Frühdyskinesie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. Januar 2015
Gesundpedia.deKrankheiten Frühdyskinesie

Bei Frühdyskinesien handelt es sich um Störungen in der Muskelbewegung, die vorrangig den Kopf und den Hals betreffen. Frühdyskinesien werden in der Regel durch die Einnahme von hochpotenten Neuroleptika ausgelöst und machen sich bereits früh nach Therapiebeginn bemerkbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Frühdyskinesie?

Frühdyskinesie werden auch als initiale Dyskinesien bezeichnet. Sie stellen krankhafte Störungen im Bewegungsablauf dar. Diese Störungen können sich in verschiedenen Körperregionen oder Organen bemerkbar machen und treten als unwillkürliche, spontane und nicht willentlich zu steuernde Bewegungen auf.

Der Zusatz "Früh" bzw. "initial" bezieht sich auf die Tatsache, dass sich die Frühdyskinesien sehr rasch als Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie zeigen; das heißt, bereits innerhalb weniger Tage nach Beginn der Einnahme. Frühdyskinesien können beispielsweise nach einer kontinuierlichen Einnahme stark wirksamer (hochpotenter) Neuroleptika auftreten.

Ursachen von Frühdyskinesie?

Die bekannteste Ursachen für Frühdyskinesien sind Neuroleptika (griechisch: neuron für Nerv; lepsis für Eingreifen). Für sie wird auch der Begriff Antipsychotika verwendet und es sind Medikamente, die in der Therapie bestimmter psychischer Störungen Anwendung finden und in einigen Fällen zu Frühdyskinesien führen können.

Die Medikamente wirken auf den Stoffwechsel eines wichtigen Botenstoffs im zentralen Nervensystem: dem Dopamin. Dieser ist an verschiedenen Reaktionen beteiligt, die die Konzentration, Wachheit und die Koordination von Bewegungen betreffen. Neuroleptika hemmen die durch Dopamin vermittelte Nerventätigkeit. Diese gewünschte Reaktion kann zu Nebenreaktionen führen, die sich in Abhängigkeit von der Dosis, auf das Bewegungssystem auswirken.

Frühdyskinesien findet man vorrangig bei hochpotenten Arzneimitteln, wie Haloperidol und Chlorpromazin. Einige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) gehören ebenfalls in die Gruppe der auf das Dopamin-System wirkenden Substanzen, z. B. Metoclopramid (MCP) und Domperidon. Wegen des meist sehr kurzen Einsatzes solcher Mittel treten Frühdyskinesien hier eher selten auf.

Symptome und Verlauf von Frühdyskinesie

Typische Symptome der Frühdyskinesie:

Frühdyskinesien fallen durch Störungen der Muskelspannung auf, die den Bereich des Kopfes und des Halses betreffen. Kennzeichnend ist das unwillkürliche Anspannen von Muskeln (Kontraktionen), die als unnormale Haltung, Bewegung oder Fehlstellung wahrgenommen wird. Sogenannte Blickkrämpfe führen zu einer zwanghaften Augenbewegung oder einem starren Geradeausblick.

Verschiedene Patienten leiden unter Krämpfen der Kiefermuskulatur oder der Zunge. Eine andere Störung wirkt sich auf die Schlundmuskulatur aus und kann neben grimassenartigen Verzerrungen Beeinträchtigungen bei der Nahrungsaufnahme zur Folge haben. Dauerhaft "mümmelnde" Kaubewegungen können gleichfalls ein Anzeichen für eine Frühdyskinesie sein. Dieses Anzeichen trägt den Namen "Rabbit-Syndrome". Zu den Symptomen zählt auch innere Unruhe. Die Symptome sind überwiegend harmlos und bilden sich im Allgemeinen zurück.

Diagnose von Frühdyskinesie

Die Diagnose eine Frühdyskinesie wird vorrangig im Patientengespräch gestellt. Wenn in der Anamnese eine Therapie mit bestimmten Neuroleptika oder Medikamenten gegen akutes Erbrechen angegeben wird und die klinischen Anzeichen den Verdacht erhärten, muss auf die Diagnose Frühdyskinesie geprüft werden. Andere mögliche Ursachen für die auftretenden Symptome sollten gleichzeitig abgegrenzt werden.

Bestimmte neurologische Erkrankungen, Tetanus, eine Strychninvergiftung oder eine Hirnhautentzündung können vergleichbare Anzeichen zeigen und erfordern eine spezielle Therapie. Den endgültigen Beweis für das Vorliegen einer Frühdyskinesie stellt das Ansprechen des Patienten auf eine entsprechende Therapie dar.

Behandlung von Frühdyskinesie

In zirka 20 Prozent der Fälle einer Frühdyskinesie handelt es sich um ein vorübergehendes Phänomen, das sich vorwiegend in der ersten Behandlungswoche zeigt und sich bei rascher Dosiserhöhung verschlimmert. Als wirksame Behandlung kommt eine Überprüfung der Dosis in Frage. Frühdyskinesien zählen zu den typischen Nebenwirkungen der Antipsychotika der ersten Generation. Diese auch als klassische Neuroleptika bezeichneten Medikamente haben eine spezielle Wirkung auf das Dopamin im Gehirn.

Um die zu Frühdyskinesie führenden Effekte zu unterdrücken, wird mit den entsprechenden Gegenmitteln behandelt. Zu ihnen gehört das Anticholinergikum Biperiden. Wenn das Mittel intravenös gegeben wird, tritt nach wenigen Minuten eine Verbesserung ein. In Ausnahmefällen muss die Infusion wiederholt werden und die weitere Einnahme von Tabletten wird notwendig.

Ähnliche Wirkungen zeigen Benzodiazepine, die als Schlafmittel verschrieben werden und die Gehirnaktivität vorübergehend dämpfen. Sie finden Anwendung, wenn aus medizinischer Sicht die Gabe von Anticholinergika nicht angezeigt oder das Medikament nicht vertragen wird. Eine weitere Maßnahme zur Unterdrückung von Frühdyskinesien kann die Umstellung auf ein neueres, später entwickeltes Neuroleptikum der zweiten Generation darstellen. Den Medikamenten dieser Gruppe liegt ein verändertes Wirkprinzip zugrunde, so dass weniger Nebeneffekte auftreten. Die Bewegungsstörungen treten bei diesen deutlich seltener auf.

Rezeptfreie Medikamente gegen Frühdyskinesie


Vorbeugung von Frühdyskinesie

Eine echte Vorbeugung gegen Frühdyskinesien ist schwer umzusetzen, da es sich um eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente handelt. Eine Abwägung zwischen dem Nutzen und der möglichen Nebeneffekte ist hier wie bei allen Medikamenten notwendig. Bei einer hochdosierten oder längeren Anwendung sollte eine Aufklärung über die möglichen Anzeichen einer Frühdyskinesie erfolgen, um frühe Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Eine rasche Dosiserhöhung bei hochpotenten Antipsychotika und die intravenöse Gabe zählen zu den Risikofaktoren. Bei jüngeren Patienten, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, ist die Gefahr größer, eine Frühdyskinesie auszubilden. Männern entwickeln eher als Frauen Frühdyskinesien, besonders häufig junge Männer.

Bücher über Frühdyskinesie

Weitere Infos

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Frühdyskinesie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?