Gangrän

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. September 2015
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Bei einer Gangrän, früher – und umgangssprachlich zum Teil bis heute – auch als Brand bezeichnet, handelt es sich um eine Gewebsnekrose. Sie führt zum Zerfall von Gewebe und typischerweise auch zu einer deutlichen dunklen Verfärbung der betroffenen Körperteile, welche auf den Hämoglobinabbau zurückzuführen ist.

Inhaltsverzeichnis

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Der Begriff Gangrän ist griechischen Ursprungs und bedeutet so viel wie "fressende Wunde" oder "fressendes Geschwür", was bereits auf den typischen Verlauf anspielt. Die Gangrän kann als eine Sonderform der Koagulationsnekrose definiert werden, die in der Regel durch eine länger bestehende unzureichende Blutversorgung verursacht wird.

Sie geht typischerweise mit dem Absterben (Nekrose) und mit der Schrumpfung von Geweben sowie mit einer dunklen, oft schwärzlichen Verfärbung einher. Je nach Ursache und Verlauf werden mehrere Arten von Gangränen unterschieden. Es wird zwischen trockener und feuchter Gangrän sowie Gasbrand differenziert.

Ursachen

Eine Gangrän wird häufig dadurch ausgelöst oder zumindest begünstigt, dass bestimmte Gewebepartien – überwiegend an den Extremitäten – unzureichend durchblutet und somit auch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Ursache dafür können beispielsweise Krankheiten wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit oder die diabetische Mikroangiopathie, aber auch Erfrierungen sein.

In Kombination damit oder unabhängig davon kann auch eine bakterielle Infektion, beispielsweise durch kleinste Hautverletzungen, zu einer Gangrän führen. Die trockene Gangrän entwickelt sich aufgrund eines durch mangelnde Blutversorgung bedingten Wasserverlusts im Gewebe. Im Gegensatz dazu werden die feuchte Gangrän und der Gasbrand jeweils durch unterschiedliche Bakterien verursacht.

Der Bezug zur Mangeldurchblutung besteht hier darin, dass es sich bei den als Ursache infrage kommenden Bakterien um anaerobe Keime handelt. Da diese zum Leben keinen Sauerstoff benötigen und durch diesen vielmehr sogar abgetötet werden, finden sie in schlecht durchblutetem Gewebe besonders günstige Bedingungen vor.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Gangrän:

Je nach Art der Gangrän kommt es zu unterschiedlichen Symptomen und Krankheitsverläufen. Bei der trockenen Gangrän fallen vor allem Schrumpfungen und lederartige Eintrocknungen der Haut und der darunter liegenden Gewebe, bräunliche und schwärzliche Verfärbungen sowie gegebenenfalls auch schuppenartige Ablösungen der Haut auf, die sich sukzessive ausbreiten. Die dabei ablaufenden Prozesse sind mit denen vergleichbar, die zur Mumifizierung von Leichen führen.

Bei der feuchten Gangrän, deren charakteristisches Merkmal stets ein Befall mit Bakterien ist, findet sich dagegen eine flüssig-weiche Konsistenz der betroffenen Gewebspartien, oft in Verbindung mit starken Rötungen, oder violett-bläulichen, teilweise auch bis ins Schwarze tendierenden Verfärbungen. Häufig machen sich auch Schmerzen sowie unangenehm faulige Gerüche bemerkbar.

Typische Symptome des Gasbrands sind neben der Verfärbung und dem Anschwellen der betroffenen Partien das charakteristische Knistern unter Druckausübung, welches durch die Gasbildung im Gewebe verursacht wird, des Weiteren auch die extrem rasche Ausbreitung der Infektion sowie die Blasenbildung und Ablösung von Hautpartien.

Die einer Gangrän zugrunde liegende bakterielle Infektion schreitet unbehandelt meist immer weiter voran, wobei dies teils innerhalb von Tagen, teils aber auch – insbesondere beim Gasbrand – innerhalb weniger Stunden geschieht. Spätestens wenn Bakterien oder deren Toxine in die Blutbahn gelangen oder lebenswichtige Organe betroffen sind, kann der Patient infolge einer Gangrän sehr schnell eine septische Blutvergiftung erleiden, die wiederum mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist.

Diagnose

Die Diagnose einer Gangrän erfolgt in der Regel anhand des klinischen Bildes sowie gegebenenfalls durch Nachweis entsprechender Erreger im Labor. Aufgrund der mit einer weiteren Ausbreitung der Infektion verbundenen erheblichen Gefahren für das Leben des Patienten sollte bei einer feuchten Gangrän jedoch mit dem Beginn von Therapiemaßnahmen nicht abgewartet werden, bis das Ergebnis des Erregernachweises vorliegt.

Vor allem bei Verdacht auf Gasbrand ist schnelles und entschlossenes Handeln nötig, damit es nicht zu Zeitverlusten kommt, die für den Patienten bei dieser besonders gefährlichen Form der Gangrän mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich wären.

Behandlung

Die Behandlungsmaßnahmen richten sich nach der Art der vorliegenden Gangrän. Vordringliches Ziel ist es, ein Fortschreiten der Erkrankung und die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern. Soweit möglich, werden betroffene Gliedmaßen ruhig gestellt und nekrotische oder infizierte Gewebeteile chirurgisch entfernt.

Teilweise wird bei der Behandlung von Gangränen auch die Madentherapie angewandt, um abgestorbenes Gewebe und Wundbeläge zu entfernen; außerdem wird dabei auch die selektiv bakterizide Wirkung der Maden genutzt. Von besonderer Bedeutung sind antiseptische Maßnahmen, da die gangränöse Sepsis für den Betroffenen stets lebensbedrohlich ist. Insbesondere bei der feuchten Gangrän und beim Gasbrand ist es wichtig, so schnell wie möglich mit dem Einsatz von Antibiotika zu beginnen.

Je nach Art und Ausmaß der Gangrän kann auch eine Amputation von Gliedmaßen erforderlich werden. Diese vergleichsweise radikale Maßnahme sollte vor allem bei Verdacht auf Gasbrand ohne unnötige Verzögerung angewandt werden, solange noch die Chance besteht, dass dadurch eine Ausbreitung der Infektion von der betroffenen Extremität auf die Weichteilgewebe des Rumpfes verhindert werden kann. Sofern Letztere bereits von Gasbranderregern infiziert sind, ist die Prognose sehr schlecht, da chirurgische Maßnahmen dann kaum noch zum Erfolg führen können.

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Vorbeugung

Entsprechend den Wirkungsmechanismen, die zum Auftreten einer Gangrän führen, konzentrieren sich Vorbeugungsmaßnahmen vor allem darauf, eine gute, ausreichende Blutversorgung sicherzustellen und Infektionen vorzubeugen.

Personen, die an mit Durchblutungsstörungen verbundenen Erkrankungen wie der arteriellen Verschlusskrankheit, ausgeprägten Krampfaderbeschwerden oder Diabetes leiden, sollten verstärkt darauf achten, dass sie sich nicht unbemerkt an Beinen und Füßen verletzen. Schon kleinere, auf den ersten Blick harmlos wirkende Verletzungen, die dem Betroffenen zunächst keine spürbaren Beschwerden verursachen, können eine Eintrittspforte für Infektionen darstellen, die letztlich zur Gangrän führen.

Bei bettlägerigen Patienten kommen dem regelmäßigen Umlagern, der Hygiene und der vorbeugenden Versorgung der durch das Aufliegen besonders beanspruchten Hautpartien besondere Bedeutung zu, um das sogenannte Wundliegen und eine eventuelle gangränöse Entwicklung zu verhindern.

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