Läuferknie (iliotibiales Bandsyndrom)

Letzte Aktualisierung am 27. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Läuferknie (iliotibiales Bandsyndrom) ist ein weit verbreitetes Leiden unter Läufern und häufige Ursache für Verletzungen der unteren Gliedmaßen bei Langstreckenläufern. Es trifft jedoch auch andere Sportler, die ihre Knie stark beanspruchen. Bergsteigen, Wandern und Radfahren, Orientierungsläufe, Walking und lange Spaziergänge können somit ebenfalls zu seinem Auftreten führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Läuferknie (iliotibiales Bandsyndrom)?

Viele Jogger leiden unter einem Läuferknie. Starke Knieschmerzen und ein Knacken im Knie sind typische Symptome.

Das iliotibiale Band ist eine große, komplexe Bindegewebestruktur. Sie vereint Eigenschaften von Sehnen und Bändern mit einem ungewöhnlichen Spannungskontrollsystem, das aus ein paar Hüftmuskeln am oberen Ende besteht. Iliotibiales Bandsyndrom ist ein Knieleiden, das ausschließlich die Seite(n) des Knies betrifft.

Der Mittelpunkt der Symptome liegt ohne Ausnahme – per definitionem – seitlich des Knies. Sitzt der Schmerz hauptsächlich im vorderen Bereich des Knies, handelt es sich um ein patellofemorales Schmerzsyndrom. Dieses Leiden bedarf einer anderen Behandlung, doch anhand der nachfolgenden Punkte kann eine eindeutige Diagnose getroffen werden.

Ursachen

Folgende Ursachen können zum Läuferknie (iliotibiales Bandsyndrom) führen:

Überanstrengung. Wiederholtes Beugen des Knies kann die Nerven der Kniescheibe reizen. Überdehnte Sehnen können auch ein schmerzendes Läuferknie verursachen.

Verletzung. Ein direktes Trauma des Knies, beispielsweise durch einen Sturz oder Stoß.

Schiefstellung. Bei ungleich positionierten oder falsch ausgerichteten Knochen wird körperliche Belastung nicht gleichmäßig durch den Körper verteilt. Einige Körperteile tragen in der Folge zu viel Gewicht und dies wiederum verursacht Schmerzen und schädigt die Gelenke.

Fußprobleme. Läuferknie kann durch Plattfüße verursacht werden; im Fachjargon Senkfuß, „eingefallenes“ Fußgewölbe oder Überpronation genannt. Hier verursacht die Erschütterung eines Schrittes ein Einsinken des Fußgewölbes. Dies dehnt die Muskeln und Bänder mit weitreichenden Auswirkungen bis hinauf ins Knie.

Schwache Oberschenkelmuskeln.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Läuferknies (iliotibiales Bandsyndrom):

Der Schmerzmittelpunkt sitzt seitlich des Knies. Symptome können im Bereich des gesamten Knies auftretet – insbesondere in schweren Fällen. Der stärkste Schmerz geht jedoch stets von der Seite des Knies aus. Seitlich des Knies gibt es einen Punkt, der auf Druck empfindlich reagiert. Dieser Punkt sitzt an der am weitesten hervorstehenden Stelle. Die Kniescheibe ist jedoch nicht übermäßig sensibel, wenn sie direkt ins Knie geschoben oder gedrückt wird.

Der Schmerz wird schlimmer, wenn Treppen hinabgestiegen oder Schrägen herunter gelaufen werden. Der Auf- bzw. Anstieg ist entweder nicht oder deutlich weniger schmerzhaft. Der Schmerz wurde meistens zum ersten Mal in einer Abwärtsbewegung bemerkt. Tiefe Kniebeugen hingegen sind selten schmerzhaft. Kurzes Sitzen hat keinen weiteren Einfluss auf den Schmerz, langes Sitzen (über 1 Stunde) kann ihn jedoch verschlimmern.

Die Beine sind frei von offensichtlichen strukturellen Problemen. Symptome treten relativ gleichbleibend und vorhersagbar auf. Über längeren Zeitraum verändern sich Intensität und Ort des Schmerzmittelpunktes nicht oder nur unwesentlich.

Diagnose

Um ein Läuferknie zu diagnostizieren, ist eine umfassende, eingehende körperliche Untersuchung durch einen Fachmann nötig. Hierzu zählen Chiropraktiker, Physiotherapeuten und Praktizierende weiterer verwandter Berufsgruppen. Röntgenaufnahmen, MRTs (Magnetresonanztomographie), CTs (Computertomographie) und andere Tests können weiteren Aufschluss geben. Die oben genannten Punkte zu Symptomen und Verlauf helfen beim Erstellen einer ersten Eigendiagnose.

Komplikationen

Das Läuferknie löst beim Patienten Schmerzen aus. Diese führen häufig zu einer Einnahme eines schmerzstillenden Medikamentes. Die Zufuhr der Präparate ist mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, die schwerwiegende Folgen haben können. Neben Beschädigungen der Schleimhäute im Magen und Darm kommt es oftmals zu weiteren Schmerzen am Körper. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko einer Sucht, sobald die Arznei über mehrere Wochen eingenommen wird. Das Herz-Kreislauf-System kann geschädigt werden und ein Organversagen ist möglich.

Häufig kommt es zu Blutungen, Kopfschmerzen und zu einem Versagen der Nieren oder der Leber. In schweren Fällen drohen dem Patienten ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Die Beschwerden des Läuferknies führen zu einer Bewegungseinschränkung. Psychische Probleme können einsetzen. Diese reichen je nach Persönlichkeit des Patienten von leichten Verstimmungen bis hin zu Verhaltensstörungen. Depressive Phasen oder ein aggressives Auftreten sind möglich. Zusätzlich kann es zu Angst und Unsicherheiten kommen.

Durch das Läuferknie bewegt sich der Patient deutlich weniger. Ohne eine Nahrungsumstellung stellt sich dadurch in den meisten Fällen ein Übergewicht ein. Langfristig ist eine Essstörung möglich. Das Herz-Kreislauf-System ist stark belastet, die Schweißproduktion nimmt zu und Atemnot setzt ein. Ein starkes Übergewicht ist verbunden mit einer Verkürzung der allgemeinen Lebenserwartung, da es häufig zu einem Herzversagen kommt.

Behandlung und Therapie

Unabhängig von der Ursache des Läuferknies (iliotibiales Bandsyndrom) heilen leichte bis mittelschwere Fälle mit ein bisschen Ruhe und Geduld meist von selbst. Folgende Tipps helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen:

  • Ruhig stellen. Das Knie so wenig wie möglich belasten.
  • Kühlen. Zur Minderung von Schmerz und Schwellungen das Knie für 20-30 Minuten alle 3-4 Stunden über 2-3 Tage kühlen oder bis der Schmerz verschwunden ist.
  • Kompression. Eine elastische Bandage, Tapes oder Binden entlasten und stützen die Knieregion.
  • Hochlegen. Das Knie sowohl im Sitzen als auch im Liegen so oft wie möglich hochlegen oder auf einem Kissen lagern.
  • Antiphlogistika. Nicht-steroide entzündungshemmende Schmerzmittel lindern Schmerzen und Schwellungen. Da diese Mittel nicht ohne Nebenwirkungen kommen, sind sie jedoch mit Vorsicht zu genießen und nur kontrolliert unter Aufsicht eines Arztes einzunehmen.
  • Dehnen. Übungen zur Dehnung und Stärkung der betroffenen Areale sind zu empfehlen.
  • Einlagen. Orthopädische Senkfußeinlagen helfen bei niedrigen Fußgewölben und wenig ausgeprägten Fußprofilen.

Der Erholungsprozess hängt vom jeweiligen Fall ab und ist von Sportler zu Sportler verschieden. Während der Genesungsphase empfiehlt es sich, eine neue Sportart auszuprobieren, die das Läuferknie nicht weiter beanspruchte. Wer normalerweise joggt, kann beispielsweise stattdessen ein paar Bahnen im Schwimmbad ziehen. Erst bei völliger Beschwerde- und Schmerzfreiheit sollte jedoch zur alten Sportart zurückgekehrt werden. Wer sein Knie beansprucht, bevor es vollständig geheilt ist, kann bleiben Schaden verursachen.

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Vorbeugung

Es gibt verschiedene Maßnahmen die helfen, einem (erneuten) Läuferknie erfolgreich vorzubeugen. Regelmäßige Dehnübungen halten die Oberschenkelmuskulatur stark und geschmeidig. Orthesen – orthopädische Schuheinlagen – stützen das Fußgewölbe bei Senkfuß oder anderen Fußproblemen, die zum Läuferknie führen können. Ein gutes, problemspezifisches Fußbett im Laufschuh ist unverzichtbar.

Wenn an einem Läuferknie (iliotibiales Bandsyndrom) gelitten wird, sind harte Untergründe wie Stein oder Asphalt sind zu vermeiden. Gute Fitness und ein gesundes Gewicht helfen dem Körper bei seiner Arbeit. Eine abrupte Erhöhung des Trainingspensums oder der Intensität kann zu einer Überreizung führen. Langsame Steigerungen sind besser. Hochwertige Laufschuhe sind ein Muss. Alte Schuhe gehören auf den Müll, sobald sie ihre Form verlieren oder die Sohle abgenutzt ist.

Bücher über Sportmedizin

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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