Fischgräte verschluckt

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. Juli 2017
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Eine verschluckte Fischgräte beschreibt den Fall, dass der Patient eine Fischgräte unbemerkt geschluckt hat und diese nun spürbar im Hals bzw. in der Speiseröhre feststeckt. Zwar ist der Fremdkörper im Hals für die Betroffenen oft sehr unangenehm, allerdings in der Regel harmlos. Häufig wird die Gräte durch weitere Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme gelöst und in den Magen befördert. Ist dies nicht der Fall und es treten weitere Komplikationen, wie Atembeschwerden oder Schmerzen auf sollte ein Arzt afgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine verschluckte Fischgräte?

Fische stellen die unterste Klasse der Wirbeltiere dar; sie sind evolutionsbiologisch betrachtet die ältesten Wirbeltiere der Erde. Als solche haben sie noch kein Skelett, wie es beispielsweise der Mensch hat, sondern sie haben eine Wirbelsäule, von der aus viele kleine, dünne Knochen ausgehen, die den Körper des Fisches stützen. Dies sind die Gräten, die in einem Stück Speisefisch normalerweise entfernt werden. Da sie allerdings so fein sind, kann es passieren, dass eine Fischgräte im Filet übrig bleibt. Aus diesem Grund ist es ratsam, Fisch grundsätzlich sehr langsam und vorsichtig zu kauen, denn so würden die Fischgräten auffallen. Trotzdem kann es natürlich vorkommen, dass eine Fischgräte verschluckt wird. Dabei wird sie meistens nicht nahtlos in den Magen befördert, sondern sie bleibt spürbar im Hals des Menschen stecken. Dort ist sie nicht nur unangenehm, sondern kann durchaus gefährlich für den Patienten werden, wenn er sie nicht entweder vollständig schlucken oder anderweitig von dort entfernen kann.

Ursachen

In den meisten industriell abgefertigten Fischfilets sollten keine Fischgräten mehr stecken. Es kommt allerdings vor und wird auch nicht immer rechtzeitig vom Menschen bemerkt, der das Fischfilet isst. Die ganze Fischgräte wird zunächst geschluckt, was meistens auch erst dann auffällt, wenn sie im Hals steckt. Tritt der Fall ein, dass sie der Länge nach geschluckt wird, kann sie unter Umständen direkt in den Magen gleiten. Dort würde die Magensäure sie auflösen und sie würde nur sehr unwahrscheinlich zu einer Verletzung der Magenschleimhaut führen. Dafür sind die meisten Fischgräten zu klein und dünn. Wird die Fischgräte quer verschluckt oder dreht sich in der Speiseröhre, kann sie nicht mehr weiter und bleibt stecken. Das ist für den Menschen deutlich spürbar und kann mit leichten Schmerzen verbunden sein. Vor allem aber ist eine verschluckte Fischgräte mit einem Gefühl der Panik verbunden. Manche Menschen reagieren mit heftigen Reaktionen der Speiseröhre, müssen stark husten oder würgen, während es anderen gelingt, trotz der verschluckten Fischgräte ruhig zu bleiben.

Wann zum Arzt?

Eine verschluckte Fischgräte ist für den betroffenen Patienten so beängstigend, dass er am liebsten sofort den Arzt aufsuchen würde. Falsch ist das zwar nicht, aber auch nicht unbedingt notwendig. Wenn eine Fischgräte verschluckt wurde, sorgen Säuren und andere Verdauungsprozesse schon in der Speiseröhre binnen kurzer Zeit dafür, dass sie sich auflöst. Fischgräten sind nur wenige Millimeter dick, sodass sie bis dahin meist keine Schwierigkeiten verursachen.

Als Sofortmaßnahme kann es schon helfen, Wasser zu trinken oder ein Stück Toastbrot zu essen. Das Schlucken kann genügen, um die verschluckte Fischgräte zu lösen. Sie wird dann mitgeschluckt und kann im Magen nicht lange ausharren, da die Säuren für den dünnen Knochen viel zu stark sind. Anders ist der Fall, wenn eine verschluckte Fischgräte am folgenden Morgen immer noch zu spüren ist, Stunden danach zunehmende Halsschmerzen auftreten oder der Patient unter großer Angst leidet.

Das Gefühl der Fischgräte an sich ist unangenehm und beängstigend und kann dazu führen, dass der betroffene Patient nicht mehr wie bisher schluckt und sich dadurch wahrscheinlicher verschluckt. Sitzt die Fischgräte besonders ungünstig oder handelt es sich um eine dickere Gräte, ist das ein Grund für die Entfernung beim Arzt, da sich andernfalls Essen darin verfangen könnte. Grundsätzlich ist es also nicht verkehrt, wegen einer verschluckten Fischgräte umgehend den Hausarzt aufzusuchen, damit dieser den Handlungsbedarf abklären kann.

Diagnose und Verlauf

Eine ärztliche Diagnose ist bei einer verschluckten Fischgräte meistens nicht notwendig. Der Patient bemerkt beim Schlucken selbst, was gerade passiert ist, auch wenn er es dann nicht mehr ändern kann. Im besten Fall gelingt es, die Fischgräte noch vollständig zu schlucken. Dann endet sie im Magen und wird recht schnell von der Magensäure aufgelöst. Im Verdauungstrakt richtet sie dann keinen Schaden mehr an. Meistens aber bleibt die Fischgräte tatsächlich in der Speiseröhre hängen und kann sich nicht mehr vor oder zurück bewegen. Die Schleimhaut der Speiseröhre, in der die Gräte steckt, bleibt nun aber nicht untätig. Sie löst die feine Spitze der Fischgräte mit der Zeit auf, sodass nichts mehr in der Schleimhaut steckt und der Rest sich in den Magen weiterbewegen kann. Der Patient erkennt das daran, dass das unangenehme Gefühl mit der Zeit verschwindet. Denkbar sind aber auch Komplikationen. Besonders große Gräten lösen sich nicht so schnell auf und es kann sein, dass sich die verschluckte Fischgräte in den Kehldecke gebohrt hat, wo es zu einer Infektion und Atembeschwerden kommt. Komplikationen sind allerdings sehr selten und treten meist nur dann auf, wenn die Gräte nicht nach kurzer Zeit spürbar verschwindet.

Komplikationen

In den seltenen Fällen, in denen eine verschluckte Fischgräte nicht durch Verdauungsprozesse in der Speiseröhre oder dem Magen zersetzt wird, kann es zu Komplikationen kommen. Bohrt sich die Fischgräte in der Speiseröhre oder dem Kehldeckel fest und kann nicht durch die üblichen Reaktionen der Schleimhäute oder durch Muskelkontraktionen entfernt werden, kann sich an der betroffenen Stelle eine Wunde oder eine Entzündung ausbilden. Ein stechender Schmerz sowie das Gefühl des Erbrechens können die Folge sein. Steckt die Gräte länger fest, kann der Schmerz im entsprechenden Bereich durch die entstandene Wunde länger anhalten.

Zusätzlich entstehen auf diese Art Schwellungen, die die Atmung beeinträchtigen. Dies kann lebensgefährlich werden. Besonders gravierend ist ein Festsetzen der Fischgräte im Kehlkopf. Eine Fischgräte kann in einzelnen Fällen das Gewebe durchstechen und wandern. So sind Wanderungen aus dem Magen heraus dokumentiert. Seltener durchsticht eine nicht verdaute Gräte das Darmgewebe. Eine wandernde Fischgräte löst dabei im Körper Entzündungsprozesse aus und führt unter anderem zu Bluthusten, Teerstuhl und Schmerzen. Setzt sie sich in einem Gewebe fest, können die Entzündungsreaktionen zu Verwachsungen von Gewebe sowie Abszessen führen. Abszesse in inneren Organen führen häufig noch lange Zeit später zu Fieber und anderen Beschwerden.

Behandlung und Therapie

Bei einer verschluckten Fischgräte wird der Arzt zunächst nichts unternehmen und einige Tage darauf warten, dass der Körper das Problem von alleine löst. Möglicherweise sieht er sich den Hals des Patienten an, um zu versuchen, die Fischgräte zu erkennen. Herausziehen wird er sie aber zunächst nicht. Der Patient kann versuchen, viel zu trinken oder eine Scheibe weiches Brot zu essen, das könnte die Gräte lösen und mitziehen. Halten die Beschwerden an oder kommt es zu Halsschmerzen oder Atembeschwerden kurz nach der verschluckten Fischgräte, wird der Arzt den Rachenraum genauer untersuchen. Denn dann liegt der Verdacht nahe, dass die Fischgräte entweder immer noch da ist oder eine Entzündung mit Schwellung verursacht hat. Sollte sie noch da sein, wird der Patient an den HNO-Arzt verwiesen, der mit einer Pinzette die verschluckte Gräte herausholen wird.

Die weitere Behandlung sieht abschwellende Mittel und Antibiotika bei einer Infektion der verletzten Stelle der Schleimhaut vor. Nach einer ärztlichen Entfernung der Fischgräte sollte der Patient binnen weniger Tage eine deutliche Verbesserung der Beschwerden verspüren. Hat der Betroffene große Angst, dass die verschluckte Gräte nicht von allein verschwindet, kann der Arzt sie natürlich auch schon kurz nach dem Verschlucken entfernen. Auf diese Weise ist er sicherer davor, dass sich die Einstichstelle doch noch entzündet und es zu Komplikationen kommt.



Vorbeugung

In einem Fisch stecken Gräten und es gibt leider keine Garantie dafür, dass sie wirklich alle entfernt wurden, wenn der Fisch filetiert auf dem Teller liegt. Deswegen muss Fisch bei der Zubereitung auf sichtbare Gräten untersucht und generell sehr langsam und vorsichtig gekauft werden. Beim Verzehr wird auffallen, dass das Fleisch eine rillenartige Struktur hat. Die Gräten sitzen selten im kompakten Fleisch, sondern wenn, dann in den Rillen, in die leicht ein Messer geschoben werden kann. Deswegen empfiehlt es sich, beim Schneiden der natürlichen Maserung des Fisches zu folgen und sich bei jedem Bissen genau anzusehen, ob eine Gräte zwischen den Muskelschichten steckt. Falls beim Kauen eine Gräte auffällt, wird sie am besten sofort ausgespuckt. Stecken in einem Fischfilet mehrere Gräten, wird lieber nicht weiter gegessen, da sicherlich noch mehr auftauchen werden. Selbst, wenn man dabei in einem Restaurant sitzt, braucht man sich darüber keine Gedanken zu machen - denn zerkauen oder absichtlich schlucken sollte man eine Fischgräte nie.

Bücher über Lebensmittelunverträglichkeiten

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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