Eiweiß im Urin

Letzte Aktualisierung am 18. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Geringe Mengen Eiweiß im Urin besitzen noch keinen eigenen Krankheitswert. Selbst bei völlig gesunden Menschen sind Proteine im Urin nicht ungewöhnlich. Problematisch wird es, wenn der Eiweißgehalt im Urin zu hoch ist. Hierbei spricht man von einer Proteinurie. Verschiedene Erkrankungen können dafür ursächlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Eiweiß im Urin?

Meistens bemerken Betroffene nicht, dass ihr Eiweißgehalt im Urin hoch ist. Erst ein Urin-Schnelltest gibt Auskunft.

Eiweiß im Urin ist in geringen Mengen normal, jedoch ist ein Übermäßiges Ausscheiden von Protein über die Harnsäure, in der Fachsprache auch als Proteinurie bezeichnet, gefährlich und durchaus ernst zu nehmen. Von zuviel Eiweiß im Urin spricht man, wenn die als normal betrachtete Menge von 150 Milligramm Protein, welches über den Urin ausgeschieden wird, überschritten wird.

Eine zeitweilige oder gelegentlich auftretende zu hohe Ausscheidung von Eiweiß im Urin, auch als benigne reversible Proteinurie bezeichnet, ist dabei nicht ungewöhnlich und in den meisten Fällen harmlos. Sollte aber permanent zuviel Eiweiß im Urin sein, kann dies Anzeichen für eine schleichende Erkrankung der Nieren oder Symptom von verschiedenen anderen Krankheiten sein.

Ursachen

Die Ursachen für eine erhöhte Menge an Eiweiß im Urin reichen von zu hoher körperlicher Anstrengung über Infektionen der ableitenden Harnwege und fieberhaften Erkrankungen bis hin zu Bluthochdruck und Herzschwäche.

Häufig sind es aber die Nieren selbst, die das vermehrte Ausscheiden auslösen. So kann zuviel Eiweiß im Urin ein erstes Anzeichen für eine schleichende [[Nierenerkrankungen|Erkrankung der Nieren sein. Durch die Schädigung der Nierenkörperchen, die dafür Sorge tragen, dass Schadstoffe und Flüssigkeit aus dem Blut in den Urin abgefiltert werden, gelangt dann zuviel Eiweiß aus dem Blut in den Urin.

Warum dies genau passiert und die Nieren bei manchen Menschen einfach immer weiter kaputt gehen, ist aber immernoch nicht ganz geklärt. Dasselbe kann auch geschehen, wenn z.B. Blutgefäße beschädigt sind. Zuviel Eiweiß im Urin kann darüber hinaus auch von Diabetes ausgelöst werden, die wiederum auch die Nieren beschädigen kann.

Wann zum Arzt?

Eiweiß im Urin (Proteinurie) kann viele Ursachen haben. Nicht in jedem Falle muss ein Arzt aufgesucht werden. Bei Kindern und Jugendlichen kann phasenweise eine Proteinurie im Verlauf ihrer Entwicklung auftauchen. Sie verschwindet mit der Zeit wieder. Auch eine Grippe kann dazu führen, dass vermehrt Eiweiß mit dem Urin ausgeschieden wird. In der Regel normalisiert sich dies wieder, wenn die Grippe abklingt. Andere Infektionskrankheiten können ebenfalls für eine kurze Zeit eine erhöhte Eiweißausscheidung bewirken. Dies ist nicht weiter bedenklich.

Jedoch kann eine Proteinurie auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein. Schäumt der Urin, was ein Anzeichen für eine vermehrte Eiweißausscheidung ist, liegt dem möglicherweise ein Nierenschaden zugrunde. Menschen mit einer entsprechenden Vorerkrankung sollten dann einen Arzt aufsuchen, der mithilfe einer 24-Stunden-Analyse des Urins den genauen Eiweißgehalt messen kann. Ist dieser deutlich erhöht, sollte ein Nephrologe konsultiert werden.

Denkbar ist, dass es sich um eine fortschreitende Nierenschädigung handelt. Dies muss der Arzt abklären. Mittels Teststreifen aus der Apotheke kann der Patient auch selbst einen Schnelltest durchführen. Jedoch kann dies nur ein erster Schritt sein. Liegt eine Proteinurie vor, ist ausschlaggebend, wie viel Eiweiß ausgeschieden wird. Je höher die Menge, umso bedenklicher ist es. Der Arzt muss über weitere Schritte entscheiden.

Symptome und Verlauf

Das Heimtückische an zuviel Eiweiß im Urin ist die Tatsache, dass es eigentlich keinerlei auf Anhieb sichtbare Symptome verursacht und von den Betroffenen deshalb nur schwer zu bemerken ist. Ist das Eiweiß im Urin eine Folge von Erkrankungen des Herzens oder von Infektionen der Harnwege, wird es meist im Zuge der Behandlung dieser entdeckt und verschwindet nach der Genesung auch wieder.

Ist es jedoch Folge einer schleichenden Nierenerkrankung, äußert es sich erst in einem fortgeschrittenen Stadium, in dem die Nieren häufig schon schweren Schaden genommen haben, in ihrer Funktion stark eingeschränkt sind und eventuell sogar eine Dialyse notwendig ist. Unbehandelt führt die Proteinurie in den meisten Fällen zu einem völligen Nierenversagen, welches tödlich enden kann, auch das Herzinfarktrisiko steigt.

Der einzige, wenn auch nicht wirklich verlässliche Hinweis auf eine eventuelle Proteinurie ist ein stark schäumender Urin, doch dieser kann auch andere Gründe haben und muss keineswegs sicher bedeuten, dass sich zuviel Eiweiß im Urin befindet.

Diagnose

Die Diagnose einer erhöhten Ansammlung von Eiweiß im Urin ist relativ einfach und in den meisten Fällen eindeutig. Mit einem simplen Schnelltest, bei dem ein Teststreifen in eine Urinprobe getaucht wird, kann die Menge des sich im Urin befindlichen Eiweißes durch unterschiedliche Verfärbung sichtbar gemacht werden. Fällt ein solcher Test positiv aus, befindet sich also mehr als die normale Menge an Eiweiß im Urin, wird in der Regel noch eine Laboruntersuchung des Urins durchgeführt, um absolut sicher zu gehen.

Komplikationen

Ob Eiweiß im Urin zu Komplikationen führt, hängt maßgeblich von der Ursache der erhöhten Eiweißkonzentration ab. Sind Stress oder emotionale Probleme ursächlich, kann dies auf Dauer zu psychischen und körperlichen Erkrankungen führen.

Ist eine Nierenerkrankung ursächlich, stellt der erhöhte Eiweißgehalt ein Warnzeichen für weitere Begleitsymptome wie beispielsweise Harnverhalt, Nierenversagen oder eine Nierenentzündung dar. Mitunter deutet Eiweiß im Urin auch auf eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems hin, die sich unbehandelt verstärken und gar zum Herzinfarkt führen kann.

Das Eiweiß selbst ruft in der Regel also keine Komplikationen hervor, ein erhöhter Proteinanteil im Urin deutet allerdings auf Herz- und Nierenerkrankungen hin, die unbehandelt schwere Komplikationen nach sich ziehen können.

Bei dem Verdacht auf Eiweiß im Urin sollte deshalb unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Erfolgt trotz typischer Anzeichen keine medizinische Abklärung, kann sich die Ungewissheit langfristig auch auf die psychische Verfassung auswirken. Zudem können mit dem Fortschreiten des Grundleidens weitere Beschwerden hinzukommen, die sich auf vielfältige Weise auf Körper und Psyche auswirken.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von zuviel Eiweiß im Urin richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser für den erhöhten Wert. Sind diese besiegt, verschwindet auch die Proteinurie. Ist sie hingegen Anzeichen für eine langsam fortschreitende Schädigung der Nieren, kann sie nicht gänzlich geheilt, sondern lediglich in ihrem Verlauf verlangsamt und somit auch das Risiko für negative gesundheitliche Konsequenzen wie Herzinfarkte oder Nierenversagen auf ein Minimum gesenkt werden. Die Therapie der Wahl ist dabei eine Kombination aus einer eiweißarmen Ernährung sowie der Einnahme von Medikamenten, die das erhöhte Auftreten von Eiweiß im Urin vermindern.

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Vorbeugung

Durch einen gesunden Lebensstil mit einer gesunder Ernährung, viel Sport und wenig Alkohol und Nikotin kann einigen Faktoren, die zuviel Eiweiß im Urin verursachen wie etwa Bluthochdruck, durchaus vorgebeugt werden.

Ist hingegen ein zunehmender Verfall der Nierenkörperchen die Ursache für das Eiweiß im Urin, können leider keine Präventivmaßnahmen empfohlen werden, da nicht genau bekannt ist, welche Faktoren diesen begünstigen bzw. verhindern können.

Ein zu hoher Anteil von Eiweiß im Urin kommt bei vielen Menschen vor und ist in den meisten Fällen eine harmlose, vorübergehende Erscheinung. Tritt er jedoch dauerhaft auf, sollten unbedingt die Gründe geklärt werden. Da zuviel Eiweiß im Urin nahezu keine Symptome verursacht, sollte eine regelmäßige Kontrolle des Proteingehalts des Urins mittels eines Schnelltests in Erwägung gezogen werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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