Vergiftungen durch Quallen (Quallenverbrennung)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 28. September 2018

Quallen (gleichbedeutend mit Meduse oder Medusa) sind entwicklungssgeschichtlich sehr alt und existieren seit mindestens 670 Millionen Jahren. Sie bilden eine Untergruppe im Tierstamm der Nesseltiere. Einige Quallen besitzen ein für den Menschen gefährliches Gift. Direkter Hautkontakt kann örtlich begrenzte Reizungen und Verbrennungen hervorrufen. Eine Berührung mit den giftigsten Quallenarten, wie z.B. der australischen Würfelqualle ("Seewespe") hat nicht selten lebensbedrohliche Folgen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Quallen?

Die Portugiesische Galeere wird immer häufiger an Stränden Südeuropas gesichtet. Die Tentakel mit den giftigen Nesselzellen können eine Länge von 50m erreichen.

Quallen sind der Feind aller Badenixen. Während viele einfach nur glibberig und unangenehm sind, geht von einigen gar eine reelle Gefahr aus. Welche das sind und was Sie tun sollten, wenn Sie mit einer in Berührung kommen, lesen Sie hier.

Quallen gehören zum Stamm der Nesseltiere. Fast alle der weit über 2.000 bekannten Arten durchlaufen zwei Lebensstadien, ein festsitzendes Stadium als Polyp und ein freischwimmendes Stadium als Qualle. Sie sind sehr einfach aus einem Schirm mit äußerer und innerer Haut aufgebaut und einem auf der Unterseite erkennbarem Magenstiel, wobei die innere Haut auch Verdauungsfunktionen übernimmt.

Quallen bestehen zu 90% aus Wasser. Anders als bei anderen Lebewesen, haben sie kein Blut. Die Gefahr kommt aus ihren Tentakeln, in denen Gift gespeichert ist. Berühren Sie eine giftige Qualle, schießt diese mit ihrer Tentakel das Gift wie einen Pfeil in die Haut. Dies kann sich dann wie eine Hautverbrennung anfühlen und besonders für Allergiker eine langwierige Prozedur werden. Je nach Quallenart können die Tentakel unterschiedlich unangenehm auf der Haut werden.

Eine Berührung mit den Nesselkapseln in den Tentakeln ruft Lähmungserscheinungen und Atemversagen, im Extremfall sogar Herzstillstand hervor. Vor allem Allergikern und bereits geschwächten Personen droht ein anaphylaktischer Schock, der sogar tödlich enden kann.

Im Falle einer Berührung sollte der Betroffene sofort aus dem Wasser gezogen und in ein Krankenhaus gebracht werden. Auf die entsprechende Stelle als Erste-Hilfe-Maßnahme Essig aufgetragen werden. Das Einreiben mit Sand oder schmerzstillende Salben eignen sich weniger gut.

Quallen lassen sich normalerweise von den Meeresströmungen treiben, können sich aber auch aktiv bewegen und nutzen dabei eine Art Rückstoßprinzip, indem sie ihren Schirm zusammenziehen und Wasser nach unten ausstoßen. Sie bestehen bis zu 98% aus Wasser.

Warum sind Quallen giftig?

An der Unterseite der Qualle befinden sich unterschiedlich lange Tentakel, die mit einer Vielzahl von Nesselzellen besetzt sind.

Diese „explodieren“ bei Berührung, und durch den Druck bohren sich winzige Stilette in die Haut des Opfers (oder des Menschen) und bilden Eintrittspforten für das nachfolgende Nesselgift. Die Tentakel dienen den Quallen zum Beutefang und zur Verteidigung und können sehr unterschiedliche Längen, bei einigen Arten von bis zu 50m, erreichen.

Die Wirkung des Nesselgifts auf den Menschen reicht je nach Quallenart von harmlos über verbrennungsähnliche Symptome (Quallenverbrennung) bis hin zu lebensbedrohlichen Muskel- und Atemlähmungen durch Vergiftungen. Das Gift, das von den Quallen produziert wird, ähnelt dem Nesselgift von Brennesseln.

Quallenarten

Die weitaus meisten Quallenarten sind völlig harmlos wie z. B. die in Nord- und Ostsee heimische „Ohrenqualle“. Dennoch gibt es giftige Quallenarten, deren Kontakt nach Möglichkeit gemieden werden sollte. In den letzten Jahren häuften sich Meldungen über das massenhafte Vorkommen giftiger Quallen, besonders im Mittelmeer. Meeresbiologen sehen die Ursachen im Temperaturanstieg des Wassers und in der generellen Überfischung, die zu einer Störung des ökologischen Gleichgewichts zwischen Quallen- und Fischpopulationen geführt hätten. Die für den Menschen gefährlichsten Quallenarten sind:

Die Würfelqualle ("Seewespe" bzw. engl. "Box Jellyfish") ist die giftigste Quallenart.
  • Die Seewespe (engl. Box Jellyfish) gehört zur Gattung der Würfelquallen. Hauptverbreitungsgebiete sind die australischen Küsten. Das Gift in den Nesselzellen der Tentakel gilt als eines der stärksten bekannten biologischen Gifte. Der Kontakt mit den Tentakeln führt zu großen Schmerzen und kann Hautverbrennungen, Muskelkrämpfe, Übelkeit und lebensgefährliche Lähmungen verursachen. Neben den unten empfohlenen generellen Maßnahmen nach Kontakt mit Nesselquallen sollten sofort Wiederbelebungsmaßnahmen wie z. B. eine Herz-Lungen-Druckmassage durchgeführt und unbedingt ein Notarzt gerufen werden.
Die Portugiesische Galeere (hier am Strand angespült). Immer häufiger werden europäische Küsten von ihr heimgesucht.
  • Die Portugiesische Galeere (auch „blaue Nesselqualle“ genannt) besteht aus einem organischen Zusammenschluss von Polypen. Die Hauptverbreitungsgebiete sind Pazifik, Karibik, Kanarische Inseln, gelegentlich auch die Balearen und spanische Küsten. Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen und es kann zu einem anaphylaktischen Schock kommen. In jedem Fall müssen die betroffenen Hautpartien im Krankenhaus behandelt werden.
  • Die heimische Feuerqualle brennt wie eine Brennnessel, rötet die Haut und verursacht unangenehme Schmerzen. Sie ist in unseren heimischen Meeresgewässern, der Nord- und Ostsee anzutreffen, seltener auch im Mittelmeer.
Auch Nord- und Ostsee gehören zum Verbreitungsgebiet von Feuerquallen.
  • Im Mittelmeer, besonders in der Nähe der Balearen, kann eine bestimmte Feuerquallenart (Pelagia noctiluca) massenhaft auftreten, die zur Gattung der Leuchtquallen gehören. Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen.
  • Zur Gattung der Fahnenquallen zählt die im Atlantik und in Nord- und Ostsee vorkommende gelbe Haarqualle (auch „gelbe Nesselqualle“). Der Kontakt mit dem Nesselgift verursacht schmerzhafte Quallenverbrennungen und kann einen allergischen Schock auslösen.
  • Berührt man in der Dunkelheit eine Leuchtqualle, färbt sich diese zartrosa. Was vielleicht schön anzusehen ist, ist für Betroffene äußerst schmerzhaft. Starke Verbrennungen, dunkel gefärbte Haut und eine langsame Heilung sind die Folgen des Tentakel-Stiches. Bei Allergikern können sich auch mehrere Monate danach kleine Bläschen bilden.

Sofortmaßnahme: Schnelle Hilfe bei Verbrennungen

Sind Sie mit einer dieser Quallen in Berührung gekommen, sollten Sie direkt reagieren, damit die Hautverletzungen keine Narben hinterlassen. Am effektivsten ist es die Stellen mit Essig oder Meerwasser zu übergießen. Alkohol und Süßwasser sollten keines Falls zum Einsatz kommen, sie würden die noch in der Haut steckenden Giftzellen aufplatzen lassen und noch stärkere Schmerzen hervorrufen.

Hilfreich ist es auch nach dem Meersalz oder Essig die Stellen mit Sand abzudecken und nach einiger Zeit mit einer Art Spatel abzustreichen. Dies entfernt die restlichen Tentakel, die noch in der Haut stecken. Bestreut man die Haut mit Backpulver werden giftige Bestandteile, die vielleicht doch noch nicht entfernt wurden, blockiert. Grundsätzlich sollte die Haut gekühlt werden.

Behandlung und Therapie

Bei einem (schmerzhaften) Kontakt mit einer giftigen Nesselqualle, bzw. nach einer erlittenen Quallenverbrennung und nach Verlassen des Wassers, kleben mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere ungeplatzte Nesselzellen an der Haut. Hier ist größte Vorsicht geboten, um zu verhindern, dass die noch anhaftenden Nesselzellen platzen und weitere Quallenverbrennungen verursachen.

Das beste Mittel, um anhaftende Nesselzellen abzuspülen, ist Essig! Wenn kein Essig zur Hand ist, kann man versuchen, die Nesselzellen mit Meerwasser zu entfernen. Auf keinen Fall darf Trinkwasser oder Alkohol verwendet werden, weil dann die Nesselzellen sofort platzen und weitere Verbrennungen verursachen und es darf nicht mit bloßen Händen gearbeitet werden.

Falls kein Essig zur Verfügung steht, hilft auch Rasierschaum, der nach kurzer Eintrocknungszeit mit einem stumpfen flachen Gegenstand, z. B. Kreditkarte, zusammen mit den anhaftenden Nesselzellen abgeschabt werden kann.

Als absolute Notlösung, wenn keines der empfohlenen Hilfsmittel verfügbar ist, kann man die betroffenen Hautstellen unbehandelt trocknen lassen und anschließend mit trockenem Sand abschaben.

Nach Entfernung der noch anhaftenden Nesselzellen wird als Soforttherapie für die betroffenen Hautstellen eine moderate hyperthermische Behandlung empfohlen, um das Gift zu denaturieren und damit möglichst wirkungslos zu machen und um weiterer Histaminausschüttung entgegen zu wirken.

Zur Schmerzlinderung können die betroffenen Stellen anschließend mit Eis gekühlt werden. Als weitere Therapie ist die Anwendung einer Antihistaminsalbe empfehlenswert, weil sie kühlend wirkt, Schmerz oder Juckreiz lindert und allergischen Überreaktionen des Immunsystems entgegenwirkt.

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Vorbeugung

Den wirksamsten Schutz gegen Vergiftungen und Verbrennungen durch Quallen bieten die von Tauchern oder Surfern getragenen Taucheranzüge (Neoprenanzüge) und die seit einiger Zeit angebotenen „Stinger Suits“, Schutzanzügen, die in Australien zum Schutz gegen die Würfelquallen entwickelt wurden. Normale Schwimmkleidung oder Gymnastikanzüge mit langen Beinen und Ärmeln reichen als Schutz nicht aus, da die Nesselkapseln den Stoff durchdringen können. Es werden auch Sonnencremes angeboten, die angeblich eine Quallenverbrennung verhindern können. Der sicherste Schutz vor gefährlichen Nesselquallen besteht natürlich in der Vermeidung von verseuchten Gewässern.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009


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