Asbestose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Oktober 2016
Gesundpedia.deKrankheiten Asbestose

Die Asbestose ist eine durch Asbestfasern ausgelöste Lungenerkrankung. Sie ist eine typische Berufserkrankung, die meist erst 20 bis 40 Jahre nach einer Exposition mit Asbest auftritt. Eine Asbestose kann lange Zeit weitgehend ohne Symptome verlaufen. Die ersten Anzeichen sind meist Atembeschwerden, Reizhusten oder Auswurf. Im schlimmsten Fall kann sich aus einer Asbestose im fortgeschrittenem Stadium Lungenkrebs entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Asbestose?

Eine Asbestose ist durch einen Umbau des Lungengewebes in narbiges Gewebe gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um eine durch Asbest ausgelöste Lungenfibrose. Diese entsteht durch eine verstärkte Bildung von Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen. Dabei versteift sich das Lungengewebe und es treten dadurch schwere Atemwegsbeschwerden auf.

Eine Asbestose kann nach langer Dauer zu Lungenkrebs führen. Der Grad der Fibrosierung ist abhängig von der Dauer und Stärke der Asbestexposition. Je geringer die primäre Belastung war, desto später erkrankt die Lunge. Bei einer Asbestose ist jedoch nicht nur die Lunge, sondern oft auch das Rippenfell betroffen.

Schematischer Aufbau (Anatomie) der menschlichen Lunge.

Ursachen

Wie der Name Asbestose bereits sagt, wird sie durch die Einwirkung von Asbestfasern verursacht. Asbest ist ein Sammelbegriff für faserförmige Silikatmineralien, die sehr widerstandsfähig gegen chemischen und physikalischen Abbau sind. Gelingt es den Fasern, bis zu den Lungenbläschen zu gelangen, können sie nicht mehr mit dem Schleim abgehustet werden. Die Fasern setzen sich in der Lunge fest. Sofort werden die Abwehrreaktionen des Immunsystems auf den Plan gerufen.

Es werden Makrophagen gebildet, welche die Aufgabe haben, die fremden Stoffe zu umschließen und aufzulösen. Allerdings kann das bei Asbest nicht gelingen, da es gegen jedwede chemische Beeinflussung inert ist. Deshalb geben die Alveolarmakrophagen Botenstoffe (Interleukin 1 und Wachstumsfaktoren) ab, die als Signal für die Bildung von T-Helferzellen und Granulozyten dienen. Diese greifen die veränderten Makrophagen an und versuchen, so die Asbestfasern zu zerstören und zu entfernen. Dabei kommt es jedoch zu ständigen Entzündungsreaktionen.

Da die silikatischen Mineralien nicht abgebaut werden können und an Ort und Stelle verbleiben, werden die Entzündungen chronisch und verursachen deshalb eine ständige Neubildung von Bindegewebe. Es kommt zu einer Versteifung des Lungengewebes. Langfristig kann eine Asbestose zu Lungenkrebs oder zu einem Mesotheliom (diffus wachsender Tumor in der Pleura oder dem Herzbeutel) führen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Asbestose:

Die Symptome einer Asbestose richten sich danach, wie ausgeprägt sie ist. So kann die Erkrankung zunächst lange Jahre symptomfrei bleiben. Da es jedoch zu fortlaufenden Entzündungen im Lungen- und Pleuragewebe kommt, treten nach einiger Zeit Atemwegsprobleme auf. Diese beruhen auf der Versteifung des Lungengewebes durch die ständige Neubildung von Bindegewebe.

So äußert sich die Asbestose durch zunehmende Atemnot, Reizhusten und zähem Auswurf. Die ständige Neubildung von Bindegewebszellen versteift nicht nur das Lungengewebe, sie kann nach vielen Jahren auch zu einer Entartung von Zellen führen, welche sich dann als Krebszellen weiterteilen und Tumoren bilden. Eine Asbestose als solche führt selten allein zum Tode, wobei ein auf ihrer Basis entstandener Lungenkrebs die häufigste Todesursache von asbestbedingten Erkrankungen ist.

Diagnose

Die Diagnose einer Asbestose beruht auf der Untersuchung der Lunge durch Abhören mit dem Stethoskop, der Lungenfunktionsuntersuchung, einem Lungenröntgenbild oder der Computertomografie. Sehr wichtig ist die Berufsanamnese, um das Ausmaß der Asbestose beurteilen zu können. So gibt es einige Risikoberufe, bei denen ein Kontakt mit Asbest relativ wahrscheinlich ist.

Dazu gehören unter anderem Schlosser, Isolierer, Chemiewerker, Installateure, Maurer, Dachdecker oder Schweißer, um einige zu nennen. Die Röntgenaufnahmen der Lunge und Pleura bei einer Asbestose werden nach standardisierten Verfahren ausgewertet. Da bei einer Asbestose auch kalkartige Ablagerungen an der Pleura typisch sind, dienen diese als wichtiger Nachweis für diese Erkrankung.

Behandlung und Therapie

Die Heilung einer Asbestose ist nicht möglich, da es keine Chancen gibt, die Asbestfasern unschädlich zu machen. Deshalb kann eine Therapie dieser Erkrankung immer nur symptomatisch sein. Die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei einer COPD (Lungenemphysem). Dabei werden Medikamente inhaliert, die für eine zeitweise Weitstellung der Bronchien sorgen. Diese sogenannten Bronchodilatoren gehören zur Wirkstoffgruppe der Anticholinergika oder der Beta-2-Sympathomimetika.

Die Inhalation von kortisonhaltigen Medikamenten oder Arzneistoffen mit Immunsuppressiva hat sich jedoch nicht bewährt. Um das Herz-/Kreislaufsystem und die Muskulatur zu kräftigen, wird auch körperliche Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten empfohlen. Des Weiteren sollte bei einer Asbestose nicht geraucht werden, weil sich dadurch das Lungenkrebsrisiko noch vervielfacht.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Asbestose ist unbedingt notwendig, bei Arbeiten mit Asbest den geeigneten Atemschutz zu benutzen. Heute wird Asbest in neuen Werkstoffen nicht mehr verwendet. Jedoch gibt es noch viele alte Bauteile, die Asbest enthalten.

Für die Entsorgung und Verwertung von asbestverseuchten Bau- und Werkstoffen wurden spezielle Verordnungen und Gesetze zum Umwelt- und Gesundheitsschutz erlassen. Das Gleiche gilt für die Sanierung alter Asbest belastender Gebäude. Durch diese Maßnahmen kann eine Asbestose künftigen Generationen erspart bleiben.

Bücher über Lungenerkrankungen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Asbestose?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Freiherr kommentierte am 16.02.2015 um 18:11 Uhr

Ab wann wird die BK 4103 mit MdE bewertet?