Durchgangssyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. Juni 2017
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Das Durchgangssyndrom bezeichnet psychische Auffälligkeiten, die meistens nach Operationen auftreten. Die Betroffenen leiden unter Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen und Desorientierung, einige werden auch aggressiv.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Durchgangssyndrom?

Die psychischen Auffälligkeiten des Durchgangssyndroms treten fast ausschließlich nach Operationen, während einer intensivmedizinischen Behandlung oder während einer schweren Krankheit auf. Es handelt sich um eine kurzzeitig auftretende Form einer Psychose.

Psychosen sind psychische Störungen, die mit einem Realitätsverlust einhergehen. Diese Art der Psychose bildet sich jedoch im Gegensatz zu einer richtigen Psychose bereits nach wenigen Stunden, maximal aber nach einigen Tagen von alleine zurück, daher kommt auch der Name Durchgangssyndrom.

Ursachen

Die Ursachen für das Durchgangssyndrom sind nicht abschließend geklärt. Als mögliche Ursachen kommen der erhöhte Stress und Ängste infrage, die durch die äußeren Umstände erzeugt werden (Krankheit, Operation, intensivmedizinische Behandlung). All dies kann Patienten so stark belasten, dass sie diese Form der Psychose entwickeln.

Die Symptome des Durchgangssyndroms können aber ebenso durch einige körperliche Ursachen ausgelöst werden. Ein niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) oder eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie) können ähnliche Symptomatiken auslösen. Ebenso können Komplikationen nach einer Operation, wie etwa eine Blutvergiftung (Sepsis), kann für den Zustand verantwortlich sein.

Auffällig ist, dass das Durchgangssyndrom vor allem bei älteren Patienten auftritt, die zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen haben. Dieser Zustand bringt das körperliche Gleichgewicht durcheinander, sodass aufgrund dessen ein Durchgangssyndrom auftreten kann. Die genauen Ursachen für das Durchgangssyndrom sind jedoch nicht genau bekannt.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Aus medizinischer Sicht gibt es beim Durchgangssyndrom keinen Handlungsbedarf. Es kommt im Normalfall innerhalb weniger Stunden oder Tage zu einer Spontanheilung aller auftretenden Symptome. Ein vorheriges Eingreifen oder Beschleunigen des Prozesses gilt als nicht möglich oder wenig effektiv. Während des Zustandes des getrübten Bewusstseins oder der Realitätsstörung sind die körperregulierenden Funktionen zu überwachen. Die Atmung, der Blutdruck und das Herz werden kontrolliert.

In den meisten Fällen befindet sich bei einem Durchgangssyndrom der Betroffene durchgehend in medizinischer und meist klinischer Versorgung. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten, muss das Pflegepersonal gerufen werden, damit Maßnahmen der Veränderung ergriffen werden können. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, wird die Rücksprache mit dem Arzt gehalten, um die weitere Behandlungsstrategie zu besprechen.

Kommt es zu keiner Spontanheilung besteht Grund zur Besorgnis und der Betroffene benötigt medizinische Untersuchungen sowie eine ärztliche Versorgung. Lindern sich die Symptome nur teilweise oder in einem geringen Ausmaß, sind ebenfalls weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig, die individuell abgewogen werden. Treten zusätzliche Beschwerden wie die Veränderung der Körpertemperatur oder Verfärbungen der Haut auf, sollten sie der zuständigen Mitarbeiterin oder dem Arzt gemeldet werden. Bei plötzlichen negativen Verhaltensänderungen muss ein Arzt gerufen werden, da eine Gefährdung für sich selbst und andere besteht.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Durchgangssyndroms:

Die Symptome des Durchgangssyndroms sind vielfältig und gehen mit einem (teilweisen) Realitätsverlust einher. Das Durchgangssyndrom wird von Medizinern als eine Art Delirium angesehen. Bei einem Delirium treten Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, aber auch Schlafprobleme auf. Zudem wird das Syndrom den Psychosen zugeordnet, die einen Realitätsverlust bedeuten.

Die Patienten sind verwirrt und nicht kooperativ, das heißt, sie weigern sich, die Anweisungen von Ärzten und Pflegepersonal zu befolgen, entfernen sich selbst Infusionsnadeln oder Ähnliches. Zudem treten Bewusstseinsstörungen auf, die Betroffenen sind desorientiert. Einige Patienten neigen während des Durchgangssyndroms sogar zu Aggressionen.

Neben diesen psychischen Auffälligkeiten zeigen sich häufig auch körperliche Symptome. Die Betroffenen schwitzen, ihr Blutdruck erhöht sich und sie leiden unter Herzrasen. Diese körperlichen Probleme treten für gewöhnlich bei Angst- oder Gefahrzuständen auf. Patienten mit dem Durchgangssyndrom befinden sich also in einem solchen Zustand.

Diagnose

Die Diagnostik des Durchgangssyndroms kann sich schwierig gestalten. Zunächst einmal müssen körperliche Ursachen für den Zustand des Patienten ausgeschlossen werden. Sowohl eine Hypoglykämie als auch eine Hypoxie können ganz ähnliche Symptome verursachen.

Bei der Unterzuckerung (Hypoglykämie) muss der Zustand durch Gabe von Nahrung (intravenös oder durch Essen) beseitigt werden. Bei einer Hypoxie (Unterversorgung mit Sauerstoff) muss die Ursache für diesen Zustand geklärt und behoben werden. Zudem ist eine Sepsis auszuschließen, die ebenfalls ähnliche Symptome verursachen kann.

Nach Ausschluss dieser anderen Probleme ist die Diagnose des Durchgangssyndroms wahrscheinlicher. Da die genauen Ursachen des Syndroms jedoch nicht abschließend geklärt sind, ist die Diagnose kompliziert. Als Ursache infrage kommen Nebenwirkungen von Medikamenten, Störungen im Stoffwechsel, vor allem aber die massiven Ängste und Sorgen der Patienten.

Komplikationen

In der Regel kommt es beim Durchgangssyndrom zu starken psychischen Beschwerden. Diese können im schlimmsten Falle zu Selbstmord oder zu einem selbstverletzenden Verhalten führen. Aus diesem Grund muss das Durchgangssyndrom auf jeden Fall untersucht und von einem Psychologen behandelt werden. Die Betroffenen leiden dabei an einer inneren Unruhe und an Stimmungsschwankungen. Hinzu kommen eine leichte Reizbarkeit und eine Aggressivität. Nicht selten leiden die Patienten auch an einer Verwirrtheit und an Orientierungsstörungen, wodurch der Alltag erheblich erschwert wird. Es kommt zu Herzrasen und zu Panikattacken.

Im weiteren Verlauf der Krankheit können auch Halluzinationen auftreten und das Denken und Handeln des Betroffenen ist durch das Durchgangssyndrom stark eingeschränkt. In den meisten Fällen kommt es auch zu einer sozialen Ausgrenzung und die Betroffenen nehmen nicht mehr aktiv am Leben teil. Eine ungewöhnliche und unbegründete Angst kann sich gegenüber verschiedenen Situationen entwickeln und dabei den Alltag des Betroffenen erheblich einschränken. Ebenso kommt es zu Lähmungen und Missempfindungen am gesamten Körper. Die Behandlung des Durchgangssyndroms erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Diese können allerdings zu Nebenwirkungen führen, sodass sich die Betroffenen müde und abgeschlagen fühlen. In der Regel ist keine allgemeine Voraussage über den Krankheitsverlauf möglich.

Behandlung und Therapie

Eine Behandlung bei einem Durchgangssyndrom ist kaum möglich. Das liegt vor allem daran, dass die Probleme nach einigen Stunden oder Tagen von ganz alleine wieder verschwinden. Bei den Betroffenen müssen während des Auftretens der Probleme die Atmung, der Blutdruck und der Herzschlag kontrolliert werden. Diese sind während des Durchgangssyndroms erhöht, was zu Problemen führen kann.

Ansonsten können Mediziner nur wenig tun. Steigen Blutdruck und Herzschlag zu stark an, gibt es Medikamente, die diese körperliche Stressreaktion regulieren können. Diese werden aber nur in extremen Fällen angewendet. Zudem ist die Diagnostik bei der Behandlung von besonderer Bedeutung.

Körperliche Ursachen wie Hypoxie oder Hypoglykämie müssen unbedingt ausgeschlossen werden, damit sie nicht fälschlicherweise unbehandelt bleiben und die körperlichen Beschwerden lediglich auf das Durchgangssyndrom zurückgeführt werden. Ansonsten ist für das Syndrom keine Behandlung nötig. Die Beschwerden legen sich von selbst.



Vorbeugung

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, um dem Durchgangssyndrom vorzubeugen. Als hilfreich haben sich jedoch einige Strategien bewährt. Allerdings können auch diese das Durchgangssyndrom nicht hundertprozentig verhindern.

Wenn möglich, sollte sich der Patient auf einen längeren Krankenhausaufenthalt gut vorbereiten. Dazu gehört die Tatsache, diesen Zustand zu akzeptieren und sich über alles Wichtige zu informieren.

Ärzte können durch Gespräche mit den Patienten, in denen wichtige Fakten verständlich erklärt werden und dem Patienten möglichst Mut gemacht wird, dazu beitragen, dass ein Durchgangssyndrom verhindert werden kann. Auch die Unterstützung durch Familie und Freunde kann in einer schwierigen Situation von größter Wichtigkeit sein.

Bücher über Psychose

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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