Bindegewebsschwäche

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. Mai 2017
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Der Körper eines Menschen muss innerlich mit Bindegewebe "ausgepolstert" sein. Verliert das Bindegewebe seine Struktur, entsteht eine sogenannte Bindegewebsschwäche. Das Bindegewebe hat unterschiedliche Funktionen. Erst wenn das Bindegewebe diese Aufgaben nicht erfüllt, liegt eine Bindegewebsschwäche vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bindegewebsschwäche?

In erster Linie kommt dem Bindegewebe die Aufgabe zu, den Körper auszupolstern. Dies ist für den Körper insoweit wichtig, als dass die Organe im Körper auch an dem Ort bleiben, wo sie hingehören. Dafür sorgt das Bindegewebe, das die Organe umschließt. Als Sammelbegriff für alle Gewebsarten, die den Körper ausfüllen, steht das Bindegewebe somit im Gegensatz zu solchen Gewebsarten, die Oberflächen lediglich bedecken.

Zu den weiteren Funktionen des Bindegewebes gehört ihre Aufgabe als Wasserspeicher sowie als Garant für die Elastizität des Körpers. Ferner dient sie als natürliche Pufferposter, der die Organe vor äußeren Druckausübungen schützt. Hierzu muss das Bindegewebe robust, aber gleichzeitig auch elastisch aufgebaut sein. Kommt es zu Beschädigungen an dieser Struktur, sprechen Ärzte von einer Bindegewebsschwäche.

Ursachen

Die Ursachen einer Bindegewebsschwäche können unterschiedlich sein. Allerdings spielen in den seltensten Fällen Krankheiten im engeren Sinne bei der Bindegewebsschwäche eine Rolle. Eines dieser seltenen Fälle ist das Marfan-Syndrom. Hier leidet der Betroffene an einem Gendefekt. Dieser Gendefekt führt zu einem anormalen Aufbau des Bindegewebes.

Deutlich häufiger findet sich in Hormonschwankungen die Ursache einer Bindegewebsschwäche. Das weibliche Hormon Östrogen sorgt für eine festere Bindegewebsstruktur. Nun stellt sich bei Frauen das Problem, dass sie in ihren Wechseljahren eine grundlegende Hormonschwankung durchlaufen müssen, bei der ihr Östrogenspiegel drastisch sinkt. Das nun seltener im Körper vorkommende Östrogen führt zu einer Schwächung der Struktur des Bindegewebes.

Bindegewebsschwäche muss sich aber nicht etwa erst im fortgeschrittenen Alter zeigen, wenn die Wechseljahre einsetzen, sondern kann auch in den jungen Jahren entstehen. Denn eine weitere Ursache für Bindegewebsschwäche ist eine falsche Ernährung. Alle Zellen im Organismus des Menschen sind auf den permanenten Austausch von Stoffen mit anderen Zellen angewiesen.

Das Bindegewebe, das die Zellen der Organe umgibt, ist somit direkt von dem Stoffwechsel betroffen, denn jeder Stoffwechsel durchläuft auch das Bindegewebe. Das führt dazu, dass Giftstoffe, die beim Stoffwechsel entstehen, im Bindegewebe zwischengelagert werden. Da das Bindegewebe aber nur über beschränkte Speicherkapazitäten für solche Giftstoffe verfügt und die Speicher nicht schnell genug geleert werden, kann eine falsche Ernährung mit vielen Giftstoffen zu Bindegewebsschwäche führen. In diesem Zusammenhang wird auch der Bewegungsmangel als mögliche Ursache einer Bindegewebsschwäche erwähnt. Denn sportliche Bewegung fördert die Entgiftung des Körpers und somit auch die des Bindegewebes. Wer an Bewegungsmangel leidet, dessen Bindegewebe ist für gewöhnlich auch deutlich belasteter als die von gleichaltrigen Sportlern.

Wann zum Arzt?

Sollten die Dellen unter der Haut größer werden und sich Gewebeaussackungen an Ober- oder Unterschenkeln bilden, kann es allerdings sein, dass ein Lymphstau vorliegt. In diesem Fall sollte der Arzt aufgesucht werden.

Auch wenn sich Hautflächen, etwa im Bereich des Fußgelenks, dunkelrot bis bläulich einfärben und Schmerzen bereiten, ist es höchste Zeit, zum Arzt zu gehen. Dies können Anzeichen einer Nekrose sein, bei der das Gewebe absterben kann. Das kann bei starken Rauchern, Diabetikern oder bettlägerigen Menschen der Fall sein. Auch wenn Adern rund um das geschwächte Bindegewebe austreten, bläulich anlaufen, jucken oder schmerzen, sollte man sich beim Arzt vorstellen. Dies könnten Krampfadern sein, aber auch Anzeichen tieferer venöser Beschwerden.

Schmerzt die Gebärmutter, nachdem das Bauchgewebe abgesackt ist, etwa nach Entbindungen oder nach größerer Gewichtsabnahme, sollte der Frauenarzt konsultiert werden. Gleiches gilt, wenn die starke Cellulitis mit Muskel- und Gelenksschmerzen verbunden ist. Es könnte eine Wirbelschiefstellung vorliegen, die behandlungspflichtig ist. Blaue Äderchen um das abgesackte Bindegewebe, sogenannte Besenreiser, und die kosmetisch störende Cellulitis rund um Bauch, Hüfte, Po und Oberschenkel müssen nicht ärztlich behandelt werden. Sie können allerdings schönheitschirurgisch entfernt werden.

Symptome und Verlauf

Aufgrund der Tatsache, dass dem Bindegewebe gleich mehrere Aufgaben zukommen, fallen die Symptome im Falle einer Bindegewebsschwäche unterschiedlich aus. Bei Schwächung des Bindegewebes verliert auch das Oberflächen bedeckende Gewebe an Struktur, weil sie innerlich nicht mehr optimal mit Bindegewebe ausgepolstert ist. Bindegewebsschwäche ist somit die Ursache der sogenannten Cellulite, die umgangssprachlich auch als Orangenhaut bezeichnet wird. Hier erschlafft die Haut wegen der Tatsache, dass das Bindegewebe die Haut nicht mehr von innen heraus straffen kann. In diesem Kontext bilden sich auch sogenannte Dehnungsstreifen: sichtbare Hautstreifen, die auf eine Bindegewebsschwäche hindeuten.

Bei fortgeschrittener Bindegewebsschwäche, also wenn das Bindegewebe besonders viel an Struktur verloren hat, können die inneren Organe sich nicht mehr an ihrem Bestimmungsort halten und "sinken" wortwörtlich in untere Regionen. Ein besonders schwerer Fall der Bindegewebsschwäche ist die Hernie. Die Bauchwand umgibt die Eingeweide. Bei schwerer Bindegewebsschwäche der Bauchwand kann die Bauchwand den Magen-Darm-Trakt nicht mehr halten, sodass diese hinaustritt und sich unter der Bauchhaut sammelt.

Diagnose

Da keine Erreger als Ursache für eine Bindegewebsschwäche infrage kommen, beschränkt sich die Diagnose hauptsächlich auf das klinische Bild. Vor allem Cellulite und Dehnungsstreifen gelten als sichere Anzeichen für das Vorliegen einer Bindegewebsschwäche. Bei Frauen kann auch eine Östrogenkonzentrationsuntersuchung sinnvoll sein, um festzustellen, ob mangelndes Östrogen als Ursache einer Bindegewebsschwäche in Betracht kommt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Bindegewebsschwäche. Sollte ein Mangel an Östrogen verantwortlich sein, sollte hier zum Beispiel untersucht werden, ob zuletzt eingenommene Medikamente einen Mangel verursacht haben könnten und ob die Einnahme eingestellt werden kann. Für die Mehrheit der Fälle ist aber eine falsche Ernährung in Verbindung mit Bewegungsmangel Ursache einer Bindegewebsschwäche, weshalb die primäre Behandlung auch hieran anknüpft.

Ernährungsexperten zufolge sollten Betroffene vermehrt zu frisches Obst und Gemüse greifen. Die dort enthaltenen Ballaststoffe stärken die Bindegewebsstruktur. Dasselbe gilt für den hohen Siliziumanteil in Hirse und Hafer.

Da das Bindegewebe auch als Wasserspeicher fungiert, empfiehlt sich, täglich möglichst zwei bis drei Liter Wasser zu trinken, um so die auf Wasser gestützte Entgiftung des Bindegewebes zu fördern. Auch regelmäßige sportliche Betätigung unterstützt die Entgiftung des Bindegewebes und schützt so vor Bindegewebsschwäche.

Verzichtet werden sollte dagegen auf solche Lebensmittel, die im Körper "sauer" verstoffwechselt werden. Dazu gehört vor allem tierisches Eiweiß, das in Fisch, Fleisch und Milchprodukten enthalten ist. Die saure Verstoffwechslung, deren Ablagerungen im Bindegewebe zwischengelagert werden, belastet diese nur, was letztlich in einer Bindegewebsschwäche mündet.



Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich eine Bindegewebsschwäche durch die Befolgung der oben genannten Regeln einer bewussten Ernährung sowie durch regelmäßige Bewegung. Diese Maßnahmen unterstützen die Stärkung und Entgiftung des Bindegewebes, was sie weniger anfällig für eine Bindegewebsschwäche macht.

Bücher über Bindegewebsschwäche

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Thea kommentierte am 13.01.2017 um 07:52 Uhr

Ich habe durch einen Pfusch von einem Heilpraktiker eine extreme Bindegewebsschwäche, weil die Durchblutung nicht mehr stimmt. Da schlägt keine Therapie mehr an. Ich muss zuschauen, wie mein ganzer Körper zusammenbricht.