Nierenfunktionsszintigraphie

Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Nierenfunktionsszintigraphie stellt eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode zur Beurteilung der Nierenfunktion dar. Dabei werden Nierendurchblutung, Urinabfluss und Urinausscheidung kontrolliert.
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Was ist eine Nierenfunktionsszintigraphie?
In der Medizin trägt die Nierenfunktionsszintigraphie auch die Bezeichnungen Nierenszintigraphie, Radioisotopennephrographie (RIN) oder Isotopennephrographie (ING). Bei diesem Verfahren werden die rechte und die linke Niere auf ihre Durchblutung, den Harnabfluss sowie die Harnausscheidung hin überprüft.
Weiterhin lässt sich die Reinigungsfunktion des Organs, die Clearance genannt wird, seitengetrennt kontrollieren. Mit Clearance ist das Volumen an Blutplasma gemeint, das in bestimmten Abständen von den Nieren von Stoffen gereinigt wird, die der Organismus über den Harn ausscheidet.
Im Rahmen der Nierenfunktionsszintigraphie injiziert der Arzt ein Radiopharmakon in die Blutbahn des Patienten, das im weiteren Verlauf von den Nieren wieder aus dem Körper ausgeschieden wird. Diesen Ausscheidungsprozess hält eine Gammakamera fest.
Anwendung und Funktion
Darüber hinaus ist es möglich, durch eine Nierenfunktionsszintigraphie verschiedene krankhafte Veränderungen zu diagnostizieren. Dabei handelt es sich um entzündliche Veränderungen an den Nieren, Nierenfunktionsstörungen wie eine Niereninsuffizienz, Störungen des Harnabflusses wie Verengungen, Nierensteine oder Tumore innerhalb der ableitenden Harnwege sowie eine Stenose der Nierenarterie als Auslöser von Bluthochdruck.
Ebenfalls dazu zählen bereits angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Nierenanomalien wie Schrumpfnieren, doppelt angelegte Nieren, fehlende Nieren oder Beckennieren.
Die Nierenfunktionsszintigraphie eignet sich sowohl für Kinder als auch für erwachsene Menschen. Nur bei schwangeren Frauen darf sie nicht zur Anwendung gelangen, weil dabei radioaktive Substanzen Verwendung finden. Auch im Rahmen der Transplantationsmedizin wird die Nierenfunktionsszintigraphie eingesetzt. So lässt sich mit ihrer Hilfe sowohl die Eignung des Nierenspenders kontrollieren als auch die optimale Tätigkeit der verpflanzten Niere.
Da es mit der Nierenfunktionsszintigraphie nicht möglich ist, das Aussehen der Nieren zu bestimmen, findet neben der Szintigraphie zumeist auch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) statt. Dabei beurteilt der Arzt die korrekte Form der Nieren, was für die Diagnose von großer Bedeutung ist.
Was muss der Patient beachten?
Bevor eine Nierenfunktionsszintigraphie durchgeführt wird, sind bestimmte Untersuchungen notwendig. So muss der Arzt wissen, welche Medikamente der Patient einnimmt. Dazu gehören in erster Linie ACE-Hemmer, weil diese die Messung der Nierenfunktion beeinträchtigen können. Bei einer nicht bekannten Einnahme von ACE-Hemmern wäre die Messung nicht aussagekräftig. Auch das Bestimmen der Laborwerte kann im Vorfeld wichtig sein.
Vor dem Verabreichen des Radiopharmakons muss der Patient reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen. Babys sind vor der Untersuchung zu stillen. Die Aufnahme der Flüssigkeit gilt als wichtig, weil dadurch das Ausscheiden des radioaktiven Stoffes aus dem Körper schneller abläuft, was wiederum die Strahlenbelastung reduziert.
Bei bestimmten Fragestellungen kann es sinnvoll sein, spezielle Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor dem Untersuchungstermin abzusetzen, was in Absprache mit dem Arzt erfolgt.
Ablauf und Durchführung
Durchgeführt wird eine Nierenfunktionsszintigraphie zumeist von niedergelassenen Fachärzten für Nuklearmedizin oder in nuklearmedizinischen Fachabteilungen von Krankenhäusern. Dazu benötigt der Patient eine Überweisung durch den behandelnden Arzt. Die Untersuchung selbst erfolgt durch einen Radiotechnologen unter ärztlicher Aufsicht. Zum Verabreichen des Radiopharmakons erhält der Patient durch einen Arzt einen venösen Zugang.
Eine Nierenfunktionsszintigraphie nimmt in der Regel 20 bis 40 Minuten in Anspruch, was von der jeweiligen Fragestellung abhängt. Dabei setzt oder legt sich der Patient hin und wendet seinen Rücken der speziellen Gammakamera zu. Wichtig ist, dass der Patient so wenige Bewegungen wie möglich vornimmt. So können sich die Bewegungen störend auf die Aufnahmequalität der angefertigten Bilder auswirken. Bei Kindern gilt deshalb das Verabreichen eines Beruhigungsmittels als sinnvoll.
Nachdem der Patient ausreichend Flüssigkeit aufgenommen hat, wird ihm ein radioaktiver Stoff eingespritzt. Im Anschluss daran fertigt die Gammakamera Bilder von beiden Nieren an. Beurteilt werden dabei Form, Größe und Lage der Organe sowie die verschiedenen Abschnitte der Urinausscheidung.
Je nachdem, ob Verdacht auf eine Verengung der Nierenarterie oder eine Harnabflussstörung besteht, erhält der Patient während der Nierenfunktionsszintigraphie bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Diuretika, um die Harnproduktion der Nieren zu steigern. Mitunter kann auch eine Blutabnahme nötig sein. Mithilfe der ermittelten Daten werden mit einem Computer Funktionskurven der Nieren erstellt. Diese bilden die Ausscheidungsfunktion auf grafische Weise ab.
Nach Ende der Nierenszintigraphie ist es wichtig, dass der Patient seine Blase entleert. Auf diese Weise verringert er die Strahlenbelastung in seinem Körper. Andere spezielle Maßnahmen müssen nach der Untersuchung nicht erfolgen. Für das weitere Vorgehen findet eine anschließende Besprechung mit dem Arzt statt.
Mitunter können sich bei der Nierenfunktionsszintigraphie auch Fehler ergeben. Diese sind zumeist darauf zurückzuführen, dass der Patient zu wenig Flüssigkeit getrunken oder sich während der Prozedur bewegt hat.
Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?
Für die Kosten der Nierenfunktionsszintigraphie kommen die gesetzlichen Krankenkassen auf. Der Patient braucht für die Untersuchung eine ärztliche Zuweisung, die einen Monat lang Gültigkeit besitzt.
Risiken, Gefahren und Komplikationen
Weil die Nierenfunktionsszintigraphie zu den Verfahren der Nuklearmedizin zählt, fürchten sich viele Patienten vor dem Verabreichen eines radioaktiven Medikaments. Die Strahlenbelastung durch den radioaktiven Stoff fällt jedoch derart gering aus, dass diese Sorgen unbegründet sind. Sie liegt im Bereich von konventionellen Röntgenuntersuchungen wie zum Beispiel einer Lungenuntersuchung.
Schmerzen oder andere Nebenwirkungen muss der Patient im Rahmen einer Nierenfunktionsszintigraphie nicht befürchten. Nach Ende der Untersuchung kann er wieder seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen.
Quellen
- Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
- Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
- Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
- Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
- Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021
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