ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Mai 2017
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Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), sowie dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS), handelt es sich um eine starke Aufmerksamkeitsschwäche. Mit einer richtigen Behandlung und Therapie können Betroffene ihre Beschwerden in den Griff bekommen und ein weitgehend normales Leben führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ADHS?

ADHS bedeutet Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Nach heutiger Auffassung handelt es sich bei ADHS um eine psychische Störung, aufgrund einer fehlerhaften Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen im Gehirn.

Dabei spielt der Nervenbotenstoff Dopamin eine wesentliche Rolle. Viele ADHS-Erkrankungen sind wahrscheinlich genetisch bedingt.

Im Jahr 1845 wurde ADHS erstmals von dem Nervenarzt Heinrich Hoffmann in einem Buch "Der Struwwelpeter" dargestellt. Aber erst im Jahr 1987 erhielt ADHS die heutige Bezeichnung.

Je nach Ausprägung der Krankheit wird ADHS in unterschiedliche Typen unterteilt, und zwar in den vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ sowie den vorwiegend unaufmerksamen Typ und letztlich in den kombinierten Typ.

In Deutschland sind ungefähr 2-7 % der 4- bis 17jährigen Kinder von ADHS betroffen. Dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Von den Erwachsenen in Deutschland sind ungefähr 3,1 % von ADHS betroffen. Wird im Kindes- oder Jugendalter ADHS festgestellt, so bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen.

Ursachen

Bislang sind die genauen ADHS-Ursachen ungeklärt. Die Mediziner und Forscher gehen davon aus, dass mehrere Faktoren für diese Aufmerksamkeits-Defizit-Störung verantwortlich sind. Hierfür werden drei Hauptauslöser verantwortlich gemacht.

Zum einen die genetische Veranlagung und zum anderen die erworbenen Auslöser, wie etwa Schwangerschaft- oder Geburtskomplikationen. Des Weiteren können auch psychosoziale Gegebenheiten entsprechende Auslöser sein.

Aufgrund der genetischen Veranlagung ist die Übertragung der Nervensignale im Gehirn gestört. Dabei kommt der Signalbotenstoff bzw. Neurotransmitter Dopamin bei Betroffenen seltener im Gehirn vor. Hierdurch wird der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen gestört oder beeinträchtigt und entsprechende Reize können nicht mehr richtig verarbeitet werden.

Indes fällt es den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und zu kontrollieren. Nicht selten sind Eltern, Geschwister oder andere Verwandte ebenfalls an ADHS erkrankt. Die Mediziner gehen davon aus, dass wahrscheinlich mehrere Gene an der Entstehung von ADHS beteiligt sind. Eine Heilung dieser Stoffwechselstörung im Gehirn der Betroffenen ist nicht möglich.

Wann zum Arzt?

Kinder und Erwachsene benötigen ärztliche Unterstützung, sobald sie unter starken Aufmerksamkeitsproblemen leiden. Fällt es schwer oder ist es unmöglich, sich für einige Minuten auf eine Sache oder Arbeit vollkommen zu fokussieren, besteht ein inneres Stresserleben, das untersucht und behandelt werden sollte. Es drohen psychische wie auch weitere körperliche Probleme, da der Organismus unter einer dauerhaften Belastung leidet.

Eine permanente innere und äußere Unruhe, hektisches Verhalten und ständige Unterbrechungen sind Symptome, die einem Arzt vorzustellen sind. Kommt es zu Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Übereifer oder einer sehr schnellen und undeutlichen Sprache, ist ein Arztbesuch notwendig. In vielen Fällen helfen darüber hinaus verschiedene Entspannungstechniken in Verbindung mit sportlichen Aktivitäten. Der Körper wird durch Sport ausgepowert und über die mentale Entspannung lernt der Betroffene, wie er zu einer inneren Ruhe sowie Ausgeglichenheit gelangen kann. Stellen sich in dieser Kombination deutliche Verbesserungen des allgemeinen Wohlbefindens ein, muss kein Arzt aufgesucht werden.

Hilfe wird benötigt, wenn dauerhaft die schulischen oder beruflichen Leistungen nicht entsprechend der vorhandenen Kompetenzen erbracht werden können oder der Betroffene unter den aktuellen Gegebenheiten leidet. Ein anhaltendes aggressives Verhalten, akute Stimmungsschwankungen, selbstzerstörerische Handlungen oder emotionale Probleme gelten als besonders besorgniserregend und müssen von einem Arzt behandelt werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome bei ADHS:

ADHS-Betroffene zeigen in der Regel vielfältige Symptome. Hierzu gehören beispielsweise motorische Schwierigkeiten, Konzentrationsschwächen, verlangsamte Reaktionen sowie eine starke Impulsivität, Wutausbrüche, übermäßiger Bewegungsdrang und innere Unruhe. Aber auch Vergesslichkeit, plötzliche Stimmungsschwankungen und spontane Gefühlsausbrüche zählen zu den typischen Symptomen.

ADHS-Betroffene lassen sich sehr leicht ablenken sind ungeduldig und versinken häufig in Gedanken ("Tagträume"). Außerdem neigen Betroffene oft zu überhasteten, unüberlegten und gefährlichen Aktionen (z.B. Mutproben). Neben diesen vielen eher negativ gefärbten Eigenschaften, zeigen ADHS-Betroffene oft auch sehr positive Begabungen und Verhaltensweisen. So sind Menschen mit ADHS häufig u.a. besonders kreativ, hilfsbereit, gutmütig und schnell für Dinge zu begeistern.



Komplikationen

ADHS tritt fast immer gemeinsam mit anderen psychischen und Verhaltensstörungen auf. Diese können jedoch nicht nur als Komplikation von ADHS auftreten, sondern auch als Begleiterkrankung vorkommen. Besonders häufig sind Störungen des Sozialverhaltens, die jedes Dritte bis jedes Zweite Kind mit ADHS betreffen. Dabei handelt es sich mehrheitlich um soziale Störungen mit oppositionellem Verhalten und aggressiv-dissoziale Störungen. Auch Tic-, Sprech- und Sprachstörungen können als Begleiterkrankungen auftreten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die unter ADHS leiden, sind häufig großem Stress ausgesetzt. Dieser entsteht auch durch ihr eigenes Verhalten und negative Rückmeldungen und Reaktionen von anderen Personen. Dies begünstigt unter anderem emotionale Störungen, die sich auf verschiedene Weise äußern können. Depressionen und Ängste sind häufige emotionale Komplikationen bei ADHS.

Etwa 30 % der Betroffenen leiden unter Lernstörungen oder Schulleistungsstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie. Defizite in der Schule können jedoch auch dadurch entstehen, dass es den Kindern schwerfällt, sich auf den Unterricht und ihre Schulaufgaben zu konzentrieren. Im Gegensatz dazu tritt zum Beispiel eine primäre Legasthenie auch bei guter Beschulung auf. Im Erwachsenenalter kann vor allem ADHS mit aggressiv-dissozialem Verhalten zu beruflichen Komplikationen führen. Eine instabile Lebenssituation kann sich wiederum negativ auf die allgemeine Stabilität des Betroffenen auswirken.

Behandlung und Therapie

Nicht in jedem Fall muss bei ADHS sofort und unbedingt eine Therapie durchgeführt werden. Vor allem ist es wichtig, sich mit den behandelnden Ärzten sowie Psychologen eingehend über das Ausmaß und die Schwere der Störung zu beraten. Die Therapie richtet sich immer nach den individuellen Symptomen.

Zudem existieren unterschiedliche Möglichkeiten, um ADHS zu behandeln. Oftmals wird hier die multimodale ADHS-Therapie empfohlen. Dies ist eine Kombination aus Aufklärung, einer Bewältigungsstrategie, einer Verhaltenstherapie sowie einer medikamentösen Behandlung.

Das Ziel dieser Therapie ist es, die Symptome wie Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit in den Griff zu bekommen. Zudem soll die Therapie dem Betroffenen ermöglichen, sozial integriert zu sein und ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen.

Aufgrund der genetischen Ursachen kann man bei ADHS keine vorbeugenden Maßnahmen vornehmen. Allerdings können werdende Mütter während der Schwangerschaft unterschiedliche Faktoren vermeiden, welche ADHS beeinflussen. Hierzu gehören vor allem Alkohol und Rauchen.

Bücher über ADHS

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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