Fetales Alkoholsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Juli 2017
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Der folgende Text behandelt das Fetale Alkoholsyndrom, welches auch als Alkoholembryopathie bezeichnet wird. Zunächst erfolgt eine genaue begriffliche Einordnung und Definition des Störungsbildes. Im Anschluss klärt der Text über Ursachen, Symptome und typische Verläufe auf. Zudem werden Diagnosemöglichkeiten vorgestellt, ehe Wege der Behandlung aufgezeigt und auch Maßnahmen zur Prävention des Fetalen Alkoholsyndroms vorgestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Fetale Alkoholsyndrom?

Das Fetale Alkoholsyndrom bezeichnet ein Fehlbildungssyndrom von Säuglingen, welches resultieren kann, wenn Frauen während der Schwangerschaft Alkohol zu sich nehmen. Alkohol schadet dem Säugling grundsätzlich. Allerdings kann der Schweregrad der Schädigungen je nach Zeitpunkt, Dauer und Menge des Alkoholkonsums variieren.

In weniger akuten Fällen wird daher auch der Begriff Fetaler Alkoholeffekt verwendet, wobei eine genaue Abgrenzung zum Fetalen Alkoholsyndrom nur schwer klar getroffen werden kann.

Ursachen

Der mütterliche Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist in Deutschland für rund 2200 Fehlbildungen verantwortlich, die klar als Fetales Alkoholsyndrom diagnostiziert werden können. Daher ist zweifelsfrei geklärt, dass einzig und allein der Konsum von Alkohol ursächlich für die Entwicklung des Fetalen Alkoholsyndroms ist. Der Säugling ist über die Nabelschnur permanent mit seiner Mutter verbunden, weshalb er zeitweise dem gleichen Alkoholpegel ausgesetzt ist wie sie.

Für den Säugling im Mutterleib ist dies folgenschwer: Alkohol und das enthaltene Acetaldehyd greifen den kindliche Organismus an und können ihn mitunter schwer schädigen. Die enthaltenen Giftstoffe sorgen für Wachstumsstörungen und Zellmutationen, welche sowohl die körperlich-organische als auch die geistige Entwicklung hemmen bzw. nachhaltig stören und zum Fetalen Alkoholsyndrom führen können.

Wann zum Arzt?

Das fetale Alkoholsyndrom ist in jedem Stadium ein Grund, das Kind engmaschig ärztlich überwachen zu lassen. Oft entsteht bereits in der Schwangerschaft der Verdacht, dass ein fetales Alkoholsyndrom vorliegen oder noch entstehen könnte. Beim ungeborenen Kind ist es ratsam, die Mutter bereits jetzt zum Arztbesuch zu bewegen, damit festgestellt werden kann, ob Schäden an den Organen des Fötus vorliegen.

Hat die Schwangere erst nach der Entwicklung der inneren Organe mit dem Alkoholkonsum begonnen, können dennoch kognitive Schäden durch Schädigung des ZNS des Kindes entstehen. Diese können erst nach der Geburt und mit der Zeit erkannt werden. Deswegen ist es wichtig, Babys sofort nach der Geburt ärztlich zu betreuen, wenn bekannt ist, dass die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Es lässt sich nicht vorhersehen, ab wann mögliche kognitive Schäden erkennbar werden.

Je nachdem worin der Schaden besteht, zeigen sich die Auswirkungen des fetalen Alkoholsyndroms möglicherweise sehr früh oder auch erst mit fortschreitender Entwicklung des Säuglings. Mit Förderung kann ein betroffenes Kind oft dennoch relativ problemlos mit der Schädigung leben, diese Förderung ist aber abhängig von der frühzeitigen Erkennung seiner konkreten Probleme. Zu befürchten sind nach einem fetalen Alkoholsyndrom auch Verhaltensprobleme, die mit rechtzeitiger ärztlicher Behandlung jedoch keine schlimmen Folgen fürs weitere Leben des Kindes haben müssen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Fetalen Alkoholsyndroms:

Die typischen Symptome des Fetalen Alkoholsyndroms entwickeln sich bereits vorgeburtlich, da der Säugling den Einwirkungen des Alkohols ohne Schutz ausgesetzt ist. Alkoholkonsum schadet prinzipiell dem gesamten Organsystem des Kindes, wobei einige Organe besonders häufig betroffen sind. Hierunter fallen die Lunge, die Nieren, die Leber und insbesondere das Gehirn.

Durch die Wachstumshemmungen und Zellmutationen können auch sichtbare körperliche Fehlbildungen entstehen. Häufig kommt es zu Minderwuchs, geringem Gewicht, unzureichender Muskelentwicklung, veränderter Kopfform und deformierten Gesichtszügen. Ebenfalls sind kognitive und neurologische Symptome möglich, welche sich in Sprachstörungen, allgemeinen Retardierungen, Konzentrationsstörungen, Lernbehinderungen, Unaufmerksamkeit, Temperamentsausbrüchen etc. manifestieren.

Kinder mit vollausgeprägtem Fetalen Alkoholsyndrom können sich durchaus noch weiterentwickeln, sodass sich einige körperliche Fehlbildungen mitunter verwachsen können. Die intellektuellen Beeinträchtigungen hingegen sind irreversibel.

Diagnose

Die Diagnose eines Fetalen Alkoholsyndroms erfolgt, je nach Ausprägung der Symptome, bereits unmittelbar nach der Geburt oder aber im Verlauf der ersten Lebensjahre, wenn sich das Störungsbild manifestiert hat. Nach dem "4-Diget Diagnostic Code" wird eine Diagnose dann vergeben, wenn eine offensichtliche Wachstumsstörung vor- und nachgeburtlich vorliegt, das Zentrale Nervensystem geschädigt ist und die typischen Gesichtsdeformationen zu verzeichnen sind.

Dieses Diagnoseinstrument unterscheidet vier verschiedene Schweregrade, wobei auch das Ausmaß des Alkoholkonsums der Mutter berücksichtigt wird. Das "Fetal Alcohol Syndrome Questionnaire" (FASQ) bezieht neben den vorgestellten Kriterien auch die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes in die Diagnostik eines Fetalen Alkoholsyndroms mit ein.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei dieser Krankheit zu deutlichen Beschädigungen und Fehlbildungen des Kindes während einer Schwangerschaft. Die Betroffenen können dabei nur an physischen, sondern auch an psychischen und geistigen Behinderungen leiden, sodass es insgesamt zu einer starken Verringerung der Lebensqualität des Patienten kommt. Weiterhin ist in den meisten Fällen auch die Lebenserwartung der Betroffenen durch dieses Syndrom deutlich verringert. Die Patienten leiden dabei nicht selten an einem starken Minderwuchs oder an einer Hyperaktivität. Ebenso kommt es zu Störungen der Entwaldung und des Wachstums, sodass die Kinder in ihrem Leben deutlich eingeschränkt sind.

Nicht selten treten dabei auch Störungen der Konzentration auf und die Betroffenen wirken leicht aggressiv oder gereizt. Auch für die Eltern kommt es durch dieses Syndrom nicht selten zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen. Durch Herzfehler kann es dabei auch zum vorzeitigen Tode des Kindes kommen. Eine kausale Behandlung kann nach der Geburt nicht mehr stattfinden. Mit Hilfe verschiedener Therapien und durch operative Eingriffe können die Beschwerden unter Umständen gelindert werden. Allerdings ist die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich verringert.

Behandlung und Therapie

Tendenziell kann festgestellt werden, dass eine Behandlung dann einen günstigeren Verlauf nimmt, wenn das Fetale Alkoholsyndrom relativ frühzeitig erkannt wird. Unter diesen Umständen können Therapien und Maßnahmen zeitig ansetzen und unnötige Interventionen umgangen werden. Eine Heilung des Fetalen Alkoholsyndroms ist leider nicht möglich, jedoch sind einige Symptome gut behandelbar.

Beispielsweise können körperliche Deformationen, die sich auch im Verlauf der Zeit nicht zurückgebildet haben, operativ behoben werden. Dadurch ist ein weitestgehend normales Aussehen möglich. Sprachliche oder motorische Auffälligkeiten können mithilfe einer Logopädie und Ergotherapie mitunter positiv beeinflusst werden; insbesondere dann, wenn sie relativ früh begonnen werden.

Psychotherapeutische Bemühungen sind dann am wirksamsten, wenn sie verhaltenstherapeutisch ausgelegt sind. Kognitive Therapien würden Kinder mit Fetalem Alkoholsyndrom überfordern. Aufgrund oftmals bestehender geistiger Retardierungen oder gar Behinderungen ist es ohnehin förderlich, die Kinder kognitiv nicht zu überfordern und keinen zu hohen Erwartungsdruck aufzubauen. Zumeist merken vom Fetalen Alkoholsyndrom Betroffene selbst, dass sie nicht so viel leisten können wie andere.

Klare Strukturen und verbindliche Regeln helfen insbesondere hyperaktiven und konzentrations- oder aufmerksamkeitsgestörten Kindern dabei, im Alltag besser zurechtzukommen. Allgemein ist Kindern mit dem Fetalen Alkoholsyndrom sehr geholfen, wenn sie liebe- und hingebungsvoll betreut und im Alltag ausreichend unterstützt werden - hierauf sind sie zumeist ein Leben lang angewiesen.



Vorbeugung

Die einzige Maßnahme, die wirklich effektiv zur Vermeidung des Fetalen Alkoholsyndroms beiträgt, ist der Verzicht auf Alkohol während der gesamten Schwangerschaft. Diese Art der Prävention ist denkbar einfach. Das Problem besteht jedoch darin, dass die schädigende Wirkung von Alkohol in der heutigen Zeit bagatellisiert wird, weshalb das Risiko des Konsums während der Schwangerschaft extrem unterschätzt wird.

Viele Frauen sind nicht genügend über die möglichen Folgeschäden aufgeklärt, die ihr Kind davontragen kann. Daher setzt die eigentliche Prävention bei der umfassenden Information werdender Mütter an. Entsprechend sind Frauenärzte, Schwangerschaftsberatungsstellen und andere Verbände gefordert: Frauen müssen ausführlich über die eklatanten Folgen des Alkoholkonsums und das Fetale Alkoholsyndrom aufgeklärt werden.

Bücher über Alkoholismus

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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