Seitenstechen links


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 15. Oktober 2018

Fast jeder kennt das unangenehme Gefühl häufig links im Bauchbereich, das durch Seitenstechen hervorgerufen wird. Was genau hinter diesem Schmerz steckt, ist in der medizinischen Literatur hoch umstritten. Die exakten Ursachen und Zusammenhänge gelten damit bis heute als ungeklärt. Nichtsdestotrotz existieren einige Grundlagen, auf deren Basis argumentiert und das eigene Handeln ausgerichtet werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Seitenstechen links?

Tritt Seitenstechen links auf, dann liegt es meist daran, dass der Körper überfordert ist und Ruhe einfordert.

Bei Seitenstechen handelt es sich um krampfartig auftauchende Schmerzen. Sie können mittel bis stark sein, wobei die Mehrheit der Betroffenen bloß unter mittleren Schmerzen leidet. Wie der Name bereits vermuten lässt, tritt das Stechen am seitlichen Hüftbereich auf. Die Lage des Schmerzes kann damit Rückschlüsse auf die Auslöser geben, da je nach Seite unterschiedliche Organe in der Schmerzregion anzutreffen sind. Ein stechendes Gefühl, das auf der rechten Seite auftritt, tangiert den Leberbereich. Das Seitenstechen auf der linken Seite, um das es im Folgenden vertieft geht, betrifft vor allem den Bereich rund um die Milz.

Auch wenn die genauen Ursachen des Seitenstechens in der Humanmedizin noch nicht gänzlich geklärt sind, können gesicherte Aussagen über das Auftreten des Schmerzes getroffen werden. Dieser tritt nämlich ausschließlich während oder kurz nach sportlicher Betätigung auf. Betroffene leiden deshalb vor allem nach oder während des Joggens unter dem unangenehmen Stechen auf der linken Seite. In der Literatur wird zudem die Beobachtung getroffen, dass vor allem untrainierte Menschen an Seitenstechen leiden. Hieraus wird geschlossen, dass es als ein Anzeichen für die Überschreitung der eigenen Leistungsfähigkeit gilt.

Ursachen

Die genauen Ursachen, die zum Auftreten von Seitenstechen auf der linken Seite führen, sind nicht geklärt. Es existieren zahlreiche Erklärungsmodelle, die jedoch über das bloße Theoriestadium nicht hinausgelangt sind, da nur wenig gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Die einzelnen Erklärungsmodelle stehen damit für sich nebeneinander. So besagt eine Theorie, das Seitenstechen hänge mit der Lunge der Betroffenen zusammen.

Die unteren Bereiche des Organs seien bei körperlicher Anstrengung bloß unzureichend belüftet, was sodann zu Schmerzen führe. Die herrschende Meinung in der Humanmedizin tritt dieser Argumentation jedoch entgegen. Sie führt an, dass ein Seitenstechen eine bloße Missempfindung sei. Für eine Unterbelüftung gebe es keine Belege. Zudem erklärt dieser Ansatz nicht, warum Seitenstechen sowohl auf eine Seite beschränkt bleiben als auch auf beiden Seiten gleichzeitig auftreten kann.

Eine weit verbreitete Ansicht sieht das Zwerchfell als Ursache des Seitenstechens an. Bei sportlichen Aktivitäten käme es zu einer tieferen und beschleunigten Atmung, was das Zwerchfell stark belaste. Dieses würde zudem nicht mit ausreichenden Mengen an Sauerstoff versorgt und löse deshalb das krampfartige Stechen aus. Hiergegen wenden jedoch einige Autoren ein, dass das Zwerchfell durch die permanente Atmung eines Individuums zu den am besten trainiertesten Muskeln gehöre.

Sie sind deshalb der Auffassung, dass eine Umverteilung des Blutes die Ursache eines Seitenstechens ist. Denn bei sportlicher Aktivität kommt es stets zu einer Neuverteilung des Blutes im Körper. Die inneren Organe werden weniger stark mit Blut versorgt als sonst. Stattdessen wird die Versorgung der Muskelregionen wesentlich erhöht. Vor allem Milz und Leber seien von der Umverteilung betroffen. Die beiden Körperregionen gelten im Allgemeinen als recht schmerzempfindlich. Sie können sich – so die Vertreter dieser Theorie – infolge der Blutunterversorgung verformen. Dies wurde bereits durch Ultraschallbilder bestätigt, sodass die wohl herrschende Meinung in der Humanmedizin dieser Theorie folgt.

Die Umverteilung des Blutes könnte auch erklären, warum die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Seitenstechen durch einen vollen Magen verstärkt wird. Denn die Verdauung von Speisen erfordert Blut. Das gilt vor allem für schwere, fetthaltige Gerichte. Der Verdauungsapparat konkurriert dann besonders stark mit den beanspruchten Muskelregionen, sodass die Umverteilungsproblematik noch einmal verstärkt wird.

Diagnose und Verlauf

Seitenstechen auf der linken Seite kann unproblematisch diagnostiziert werden. Es ist hervorzuheben, dass Seitenstechen keine Krankheit ist. Eine eigenständige Diagnose ist damit möglich. Typische Anzeichen sind das Auftreten von Schmerzen in der Flanke. Außerdem besteht in der Regel ein Zusammenhang zu Ausdauersport oder ähnlichen körperlichen Belastungen. Typisch ist außerdem, dass der Schmerz kurz nach der Aktivität wieder von selbst verschwindet. Tritt der Schmerz ein, sollte das Maß der sportlichen Aktivität verringert werden. Sollte das Seitenstechen auch noch lange nach dem Sport anhalten, ist ärztlicher Rat einzuholen.

Behandlung und Therapie

Da es sich bei Seitenstechen nicht um eine Krankheit handelt, ist keine Therapie im engeren Sinne notwendig. Es ist ausreichend, die Symptome zu reduzieren. Schmerzmittel oder andere Arzneien werden keinesfalls benötigt. Vielmehr reicht es aus, die betroffene Stelle leicht zu massieren. Dabei ist auf die korrekte Druckmenge zu achten, da zu viel Druck kontraproduktiv sein kann. Außerdem ist es hilfreich, auf die eigene Atmung zu achten. Diese sollte kontrolliert und ruhig sein. Das Ausatmen sollte so lange wie möglich angehalten werden. Zudem ist die körperliche Belastung auf ein Minimum zu reduzieren. Beim Joggen sollte also entweder angehalten oder die Laufgeschwindigkeit stark reduziert werden.

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Vorbeugung

Seitenstechen kann vorgebeugt werden, indem einige Stunden vor Beginn der körperlichen Aktivität auf den Verzerr von fettreichen Speisen oder großen Mahlzeiten verzichtet wird. So lässt sich die Problematik, die durch die Umverteilung des Blutes entsteht, entschärfen. Stattdessen sollte auf kleine und leicht verdauliche Speisen wie Bananen oder anderes Obst zurückgegriffen werden. Gänzlich auf eine Mahlzeit zu verzichten ist keine optimale Option, da ein leerer Magen für die Durchführung von Sport oder andern körperlichen Aktivitäten nicht zuträglich ist. Darüber hinaus sollten die einzelnen Trainingseinheiten ruhig begonnen und erst stetig gesteigert werden. Die Intensität sollte dynamisch sein und nicht von Null auf Einhundert ansteigen. Ein bereits eingesetztes Seitenstechen kann durch eine Reduktion der körperlichen Belastung minimiert werden.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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