Aphonie (Stimmverlust)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. März 2017
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Eine gefühlvolle Stimme wird in der modernen Gesellschaft oftmals als äußerst sympathisch empfunden. Darüber hinaus kann die Stimme einer Person einen guten Einblick in dessen Gefühlswelt geben. Aus diesem Grund stellt eine Aphonie (Stimmverlust) für die betroffenen Patienten eine besonders große Belastung dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Aphonie (Stimmverlust)?

Bei einer Aphonie (Stimmverlust) können die betroffenen Patienten in der Regel nur noch flüstern. Je nach physischer Konstitution kann es auch zu einer vollständigen Stimmlosigkeit kommen. Dies ist in den meisten Berufen für die Betroffenen ein erheblicher Nachteil.

Ein Stimmverlust wird in der modernen Medizin grundsätzlich von einer Heiserkeit abgegrenzt. Damit eine zielgerichtete Therapie in Angriff genommen werden kann, sollten die möglichen Ursachen schnell ermittelt werden. Nur so kann ein Stimmverlust aufgehalten werden.

Ursachen

Da die moderne Gesellschaft einem kontinuierlichen Wandel unterliegt, kann eine Aphonie (Stimmverlust) unter anderem auf einer psychologischen Erkrankung basieren. So wird beispielsweise Stress als eine mögliche Ursache für das Auftreten eines Stimmverlustes angesehen. Neben den psychologischen Erkrankungen zeichnen sich auch die körperlichen Erkrankungen nicht selten für einen Stimmverlust verantwortlich.

Von erfahrenen Medizinern wird ein Stimmverlust immer häufiger im Anschluss an eine Erkältung diagnostiziert. Die für eine Erkältung verantwortlichen Viren können bei den betroffenen Patienten die Stimmbänder reizen und es kann zu einer Stimmbandentzündung kommen. Aus diesem Grund sollte auch eine Bronchitis möglichst schnell behandelt werden.

Ein Stimmverlust kann unter Umständen auch beruflich bedingt sein. Vor allem Sänger oder Lehrer setzen ihre Stimme einer dauerhaften Überlastung aus. Chemische Stoffe können die Stimmbänder ebenfalls besonders stark reizen. Sofern ein Stimmverlust plötzlich in Erscheinung tritt, kann auch ein Tumor als eine mögliche Ursache angesehen werden. Ein Stimmverlust kann auch im Anschluss an eine Operation im Bereich des Rachens in Erscheinung treten.

Krankheiten

Anatomische Darstellung verschiedener Stimmband-Erkrankungen, die zu Stimmverlust (Aphonie) führen können.

Wann zum Arzt?

Wenn es bei bestimmten Berufsgruppen wie Opernsängern, Rednern und Lehrern zu einer Beeinträchtigung der Stimmbänder kommt, können die Erkrankten häufig selbst entscheiden, ob es ausreicht, die Stimmbeschwerden durch Schonung und Inhalieren mit Salzwasser zu behandeln. Das Gleiche gilt, wenn speziell Stress für die Stimmprobleme verantwortlich ist, es sei denn, dass eine Krankschreibung erforderlich ist.

Sofern sich abzeichnet, dass es sich bei den Stimmproblemen um Heiserkeit oder eine Erkältung handelt, können Hausrezepte wie Inhalieren oder Apothekertipps weiterhelfen. Wenn die Stimme jedoch ganz ausbleibt, sodass Heiserkeit und Erkältung ausgeschlossen werden können und der Betroffene die Ursache nicht kennt, sollte besser ein Arzt aufgesucht werden.

Über eine Untersuchung von Mund- und Rachenraum, Abtasten der Lymphknoten, Abstrich, Blutuntersuchung bis hin zur Kehlkopfspiegelung können Ärzte genauere Hintergründe der Erkrankung erkennen, sogar z. B. ob ein Tumor an den Stimmbändern für den Stimmverlust verantwortlich sein kann. Nur im Extremfall sollte auf einen operativen Eingriff gesetzt werden, der ein logopädisches Training nach sich ziehen kann.

Da eine Aphonie in einigen Fällen zu einer dauerhaften psychischen Belastung werden kann, z.B. wenn der Patient sich nicht mehr verständlich gegenüber den Kommunikationspartnern äußern kann, sollte sich der Patient in psychotherapeutische Behandlung begeben.

Diagnose und Verlauf

Bereits bei den ersten Anzeichen auf eine Aphonie (Stimmverlust) sollte ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Für die Diagnose eines Stimmverlustes zeichnet sich in der Regel ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt verantwortlich. Durch den Einsatz von verschiedenen Untersuchungsmethoden kann ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt die verantwortlichen Ursachen möglichst schnell ermitteln. Im Rahmen der Diagnose muss der betroffene Patient zunächst einmal ein paar Fragen beantworten.

Die Antworten sollen dem behandelnden Arzt einen möglichst detaillierten Einblick in den bisherigen Verlauf der Krankheit geben. Im Anschluss an die Befragung wird der betroffene Patient einer körperlichen Untersuchung unterzogen. So werden beispielsweise die Lymphknoten abgetastet. Darüber hinaus untersucht der behandelnde Arzt auch den Mundraum sowie den Rachen der betroffenen Person.

Eine Kehlkopfspiegelung ermöglicht dem behandelnden Arzt eine möglichst genaue Untersuchung des Kehlkopfs. Sofern ein erster Verdacht auf eine Infektion besteht, muss ein Abstrich genommen werden. Parallel zum Abstrich wird die Durchführung einer Blutabnahme in Erwägung gezogen. Eventuelle Entzündungen können oftmals im Blut der betroffenen Patienten nachgewiesen werden.

Sollten die bereits erwähnten Untersuchungsmethoden kein konkretes Ergebnis liefern, kann eine Untersuchung mit einem bildgebenden Verfahren durchgeführt werden. Die in der Medizin zur Verfügung stehenden Verfahren ermöglichen die Ermittlung eines Tumors im Bereich des Rachens. Nur wenn ein Stimmverlust zuverlässig behandelt wird, können die betroffenen Patienten vor schwerwiegenden Folgeschäden bewahrt werden.

Komplikationen

Die Aphonie sorgt für eine Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens. Über die Stimme findet die primäre Kommunikation und der zwischenmenschliche Austausch statt. Menschen, die unter einem Stimmverlust leiden, müssen lernen, ihren Kommunikationsweg umzustellen und ihre Bedürfnisse auf einem anderen Weg zum Ausdruck bringen. Gleiches gilt für die Angehörigen und das nähere soziale Umfeld. Absprachen oder die Klärung von Herausforderungen, Problemen oder organisatorische Sachverhalte erfolgen auf einem anderen als dem bisherigen Weg und bedeuten gleichzeitig, dass oftmals eine Zeitverzögerung eintritt. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass vermehrt Missverständnisse auftreten können.

Zu den weiteren Komplikationen einer Aphonie können neben den vorhandenen und auslösenden körperlichen Problemen der Aphonie auch psychische Beeinträchtigungen kommen. Der Zustand des Stimmverlustes kann zu einem Trauma führen und einen Schockzustand auslösen. Menschen, die ihre Stimme aus beruflichen Gründen benötigen, wie beispielsweise Sänger oder Sprecher, erleiden oftmals Angstzustände und können sich panischen Attacken ausgesetzt sehen. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um einen chronischen Stimmverlust handelt und die Dauer des Zustandes als nicht absehbar eingestuft werden muss. Trotz einer abklingenden Aphonie kann sich zusätzlich eine Veränderung der vorherigen Stimmfarbe einstellen. Auch dies kann für Menschen, die ihre Stimme aus beruflichen Gründen benötigen, schwerwiegende Komplikationen oder den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten.

Behandlung und Therapie

Resultierend aus einem medizinischen Fortschritt kann eine Aphonie (Stimmverlust) mittlerweile sehr gut behandelt werden. Die einzelnen Behandlungsmethoden orientieren sich in erster Linie an den verantwortlichen Ursachen. Sollte der Stimmverlust beispielsweise auf einer Erkältung basieren, empfiehlt sich eine regelmäßige Inhalation mit Salzwasser. Das Salzwasser kann auf Wunsch auch gegurgelt werden. Jedoch sollte niemals zu stark gegurgelt werden, da die Stimmbänder sonst noch stärker gereizt werden könnten.

Im Rahmen der Erkrankung sollten die Stimmbänder der betroffenen Patienten grundsätzlich geschont werden. Aus diesem Grund dürfen die betroffenen Patienten in der Regel nur flüstern. Sofern ein blutiges Sekret ausgeworfen wird, empfiehlt sich eine Therapie mit einem entsprechenden Antibiotikum.

Ein operatives Behandlungsverfahren erweist sich immer dann als sinnvoll, wenn im Bereich der Stimmbänder kleine Knötchen oder Polypen vorhanden sind. Eine weiterführende Behandlung mit Medikamenten muss im Anschluss an einen operativen Eingriff grundsätzlich durchgeführt werden. Durch die Einhaltung einiger Verhaltensregeln kann einem Stimmverlust jedoch oftmals vorgebeugt werden.



Aussicht und Prognose

Die Prognose für den Verlauf und die Heilungschancen einer Aphonie sind abhängig von der Ursache. Bei viralen oder bakteriellen Ursachen kommt es meist zu einer Spontanheilung. Nach Schonung der Stimmbänder oder dem Rückgang von Schwellungen im Mund, Rachen oder Halsbereich, verschwindet oft auch die Stimmlosigkeit. Handelt es sich um eine mechanische Ursache, muss geprüft werden, ob eine Logopädie Abhilfe leisten kann.

In einigen Fällen ist ein operativer Eingriff mit anschließender Logopädie notwendig. Basiert die Aphonie auf einer chemischen Ursache, muss geprüft werden, wie reparabel die beschädigten Regionen sind. Kommt es zu Verätzungen, müssen meist mehrere Regionen neu aufgebaut und die Stimmtätigkeit neu erlernt werden. Gleiches ist bei Traumatas gegeben. Sofern in der Notfallambulanz oder infolge einer Operation eine Inkubation stattfand, kann es zu einem Trauma des Kehlkopfes kommen. Das Trauma hat meist nach einigen Wochen einen regressiven Verlauf.

Sofern die Ursache der Aphonie psychogen ist, kann der Heilungsverlauf langwierig sein und über mehrere Jahre andauern. Über verschiedene Psychotherapeutische Maßnahmen muss die Ursache und das zugrunde liegende Problem gefunden und analysiert werden. Oftmals kann dieses nicht einfach geheilt werden. Der Patient benötigt in einem solchen Fall Unterstützung bei der Bewältigung der erlebten Situationen. Eine Veränderung des Bewusstseins kann die Aphonie beseitigen.

Vorbegung

Wer einem Stimmverlust vorbeugen will, muss in erster Linie den verantwortlichen Ursachen vorbeugen. Führende Mediziner empfehlen grundsätzlich eine aktive Stärkung des eigenen Immunsystems.

Ein starkes Immunsystem kann einen Infekt in der Regel besser bekämpfen als ein schwaches Immunsystem.

Eine Infektion mit Viren oder Bakterien kann man jedoch nie vollständig vermeiden. Sofern die Durchführung einer Operation geplant ist, sollten die behandelnden Ärzte den Kehlkopf im Rahmen einer notwendigen Intubation so gut wie möglich schonen.

Da auch Stress als eine mögliche Ursache für einen Stimmbandverlust angesehen werden kann, sollten regelmäßige Ruhephasen für die Stimme eingeplant werden.

Bücher über Atemwegsbeschwerden

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Michaela kommentierte am 10.07.2016 um 21:33 Uhr

Ich bin 43 Jahre, wegen Morbus Bechterew immunsupprimiert und habe 2015 8 mal und 2016 bis dato 4 mal plötzlich für 10-14 Tage meine Stimme verloren. Begleitet wurde dieser Zustand von heftiger Atemnot beim Gehen/Sprechversuchen. Laut HNO Arzt ist Schweigen das einzig Wirksame. Ich weiß nicht mehr weiter.