Flachrücken

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. April 2016
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Der Flachrücken ist gekennzeichnet durch einen geradlinigen Verlauf der Wirbelsäule vom Halswirbel über den Brustwirbel und Lendenwirbel bis zum Becken. Die fehlende natürliche Krümmung der Wirbelsäule verursacht bei starker Belastung sehr starke Schmerzen infolge ungünstiger Lastverteilung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Flachrücken?

Bei einem Flachrücken ist der Oberkörper kerzengerade aufgerichtet, was oft zu der Annahme führt, dass der betroffene Mensch keinerlei Beschwerden im Rücken haben dürfte. Das ist allerdings ein Trugschluss, da der Wirbelsäule jegliche natürliche Krümmung fehlt, welche die auf sie wirkenden Kräfte optimal verteilen kann.

Normalerweise besitzt die Wirbelsäule im Bereich des Halswirbels eine Lordose (Krümmung nach vorn), im Bereich des Brustwirbels eine leichte Kyphose (Krümmung nach hinten) und im Lendenbereich wieder eine Lordose. Wird Druck von oben nach unten ausgeübt, treten durch die Krümmungen jeweils Entlastungen nach vorne oder hinten ein. Bei einem Flachrücken wird diese Kraft ohne Ausweichmöglichkeit von oben nach unten weitergegeben, wobei die Bandscheiben einer enormen Belastung ausgesetzt sind.

Ursachen

Für die Ausbildung eines Flachrückens gibt es drei mögliche Ursachenkomplexe. Erstens zählen dazu Haltungsfehler besonders bei Jugendlichen in der Pubertät. Weiterhin kann eine Rachitis einen Flachrücken hervorrufen. Nicht zuletzt sind auch zuweilen Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule bei nicht sachgemäßer Ausführung für dieses Rückenproblem verantwortlich.

Schwere Haltungsfehler in der Pubertät bewirken in den meisten Fällen die Verstärkung der Kyphose der Brustwirbelsäule bis zur Ausbildung eines Buckels. Diese Erkrankung nennt man Morbus Scheuermann. Bei der atypischen Form des Morbus Scheuermann kann es zur Ausbildung eines Flachrückens oder gar zur Kyphose der Lendenwirbelsäule kommen. In der Pubertät tritt ein Wachstumsschub auf, der natürlich auch die Wirbelsäule betrifft. Wird der Haltungsfehler in dieser Zeit aufrechterhalten, orientiert sich natürlich auch das Wachstum an dieser Haltung. Später wird dieser Haltungsfehler als Haltungsschaden konserviert und bewirkt ständige Schmerzen.

Bei Rachitis ist oft der fünfte Lendenwirbelkörper betroffen, sodass auch hier ein Flachrücken resultieren kann. Auch ein falsches Einbringen der Implantate bei einer Versteifungsoperation an der Wirbelsäule kann zu einem Flachrücken führen.

Krankheiten

Symptome und Verlauf

Typische Symptome eines Flachrückens:

Ein Flachrücken wird häufig von starken Schmerzen begleitet. Besonders beim Heben größerer Lasten machen sich diese bemerkbar. Ursache ist ganz einfach die konzentrierte Ableitung der Kraft von oben an die unteren Wirbelkörper. Eine seitliche Ablenkung des Druckes ist nicht möglich. Das Tragen schwerer Lasten kann dann letztlich zum sogenannten Prolaps, dem Bandscheibenvorfall, führen.

Besonders Kinder mit Flachrücken leiden unter den Schmerzen. Das wirkt sich auf viele Bereiche ihres Lebens aus. So entwickeln sie solche allgemeinen Symptome, wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Scheu, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Übererregbarkeit und als Hauptsymptom natürlich Rückenschmerzen. Somit kann bei ihnen ein Flachrücken auch zu seelischen Problemen führen und sogar die schulischen Leistungen beeinflussen.

Diagnose

Die Diagnose eines Flachrückens muss im Rahmen ihrer Grunderkrankung oder einer anderen ursächlichen Störung erfolgen. Als Solches ist der Flachrücken nämlich nur ein Symptom. Zunächst erkennt man einen Flachrücken sehr einfach an der kerzengeraden Haltung des Betroffenen. Um die Diagnose zu bestätigen, werden Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule in zwei Ebenen durchgeführt.

Bei Verdacht auf eine Bandscheibenbeteiligung ist gegebenenfalls auch eine Kernspintomografie indiziert. Differenzialdiagnostisch sollte abgeklärt werden, welche Ursache vorliegt. Es ist zu ergründen, ob der Flachrücken etwa auf einen atypischen Morbus Scheuermann, auf Rachitis, bandscheibenbedingte Erkrankungen oder auf einen Zustand nach einer Spondylodese (Versteifungsoperation an der Wirbelsäule) zurückzuführen ist.

Um ein Gesamtbild von der vorliegenden Grundstörung zu erlangen, sollten natürlich auch andere Symptome in die Bewertung mit eingebracht werden. So ist z. B. ein Flachrücken bei der Skoliose nur ein Symptom unter anderen.

Behandlung

Nach der Abklärung der Ursache des Flachrückens kann dann das Gesamtkonzept der Therapie erstellt werden. Handelt es sich um ein Symptom auf der Grundlage einer anderen Erkrankung oder ist der Flachrücken Ausdruck eines in der Jugend angelegten Haltungsschadens (bei Morbus Scheuermann). In der Regel erfolgt eine konservative Behandlung. In sehr seltenen Fällen ist eine Operation angezeigt.

Bei akuten Beschwerden wird eine krankengymnastische Behandlung nach Brügger durchgeführt. Dabei wird die physiologische Körperhaltung eingenommen, um festzustellen, wo der Störungsherd liegt. Dieser wird dann intensiv behandelt. Weiterhin wird eine konservative symptomatische Therapie mit Dehnungsübungen der Ischiokruralmuskulatur und Ausgleich verschiedener muskulärer Dysbalancen im Hüft-, Lenden- und Beckenbereich durchgeführt. Eine Dauertherapie ist bei einem Flachrücken nicht notwendig.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor einem Flachrücken sollten Haltungsfehler vermieden werden. Das kann durch erzieherische Maßnahmen, aber auch durch geeignete Sitzmöbel erreicht werden. Außerdem ist allgemein zur Vermeidung von Rückenproblemen und speziell eines Flachrückens die Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur durch Trainieren zu empfehlen.

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