Gasbrand (Gasödem)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. Januar 2015
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Gasbrand (Gasödem) entsteht durch die Verunreinigung von Wunden mit Clostridiensporen. In der Mehrzahl der Fälle wird die Wundinfektion von den Bakterien Clostridium perfringens verursacht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gasbrand (Gasödem)?

Die Gasbrand (Gasödem) verusachenden Clostridiensporen sind in der Natur, vor allem in der Erde, massenhaft vorhanden. Bei einem Unfall können die Bakterien in die offene Wunde gelangen und diese infizieren. Die Wundinfektion kann jedoch auch durch unzureichend sterilisiertes oder desinfiziertes OP-Besteck oder Spritzen hervorgerufen werden.

Die Bakterien bilden bei der Zerstörung des Gewebes Giftstoffe, infolgedessen sich in dem absterbenden Gewebe Gasblasen bilden. Gasbrand ist lebensbedrohlich und führt ohne Behandlung zum Tod. 
Es ist eine meldepflichtige Erkrankung, die bei Mensch und Tier auftreten kann. In Deutschland treten jährlich weniger als 100 Fälle von Gasbrand auf, während die Wundinfektion in tropischen Entwicklungsländern häufiger anzutreffen ist.


Ursachen von Gasbrand?

Die Ursache für die Entstehung von Gasbrand (Gasödem) ist die Verunreinigung einer Wunde mit den Sporen des Bakteriums Clostridium perfringens, das für etwa 60 bis 80 Prozent aller auftretenden Fälle von Gasbrand verantwortlich ist. In den übrigen Fällen wird Gasbrand (Gasödem) von anderen Clostridium-Arten verursacht. Die Bakterien sind anaerob, was bedeutet, dass sie sich nur bei fehlendem Sauerstoff entwickeln können.

Verunreinigte Schürfwunden, offene Frakturen, große Wundflächen oder in die Wunde eingedrungene Fremdkörper begünstigen das Eindringen der Bakterien und die Entwicklung von Gasbrand. Kommt es zu einer Verletzung von schlecht durchblutetem und mit Sauerstoff versorgtem Gewebe wie beispielsweise bei Diabetikern, können sich die Bakterien besonders gut vermehren.

Clostridium-Bakterien kommen auch im gesunden Darm vor und können bei einem chirurgischen Eingriff am Darm auf umgebendes Gewebe und Organe übertragen werden. Eine weitere Möglichkeit der Übertragung sind mit Clostridien verunreinigte Spritzen, die bei der Injektion in Muskelgewebe die Erreger des Gasbrandes übertragen können. 


Symptome und Verlauf von Gasbrand

Die Inkubationszeit für Gasbrand (Gasödem) beträgt zwischen wenigen Stunden und fünf Tagen. Durch die Wundinfektion und Gasbildung schwillt das Gewebe an und verursacht starke Schmerzen im Wundbereich. Die den Gasbrand verursachenden Bakterien verflüssigen das absterbende Gewebe, das als übelriechende Flüssigkeit aus der Wunde abfließen kann. Übt man Druck auf den betreffenden Wundbereich aus, hört man ein knisterndes Geräusch, das durch entweichende Gasbläschen hervorgerufen wird.

Die Wunde ist durch das nekrotisierende (absterbende) Gewebe gelb-braun bis blau-schwarz verfärbt. Wird keine frühzeitige Behandlung eingeleitet, kann sich das von der Nekrose betroffene Gebiet schnell auf weitere Bereiche ausdehnen. Zu schweren Komplikationen kann es kommen, wenn die Erreger des Gasbrandes in die Blutbahn gelangen und sich im gesamten Körper ausbreiten. Die Bakterien und die von ihnen produzierten Toxine können innerhalb kürzester Zeit zu einer Sepsis oder einem lebensbedrohlichen toxischen Schock führen.


Diagnose von Gasbrand

Die Diagnose des Gasbrandes (Gasödem) wird anhand des Wundzustandes und einer mikroskopischen Untersuchung des Wundabstriches gestellt. Die grampositiven, stäbchenförmigen Clostridien-Bakterien sind unter dem Mikroskop gut sichtbar. Ist die Wunde stark angeschwollen, sehr schmerzempfindlich, der Wundbereich verfärbt und lässt sich das für den Gasbrand typische Knistern vernehmen, ist der Befund Gasbrand offensichtlich.

Zur zusätzlichen Abklärung kann eine radiologische Untersuchung erfolgen, um die Gasbildung beispielsweise in tief liegendem Weichteil- und Muskelgewebe nachzuweisen. Ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, zum Beispiel bei Gasbrand im Uterus, kann man einen Gasbrand an einer blassen oder im Fall einer vorliegenden Nekrose an einer dunkel bis schwarz verfärbten Muskulatur erkennen, die nicht mehr kontrahiert und beim Einschneiden auch nicht mehr blutet.


Behandlung von Gasbrand

Die Behandlung des Gasbrandes (Gasödem) besteht in der großzügigen Eröffnung der Wunde, um die Sauerstoffzufuhr zu ermöglichen. Unter Sauerstoff findet keine Vermehrung der anaeroben Bakterien statt. Die Wunde wird chirurgisch gesäubert und geschädigtes bzw. abgestorbenes Gewebe entfernt. Bei schweren Fällen von Gasbrand kann es zur Ausbildung einer Gangrän kommen.

Dabei ist ein örtlich begrenztes Areal betroffen, in dem die Muskulatur bereits verflüssigt und nekrotisiert ist. In diesen Fällen kommt häufig nur die Amputation der betroffenen Gliedmaßen in Betracht, um die Ausbreitung des Gasbrandes einzudämmen und das Leben des Patienten zu retten. Zusätzlich erfolgt eine Therapie mit Antibiotika (Penicillin oder Doxycyclin sowie Clindamycin), die die Gasbrand verursachenden Bakterien bekämpfen.

Empfohlen wird auch eine hyperbare Sauerstofftherapie (Sauerstoffüberdruckbeatmung), die zusätzlichen Sauerstoff in das Gewebe bringen soll, um die Bakterien an der Vermehrung zu hindern. Der positive Effekt einer solchen Sauerstofftherapie im Fall eines Gasbrandes wird jedoch kontrovers diskutiert. 


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Vorbeugung von Gasbrand

Die Vorbeugung vor einem Gasbrand (Gasödem) besteht in der Entfernung von Fremdkörpern aus der Wunde, der anschließenden gründlichen Säuberung und Desinfizierung des gesamten Wundgebietes sowie einem sterilen Verband. Die Wundheilung muss regelmäßig kontrolliert werden, um die eventuelle Entstehung von Gasbrand rechtzeitig festzustellen. Bei schlecht zu reinigenden oder tiefen Wunden ist eine prophylaktische Antibiotika-Gabe sinnvoll.

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