Bewegungeinschränkung (Bewegungsstörung)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 18. November 2018

Verlaufen körperliche Bewegungen vorübergehend oder dauerhaft anders als beabsichtigt, können sie den Alltag und das persönliche Wohlergehen beeinträchtigen. Die Intensität der Auswirkungen kann sehr unterschiedlich sein und vielfältige Ursachen haben. Je nach Art der Bewegungseinschränkung bestehen Behandlungsmöglichkeiten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Bewegungsstörungen?

Die teilweise oder vollständige Beeinträchtigung des normalen Bewegungsablaufes wird als Bewegungseinschränkung bzw. Bewegungsstörung bezeichnet.

Eine Bewegungseinschränkung (Bewegungsstörung) entsteht durch eine Funktionsbeeinträchtigung von Nervenzellen, Muskeln oder Knochen. Sowohl der Haltungs- als auch der Bewegungsapparat kann betroffen sein. Dadurch können unterschiedlichste Beschwerden für einzelne Körperteile oder der gesamte Körper ausgelöst werden. Diese können einmalig, immer wiederkehrend oder auf Dauer auftreten und sich als Verletzung, Erkrankung oder genetische Folge darstellen.

Zahlreiche neurologischen Erkrankungen weisen als Symptome Bewegungsstörungen auf. Dazu zählen Hirnschläge, Multiple Sklerose und Parkinson sowie Tremor oder Restless Legs Syndrom (RLS). Bewegungseinschränkungen können neben Fehlsteuerungen des Zentralen Nervensystems ebenso durch Sportverletzungen, Verkehrs- oder Arbeitsunfälle entstehen. Außerdem zeigen sich Bewegungsstörungen oftmals als Alterserscheinung oder Operationsfolge.

Ursachen

Als Ursache für Bewegungsstörungen kommen entzündliche, degenerative oder traumatische Schädigungen des Zentralnervensystems (ZNS) in Betracht.

Neurologische Erkrankungen

Eine Bewegungseinschränkung durch eine Fehlsteuerung des Zentralen Nervensystems entsteht durch eine Schädigung der Kontrollfunktion. Diese kann erblich bedingt oder später durch neurologische Erkrankungen wie Parkinson eintreten. Bei dieser Erkrankung kommt es zunehmend zur Verlangsamung und Minderung der Bewegungen.

Beim sogenannten Tourette Syndrom verletzt sich der Betroffene zwanghaft selbst oder streckt unter Kontrollverlust die Zunge heraus. Eine neurologisch bedingte Bewegungsstörung kann auch als unkontrollierter Bewegungsdrang in den Beinen auftreten (Restless Legs Syndrom).

Bei spastischen Bewegungsstörungen kommt es zu einer erhöhten Muskelspannung und Fehlleitungen beim An- und Entspannen der Muskeln. Durch diese fehlerhaften, krampfartigen Muskelkontraktionen können sich Gangart und Schritte bis zur Sturzgefahr ungewollt verändern.

Ebenso können durch Nervenschädigungen Lähmungen einzelner Muskeln oder bei Muskelgruppen auftreten. Zittern kann als Bewegungsstörung symptomatisch für eine genetisch bedingte Tremor-Erkrankung sein. Neben den Beeinträchtigungen der Bewegungssteuerung können auch Gleichgewichtsprobleme die Haltung und den Bewegungsablauf des Körpers negativ beeinflussen.

Schädigungen der Gelenke und Weichteile

Arthrose und Arthritis können erhebliche Bewegungseinschränkungen im Bereich von Gelenken auslösen. Schulter-, Fuß- und Kniegelenke sowie Hüfte und Ellenbogen sind davon insbesondere im fortgeschrittenen Alter betroffen. Der Gang und die Bewegungen älterer Menschen wirkten dadurch häufig unsicher und deutlich eingeschränkt. Funktionsbeeinträchtigungen der Gelenke können auch durch Verletzungen von Bändern und Sehnen im Weichteilgewebe entstehen. Frakturen und starke Prellungen als Unfallfolgen schränken die körperliche Bewegungsfähigkeit ebenfalls stark ein.

Rücken- und Haltungsschäden

Als Grund für Bewegungsstörungen können außerdem Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule verantwortlich sein. Falsches Sitzen kann auf Dauer zu erheblichen Muskelverspannungen führen und sich dadurch auf die körperliche Haltung und Bewegung auswirken. Langes Stehen durch berufliche Notwendigkeiten wie bei einem Friseur können ebenso Beschwerden und Bewegungsprobleme im Bereich der Wirbelsäule und des Nackens hervorrufen.

Psychogene Ursachen

Bewegungseinschränkungen können auch psychische/seelische Ursachen haben. Psychogene Bewegungsstörungen sind häufig die Folgen unverarbeiteter persönlicher Konflikte. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Bewegungsfähigkeit verlangsamen.

Weitere Ursachen

Außerdem können Medikamente, übermäßiger Alkoholgenuss und erhebliches Übergewicht sowie Krebserkrankungen die körperlichen Bewegungsabläufe stark beeinträchtigen. Angeborene Bewegungsstörungen können sich bereits im Säuglingsalter oder bei Kleinkindern bemerkbar machen.

Wann zum Arzt?

Einen Muskelkater vom Sport oder ein unbequemer Sitzplatz bei einem abendlichen Besuch kann zu einem Muskelkater oder zu leichten Nacken- oder Rückenbeschwerden führen. Diese häufig bekannten Beschwerden mit bekannter Ursache klingen in der Regel nach kurzer Zeit wieder ab.

Bei größeren Bewegungseinschränkungen, die länger andauern und unangenehm schmerzhaft sind, bietet sich ein Arztbesuch an. Dadurch können Ursachen und mögliche gesundheitlichen Folgen fachkundig geklärt werden. Schmerzstillende Mittel können die Beschwerden lindern. Je nach Befund können weitergehende Behandlungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu kann bedarfsgerecht ein Physiotherapeut, ein Orthopäde oder Chiropraktiker tätig werden.

Bei psychogenen Ursachen sollte in allen Fällen ein Facharzt aufgesucht werden. Dies gilt auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Symptomen wie Sprechstörungen, taumelnder Gang oder Zittern sollte ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Prellungen und Frakturen sind nicht immer zu unterscheiden. Bei Unfallereignissen mit schmerzhaften Beschwerden sollten diese im Zweifel vom Arzt untersucht werden. Beschwerden in sensiblen Bereichen wie der Wirbelsäule können oftmals nur durch spezielle bildgebende Untersuchungsverfahren abgeklärt werden. Therapeutische Maßnahmen wirken nicht nur schmerzstillend, sondern verbessern meistens auch die Bewegungsfähigkeit. Alkoholmissbrauch kann zu schweren Stürzen führen und bedarf der Enthaltung, in schweren Fällen einer Therapie.

Massives Übergewicht darf als Gefahr für mögliche Bewegungsbeeinträchtigungen nicht unterschätzt werden. Es kann über einen längeren Zeitraum die Gelenke erheblich schädigen und durch Herz-Kreislauf-Beschwerden als Folgeerkrankung den Bewegungsalltag zusätzlich stark beeinträchtigen.

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Behandlung und Therapie

Eine Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung aus. In leichten Fällen, in denen auf eine ärztliche Behandlung verzichtet werden kann, ist ein Abklingen binnen weniger Tage ohne Behandlungsmaßnahmen möglich. Dazu zählen Beschwerden wie Muskelkater oder übermäßiger Alkoholgenuss. Bei Bedarf können auch vorhandene Salben, Schmerztabletten oder Hausmittel verwendet werden. Ein heißes Bad mit einem passenden Zusatz kann bei muskulären Beschwerden ebenfalls lindernd wirken.

Sind die Bewegungsstörungen intensiver und länger anhaltend, ist die Ursache durch eine ärztliche Diagnose zu klären. Je nach Befund können verschiedene therapeutische Maßnahmen eingesetzt werden. Häufig handelt es sich dabei um physiotherapeutische Behandlung wie Massagen, Reizstrom oder Krankengymnastik sowie Muskelaufbautraining und Ergotherapie. Außerdem können orthopädische Hilfsmittel den Ursachen der Bewegungseinschränkungen entgegenwirken. Dazu zählen Schuheinlagen, Bandagen und Orthesen. Damit kann ein Verlust an körperlicher Stabilität und Mobilität teilweise oder vollständig ausgeglichen werden.

Bei schweren Bewegungsstörungen kann es für den Betroffenen notwendig sein, einen Rollator oder sogar Rollstuhl zu nutzen. Außerdem können Umbaumaßnahmen für eine barrierefreie Gestaltung der Wohnung infrage kommen. Bei erforderlichen Bewegungsübungen für Kleinkinder werden die Eltern in die therapeutische Umsetzung eingebunden.

Eine Vielzahl schwerer Erkrankungen kann einen längeren stationären Krankenhausaufenthalt bewirken. Muskulatur, Kondition und Mobilität können dadurch spürbar geschwächt werden. Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiederherstellung von Bewegungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit sind in diesen Fällen oftmals unumgänglich. Absolute Passivität und Schonhaltungen sind unangebracht und führen zu Fehlhaltungen. In jedem Einzelfall sind die persönlichen Belastungsgrenzen im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Psychische Ursachen von Bewegungseinschränkungen können durch fachärztlich geleitete Therapiemaßnahmen reduziert oder beseitigt werden. Ist das ursächliche Problem nicht zu beseitigen, soll dem Patienten geholfen werden, damit besser leben zu können. Neurologische Grunderkrankungen können mit speziellen Medikamenten behandelt werden.

Bei stark übergewichtigen Personen verbessert das Abnehmen mit jedem Kilo Gewichtsverlust die Mobilität. Außerdem können dadurch Herz-Kreislauf-Beschwerden verringert werden. Bürostühle sollten ergonomischen Erfordernissen entsprechen, um Fehlhaltungen zu vermeiden. Dazu können auch eine passende Körperhaltung und Sport beitragen.

Angeborene Bewegungseinschränkungen und Mobilitätsstörungen sowie altersbedingte Verschleißerscheinungen können in der Regel nicht beseitigt werden. Hilfreich sind jedoch kompensierende Hilfsmittel und der Umgang des Betroffenen mit dem Bewegungsproblem. Mit zunehmendem Alter können die Beschwerden größer werden.

Bei Unfällen und Verletzungen entscheidet die Schwere über den weiteren Verlauf. Außerdem wirkt sich die Behandlungsqualität auf einen Heilungs- oder Genesungsprozess aus. Dazu zählen auch die Rehabilitationsmaßnahmen.

Ein Behandlungserfolg ist bei psychischen Ursachen individuell sehr unterschiedlich und daher schwer vorherzusagen. Bei schweren Grunderkrankungen kommen jeweils die erforderlichen Behandlungsmethoden zum Einsatz. Beschwerden durch muskuläre Überforderungen gehen in der Regel unbehandelt und folgenlos wieder zurück. Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung können diesen Prozess beschleunigen.

Aussicht und Prognose

Bewegungseinschränkungen sind weit verbreitet und kommen in allen Altersgruppen vor. Ursache, Intensität und Behandlungsmöglichkeiten können sehr verschieden sein. Bei länger anhaltenden, besonders schmerzhaften Bewegungsstörungen sollte die Ursache durch einen Arzt geklärt werden.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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