Erdnuss-Allergie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. Juli 2017
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Bei der Erdnuss-Allergie handelt es sich um eine Lebensmittelallergie von Typ I. Dieser Soforttyp löst unmittelbar nach dem Genuss von Erdnüssen Beschwerden aus. Spätestens nach zwei Stunden ist das Eintreten der Symptome zu verzeichnen. Erdnüsse weisen ein hohes allergisches Potential auf. Im schlimmsten Fall kann eine Erdnuss-Allergie sogar den Tod des Betroffenen zur Folge haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Erdnuss-Allergie?

Die Erdnuss zählt zu den Hülsenfrüchten und stammt aus Südamerika. Im Normalfall ist sie ein sehr gesundes Nahrungsmittel, weil sie zahlreiche wertvolle Mineralstoffe liefert. Allerdings hat sie, verglichen mit anderen Lebensmitteln, ein sehr hohes allergisches Potential und kann schwere Lebensmittelallergien auslösen, die schon kurz nach ihrem Verzehr auftreten.

Zu den typischen Symptomen einer Erdnuss-Allergie gehören Rötungen auf der Haut, Schwindelgefühle, Übelkeit und Herzrasen. Bereits geringe Erdnussmengen reichen aus, um lebensbedrohliche Beschwerden hervorzurufen. Die Allergie zeigt sich in der Regel das ganze Leben über. Aufgrund einer Erdnuss-Allergie muss aber nicht immer auch auf andere Nüsse wie Haselnüsse, Paranüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Mandeln oder Pistazien verzichtet werden. Vereinzelt können zwar Kreuzreaktionen zwischen den Erdnüssen und anderen Nussarten auftreten, dies geschieht jedoch nicht zwangsläufig.

Ursachen

Bei einer Allergie kommt es prinzipiell zu einer Fehlfunktion des menschlichen Abwehrsystems. Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich, dass sich die Abwehr des Organismus gegen Stoffe wendet, die ansonsten vollkommen harmlos sind. Der erste Kontakt mit dem Allergen führt zum Vorgang der Sensibilisierung, in dessen Rahmen der menschliche Organismus Antikörper gegen das Allergen aufstellt. Erfolgt dann ein weiterer Kontakt, hat dies eine allergische Reaktion zur Folge.

Für eine Erdnuss-Allergie können verschiedene Auslöser ursächlich sein. Wissenschaftliche Studien weisen auf genetische Faktoren bei der Entstehung der Allergie hin. Leidet bereits ein Elternteil unter einer Erdnuss-Allergie, besteht für ein Kind das Risiko, ebenfalls daran zu erkranken. Liegt sowohl bei der Mutter als auch beim Vater eine Allergie vor, erhöht sich die Gefahr auf rund 60 Prozent. Im Prinzip kann eine Erdnuss-Allergie jedoch bei jedem Menschen entstehen.

Als weitere häufige Ursache der Erdnuss-Allergie gilt übertriebene Hygiene. Gerade in westlichen Ländern kommt es bei Kindern häufig zu einem unterforderten Immunsystem aufgrund von übertriebenen Hygienemaßnahmen. Daher sucht das Abwehrsystem nach anderen Zielen, bei denen es sich u. a. um eine harmlose Erdnuss handeln kann.

Wann zum Arzt?

Im Falle einer allergischen Reaktion muss auf jeden Fall immer dann sofort ein Arzt konsultiert werden, wenn das Notfallset, das für diesen Zweck bei sich zu tragen ist, fehlt. Schließlich kann ein anaphylaktischer Schock tödlich enden. Auch im Falle einer eher leichten Reaktion auf Spuren der Erdnuss sollte besser ein Arzt unverzüglich verständigt werden, solange der Betroffene noch ohne Weiteres ansprechbar ist.

Gehen Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen des Allergikers zurück oder wird er gar ohnmächtig, sollte ein Notarzt unverzüglich alarmiert werden. Dies ist unabhängig davon, ob die Anwesenden das Notfallset einzusetzen wissen oder nicht. Schließlich ist ein anaphylaktischer Schock eine erhebliche Belastung für den Körper des Betroffenen und bedarf einer Überwachung durch einen Arzt. Art und Schwere des Schocks sind zu variabel, um sich nicht einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen.

In allen Fällen eines schweren Schocks ist ein Notarzt zu konsultieren. Auch muss das anschließende Überwachen des Zustands des Betroffenen in einem Krankenhaus stattfinden. Auch ein leichte allergische Reaktion sollte trotz subjektiv empfundenen Verkraften der Reaktion mindestens nachuntersucht und gegebenenfalls medikamentös behandelt werden. Bei einer wirklich minimalen Reaktion aufgrund einer Erdnuss-Allergie (leichte Hautrötung etc.) kann auf das Konsultieren eines Notarztes verzichtet werden, sofern sich der Zustand des Allergikers binnen zwei Stunden nicht verschlechtert.

Symptome und Verlauf

Die Symptome, die sich bei einer Erdnuss-Allergie zeigen, sind überaus vielfältig. So werden sowohl das Atemsystem als auch die Haut sowie die Magen-Darm-Region in Mitleidenschaft gezogen. In schweren Fällen leidet außerdem das Herz-Kreislauf-System unter der allergischen Reaktion.

Zu den allgemeinen Beschwerden der Erdnuss-Allergie gehören Kopfschmerzen, eine geschwollene Mund- und Rachenschleimhaut, Augentränen, Unruhe, Angst bis hin zur Panik, eine Beschleunigung oder Verlangsamung des Pulses sowie Bewusstseinstrübungen oder sogar Bewusstlosigkeit. In stark ausgeprägten Fällen können zudem Urin oder Stuhl abgehen, was zumeist bei einem anaphylaktischen Schock der Fall ist.

An den Atemwegen zeigen sich bei einer Erdnuss-Allergie häufiges Niesen, Fließschnupfen, eine verstopfte Nase, Juckreiz im Nasenbereich, Husten, Asthmaanfälle, eine pfeifende Atmung sowie ein Gefühl der Enge im Hals. Auf der Haut des Betroffenen kann es zur Bildung von Quaddeln oder Ekzemen, Nesselsucht und Rötungen kommen. In der Verdauungsregion macht sich die Erdnuss-Allergie durch Bauchkrämpfe, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar.

Mitunter hat die Erdnuss-Allergie sogar einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock zur Folge. Da dieser zum Tode führen kann, muss unverzüglich ein Notarzt alarmiert werden. Eine Erdnuss-Allergie zieht oft schwere Eingriffe in das Alltagsleben des Patienten nach sich. So sind die Therapiemöglichkeiten begrenzt und die Allergie lässt sich nicht heilen. Mithilfe von bestimmten Maßnahmen kann der Allergiker sein Leiden jedoch beherrschen.

Diagnose

Liegt Verdacht auf eine Erdnuss-Allergie vor, befasst sich der untersuchende Arzt mit der Krankengeschichte des Patienten. Dabei möchte er über dessen Ernährung, bereits aufgetretene Allergien innerhalb der Familie und mögliche Vorerkrankungen Bescheid wissen. Sinnvoll kann zudem das Anlegen eines Allergietagebuchs sein.

Zu den gebräuchlichsten Untersuchungsverfahren zählt der Prick-Test. In dessen Rahmen bringt der Arzt verschiedene gängige Allergene mit einer Lanzette auf der Haut des Patienten auf. Kommt es an den Einstichstellen nach 20 bis 30 Minuten zur Entstehung einer Quaddel oder Rötung, gilt das potentielle Allergen als identifiziert. Darüber hinaus sind Blutuntersuchungen durchführbar, bei denen die Anwesenheit von speziellen Antikörpern überprüft wird.

Eine andere Option stellt der sogenannte Provokationstest dar, in dessen Verlauf dem Patienten die verdächtigen Allergene dargereicht werden. Bei Verdacht auf eine Erdnuss-Allergie kann dies intranasal oder oral erfolgen. Besteht eine starke Empfindlichkeit, wird ein Reibetest vorgenommen, bei dem der Arzt das Allergen auf die Haut des Betroffenen reibt.

Komplikationen

In der Regel führt die Erdnuss-Allergie nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden, wenn der Patient auf Erdnüsse vollständig verzichtet. Sollte es allerdings zur Einnahme von Erdnüssen kommen, so können lebensgefährliche Beschwerden auftreten, die im schlimmsten Falle zum Tode des Betroffenen führen können. Die Symptome einer Erdnuss-Allergie sind allerdings bei jedem Patienten verschieden. Die meisten Betroffenen leiden an einer Atemnot und an geschwollenen Augen und Lippen. Ebenso wird auch die Verdauung des Patienten durch die Einnahme von Erdnüssen stark beeinträchtigt. Die Betroffenen leiden dabei auch an Panik und nicht selten an Schweißausbrüchen.

Ebenfalls kann es zu Kopfschmerzen und zu Schwindelgefühlen kommen, wobei auch ein Bewusstseinsverlust auftreten kann. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden wieder von alleine, sodass keine ärztliche Behandlung stattfinden muss. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. Sollte es allerdings zur Einnahme einer größeren Menge an Erdnüssen gekommen sein, so muss auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Dabei können Medikamente eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern. In der Regel wird bei einem Verzicht auf Erdnüsse die Lebenserwartung des Patienten durch die Erdnuss-Allergie nicht verringert.

Behandlung und Therapie

Eine Heilung der Erdnuss-Allergie ist nicht möglich. Daher dient die Therapie in erster Linie dazu, dem Patienten den Umgang mit seiner Erkrankung zu ermöglichen.

Wichtigste Behandlungsmaßnahme ist jedoch das konsequente Meiden von Erdnüssen und Erdnussprodukten. Allerdings gestaltet sich dies nicht immer leicht, da in zahlreichen Lebensmitteln und sogar kosmetischen Produkten Spuren von Erdnüssen enthalten sein können.

Zu den betroffenen Erzeugnissen zählen u. a. Linoleum, Seifen, Badeöle, Klebstoffe sowie Vitaminpräparate. In manchen Fällen werden vom Arzt auch Arzneimittel wie Antihistaminika oder Glukokortikoide verabreicht.



Vorbeugung

Um den Folgen einer Erdnuss-Allergie vorzubeugen, muss der Konsum von Erdnüssen und Produkten, die Erdnüsse enthalten, konsequent gemieden werden. Bei Lebensmitteln, in denen Erdnüsse vorkommen, besteht seit einigen Jahren eine Kennzeichnungspflicht.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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