Geschwollene Unterlippe

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. April 2017
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Bei geschwollenen Unterlippen handelt es sich um ein Symptom, das sich zunächst durch eine abnormale Erscheinung der unteren Lippe bemerkbar macht. Darüber hinaus sind geschwollene Lippen im überwiegenden Teil der Fälle für die betroffenen Personen mit weiteren, zum Teil unangenehmen Beschwerden verbunden. Dazu zählen zum Beispiel Schmerzen in der Unterlippe oder Störungen bei der Wahrnehmung von Reizen wie etwa Temperatur oder Druck.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine geschwollene Unterlippe?

In erster Linie zeigen sich geschwollene Unterlippen am Erscheinungsbild. Dabei unterscheidet sich die Schwellung der Lippen individuell je nach Ursache und Schweregrad. Geschwollene Lippen entstehen durch verschiedene Ursachen. Grundsätzlich hat sich die Therapie von geschwollenen Lippen nach dem jeweiligen Auslöser zu richten.

Die Lippen verfügen über eine besonders feine und empfindliche Haut, die dementsprechend sensibel auf zahlreiche äußere Einflüsse reagiert und schon bei kleinsten Verletzungen zu Schwellungen neigt.

Geschwollene Unterlippen zeigen sich dadurch, dass sie wesentliche größer als üblich sind. Aus diesem Grund lösen sie unter Umständen ein starkes Spannungsgefühl in dem betroffenen Bereich aus. Dieses Spannungsgefühl ist in manchen Fällen so intensiv, dass es sogar Schmerzen verursacht. In Abhängigkeit der Ursache sind auch Rötungen, Entzündungen sowie Brennen und Jucken der betroffenen Unterlippe möglich. Wenn die Unterlippe aufgrund einer äußeren Verletzung angeschwollen ist, zeigen sich in einigen Fällen offene wunde Stellen. Diese Wunden können bluten oder auch nässen. Treten die Schwellungen an den Unterlippen hingegen im Zusammenhang mit einer Infektion auf, zeigen sich verschiedene Erscheinungen an der Haut der Lippen. So sind zum Beispiel Pusteln oder kleine Bläschen] möglich, die unter Umständen mit Sekret gefüllt sind. Derartige Veränderungen an der Unterlippe verursachen oftmals erhebliche Schmerzen.

Ursachen

Geschwollene Unterlippen entstehen durch zahlreiche verschiedene Ursachen. Eine mögliche Ursache stellen zum Beispiel Verletzungen dar, in deren Folge das Gewebe an der Unterlippe so stark geschädigt ist, dass sich Schwellungen bilden. Im Zusammenhang damit zeigen sich in einigen Fällen auch offenen Stellen, die mitunter bluten. Wenn sich derart verletzte Bereiche entzünden, verschlimmert sich die Schwellung meist noch.

Neben Verletzungen stellen Insektenstiche eine weitere mögliche Ursache für geschwollene Unterlippen dar. Zu Schwellungen kommt es vor allem dann, wenn der Stich direkt in der Unterlippe oder unmittelbar daneben erfolgt ist. Derartige Einstiche entzünden sich in einigen Fällen und führen dann zu erheblichen Schwellungen in der Unterlippe und umliegenden Bereichen. Auch einige Allergien lösen geschwollene Unterlippen aus. Dabei handelt es sich entweder um Kontaktallergien oder Unverträglichkeitsreaktionen auf spezielle Lebensmittel. Auch Kosmetika lösen bei einigen Personen Kontaktallergien aus und führen in manchen Fällen zu geschwollenen Unterlippen.

Reagiert eine Person allergisch auf einen Insektenstich, ist mit erheblichen Schwellungen an der Unterlippe zu rechnen. Denn zum einen schwillt das Gewebe in der Folge des Stichs an, zum anderen verschlimmert sich die Schwellung noch zusätzlich durch die allergische Reaktion auf das Insektengift. Außerdem führen bestimmte Infektionen zu geschwollenen Unterlippen. In zahlreichen Fällen handelt es sich um eine Infektion mit Herpesviren, die zu Schwellungen und Bläschen an der Lippe führt. Verbunden sind diese Beschwerden in der Regel mit einem leichten Kribbeln der betroffenen Stellen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei einer geschwollenen Unterlippe muss in der Regel nicht sofort ein Arzt konsultiert werden. Meist geht die Schwellung von allein wieder zurück. Es kann sich um einen Insektenstich, eine Allergie oder Verletzung handeln. Besonders wenn die Schwellung der Unterlippe das einzige Symptom ist und sich nicht verstärkt, kann zunächst abgewartet werden, ob die Schwellung wieder zurückgeht. Sollte sie jedoch bestehen bleiben, ist ein Arztbesuch zu empfehlen.

Wenn die Unterlippe allerdings stark anschwillt und gleichzeitig schwere Luftnot aufritt, muss dringend ein Notarzt gerufen werden. Es kann sich um einen anaphylaktischen Schock handeln, der unter Umständen auch tödlich endet. Auch bei Entzündungen und lang andauernden Schwellungen der Unterlippe sollte ein Arzt aufgesucht werden. Er wird klären, ob es sich um ein lokales Problem handelt oder eine andere Krankheit zugrunde liegt.

Oft tritt eine geschwollene Unterlippe zusammen mit Herpesinfektionen auf. Diese deuten auf ein geschwächtes Immunsystem durch Infektionen und andere Erkrankungen hin und machen sich neben der Schwellung durch weiße Bläschen bemerkbar. Manchmal helfen frei zugängliche Medikamente aus der Apotheke. Wenn jedoch trotzdem keine Besserung eintritt, ist es ratsam, einen Arzt zurate zu ziehen. In seltenen Fällen ist eine geschwollene Unterlippe ein Symptom sehr schwerwiegender Krankheiten wie Morbus Crohn, Sarkoidose oder dem Rosenthalsyndrom. Um das abzuklären, sollte bei Schwellung der Lippen, Mundwinkelrhagaden und allgemeiner Entzündung der Mundschleimhaut unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose einer geschwollenen Unterlippe erfolgt in der Regel relativ rasch durch das typische Erscheinungsbild. Viel wichtiger ist die Erörterung der zu Grunde liegenden Ursache für die Schwellung. Zunächst analysiert der Arzt gemeinsam mit dem Patienten dessen Krankengeschichte (Anamnese). Hierbei beschreibt der Patient seine Symptome sowie ähnliche Beschwerden in der Vergangenheit ausführlich. Im Anschluss daran erfolgt die klinische Untersuchung, wobei sich die Schwellung in der Regel mit bloßen Auge feststellen lässt. Bei einem Insektenstich erkennt der Arzt die Stelle des Einstichs meist gut. Bei einer Herpesinfektion treten die typischen kleinen Bläschen in Erscheinung.

Komplikationen

Eine geschwollene Unterlippe hat je nach Grunderkrankung eine andere Prognose und Krankheitsverlauf. Typischerweise entsteht eine Schwellung im Bereich der Unterlippe durch einen Virus ausgelösten Herpes labialis. Dieser kann sich in den Bereichen des Auges und des Hirnes ausbreiten und die beiden Organe mit infizieren. Beim Auge kommt es so zu einer Entzündung der Hornhaut, welche bis hin zur Erblindung führen kann, das Gehirn kann auch entzündet werden (Enzephalitis) und kann je nach Ort verschiedene Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen oder Krampfanfälle verursachen. In seltenen Fällen kann sich der Herpesvirus auch eine Blutvergiftung auslösen, die in eine systemische Infektion endet (Sepsis) und so einen lebensgefährlichen Zustand hervorruft.

Daneben kann auch ein Schlag ins Gesicht oder ein Sturz auf den Kopf entsprechend eine Schwellung der Unterlippe verursachen. In den schlimmsten Fällen kann es so zum gefährlichen Schädel-Hirn-Trauma kommen. Häufiger geschehen Kiefer- oder Nasenbrüche, die eine bestehende Deformierung mit sich ziehen können. Das Quincke-Ödem, welches aufgrund einer Überempfindlichkeitsreaktion entsteht, kann neben der Unterlippe auch Hände und Füße anschwellen lassen, die Genitalien sind meistens auch davon betroffen. Beim Quincke-Ödem kommt es zu sehr starken Schwellungen im Bereich des Rachens, so dass der Zugang zu den Atemwegen blockiert wird und so zu Schluckbeschwerden, sowie Atemproblemen führt. Diese Überempfindlichkeitsreaktion kann außerdem in den lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen.

Behandlung und Therapie

Die Therapie einer geschwollenen Unterlippe erfolgt in der Regel in Abhängigkeit der jeweiligen Ursache. Tritt die Schwellung infolge eines Insektenstichs oder einer Verletzung auf, verschafft eine Kühlung der betroffenen Stellen meist Linderung. Offene Verletzungen an der Lippe sind penibel zu reinigen und bis zum Abheilen der Wunden sauber zu halten. Hier eignen sich antiseptische Cremes, um Entzündungen durch Keime zu verhindern.

Wenn ein Stich eine allergische Reaktion hervorruft, verschreibt der Arzt mitunter geeignete Medikamente, die häufig oral einzunehmen sind. Geschwollene Unterlippen durch eine Infektion mit Herpesviren werden ebenfalls medikamentös behandelt. Hierbei kommen in erster Linie spezielle Salben zum Einsatz, die die Viren bekämpfen und ein Abheilen der Herpesbläschen unterstützen.

Ist eine allergische Reaktion der Auslöser für die Schwellung an der Unterlippe gilt es dringend die Ursache bzw. das verantwortliche Lebensmittel oder Kosmetika zu identifizieren. Dabei ist zu beachten, dass es sich auch um ein Produkt handeln kann, das in der Vergangenheit ohne Probleme genutzt und vertragen wurde. Denn allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten können sich zu jedem Zeitpunkt ausbilden.



Vorbeugung

Wirksame Methoden und Maßnahmen zur Prävention von geschwollenen Unterlippen existieren nur bedingt. Verletzungen der Lippen beispielsweise lässt sich durch Vorsicht, etwa bei sportlichen Aktivitäten, zu einem gewissen Grad vorbeugen. Viele Unfälle passieren jedoch unverhofft oder durch fremde Einwirkung und lassen sich nicht vermeiden. Ähnliches gilt für Insektenstiche, denen teilweise durch vorsichtiges Verhalten vorgebeugt werden kann. Auch Infektionen und die Ansteckung mit Herpesviren sind nicht immer vermeidbar. Da geschwollenen Unterlippen nicht in jedem Fall vorgebeugt werden kann, ist es umso bedeutender, bei ersten Symptomen einen Arzt zu konsultieren.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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