Alkoholembryopathie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Januar 2015
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Konsumiert die werdende Mutter in der Zeit der Schwangerschaft Alkohol, kann beim ungeborenen Kind eine Alkoholembryopathie (FAS) auftreten. Zur medizinischen Behandlung der geschädigten Kinder muss eine Vielzahl therapeutischer Maßnahmen angewandt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Alkoholembryopathie?

Definiert wird die Alkoholembryopathie über sowohl geistige als auch körperliche Defizite eines Kindes, dessen Mutter in der Zeit ihrer Schwangerschaft Alkohol getrunken hatte. Andere gebräuchliche Bezeichnungen für die Alkoholembryofetopathie sind das fetale Alkoholsyndrom oder embryofetales Alkoholsyndrom.

Wissenschaftlichen Erhebungen zufolge tritt das Syndrom bei ca. 5 von 1 000 Neugeborenen auf. Die ausgeprägten Alkoholschädigungen treten statistisch betrachtet etwa doppelt so häufig auf wie das Down-Syndrom. Nach wie vor kommt der Aufklärungsarbeit gegen den Alkoholgenuss der schwangeren Frau immense Bedeutung zu.

Ursachen von Alkoholembryopathie

Die Ursache der Alkoholembryopathie ist stets der Alkoholkonsum der werdenden Mutter. Denn sowohl Ethanol als auch dessen Abbauprodukt Acetaldehyd gelangen auf direktem Weg über die mütterliche Plazenta zum Embryo. Schnell hat dieser auch den Alkoholspiegel der trinkenden Mutter erreicht. Allerdings ist die Leber des ungeborenen Kindes nicht in der Lage, die massiven Zellgifte genügend schnell abzubauen.

Fehlender Stoffwechsel-Enzyme wegen ist das Ungeborene dem Ethanol ca. 10 Mal länger ausgesetzt als die Mutter. Die Zellgifte können in dieser verhältnismäßig langen Zeit wesentliche und teilweise irreversible Organ- und Hirnschädigungen initiieren.

Weil genetische und verschiedene andere Faktoren die grundsätzliche Verfassung der schwangeren Frau immanent beeinflussen, ist es schlichtweg nicht möglich, detaillierte Mengenangaben für einen vermeidlich unschädlichen Alkoholkonsum zu machen. Fest steht, dass sich die Risikohäufigkeit für das Baby parallel zum regelmäßigen Alkoholgenuss potenziert.

Symptome und Verlauf von Alkoholembryopathie

Die typischen Symptome der Alkoholembryopathie sind Wachstumsstörungen des Gehirns und des Körpers. Sie lassen sich bereits beim Ungeborenen im Leib der Mutter nachweisen. So können Deformationen des kindlichen Schädels, Fehlbildungen im Gesicht, verkürzte Lidspalten, ein auffallend breiter Nasenrücken und besonders schmale Lippen als offensichtliche Symptome festgestellt werden.

Manche der Kinder haben von ihrer Geburt an einen Herzfehler. Das in der Mitte der Oberlippe verlaufende Grübchen, Philtrum genannt, ist nicht vorhanden oder lediglich minimal ausgeprägt. Geschädigte Babys kommen mit etwa 2 200 g deutlich untergewichtig zur Welt. Manche Neugeborene sind auch in der weiteren Zukunft umfassend körperlich oder geistig eingeschränkt.

Nicht selten sind auch Fehlbildungen am kindlichen Skelett, an verschiedenen inneren Organen und an den Genitalien Folgen einer Alkoholembryopathie. Eine weitere schwerwiegende Folgeerkrankung kann das Auftreten kognitiver und emotionaler Störungen und einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. Die Alkoholembryopathie verläuft in jedem Fall individuell unterschiedlich.

Ein entscheidender Einflussfaktor ist die soziale Umgebung des betroffenen Kindes. Werden darin alle verordneten Maßnahmen vollständig umgesetzt, kommt es zu positiven Einflüssen auf die individuelle Symptomatik. Stark ausgeprägte gesundheitliche Schäden und/oder eine permanent ausbleibende Kooperationsbereitschaft des jeweiligen Elternhauses, verringern sich die Aussichten auf Verbesserungen deutlich. Die von Kind zu Kind unterschiedliche Ausprägung der Alkoholembryopathie macht eine in jedem Einzelfall angepasste Therapie notwendig.

Diagnose von Alkoholembryopathie

Die entsprechende Diagnose einer Alkoholembryopathie erbringt der behandelnde Arzt per Ultraschall (Sonografie). Die Ultraschalluntersuchungen oder Ultraschallscreenings werden turnusmäßig im Verlauf einer Schwangerschaft vorgenommen. Dabei erfolgt die erste Untersuchung in der 9. bis 12. Schwangerschaftswoche, die 2. Untersuchung in der 19. bis 22. Woche und die 3. Sonografie in der 29. bis 32. Schwangerschaftswoche.

Behandlung von Alkoholembryopathie

Ausgehend von der jeweils unterschiedlichen Ausprägung der Alkoholembryopathie werden von ärztlicher Seite verschiedene Therapiemaßnahmen notwendig. Ziel ist eine durchgreifende Förderung des von der Alkoholembryopathie betroffenen Kindes.

Verschiedene Mütter können diese Maßnahmen einer Alkoholkrankheit wegen nicht im genügenden Maße unterstützen. In solchen Fällen muss das betroffene Kind in einem Heim oder bei kompetenten Pflegeeltern untergebracht werden.

Einige körperliche Fehlbildungen können auf operativem Wege beseitigt werden. Während Bewegungsstörungen physiotherapeutisch behandelt werden können, erfolgt die Therapie der ADHS mittels geeigneter Medikamente. Mitunter werden dem Kind auch Verhaltens- und Ergotherapie verordnet. Dennoch haben Alkoholembryopathie -geschädigte Kinder zuweilen eine schlechte Prognose. Während ihrer Weiterentwicklung gehen äußere Auffälligkeiten zurück.

Im Bereich der Intelligenz- und Sprachentwicklung erreichen sie allerdings selten normales Niveau, sodass sie nicht selten Sonderschulen besuchen müssen. Hyperaktivität, Aggressivität, Ungeschicklichkeit und soziale Defizite gehören zu den Verhaltensauffälligkeiten. Auch eine optimale Förderung des betroffenen Kindes in ausgewählten Pflegefamilien vermag die Weiterentwicklung nur unbefriedigend zu fördern. Ohnehin macht sich dann eine ständige Betreuung bis in das Erwachsenenalter notwendig.

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Vorbeugung von Alkoholembryopathie

Die wichtigste Vorbeugung der Alkoholembryopathie ist während der Schwangerschaft kein Alkohol zu trinken! Teilweise anzutreffende Verharmlosungen sind unverantwortlich, stattdessen kommt der gezielten Aufklärungsarbeit besondere Bedeutung zu. Sie ist Bestandteil der Routinevorsorge, die zudem Suchtprobleme erkennt und Hilfsangebote bereithält.

Experten regen außerdem Warnhinweise auf den Etiketten alkoholischer Getränke an, wie sie den Zigarettenschachtel-Aufdrucken ähnlich in Frankreich schon obligatorisch sind.

Im Alltag überwiegen die aufgeklärten Schwangeren. So stellt jede werdende Mutter, die auf den Konsum alkoholischer Getränke vollständig verzichtet, ihr ausgeprägtes und vorbildliches Verantwortungsbewusstsein unter Beweis.

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