Neurogene Inkontinenz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2015
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Bei der neurogenen Inkontinenz handelt es sich um eine bestimmte Form einer Blasenentleerungsstörung, ursächlich ist eine Störung oder Schädigung der Nervenweiterleitung. Da es sich um eine chronische Krankheit handelt, ist stets eine lebenslange und ganzheitliche Betreuung der Betroffenen erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine neurogene Inkontinenz?

Durch die neurogene Inkontinenz ist die natürliche Fähigkeit Wasser zu lassen, eingeschränkt. Sowohl die Speicherfunktion der Blase als auch der Vorgang der Blasenentleerung können beeinflusst sein. In diesem Zusammenhang sprechen Mediziner auch von neurogener Blase, Überlaufblase oder Reflexblase. Bei der neurogenen Blasenentleerungsstörung ist das natürliche Zusammenspiel der beteiligten Nerven und Muskeln derart gestört, dass es unwillkürlich zu spontanen Blasenentleerungen kommen kann, was für die Betroffenen verständlicherweise sehr unangenehm ist.

Die Funktion der Blasenmuskulatur wird durch das Nervensystem gesteuert. Es handelt sich um einen feinabgestimmten Regelkreis, der sowohl den Füllzustand der Blase an Teile des Gehirns übermittelt, als auch den Reflex zur Blasenentleerung auslöst. Beide Kreisläufe sind bei Inkontinenz gestört.

Ursachen

Ursächlich für das Vollbild einer neuronalen Urininkontinenz sind Nervenverletzungen oder Nervenschäden, die das physiologische Zusammenspiel der Entleerungs- und Speicherfunktion der Harnblase stören. Vom Grad der Nervenirritation hängt es ab, wie ausgeprägt das klinische Erscheinungsbild, die Symptome und die Prognose des Leidens sind. Bei einer Querschnittslähmung durch stumpfe Unfalleinwirkung ist die neurogene Inkontinenz kein seltener Befund, mit dem sich die Betroffenen ein Leben lang abfinden müssen.

Auch innere Krankheiten, die aufgrund von fehlgeleiteten Stoffwechselprozessen Nervenschädigungen hervorrufen, können für eine neurogene Überlaufblase verantwortlich zeichnen. Die häufigste internistische Ursache einer neuralen Inkontinenz ist der Diabetes mellitus, die Probleme mit dem Wasserlassen entwickeln sich dabei meist schleichend über einen längeren Zeitraum. Der Patient bemerkt in diesen Fällen die neurogene Blasenentleerungsstörung erst dann, wenn bereits mehr als nur Tropfen unwillkürlich austreten. Eine weitere klinisch relevante Ursache von nervalen Blasenentleerungsstörungen sind Operationen, bei denen Nervenanteile versehentlich verletzt wurden. Die Schäden sind meist irreversibel.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der neurogenen Inkontinenz:

Es können je nach Ausmaß der Nervenschädigung ganz unterschiedliche Beschwerden auftreten. Ist die Speicherfunktion der Harnblase gestört, dann reagieren die Rezeptoren an der muskulären Innenwand nicht mehr auf den Füllzustand. In diesem Fall kommt es zur typischen nervalen Überlaufblase mit tröpfchenweisem Harnabgang, sobald die Blase dem Druck nicht mehr standhalten kann.

Bei der neurogenen Reflexblase kommt es dagegen zu unwillkürlichen Kontraktionen der Harnblasenmuskulatur mit heftigem Harndrang und nicht willkürlich steuerbaren Blasenentleerungen. Bei der sogenannten autonomen neurogenen Inkontinenz arbeitet die Harnblasenmuskulatur aufgrund der Nervenschädigung sehr unkoordiniert, sodass es beispielsweise alle 20 Minuten zu einer spontanen Entleerung kommt. Regelmäßig bleibt dabei einer größere Urinmenge in der Blase zurück, Urologen sprechen auch vom sogenannten Restharn.

Es kann zum Harnstau mit Druck auf beide Nieren kommen mit der Folge einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis zum terminalen Nierenversagen mit Dialysepflicht. Der Restharn ist außerdem Sammelbecken für viele Arten pathologischer Keime. Patienten mit neurogener Inkontinenz leiden deshalb häufig an rezidivierenden Blasen- und Harnwegsinfektionen, welche die Lebensqualität zusätzlich drastisch einschränken können.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose jeder Form der Inkontinenz ergibt sich aus dem Symptom der Blasenentleeerungsstörung, über die der Patient auch tageweise ein Protokoll führen kann, damit das Ausmaß der Nervenstörung besser eingegrenzt werden kann. Neben der Anamnese erfolgt eine ausführliche körperliche Untersuchung, insbesondere des Nervensystems sowie des Urogenitaltraktes. Eine Ultraschalluntersuchung der Blase dient dazu festzustellen, ob diese vollständig entleert werden kann oder ob Restharn verbleibt.

Auch der Druck an der Innenwand der Blase sowie der Druck beim Wasserlassen können in der urologischen Praxis gemessen werden. Als erweiterte Diagnostik kommen auch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Kernspin sowie Laboruntersuchungen des Urins und des Blutes zur Diagnosestellung sowie zur Verlaufskontrolle zum Einsatz.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Inkontinenzstörungen nervaler Ursachen richtet sich stets nach dem Ausmaß der Schädigung von Muskulatur und Nerven. Bei Querschnittslähmungen kann die Behandlung nur in speziell eingerichteten Kompetenzzentren erfolgen. Ist Diabetes die Ursache, so muss der Blutzuckerspiegel langfristig optimal eingestellt werden, um weitere Nervenschädigungen zu vermeiden.

Spezielle Medikamente wirken derart auf die Blasenmuskulatur, sodass eine größere Harnmenge gehalten werden kann. Um einen Harnrückstau zu verhindern, kann es auch erforderlich sein, den Urin in regelmäßigen Abständen per Katheder abzuleiten. Diese Prozedur kann mit einiger Übung vom Patienten auch zu Hause durchgeführt werden. Bei einem subrapubischen Katheder verleibt dieser für einen definierten Zeitraum in der Harnblase und der Patient wird angehalten, den Harnbeutel bei Bedarf zu leeren. Jede Art der Kathederbehandlung birgt zusätzliche Infektionsrisiken, wenn nicht sauber und steril gearbeitet wird.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung gegen die spezielle Form der neurogenen Inkontinenz ergibt sich aus deren möglichen Ursachen. Sind bereits Nervenstränge der Blasenwand oder der Harnleiter geschädigt, dann ist eine kausale Therapie oft nicht mehr möglich. Eine frühzeitige Diagnosestellung zur Vermeidung von fulminanten Krankheitsverläufen ist ebenso wichtig, wie das konsequente Vermeiden von Superinfektionen durch Restharn.

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