Akustisches Trauma (Knalltrauma)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Juni 2015
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Bereits durch eine einmalige, kurze Schalleinwirkung auf den menschlichen Gehörgang kann im Extremfall eine Schädigung hervorgerufen werden, die unter Umständen dauerhaft bestehen bleiben kann. Eine solche Verletzung des Hörorgans bezeichnet man als akustisches Trauma bzw. Schalltrauma. Unter diesen Überbegriff fällt auch das Knalltrauma.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein akustisches Trauma (Knalltrauma)?

Ein Knalltrauma entsteht durch starke Schallreize (über 140 dB), die lediglich ein bis drei Millisekunden auf das Gehör einwirken und dieses überbelasten. Hierbei ist der Schalldruck so stark, dass er das Innenohr schädigt.

Es besteht somit ein akuter Defekt der Haarzellen (sensorische Zellen) des Corti-Organs, welches die Schnittstelle zwischen Signalen der Nerven in der Innenohrschnecke und den akustischen mechanischen Schwingungen darstellt. Ein menschliches Gehör besitzt in diesem Bereich etwa 15.000 solcher Haarzellen. Bei einem Knalltrauma werden Trommelfell und Gehörgang nicht beeinträchtigt.

Ursachen

Jedwedes Schallereignis, das den Grenzwert des physikalischen Stresses, d.h. die Anpassungsfähigkeit des Ohres sich bis zu einem gewissen Schwellengrad dem Schalldruck anzupassen, eines Hörorgans überschreitet, führt zu vorübergehenden oder permanenten Hörschäden. Hervorgerufen werden kann ein solch akustisches Trauma durch unterschiedlichste Einwirkungen, wie zum Beispiel durch Pistolenschüsse, Schläge auf das Ohr, platzende Reifen, Blitzeinschläge und Sprengungen. Es gilt: Je lauter das schädigende Schallereignis ist und je abrupter es aufritt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Beeinträchtigung.

Hierbei entsteht die Schädigung des cortischen Organs durch einen Sauerstoffmangel und infolgedessen einer Stoffwechselstörung der Haarzellen, wodurch bedingt deren Funktion gestört wird. Es ist jedoch ebenso möglich, dass eine mechanische Schädigung der Sinneszellen besteht, die durch das Zerreißen der Basilarmembran auftritt. Diese Membran ist widerum der Sitz des Corti-Organs, welches die Rezeptoren für die auditive Wahrnehmung enthält. Ein derartiger Schaden kann irreversibel sein, sodass das Gehör für die jeweiligen Frequenzbereiche, welche die betroffenen Haarzellen verarbeiteten, fortwährend eingeschränkt ist. Hinzukommend können unmittelbar nach dem Ereignis Ohrgeräusche auftreten.

Symptome und Verlauf

Die Symptome eines Knalltraumas können verschiedener Natur sein. Hierzu zählt auch der Tinnitus. Bei einem Tinnitus nimmt der Betroffene Geräusche wahr, welche keine äußeren akustischen Reize besitzen. Ein weiteres Symptom ist der Hörverlust, der mit einer deutlichen Verringerung des Hörvermögens einhergeht. Weiterhin kommt es zu dem Gefühl, dass das betroffene Ohr verstopft wäre. Auch ein flüchtiger, stechender Ohrenschmerz kann bei einem Knalltrauma auftreten.

Die Hyperakusis, eine krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, die von einem gesunden Hörorgan nicht als unangenehm laut empfunden werden, stellt ebenfalls ein Anzeichen eines vorhergegangenen akustischen Traumas dar. Auch Gleichgewichtsstörungen sowie Schwindel gelten als einschlägige Krankheitszeichen. Oftmals verbessert sich die Symptomatik bei einem Knalltrauma jedoch innerhalb der ersten Folgetage. Nur selten nehmen die Beschwerden nach dem Ereignis zu. Dennoch bestehen in etwa 50 Prozent der Knalltrauma-Fälle bleibende Schädigungen. In erster Linie betrifft dies den Hochtonbereich.

Diagnose

Eine Beschreibung des auslösenden Ereignisses als auch des zeitlichen Verlaufs, sind häufig klare Indikatoren zur Diagnose eines akustischen Traumas. Zur Untersuchung der konkreten Auswirkungen auf das Hörorgan, wird der HNO-Arzt eine Otoskopie (Ohrenspiegelung) vornehmen. Anschließend folgen verschiedene diagnostische Verfahren zur Quantifizierung des Hörschadens.

Besteht nach diesen Verfahren ein unklarer Befund, werden weitere Untersuchungen eingeleitet. So geben die otoakustischen Emissionen, welche anhand einer kleinen Sonde innerhalb des Gehörgangs gemessen werden, Aufschluss über die Übertragbarkeit von Schwingungen eines akustischen Reizes. Bei der Hirnstammaudiometrie können zudem die elektrischen Reaktionen spezifischer Hirnregionen erfasst werden, wenn der Patient bestimmte Töne wahrnimmt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung eines akustischen Traumas ist stets vom Grad der Schädigung abhängig. Zumeist werden Infusionen, welche durchblutungsfördernde Wirkstoffe sowie Kortison enthalten, verabreicht. Das Kortison wirkt hierbei eventuellen Entzündungen entgegen. Vereinzelt kann hochdosiertes Kortison auch direkt ins Innenohr eingegeben werden. Schlägt diese Therapieform nicht an, so kann Sauerstoff, welcher unter Überdruckbedingungen verabreicht wird, Erfolg versprechen.

Eine operative Therapie ist dann einzuleiten, wenn die konservativen Behandlungsverfahren keine weitreichenden positiven Auswirkungen erzielen können, da eine Perilymphfistel oder eine Schädigung eines der beiden Innenohrfenster diagnostiziert werden kann. Bei einer Perilymphfistel kommt es zu einer krankhaften Verbindung des Mittelohres mit dem Perilymphraum, in welchem die Sinneszellen des Hörorgans integriert sind. Diese Verbindung kann aufgrund einer Schädigung eines oder beider Innenohrfenster entstehen, über die das Mittelohr mit dem Innenohr verbunden ist.

Das operative Verfahren bei einem Knalltrauma besteht in einer Tympanotomie. Dabei wird unter Lokalnarkose das Trommelfell zur Seite geklappt, sodass das Mittelohr auf einen Riss in der Membran hin untersucht werden kann. Beobachtet der behandelnde Arzt eine entsprechende Schädigung, wird die betroffene Membran mit Bindegewebe abgedichtet.

Findet eine frühe Behandlung statt, so erholt sich das Gehör bei einem Großteil der Betroffenen wieder. Viele Patienten leiden jedoch trotz Therapie oftmals weiterhin unter Ohrgeräuschen. Sind nach einigen Wochen nach einem Knalltrauma nach wie vor derartige Geräusche vorhanden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese dauerhaft verbleiben.

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Vorbeugung

Einem akustischen Trauma kann man vorbeugen, indem man Orte meidet, an denen eine hohe Lärmbelästigung stattfindet. Bei Besuchen in der Diskothek, bei Konzerten oder Berufen, die einem erhöhtem Lärmaufkommen ausgesetzt sind, sollte stets ein entsprechender Schutz getragen werden (Ohrstöpsel, Gehörschutz-Kopfhörer).

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