Krampflösende Arzneimittel (Spasmolytika)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 10. November 2018

Krämpfe sind häufig mit unangenehmen und schmerzhaften Empfindungen verbunden, die durch die Einnahme krampflösender Arzneimittel (Spasmolytika, Muskelrelaxantium) erheblich gelindert werden können. In diesem Zusammenhang wächst das Spektrum verfügbarer Arzneimittel in der Pharmaindustrie stetig an. Umso wichtiger ist es daher, sich im Voraus über die richtige Dosierung und alternative Heilungsmöglichkeiten zu informieren, um das Auftreten möglicher Nebenwirkungen krampflösender Arzneimittel zu verhindern.

Inhaltsverzeichnis

Was sind krampflösende Arzneimittel?

Krampflösende Arzneimittel lindern die Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS).

Krampflösende Arzneimittel, die in der Fachsprache auch als Spasmolytika, Antispasmodikum, Muskelrelaxantium oder Tonolytika bezeichnet werden, umfassen all diejenigen Substanzen, die eine krampflösende Wirkung haben. Insbesondere bei Krämpfen im Magen-Darm-Bereich, in den Gallen- und Harnwegen, den Bronchien und den Gefäßen kommen die krampflösenden Mittel vorwiegend zum Einsatz.

Auch im Hinblick auf Menstruationsbeschwerden bei Frauen spielen Spasmolytika eine bedeutende Rolle. Dabei heben sie einen Krampf komplett auf oder setzen die Muskelspannung der sogenannten glatten Muskulatur herab, die mit Ausnahme des Herzens in erster Linie in den Wänden aller zusammenziehbarer Hohlorgane vorzufinden ist. Außerdem liegt eine glatte Muskulatur auch an vielen Stellen der Haut vor.

Generell bilden krampflösende Arzneimittel jedoch keine homogene Stoffklasse aus, sondern zeichnen sich lediglich durch ihr gemeinsames Kennzeichen der Tonussenkung der glatten Muskulatur aus. Zusätzlich enthalten einige krampflösende Mittel ebenfalls schmerzstillende Wirkstoffe, um neben einer Auflösung des Krampfes auch eine Reduzierung von Schmerzen herbeizuführen.

Wie wirken krampflösende Arzneistoffe?

Die Wirkungsweise krampflösender Mittel besteht in dem Effekt, die glatte Muskulatur der inneren Organe zu entspannen. Dabei werden ja nach Ort der Einwirkung drei unterschiedliche Formen differenziert. So können die Mittel als neurotrope Spasmolytika auf die Nerven, als muskulotrope Krampfmittel auf die Muskeln oder in einer gemischten Kombination sowohl auf Nerven und Muskeln einwirken.

Die neurotopen Spasmolytika werden dabei nochmals in Parasympatholytika und Sympathomimetika differenziert. Parasympatholytika wirken dabei über die Nervenfasern des Parasympathikus, welcher die inneren Organe steuert. Bei Einsatz krampflösender Mittel kommt es zu einer Erregung dieser Fasern, infolge derer sich die glatte Muskulatur der inneren Organe anspannt.

Sympathomimetika basieren wiederum auf einer Aktivierung der Rezeptoren des sogenannten Sympathikus, welcher einen Teil des vegetativen Nervensystems darstellt. Die neurotopen Krampfmittel sind zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, sodass ihre Einnahme nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen sollte.

Die muskulotropen Spasmolytika führen wiederum eine Erschlaffung der Muskelfasern der glatten Muskulatur herbei, ohne dass es hierbei zu einer Beteiligung der Nerven kommt.

Anwendungsgebiete

Grundsätzlich können somit vier Hauptanwendungsgebiete krampflösender Mittel unterschieden werden.

Zum einen sind sie im Verdauungssystem einsetzbar, wo sie bei Magen-Darm-Beschwerden, Geschwüren, Durchfallleiden oder Gallenbeschwerden- und steinen zum Einsatz kommen. Des Weiteren können sie in der Region der Harnwege wirken, wenn eine Nierenkolik oder eine Reizblase beim Patienten vorliegt. Auch in der Gebärmutter werden krampflösende Mittel insbesondere gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Zuletzt wird mit krampflösenden Mitteln oftmals gegen Bronchialkrämpfe vorgegangen.

Krampflösende Mittel werden u.a. eingesetzt bei:

Welche Arzneimittel gibt es?

Je nach Ort der Einwirkung werden in der Medizin mit den neurotropen, muskulotropen und gemischten Spasmolytika drei Hauptformen krampflösender Mittel unterschieden.

Zu den neurotropen Spasmolytika, die den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin verdrängen und hiermit die parasympathische Aktivität behindern, zählt in erster Linie der Wirkstoff Atropin, der unter dem Handelsnamen Atropinsulfat® bekannt ist. Da dieser Wirkstoff sich jedoch an vielen Körperstellen auswirkt, sind mit ihm zahlreiche Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Auch Tropicamid, Ipratropium, Butylscopolamin und Pirenzepin stellen Arzneimittel der Parasympatholytika dar.

Als weiteres neurotropes Mittel gilt das Oxitropiumbromid, welches mit weniger Wechselwirkungen verbunden ist und daher gezielt als krampflösendes Mittel für ein spezielles Organ verabreicht werden kann.

Als ein muskulotroper Wirkstoff gilt Hymecromon.

Zudem existieren in dieser Gruppe vielfältige pflanzliche Wirkstoffe wie zum Beispiel das Schöllkraut. Zu den krampflösenden Mitteln mit einer gemischten Einwirkung zählen wiederum Mebeverin (Duspatalin®) und Drofenin (Lunadon®).

Weitere Wirkstoffe krampflösender Mittel sind Flavoxat, das unter dem Namen Urispas® bekannt ist oder Scopolaminbutylbromid, welches als Buscopan® bei Menstruationsbeschwerden und Bauchkrämpfen zum Einsatz kommt.

Papaverin (Spasmosol®), Pinaveriumbromid (Dicetel®), Metixen (Spasmo-Canulase®) sowie Metamizol (Novalgin®, Novalminsulfon®, Minalgin®) repräsentieren ebenfalls Wirkstoffe, die in krampflösenden Mitteln enthalten sind.

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Dosierung

Für eine gewünschte Wirkungsweise der krampflösenden Mittel ist eine korrekte Dosierung dieser unabdingbar. Insbesondere in Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen sollten die Medikamente nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. So sollte stets individuell abgewogen werden, ob und in welchem Maße eine Behandlung mit Spasmolytika sinnvoll ist. In niedrigen Dosierungen lassen sich die krampflösenden Mittel meist gut vertragen und bleiben ohne Nebenwirkungen. Die Wirkungsweise ist dabei jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich. Während einige diese gut vertragen, müssen andere zunächst erst verschiedene Arzneien ausprobieren oder die Dosierung eines Mittels langsam steigern, bis die gewünschte Wirkung eintritt.

Pflanzliche Alternativen zur Krampflösung

Anstelle krampflösender Mittel können bei Bedarf auch pflanzliche Stoffe treten, die als angemessene natürliche Alternativen gelten und über eine spasmolytische Wirkung verfügen. Hierzu zählt beispielsweise die Pflanzenart Anis, die in Form von Milch besonders bei Kindern gegen Magenkrämpfe eingesetzt wird. Auch Fenchel kann aufgrund seiner krampf- und schleimlösenden Öle bei Krampfleiden im Verdauungssystem Anwendung finden.

Eine ähnliche Wirkungsweise wird Kümmel zugesprochen, welcher mit Hilfe seiner ätherischen Öle ebenfalls Krämpfe in der Magen-Darm-Region beruhigt. Sollten starke Krämpfe die Bauchregion befallen, kommt oftmals auch die Heilpflanze der Kamille zum Einsatz, da ihre Substanzen entspannend auf die Muskulatur des Darmes wirken und Koliken mildern. Kamille lässt sich dabei einerseits in Form von Tee zubereiten oder als Wickel anwenden, indem ein in Kamillentee getränktes Tuch für circa 15 Minuten auf den Bauch gelegt wird.

Bei leichteren, eher nervlich verursachten Bauchkrämpfen kann bereits die Einnahme von Melisse hilfreich sein, die in Form von Tee dem Körper zugeführt werden kann. Melisse wirkt dabei nicht nur entspannend auf den Magen, sondern beruhigt den gesamten Körper.

Auch Pestwurz löst Krämpfe auf, sollte jedoch aufgrund eines hohen Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden nur unter Beobachtung und auf ärztliche Genehmigung hin eingenommen werden.

Letztlich gilt auch Pfefferminze als Alternative für krampflösende Arzneimittel, da es durch seine spezielle Wirkstoffkombination starke Krämpfe im Verdauungssystem auflösen kann. Insbesondere der enthaltende Wirkstoff Menthol wirkt dabei krampflösend und kann nach einer Umsetzung der Pfefferminzblätter in Tee seine volle Wirkung entfalten.

Sollten keine heilenden Pflanzen zur Hand sein, kann auch mit Wärmeauflagen gegen auftretende Krämpfe vorgegangen werden. So entspannt eine Wärmeauflage auf dem oberen Bauch die krampfende Region und fördert die Durchblutung des Magen-Darm-Systems. Als angemessene Wärmeauflage kann hier beispielsweise ein Kirschkernkissen dienen, welches in einer Mikrowelle aufgeheizt wird und anschließend auf die entsprechende Bauchpartie gelegt wird. Nach kurzer Zeit zeigt es bereits seine beruhigende und entspannende Wirkung, mit welcher eine Auflösung des Krampfes einhergeht. Um ein Anbrennen des Kissens zu verhindern, sollte dieses erst wieder erwärmt werden, wenn es gänzlich abgekühlt ist. Sollte kein Kirschkernkissen im Haushalt vorhanden sein, kann bereits eine einfache Wärmflasche ähnliche Effekte bringen. Auch feuchtwarme Wärmeumschläge sind als Alternative zu krampflösenden Medikamenten empfehlenswert.

Risiken und Nebenwirkungen

Trotz des hohen Nutzens krampflösender Mittel muss stets die Möglichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen bedacht werden. So können Spasmolytika im Bereich des zentralen Nervensystems beispielsweise Unruhe, Trägheit und bei einer Überdosierung sogar die Ausbildung von Halluzinationen zur Folge haben. In der Augenregion zählen Lichtempfindlichkeit oder Akkommodationsstörungen zu potentiellen Risiken, wobei letztere die Nah- und Ferneinstellung des Auges beeinflussen.

Krampflösende Mittel können ebenfalls eine Darmlähmung oder verzögerte Darmentleerung zur Folge haben. Im Hinblick auf die Herzfunktion muss in seltenen Fällen mit Herzrasen, steigenden oder abfallenden Blutdruck oder einer anfallartigen schmerzhaften Brustenge gerechnet werden. Des Weiteren können infolge einer Einnahme krampflösender Mittel die Atemwege unter Bronchialspasmen und die Muskulatur unter einem Tremor, einem unwillkürlichen Zittern, leiden. Die dargelegten Nebenwirkungen verdeutlichen die große Bedeutsamkeit einer umfassenden Auseinandersetzung mit der empfohlenen Dosierung und möglichen Risiken von Spasmolytika, bevor krampflösende Mittel zugeführt werden.

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F., Forth, W.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer, aktuelle Auflage
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012


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