Pfeifgeräusche im Ohr

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. September 2016
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Pfeifgeräusche im Ohr gehören zum Geräuschspektrum eines Tinnitus und machen etwa vierzig Prozent der Ohrgeräusche aus. Daneben berichten Betroffene eines Tinnitus auch von Klingeln im Ohr, Rauschen, Zischen, Rattern oder lautem Hämmern.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Pfeifgeräusche im Ohr?

Pfeifgeräusche im Ohr sind immer Ausdruck von gesundheitlichen Störungen, die organischer oder auch seelischer Natur sein können. Allgemein bezeichnet man Ohrgeräusche, die keine äußeren Ursachen haben, als Tinnitus. Es gibt akute, subakute und chronische Formen des Tinnitus. Ein akuter Tinnitus dauert nicht länger als drei Monate.

Bestehen die Ohrgeräusche jedoch länger als ein Jahr, liegt ein chronischer Tinnitus vor. Die Ohrgeräusche können jederzeit auch wieder verschwinden. Selbst Patienten, die unter der chronischen Form der Erkrankung leiden, haben gute Chancen auf eine spontane Heilung. Die Ohrgeräusche hört nur der Betroffene selber. Ein Außenstehender kann sie nicht wahrnehmen.

In der Regel gehören diese Geräusche zu den subjektiven Empfindungen. Nur in sehr seltenen Fällen haben sie objektive Ursachen, wobei der Betroffene beispielsweise das Fließen des Blutes durch ein verengtes Blutgefäß wahrnehmen kann.

Je nach Umgang des Patienten mit den Ohrgeräuschen kann ein Tinnitus in vier Grade eingeteilt werden. Bei Grad eins und zwei treten die Geräusche im Ohr nicht so in den Vordergrund, sodass man gut damit leben kann. Die selteneren Schweregrade drei und vier beeinträchtigen den Patienten so sehr, dass er durch die Pfeifgeräusche im Ohr mitunter schwere gesundheitliche Schäden erleiden kann.

Ursachen

Die Pfeifgeräusche im Ohr können durch sehr verschiedenartige Ursachen ausgelöst werden. Tinnitus ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom unterschiedlicher Erkrankungen. Manchmal tritt er auch idiopathisch auf, also ohne eine andere erkennbare Ursache. Das Wahrnehmen von realen Tönen und Geräuschen wird durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Hörorganen und Gehirn gewährleistet.

Treten bei diesem Wechselspiel kleinste Fehler auf, wird die Empfindung des Hörens gegebenenfalls nicht mehr richtig an das Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn ist aber dafür verantwortlich, dass die reale Reizung der Hörzellen durch die objektiv vorhandenen Schallwellen in Töne umgesetzt wird. Erhält das Gehirn jedoch ähnliche Reize, welche aber nicht auf dieser Grundlage erzeugt wurden, erzeugt es trotzdem Geräuschempfindungen.

Das Wahrnehmen dieser Töne beruht also nicht auf der Wirkung realer Schallwellen. Meist liegen die Ursachen im Ohr selber, wobei man ungefähr 90 verschiedene Erkrankungen des Hörorgans als Ursache ausgemacht hat. Aber auch andere Erkrankungen außerhalb der Ohren können einen Tinnitus hervorrufen, wie beispielsweise Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Hirntumoren, Nasennebenhöhlenentzündungen, Erkrankungen der Wirbelsäule, niedriger Blutdruck oder auch Medikamentenunverträglichkeiten. Eine große Rolle für Pfeifgeräusche im Ohr spielen auch seelische Ursachen, wie Dauerstress, Traumata, Depressionen oder Angststörungen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Wenn die Pfeifgeräusche im Ohr länger als 24 Stunden andauern, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Zunächst wird er die Ohren eingehend untersuchen. Eine wichtige Untersuchungsmethode stellt das Anlegen eines Audiogramms dar. Dabei wird festgestellt, bei welcher Lautstärke der Patient ein bestimmtes Signal noch hört.

Nach Vergleichen verschiedener eingespielter Töne durch den Betroffenen kann der Arzt die Frequenz und Lautstärke des Tinnitus bestimmen. Des Weiteren sollte der Arzt auch die Hörnerven-Leitgeschwindigkeit messen, um eventuelle Tumoren oder Entzündungen der Hörnerven auszuschließen.

Auch psychische Belastungen sollten ernst genommen werden. Patienten-Arzt-Gespräche können auch einen Aufschluss darüber geben, ob starke psychische Belastungssituationen Auslöser oder Folge der Pfeifgeräusche im Ohr sind.

Behandlung

Die Therapie von Pfeifgeräuschen im Ohr richtet sich nach ihrer jeweiligen Ursache. Bei plötzlich einsetzendem Tinnitus sollte schnell gehandelt werden. In der akuten Phase des Tinnitus helfen oft durchblutungsfördernde Medikamente, die in Form von Tabletten oder Infusionen verabreicht werden. Dazu werden kortisonhaltige Medikamente eingesetzt, die einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel in den Hörsinneszellen und die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen haben.

Liegen jedoch Infektionen am Ohr vor, wie z. B. eine Mittelohrentzündung, werden Antibiotika angewendet. Verschwinden die Ohrgeräusche auch nach wochenlanger medikamentöser Behandlung nicht, kann eine Sauerstoff-Überdruck-Therapie versucht werden.

Hier setzen die Patienten Sauerstoffmasken auf und atmen reinen Sauerstoff zur Erholung der geschädigten Zellen des Innenohrs ein. Treten die Pfeifgeräusche im Ohr dauerhaft auf, kann eine psychologische Begleitung dem Patienten helfen, besser mit diesem Problem umzugehen, um auf diese Weise sogar eine Heilung hervorrufen.



Vorbeugung

Vielen Ursachen von Pfeifgeräuschen im Ohr kann man durch Vermeidung von negativem Stress vorbeugen. Dazu helfen unter anderem Entspannungsübungen, körperliche Aktivität und eine gesunde Lebensweise. Zu einer gesunden Lebensweise gehört auch, sich ausgewogen zu ernähren, Belastungen abzubauen, Nikotin und Alkohol zu meiden und allgemein die Psyche zu stärken. Ein sehr bedeutender Faktor zur Vorbeugung vor Pfeifgeräuschen im Ohr ist ein wirksamer Lärmschutz.

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