Darmpolypen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. Juni 2017
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Darmpolypen sind gutartige Geschwulste, die in das innere des Darms ragen und in Abhängigkeit von ihrer Gewebestruktur und Größe ein Entartungsrisiko aufweisen können. Von Darmpolypen sind etwa zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter steigt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Darmpolypen?

Als Darmpolypen werden Schleimhautvorwölbungen in das Lumen (Innere eines Hohlorgans) des Darms bezeichnet, die in der Regel keine Symptome hervorrufen und in über der Hälfte der Fälle Geschwülste sind, die ihren Ursprung im Drüsengewebe der Darmschleimhaut haben (Adenome).

Ein Darmpolyp wird auch als benigner (gutartiger) Tumor bezeichnet, kann aber im weiteren Verlauf je nach histologischer Beschaffenheit (Feingewebeeigenschaften) und Größe zu einer malignen Geschwulst (Karzinom) entarten.

Ursachen

Darmpolypen können auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. So wird vermutet, dass die Ernährung und der Lebensstil die Entwicklung von Darmpolypen begünstigen.

Ein hoher Konsum tierischer Fette bei gleichzeitig ballaststoffarmer Ernährung kann vor allem in Korrelation mit übermäßigem Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Übergewicht die Entstehung von Darmpolypen fördern.

In seltenen Fällen können Darmpolypen erblich bedingt sein. Genetisch bedingte Erkrankungen, die mit einem vermehrten Auftreten einhergehen, sind unter anderem die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei welcher bereits früh im Jugendalter Darmpolypen vorliegen können.

Außerdem das Gardner-Syndrom (Polyposis intestinalis), das neben Darmpolypen durch weitere benigne Geschwulste gekennzeichnet ist. Des Weiteren das Peutz-Jeghers-Syndrom (Hyperpigmentation), das Cowden-Syndrom und das Turcot-Syndrom. Diese autosomal-dominant vererbten Sonderformen gehen mit einem erhöhten Entartungsrisiko einher, wobei bei einer adenomatösen Polyposis das Entartungsrisiko bei 70 bis 100 Prozent liegt.

Wann zum Arzt?

Da Darmpolypen nur im Rahmen einer Darmspiegelung sicher diagnostiziert werden können, befindet sich der Patient ohnehin schon in ärztlicher Behandlung, wenn der Begriff das erste Mal fällt. Viele Patienten sind erleichtert, denn Darmpolypen lösen ganz ähnliche Symptome wie Darmkrebs aus - welchen der Patient bei dieser Diagnose jedoch nicht hat. Dennoch bedeutet die Diagnose Darmpolypen nicht, dass jetzt alles vorbei ist.

Der Arzt muss dem betroffenen Patienten eine Empfehlung zur weiteren Behandlung aussprechen und dieser sollte der Patient auch folgen. Denn Darmpolypen selbst sind in diesem Zustand harmlos, sie können sich aber zu Darmkrebs weiter entwickeln. Um das zu verhindern, sollten die entdeckten Darmpolypen deswegen vollständig entfernt und histologisch untersucht werden. Dies geschieht im Rahmen einer kleinen Operation.

Um diese vorzubereiten und eine Aufklärung über den Eingriff zu erhalten, sollte bei Darmpolypen deshalb baldmöglichst ein weiterer Arzttermin vereinbart werden. Erst wenn alle Darmpolypen entfernt sind, ist der Patient wieder vollkommen gesund. Auch danach kann es sinnvoll sein, regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrzunehmen, denn Darmpolypen können zurückkommen und könnten unentdeckt mit der Zeit zu Darmkrebs werden. Die frühzeitige Erkennung sollte der Patient als Chance für die eigene Gesundheit betrachten und sie durch Vorsorgeuntersuchungen nutzen, um noch möglichst lange gesund zu bleiben.

Symptome und Verlauf

Gesunder Darm und Darmpolypen.

In der Regel sind Darmpolypen asymptomatisch, weshalb sie häufig im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten Darmuntersuchung diagnostiziert werden.

Im weiteren Verlauf und mit Zunahme der Größe können Darmpolypen mitunter zu Blut im Stuhl, Ileus (Darmverschluss), Koliken oder abdominalen Schmerzen führen. Einige Polypenformen können einen Schleimabgang sowie eine Schwarzfärbung des Stuhls (Meläna) bewirken. Darmpolypen sind zu Beginn in der Regel benigne Geschwulste, die abhängig von ihren Gewebeeigenschaften und Größe ein unterschiedliches Entartungsrisiko aufweisen.

Wegen des allgemeinen Risikos einer malignen Entartung sollten Polypen frühzeitig diagnostiziert und entfernt (endoskopische Abtragung, Polypektomie) werden, wenngleich die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens nach Abtragung eines Darmpolypen mit 30 bis 50 % relativ hoch ist.

Diagnose

Sind Darmpolypen im unteren Teil des Enddarms lokalisiert, können diese durch einen rektalen Tastbefund (Untersuchung des Enddarms mit dem Finger) diagnostiziert werden. Fällt ein Hämoocculttest (Nachweis okkulten, nicht sichtbaren Bluts im Stuhl) positiv aus, weist dies ebenfalls auf mögliche Darmpolypen hin. Gesichert wird die Diagnose durch eine Koloskopie (Darmspiegelung), bei welcher gleichzeitig eine Biopsie (Gewebeentnahme) mit anschließender histologischer Analyse der Gewebeprobe und gegebenenfalls eine endoskopische Abtragung durchgeführt werden können. Im Rahmen der histologischen Untersuchung wird darüber hinaus geklärt, ob der entnommene Darmpolyp bereits entartete Zellen beinhaltet.

Behandlung und Therapie

Wegen ihres Entartungsrisikos werden Darmpolypen grundsätzlich endoskopisch (Koloskopie) entfernt und anschließend auf ihre histologischen Eigenschaften hin analysiert, um ihren Entartungsgrad zu bestimmen. Dazu werden die Darmpolypen durch das Endoskop (Sichtgerät) mit einer kleinen Schlinge umfasst und abgetragen. Ab einer bestimmten Größe (3-5 cm) sind Darmpolypen nicht mehr endoskopisch abtragbar und müssen operativ entfernt werden.

Ein operativer Eingriff wird auch bei Darmpolypen erforderlich, die bereits in die unterliegenden Schichten der Schleimhaut eingewachsen sind sowie bei durch Erbkrankheiten bedingter großer Anzahl von Darmpolypen.

Die postoperativen Kontrolluntersuchungen sind von der Größe, der Zahl und den histologischen Eigenschaften der Darmpolypen abhängig. Werden beispielsweise ein oder zwei kleinere Darmpolypen (unter 1 cm Größe) mit geringem Entartungsrisiko entfernt, genügt in der Regel eine Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren.

Bei Betroffenen mit 3 bis 10 Darmpolypen oder wenigstens einem Darmpolypen, der eine Mindestgröße von einem Zentimeter aufweist oder ein villöses Feingewebe (zottige Struktur) wird eine Kontrollkoloskopie nach drei Jahren empfohlen.

Bei Darmpolypen, die ein frühes, auf die Schleimhaut beschränktes Stadium von Darmkrebs aufzeigen (intraepitheliale Neoplasie), und nachweislich vollständig abgetragen wurden, genügt ebenso eine Kontrollspiegelung nach drei Jahren.

Ist die vollständige Abtragung histologisch nicht gesichert, wird eine zeitnahe Kontrolle (2-6 Monate) empfohlen. Werden große Darmpolypen in mehreren kleineren Schritten abgetragen (Piecemeal-Technik), sollte die Abtragungsstelle der Darmpolypen ebenfalls innerhalb von 2-6 Monaten kontrolliert werden.



Vorbeugung

Darmpolypen kann nicht hundertprozentig vorgebeugt werden. Dennoch werden eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit einem minimalen Anteil tierischen Fetts, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie regelmäßige Bewegung zur Verringerung des Risikos für Darmpolypen und somit des Darmkrebsrisikos empfohlen. Zur frühzeitigen Diagnose und Therapie von Darmpolypen werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen mit einem Hämocculttest (ab dem 50. Lebensjahr) und regelmäßige Koloskopien (alle 3-5 Jahre) sowie eine gründliche Überwachung von Risikopatienten (bei familiärer Prädisposition) empfohlen.

Bücher über Darmerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Jürgen kommentierte am 30.01.2016 um 17:04 Uhr

Ich habe dies zu berichten. Nach Entnahme dreier Polypen stellte ich mich zur Kontrolle (Piecmeal) 4 Monate nach der Koloskopie bei einem ausgewiesenen Spezialisten vor. Dieser hat bei der "Nachschau" meinen Darm perforiert, dies kann sicher mal geschehen. Ich hatte jedoch das ganz große Los gezogen. Der Untersucher sah in meinem Dickdarm mehr als 30 Polypen. Achtung: Die letzte Untersuchung lag nur 4 Monate zurück! Es folgte eine Hemikolektomie. Der Pathologe hat Pneumatosis Coli nach der OP festgestellt. Also Vorsicht bei der Wahl des Untersuchers!