll, dabei verschreibt der Arzt so genannte Muskelrelaxantien.

Bei länger andauernden Beschwerden ist eine Physiotherapie sinnvoll. Dabei wird nicht nur mit dem Kiefer gearbeitet, sondern mit dem ganzen Körper, denn Fehlhaltungen oder Bewegungsstörungen anderer Körperregionen können zur Kieferklemme beitragen und müssen mitbehandelt werden. In der Physiotherapie werden zum Beispiel verschiedene Dehnübungen gemacht, die dann zu Hause wiederholt werden sollten. Wärmebehandlungen, etwa mit Rotlicht, sind ebenso erfolgversprechend.



Vorbeugung

Die beste Vorbeugung um eine Kieferklemme zu vermeiden ist eine allgemein gesunde Lebensführung. Ausgeglichene Menschen, die sich gesund ernähren und sich ausreichend bewegen, sind nachgewiesenermaßen stressresistenter, wodurch der Körper allgemein entspannter ist, davon sind auch Kaumuskulatur und Kiefergelenke betroffen.

Treten immer wieder Verspannungen und leichte Kieferklemmen auf, sollte auf weiche Nahrung geachtet werden. So sollte etwa darauf verzichtet werden von einem frischen Apfel abzubeißen. Besonders kieferschonend sind Suppen oder Nudelgerichte. Eine gute Zahnhygiene beugt Infektionen vor, welche zu Abszessen und Kieferklemmen führen können.

Das Kauen von Kaugummis sollte vermieden werden, da ständiges Kauen die Kiefermuskulatur anstrengt und zu Krämpfen führen kann. Darüber hinaus erhöht zuckerhaltiger Kaugummi das Kariesrisiko. Eine gute Körperhaltung ist ebenso wichtig um Kieferklemmen vorzubeugen. Dazu zählt auch eine gute Schlafhaltung. Sind bereits Probleme mit dem Kiefergelenk aufgetreten, empfiehlt sich die Rückenlage beim Schlafen, weil diese den Kiefer nicht einseitig belastet.

Bücher über Kieferbeschwerden

Quellen

  • Gängler P. et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme Verlag. 3. Auflage 2010
  • Reitemeier B.: Einführung in die Zahnmedizin. Thieme Verlag. 1. Auflage 2006
  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Hellwege, K.D.: Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2003
  • Kramer E. Prophylaxefibel, Grundlagen der Zahngesundheit; Deutscher Zahnärzte Verlag (2009)

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Free kommentierte am 20.02.2017 um 21:25 Uhr

Seit einer Kronen-Einsetzung im September habe ich eine Kiefersperre auf der gegenüberliegenden Seite mit Schmerzausstrahlung ins rechte Ohr in den Nacken, Hals und Schulter. Es ist so schlimm, dass ich auf der rechten Seite nicht mal liegen kann. Ein Antirheumatikum hat nicht geholfen und auch beim Beißen habe ich an den Kronen immer noch Schmerzen. Nachts trage ich seit drei Wochen eine Schiene. Manuelle Therapie wurde bisher zweimal durchgeführt. Wie lange dauert das noch?

Uschi kommentierte am 14.09.2015 um 20:15 Uhr

Ich habe eine Behandlung beim Zahnarzt gehabt und musste den Mund lange auf lassen. Jetzt kann ich den Mund nicht mehr richtig aufmachen. Ich habe Spritzen in den Unterkiefer bekommen. Kann es daran liegen? Was soll ich machen? Mein Zahnarzt sagt, er kann mir nicht helfen.