Ohrensausen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. April 2017
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Nahezu jeder Mensch hat schon einmal Ohrgeräusche gehört. Rund jeder vierte leidet häufiger unter Ohrensausen. Das Phänomen ist in allen Alters- und Gesellschaftsklassen weit verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ohrensausen?

Die unter dem allgemeinen Begriff Ohrensausen zusammengefassten Symptome sind vielfältig. Sie können sich als Brummen, Rauschen, Pfeifen, Klingeln, Rattern, Piepen, Knacken oder Summen äußern. Ihnen allen ist gemein, dass es sich um ein Geräusch handelt, welches nicht von der Umwelt stammt. Der Ton bildet sich im Ohr selbst und ist nur für den Betroffenen hörbar.

Normalerweise verschwindet das störende Geräusch nach kurzer Zeit. Ist dies nicht der Fall, sprechen Mediziner von einem Tinnitus. Besteht das Problem seit weniger als drei Monaten, so handelt es sich um einen akuten Tinnitus. Ab drei Monaten zählt er als chronisch. Handlungsbedarf besteht, wenn das Geräusch über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt und die Lebensqualität beeinträchtigt.

Ursachen

Das Störgeräusch beruht oft auf einer Täuschung des Hörorgans. Manchmal kann es jedoch mit besonders sensitiven Geräten nachgewiesen werden. In diesen Fällen haben sich die Gefäße im Gehörgang verändert, sodass der Patient sein eigenes Blut rauschen hört. Eine derartige Veränderung lässt sich zum Beispiel auf Kreislaufprobleme, Stress, verkalkte Arterien oder einen abweichenden Blutdruck zurückführen. In den meisten Fällen ist Ohrensausen die Begleiterscheinung einer Mittelohrentzündung oder einer Hörstörung.

Wenn das Ohr bestimmte Frequenzen nicht mehr hören kann, vermisst das Gehirn die entsprechenden Signale. Es erhöht als Folge dessen die Empfindsamkeit in den abgestumpften Bereichen. Dadurch entstehen Störgeräusche, die sich in genau der Frequenz befinden, die der Patient nicht mehr gut hört. Kommt es aufgrund von Durchblutungsstörungen zu einem Hörsturz, folgt fast immer ein Tinnitus. Auch Knochenfehlstellungen und eine Verletzung des Trommelfells kommen als Ursache in Frage.

Konzerte, Knallgeräusche und ähnliche Lärmquellen schädigen das Gehör. Während die Sinneszellen sich erholen, kommt es häufig zu dem charakteristischen Ohrenrauschen. In schlimmeren Fällen können die Störgeräusche auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen, beispielsweise auf einen Tumor.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ohrensausen (Tinnitus) verschwindet meist von alleine wieder. Insbesondere wenn das Leiden erstmals nach einem Rockkonzert, einem Discothekenbesuch oder der Konfrontation mit anderen starken Lärmquellen auftritt, ist zunächst kein Arztbesuch notwendig. Es reicht, wenn der Betroffene sich und seine Ohren ein paar Tage vor unnötigem Lärm schützt.

Tritt Ohrensausen erstmals in einer Stresssituation auf, helfen Ruhe und Entspannungsübungen. Wenn das Ohrensausen aber nach mehreren Tage immer noch anhält, sollte ein Arzt konsultiert werden, um die möglichen Ursachen abzuklären. Das gilt insbesondere dann, wenn der Tinnitus mit diffusen Ohrenschmerzen oder Schwerhörigkeit einhergeht. In diesen Fällen können Schmalzpfropfen Auslöser für die Beschwerden sein.

Möglich ist aber auch eine Verletzung des Innenohrs, insbesondere des Trommelfells. Ein Arzt kann dies mithilfe eines Ohrmikroskops abklären. Außerdem sollte ein Hörtest durchgeführt werden, da eine überkompensierte Schwerhörigkeit häufig die Ursache für chronisches Ohrensausen ist. Treten die Beschwerden gemeinsam mit Schwindelgefühlen und Übelkeit auf, kann das Gleichgewichtsorgan gestört sein. Ärztliche Hilfe ist in diesem Fall dringend geboten.

Diagnose und Verlauf

Für gewöhnlich verschwindet der Tinnitus von allein, wenn der Betroffene nach dem Auftreten des Symptoms seine Ohren schont und sich entspannt. Ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist erst nötig, wenn das Geräusch länger als einen Tag am Stück anhielt oder im Laufe mehrerer Tage nur durch kurze Ruhepausen unterbrochen wurde. Der Arzt wird bei einem Patienten mit Tinnitus die Ohren, den Hals sowie die Nasennebenhöhlen auf Entzündungen oder Verstopfungen untersuchen.

Beschädigungen des Trommelfells werden mit einem Ohrmikroskop schnell erkannt. Liegt keine sichtbare Ursache vor, folgt eine Überprüfung des Gleichgewichtssinns. Bei einem Hörtest findet der Mediziner heraus, welche Frequenzen für die Ohren des Patienten nicht hörbar sind. Hierbei kann der Betroffene die von ihm wahrgenommene Lautstärke und Tonhöhe beschreiben, was Rückschlüsse auf die Schwere der Erkrankung zulässt. Je nach vermuteter Ursache folgen Röntgenuntersuchungen, Magnetresonanztomographien oder die Entnahme einer Blutprobe. Treten die Störgeräusche nur in bestimmten Situationen auf, kann eine Psychoanalyse sinnvoll sein.

Komplikationen

Das Ohrensausen wirkt sich allgemein negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus. So kann sich der Betroffene aufgrund des Symptoms nicht mehr richtig konzentrieren. Ebenso führt das Ohrensausen zu Schlafproblemen und damit zu Depressionen und Stimmungsschwankungen. Oft ist es für den Betroffenen nicht mehr möglich, die Arbeitsstätte aufzusuchen. In den meisten Fällen tritt das Ohrensausen als Begleitsymptom von Erkältungen und Grippen auf und verschwindet daher auch nach wenigen Tagen wieder von alleine. Sollte das Ohrensausen allerdings mit starken Ohrenschmerzen verbunden sein, kann es sich um ein Infekt oder um eine Entzündung im Ohr handeln. Diese muss von einem Arzt behandelt werden.

Falls keine Behandlung eintritt, führt das Ohrensausen in der Regel zu starken Ohrenschmerzen. Diese Schmerzen verlagern sich oft auch in den Kopf und führen zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Im schlimmsten Fall wird das Trommelfell beschädigt, sodass der Patient durch das Ohrensausen nicht mehr gut hören kann. Sollte das Ohrensausen durch eine zu starke Belastung der Ohren auftreten, so verschwindet das Symptom ebenso von alleine nach wenigen Stunden oder Tagen. Hier sollte der Patient das Ohr schonen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen kommt.

Behandlung und Therapie

Da Ohrensausen vielfältige Ursachen haben kann, ist eine wirksame Behandlung nur möglich, wenn der Auslöser erkannt wurde. Werden Gefäßveränderungen aufgrund von Stress vermutet, helfen Entspannungsübungen und ein ruhiger Lebensstil. Bei einer psychischen Ursache kann ein Therapeut die Heilung unterstützen. Verschiedene Massagen und Akupunktur helfen gegen Verspannungen im Halsbereich, die Tinnitus begünstigen.

Heilpraktiker schlagen oft eine Ernährungsumstellung vor, da eine Übersäuerung des Körpers als möglicher Mitauslöser gilt. Liegt eine Fehlbildung von Kiefer oder Gebiss vor, wird diese im Rahmen einer Operation behoben. Entzündungen werden mit Medikamenten eingedämmt, zum Beispiel Kortison. Die regelmäßige Einnahme von Magnesiumpräparaten, Vitamin E oder durchblutungsfördernden Stoffen erweist sich oft als hilfreich. Dadurch wird das Ohr besser mit Sauerstoff versorgt.

Inzwischen gibt es eine Vielzahl homöopathischer Verfahren, die gegen Ohrensausen wirken sollen. Bei einem chronischen Tinnitus helfen Medikamente jedoch nicht. Bei besonders schweren Fällen wird dem Patienten ein Hörgerät eingesetzt, der das Geräusch überdecken soll. Für chronisches Ohrensausen gibt es noch keine wirksamen Behandlungsmethoden. Es wird momentan untersucht, ob eine magnetische Stimulation der am Tinnitus beteiligten Gehirnbereiche Linderung verschaffen könnte.

Auch Hirnschrittmacher könnten zukünftig zum Einsatz kommen. Bis dahin können Patienten sich einer Tinnitus-Retraining-Therapie unterziehen. Ziel dieser Therapie ist es, die Wahrnehmungsweise des Betroffenen zu verändern. Er kann lernen, das Ohrgeräusch nicht mehr als störend zu empfinden. Auf diese Weise soll das Führen eines unbeschwerten Alltags mit der Erkrankung ermöglicht werden.



Vorbeugung

Tinnitus lässt sich wegen der unterschiedlichen Ursachen kaum direkt vorbeugen. Ein allgemein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, wenig Alkohol und Nikotin mindert das Risiko von Arterienverkalkungen. Gelegentliche Saunenbesuche und sportliche Betätigung regen den Kreislauf an und fördern den Blutfluss. Stressige Situationen sollten vermieden werden. Gleiches gilt für Lärm.

Im Umgang mit lauten Maschinen sind Ohrenschützer die beste Möglichkeit, Schäden am Gehör zu vermeiden. Neigt jemand zum Ohrensausen, sollte Musik nur noch auf Zimmerlautstärke gehört werden. Bei Konzert- und Discobesuchen helfen Ohrenstöpsel. Auch die innere Einstellung beeinflusst die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Lassen sich laute Umgebungsgeräusche nicht vermeiden, sollte mit ihnen gelassen umgegangen werden.

Bücher und CDs über Ohrgeräusche

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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