Tonometrie

Letzte Aktualisierung am 28. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Erhöhte Augeninnendruckwerte gelten als Risikofaktor für Grünen Star. Die Tonometrie entspricht der Augeninnendruckmessung. Verfahren wie die Applanationstonometrie und die dynamische Konturtonometrie gelten als verbreitetste Methoden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Tonometrie?

Durch Tonometrie kann der Augeninnendruck gemessen werden. Liegt der Wert deutlich höher als 21mmHg, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Glaukom vor.

Annähernd 100 000 Deutsche leiden an einem Grünen Star (Glaukom). Unter dem Glaukom versteht die Medizin eine Gruppe unterschiedlicher Augenerkrankungen, die für längere Zeit unbemerkt den Sehnerv schädigen. Auf Dauer beeinträchtigen Glaukom-Erkrankungen das Sehvermögen irreversibel und münden häufig in Erblindung.

Charakteristisch für Glaukome ist die Augeninnendruckerhöhung. Die Tonometrie entspricht einem augenärztlichen Verfahren zur Messung des Augeninnendrucks. Das diagnostische Messverfahren wird in der Regel ambulant durchgeführt. Bei der Messung kommen Tonometer und spezielle Spaltlampen zum Einsatz.

Anwendungsgebiete

Die Stärke der modernen Medizin liegt in der Prävention und (Früh-)Diagnostik. Grüner Star lässt sich durch diagnostische Verfahren wie die Tonometrie frühzeitig erkennen, sodass die Behandlung rechtzeitig möglich ist. Erhöhter Augeninnendruck stellt zwar kein sicheres Diagnosekriterium für Grünen Star dar, allerdings gilt die Druckerhöhung als bedeutendster Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms.

Grüner Star

Hoher Augeninnendruck schädigt den Sehnerv und kann den Patienten damit erblinden lassen. Bevor sie die ersten Symptome bemerken, leiden viele Patienten mit Grünem Star schon mehrere Jahre lang an erhöhten Druckwerten. Die Tonometrie stellt allerdings nicht nur eine Maßnahme zur Früherkennung dar, sondern wird gemeinsam mit der Funduskopie außerdem in der Therapiekontrolle von Glaukomen angewandt.

Ein weiterer Anwendungsbereich stellt sich mit medikamentösen Therapien, die erwiesenermaßen Auswirkungen auf den Augeninnendruck haben können. Ein Beispiel für eine Therapie dieser Art ist die Cortison-Therapie. Vor allem bei längerfristigen Behandlungen mit Cortison klärt die Tonometrie eventuell entstandene Druckerhöhungen ab.

Grundsätzlich kann erhöhter Augeninnendruck mit Abflussstörungen des Kammerwassers in Zusammenhang stehen. Pathologische Veränderungen des Trabekelwerks können beispielsweise den Abtransport des Kammerwassers erschweren. Aus diesem Grund kommt der Tonometrie auch im Zusammenhang mit sämtlichen Beschädigungen des Trabekelwerks eine diagnostisch wichtige Rolle zu. Dasselbe gilt für Erkrankungen mit erhöhter Kammerwasserproduktion.

Methoden und Verfahren

Die bekanntesten Anwendungsverfahren der Tonometrie sind die Applanationstonometrie, die dynamische Konturtonometrie und die Non-Contact-Tonometrie.

Applanationstonometrie

Die Applanationstonometrie stellt die genaueste Messungsmethode und wird routinemäßig eingesetzt. Das Imbert-Fick-Prinzip bildet die Basis des Verfahrens. Der Druck in einer Kugel steht gemäß des Prinzips in bestimmtem Verhältnis zu der Kraft, die zur Abflachung der Kugeloberfläche erforderlich ist. Nach diesem Prinzip berechnet die Applanationstonometrie den Innendruck des Auges.

Dynamische Konturtonometrie

Die dynamische Konturtonometrie richtet sich ebenfalls am Applanations-Prinzip aus, nutzt allerdings ein modifiziertes Tonometer-Prisma mit Drucksensor und ist anders als die Applanationstonometrie relativ unabhängig von der zentralen Hornhautdicke.

Non-Contact-Tonometrie

Bei Verfahren wie der Non-Contact-Tonometrie (NCT) kommt kein Messköpfchen zum Einsatz. Stattdessen findet die Applanation der zentralen Hornhaut mit Luftimpulsen statt. Weitere, wenn auch weniger routinemäßige Verfahren sind die Rebound- oder Induktions-Tonometrie und die transpalpebrale Tonometrie.

Durchführung der Untersuchung

Die Applanationstonometrie ist die gängigste Methode der Tonometrie und stammt vom österreichisch-schweizerischen Ophthalmologen Hans Goldmann. An einer Spaltlampe wird ein kleiner Messkörper angebracht, dessen planes Messköpfen 3,06 Millimeter misst. Mithilfe des Messköpfchens flacht der Untersucher die Hornhaut des Patienten ab. Dabei wird die Kraft ermittelt, die der Untersucher zur Abflachung aufbringt. Die aufgewandte Kraft erzeugt eine Federwaage, die an einer Messtrommel hängt. Von der Messtrommel lässt sich der aufgebrachte Druck unmittelbar ablesen.

Um den Kontakt zwischen Hornhaut und Messinstrument sicherzustellen, träufelt der Augenarzt den Patienten vor der Messung eine wässrige Lösung mit dem Farbstoff Fluorescein in den Bindehautsack. Die Applikation dieser Tropfen hilft nicht nur bei der Visualisierung des Hornhautkontakts, sondern wirkt außerdem betäubend.

Das tonometrische Messverfahren unterscheidet sich von Methoden wie der dynamischen Konturtonometrie (DCT). Bei diesem Messvorgang drückt der Untersuchende die Hornhaut nicht mittels Drucksensor ein, sondern stimuliert einen entspannten Hornhautzustand. Der Druck auf beiden Hornhautseiten ist im Entspannungszustand gleich. Damit misst das Messköpfchen auf der Hornhautaußenseite denselben Druck, der im Innern herrscht.

Anders als bei der Applanationstonometrie hat die verschiedene Hornhaut-Beschaffenheit bei der dynamischen Tonometrie keinen Einfluss auf das Messergebnis. Statt einem einzigen Druckwert ermittelt diese Methode hundert Werte pro Sekunde, die in einer Pulsdruckkurve grafisch dargestellt werden.

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Eigenleistung oder Krankenkasse - wer trägt die Kosten?

Die Messung des Augeninnendruckes ist als Glaukom-Früherkennungsmaßnahme umstritten. Die Zuverlässigkeit der Methode bleibt bislang nämlich ungeklärt. Aus diesem Grund übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für ein Früherkennungsscreening nicht oder nur dann, falls ein erhöhtes Risiko oder ein handfester Verdacht auf Grünen Star besteht. In allen anderen Fällen stellt die Tonometrie als Früherkennungsmaßnahme eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) dar und kostet den Patienten zwischen zehn und 25 Euro.

Eine handfeste Indikation für das Messverfahren stellt sich mit einer laufenden Glaukom-Therapie. Im Rahmen der Therapiekontrolle ist die Tonometrie medizinisch erforderlich. Außerdem besteht bei langfristiger Cortison-Therapie eine medizinische Notwendigkeit für das Verfahren.

In allen Fällen medizinischer Notwendigkeit übernehmen die gesetzlichen Versicherer die Kosten im Sinne der Behandlungspauschale. Bei privat Versicherten hängt die Kostenübernahme von den Vertragsbedingungen im Einzelnen ab. Einige private Versicherungen beteiligen sich auch dann an den Tonometrie-Kosten, wenn die Untersuchung im Rahmen der Früherkennung stattfindet.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Sämtliche Verfahren der Tonometrie sind mit nur wenigen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Im Extremfall kann das Messinstrument über Berührungen der Hornhaut Keime auf den Patienten übertragen, die eine Infektion hervorrufen.

Ein derartiges Szenario ist aufgrund der hohen Sterilitätsstandards in der westlichen Medizin aber eher unwahrscheinlich. Solange die Desinfektion der Instrumente korrekt ausgeführt wird, sind Infektionen so gut wie ausgeschlossen. Tonometrie-Verfahren mit Luftstoß-Instrumenten oder auswechselbaren Kontaktkörpern tragen das geringste Risiko für Infektionen.

Wird die Tonometrie inkorrekt ausgeführt, kann im Einzelfall neben einer Infektion auch eine mechanische Verletzung der Hornhaut drohen. Bei fachgerechter Ausführung ist allerdings auch dieses Risiko zu vernachlässigen. Als Nebenwirkungen der Tropfennarkose kann die Sicht am Tag der Tonometrie verschwommen bleiben. In einer Konsequenz sind außerdem Erscheinungen wie Kopfschmerzen oder Schwindel denkbar.

Quellen

  • Grehn F.: Augenheilkunde. Springer Verlag. 30. Auflage 2008
  • Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wutta, H.P., Brucker, K.: Theorie und Praxis der Augen-Akupunktur. Hippokrates Verlag, Stuttgart 2014
  • Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012


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