Schwitzen in der Schwangerschaft

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. Mai 2017
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Schwitzen in der Schwangerschaft geht häufig mit Hitzewallungen einher und ist eine normale und unbedenkliche Begleiterscheinung der großen hormonellen Umstellung im Körper der werdenden Mutter. Dennoch können die Schweißausbrüche unangenehm sein und sind dann ein Thema für den begleitenden Gynäkologen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schwitzen in der Schwangerschaft?

Von Schwitzen in der Schwangerschaft ist die Rede, wenn die betroffene Frau ihrem Gefühl nach mehr als vorher schwitzt. Das kann an den typischen Stellen wie unter den Achseln sein, manche Frauen bemerken den Schweißausbruch auch an ganz neuen Stellen. Hintergrund ist die weit stärkere Durchblutung der Haut, die oft eine Rötung nach sich zieht und den Körper zur Wahrnehmung verstärkter Wärme veranlasst.

Schwitzen in der Schwangerschaft ist daher nur der natürliche Versuch, sich wieder abzukühlen, wie er es auch beim Sport oder Anstrengung tun würde. Schwitzen in der Schwangerschaft ist auch bei starken Schweißausbrüchen vollkommen normal und wird nur dann behandelt, wenn es der Schwangeren unangenehm ist oder problematisch für ihren Alltag wird.

Ursachen

Vor allem im 2. und 3. Trimester, manchmal aber schon von Beginn an wird die Durchblutung des Körpers der Schwangeren durch eine natürliche hormonelle Umstellung um ein Vielfaches gesteigert und Schwitzen in der Schwangerschaft begünstigt. Bereiche der Haut, die sonst nur so viel sauerstoffreiches Blut wie nötig abbekommen, sind jetzt besonders gut versorgt.

Durch diese extrem verbesserte Durchblutung kann es in einem ersten Schritt zu Hitzewallungen kommen, die sehr vielen Schwangeren bekannt sind. Sie dauern einige Minuten, beginnen im Kopf und können als harmlos bis hin zu angsteinflößend wahrgenommen werden. Der Körper nimmt diese Durchblutung der Haut als Wärme wahr und es spielt keine Rolle mehr, ob es seine eigene ist oder ob sie von außen kommt.

Ähnlich wie beim Sport, bei der ebenfalls eine stärkere Durchblutung entsteht, reagiert der Körper mit Schweißausbrüchen. Schwitzen in der Schwangerschaft fällt aber deswegen so auf, da die Hitzewallung nicht in Verbindung mit einer körperlichen Belastung steht, sondern spontan aufkommt.

Wann zum Arzt?

Die Schwangerschaft bringt durch den stark veränderten Hormonhaushalt viele neue körperliche Veränderungen mit sich. Eine davon kann vermehrtes Schwitzen sein. Schwitzen in der Schwangerschaft ist besonders dann normal und kein Grund für einen Arztbesuch, wenn sich die Frau bereits am Ende der Schwangerschaft befindet und diese Zeit in den Hochsommer fällt. Sie hat durch das mittlerweile groß und schwer gewordene Baby körperlich große Belastungen zu bewältigen, was der Körper ähnlich wie bei Sport mit Schwitzen ausgleichen will.

Schon lange vor dem letzten Trimester kann die Frau Schweißausbrüche und Hitzewallungen erleben. Ist die Betroffene sich unsicher, kann sie das beim nächsten Vorsorgetermin beim Gynäkologen ansprechen. Eine Behandlung dagegen gibt es allerdings nicht, da diese Symptome keinen Krankheitswert haben. Bei all diesen Formen von Schwitzen in der Schwangerschaft handelt es sich allerdings nicht um kalten Schweiß - dieser ist tatsächlich gefährlich und Grund für einen Arztbesuch.

Bei einer Eileiterschwangerschaft weiß die Frau oft noch gar nichts von ihrem Zustand und bekommt irgendwann kalte Schweißausbrüche, Fieber, Schüttelfrost und alle weiteren Symptome einer Vergiftung. Tritt kalter Schweiß zusammen mit starken Unterleibsschmerzen und Blutungen auf, ist das in jeder Phase der Schwangerschaft ein Hinweis auf eine Fehlgeburt. Haben vorher schon die Geburtswehen eingesetzt und es kommt zu schwallartigen Blutungen, könnte ein Plazentariss die Ursache sein. In diesen Fällen ist sofort ein Notarzt zu rufen.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose von vermehrtem Schwitzen in der Schwangerschaft verlässt sich alleine auf das Gefühl der Frau. Denn wenn es ihr nicht unangenehm ist, wird der begleitende Gynäkologe sie lediglich über den Hintergrund der Hitzewallungen aufklären und es besteht kein weiterer Handlungsbedarf. Bei den meisten Frauen tritt vermehrtes Schwitzen in der Schwangerschaft erst ab dem 2. Trimester auf und kann im 3. Trimester noch schwerer werden, da dann auch der Bauch immer schwerer wird und die körperliche Belastung noch hinzukommt.

Seltener wird Schwitzen in der Schwangerschaft schon von Beginn an oder in den ersten Wochen der frühen Schwangerschaft bemerkt, das kann gerade bei einer Sommerempfängnis der Fall sein. Nach der Geburt verschwinden die Hitzewallungen wieder und damit auch das Schwitzen in der Schwangerschaft, sie halten manchmal aber auch in der Stillzeit noch eine Weile an.

Komplikationen

Schwitzen in der Schwangerschaft ist normal und liegt an hormonellen Umstellungen des Körpers. Es wird der Frau in Form der Hitzewallungen das nächste Mal während der Wechseljahre begegnen. Viele Schwangere empfinden das vermehrte Schwitzen, das auch jetzt in Verbindung mit Hitzewallungen einhergeht, beunruhigend und machen sich Sorgen. Bei Frauen, die während der Schwangerschaft ohnehin unter Ängsten und Sorgen leiden, kann ein Symptom wie vermehrtes Schwitzen diese noch verstärken. Ähnliche Komplikationen können bei Frauen aufkommen, die unter depressiven Verstimmungen leiden, da sich dadurch ihre Lebensqualität je nach Intensität des Schwitzens verringert.

Vor allem im Hochsommer kann das Schwitzen während der Schwangerschaft durch die ohnehin erhöhte Aktivität der Schweißdrüsen problematisch auswirken. Meistens sind davon Frauen in der Hochschwangerschaft betroffen, die durch den schweren Bauch bereits höheren Belastungen ausgesetzt sind und allein dadurch mehr schwitzen. Dadurch entwickeln sich außerdem Körperfalten am Bauch, in denen sich bei schlechter Hygiene Schweißreste sammeln können. Werden sie nicht gründlich abgewaschen, riskiert die Schwangere Entzündungen der Haut, da während der Schwangerschaft die Aktivität des Immunsystems zum Schutz des Babys vor Abstoßungsreaktionen minimiert wird. Möglicherweise wird dadurch eine Behandlung mit Antibiotika notwendig, was zwar zur Heilung erforderlich ist, aber nicht unbedingt gesund für das Baby. Ob die Schwangere in diesem Fall Antibiotika erhält, ist Abwägungssache.

Behandlung und Therapie

Wie bei so vielen Anzeichen und Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft gibt es für die Hitzewallungen keine Behandlung. Die vermehrte Durchblutung, die das Schwitzen in der Schwangerschaft bedingt, tut dem Körper der Frau gut, auch wenn die Schweißausbrüche das eher nicht tun. Der Gynäkologe wird empfehlen, viel zu trinken, um den Verlust der Flüssigkeit durch Schweiß wieder auszugleichen. Das gilt selbst im Winter.

Empfehlenswert sind Tee, Wasser oder ab und zu auch Fruchtsäfte, möglichst ohne zusätzlichen Zucker. Bei den ohnehin anstehenden Bluttests sollte sehr genau auf mögliche Mangelerscheinungen geachtet werden, da vor allem starkes Schwitzen in der Schwangerschaft einen Verlust wertvoller Mineralstoffe nach sich ziehen kann.

Einfaches Mineralwasser reicht dann nicht mehr, um für Ersatz zu sorgen, die werdende Mutter braucht schwangerentaugliche Nahrungsergänzungsmittel. Außerdem empfiehlt es sich, viele leichte Kleidungsstücke übereinander zu tragen, da dann schnell etwas ausgezogen werden kann, wenn es zu warm wird. Deo und ein kleiner Handventilator sollten gerade im Sommer ständige Begleiter sein.



Vorbeugung

Das Schwitzen in der Schwangerschaft kann man kaum verhindern, aber man kann es etwas eindämmen. Ein zuverlässiges Deo, notfalls ein Produkt aus der Apotheke, wirkt unangenehmer Geruchsbildung vor. Außerdem ist es vollkommen in Ordnung, ab jetzt häufiger zu duschen, um sich frisch zu fühlen und keine Schweißrückstände auf der Haut zu haben.

Viele Frauen rasieren bei Schwitzen in der Schwangerschaft gerne die Achselhaare und auch weitere Körperhaare, da diese Schweiß speichern und dafür sorgen, dass er nicht so schnell verdunsten kann. Scharfe und heiße Speisen begünstigen das sporadische Schwitzen zusätzlich, da sie die Durchblutung kurzzeitig anregen, dasselbe gilt für koffeinhaltige Getränke.

Bücher über Schwangerschaft

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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