Vergiftungen durch Quallen (Quallenverbrennung)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Januar 2015
Gesundpedia.deKrankheiten Vergiftungen durch Quallen (Quallenverbrennung)

Quallen (gleichbedeutend mit Meduse oder Medusa) sind entwicklungssgeschichtlich sehr alt und existieren seit mindestens 670 Millionen Jahren. Sie bilden eine Untergruppe im Tierstamm der Nesseltiere. Einige Quallen besitzen ein für den Menschen gefährliches Gift. Direkter Hautkontakt kann örtlich begrenzte Reizungen und Verbrennungen hervorrufen. Eine Berührung mit den giftigsten Quallenarten, wie z.B. der australischen Würfelqualle ("Seewespe") hat nicht selten lebensbedrohliche Folgen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Quallen?

Hier informieren!

Medikamente gegen: Hautkrankheiten

Quallen gehören zum Stamm der Nesseltiere. Fast alle der weit über 2.000 bekannten Arten durchlaufen zwei Lebensstadien, ein festsitzendes Stadium als Polyp und ein freischwimmendes Stadium als Qualle. Sie sind sehr einfach aus einem Schirm mit äußerer und innerer Haut aufgebaut und einem auf der Unterseite erkennbarem Magenstiel, wobei die innere Haut auch Verdauungsfunktionen übernimmt.

Quallen lassen sich normalerweise von den Meeresströmungen treiben, können sich aber auch aktiv bewegen und nutzen dabei eine Art Rückstoßprinzip, indem sie ihren Schirm zusammenziehen und Wasser nach unten ausstoßen. Sie bestehen bis zu 98% aus Wasser.

Warum sind Quallen giftig?

An der Unterseite der Qualle befinden sich unterschiedlich lange Tentakel, die mit einer Vielzahl von Nesselzellen besetzt sind.

Diese „explodieren“ bei Berührung, und durch den Druck bohren sich winzige Stilette in die Haut des Opfers (oder des Menschen) und bilden Eintrittspforten für das nachfolgende Nesselgift. Die Tentakel dienen den Quallen zum Beutefang und zur Verteidigung und können sehr unterschiedliche Längen, bei einigen Arten von bis zu 50m, erreichen.

Die Wirkung des Nesselgifts auf den Menschen reicht je nach Quallenart von harmlos über verbrennungsähnliche Symptome (Quallenverbrennung) bis hin zu lebensbedrohlichen Muskel- und Atemlähmungen durch Vergiftungen. Das Gift, das von den Quallen produziert wird, ähnelt dem Nesselgift von Brennesseln.

Die giftigsten Quallen

Die weitaus meisten Quallenarten sind völlig harmlos wie z. B. die in Nord- und Ostsee heimische „Ohrenqualle“. Dennoch gibt es giftige Quallenarten, deren Kontakt nach Möglichkeit gemieden werden sollte. In den letzten Jahren häuften sich Meldungen über das massenhafte Vorkommen giftiger Quallen, besonders im Mittelmeer. Meeresbiologen sehen die Ursachen im Temperaturanstieg des Wassers und in der generellen Überfischung, die zu einer Störung des ökologischen Gleichgewichts zwischen Quallen- und Fischpopulationen geführt hätten. Die für den Menschen gefährlichsten Quallenarten sind:

Die Würfelqualle ("Seewespe" bzw. engl. "Box Jellyfish") ist die giftigste Quallenart.
  • Die Seewespe (engl. Box Jellyfish) gehört zur Gattung der Würfelquallen. Hauptverbreitungsgebiete sind die australischen Küsten. Das Gift in den Nesselzellen der Tentakel gilt als eines der stärksten bekannten biologischen Gifte. Der Kontakt mit den Tentakeln führt zu großen Schmerzen und kann Hautverbrennungen, Muskelkrämpfe, Übelkeit und lebensgefährliche Lähmungen verursachen. Neben den unten empfohlenen generellen Maßnahmen nach Kontakt mit Nesselquallen sollten sofort Wiederbelebungsmaßnahmen wie z. B. eine Herz-Lungen-Druckmassage durchgeführt und unbedingt ein Notarzt gerufen werden.
Die Portugiesische Galeere (hier am Strand angespült). Immer häufiger werden europäische Küsten von ihr heimgesucht.
  • Die Portugiesische Galeere (auch „blaue Nesselqualle“ genannt) besteht aus einem organischen Zusammenschluss von Polypen. Die Hauptverbreitungsgebiete sind Pazifik, Karibik, Kanarische Inseln, gelegentlich auch die Balearen und spanische Küsten. Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen und es kann zu einem anaphylaktischen Schock kommen. In jedem Fall müssen die betroffenen Hautpartien im Krankenhaus behandelt werden.
Auch Nord- und Ostsee gehören zum Verbreitungsgebiet von Feuerquallen.
  • Im Mittelmeer, besonders in der Nähe der Balearen, kann eine bestimmte Feuerquallenart (Pelagia noctiluca) massenhaft auftreten, die zur Gattung der Leuchtquallen gehören. Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen.
  • Zur Gattung der Fahnenquallen zählt die im Atlantik und in Nord- und Ostsee vorkommende gelbe Haarqualle (auch „gelbe Nesselqualle“). Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen und kann einen allergischen Schock auslösen.

Behandlung

Bei einem (schmerzhaften) Kontakt mit einer giftigen Nesselqualle, bzw. nach einer erlittenen Quallenverbrennung und nach Verlassen des Wassers, kleben mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere ungeplatzte Nesselzellen an der Haut. Hier ist größte Vorsicht geboten, um zu verhindern, dass die noch anhaftenden Nesselzellen platzen und weitere Quallenverbrennungen verursachen.

Das beste Mittel, um anhaftende Nesselzellen abzuspülen, ist Essig! Wenn kein Essig zur Hand ist, kann man versuchen, die Nesselzellen mit Meerwasser zu entfernen. Auf keinen Fall darf Trinkwasser oder Alkohol verwendet werden, weil dann die Nesselzellen sofort platzen und weitere Verbrennungen verursachen und es darf nicht mit bloßen Händen gearbeitet werden.

Falls kein Essig zur Verfügung steht, hilft auch Rasierschaum, der nach kurzer Eintrocknungszeit mit einem stumpfen flachen Gegenstand, z. B. Kreditkarte, zusammen mit den anhaftenden Nesselzellen abgeschabt werden kann.

Als absolute Notlösung, wenn keines der empfohlenen Hilfsmittel verfügbar ist, kann man die betroffenen Hautstellen unbehandelt trocknen lassen und anschließend mit trockenem Sand abschaben.

Nach Entfernung der noch anhaftenden Nesselzellen wird als Soforttherapie für die betroffenen Hautstellen eine moderate hyperthermische Behandlung empfohlen, um das Gift zu denaturieren und damit möglichst wirkungslos zu machen und um weiterer Histaminausschüttung entgegen zu wirken.

Zur Schmerzlinderung können die betroffenen Stellen anschließend mit Eis gekühlt werden. Als weitere Therapie ist die Anwendung einer Antihistaminsalbe empfehlenswert, weil sie kühlend wirkt, Schmerz oder Juckreiz lindert und allergischen Überreaktionen des Immunsystems entgegenwirkt.

Rezeptfreie Medikamente gegen Hautreizungen


Vorbeugung

Den wirksamsten Schutz gegen Vergiftungen und Verbrennungen durch Quallen bieten die von Tauchern oder Surfern getragenen Taucheranzüge (Neoprenanzüge) und die seit einiger Zeit angebotenen „Stinger Suits“, Schutzanzügen, die in Australien zum Schutz gegen die Würfelquallen entwickelt wurden. Normale Schwimmkleidung oder Gymnastikanzüge mit langen Beinen und Ärmeln reichen als Schutz nicht aus, da die Nesselkapseln den Stoff durchdringen können. Es werden auch Sonnencremes angeboten, die angeblich eine Quallenverbrennung verhindern können. Der sicherste Schutz vor gefährlichen Nesselquallen besteht natürlich in der Vermeidung von verseuchten Gewässern.

Bücher über Quallen

Weitere Infos

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Vergiftungen durch Quallen (Quallenverbrennung)?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?