Schweißtreibende Mittel


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 1. November 2018

Schweißtreibende Mittel zählen zu den bewährtesten Standardverfahren der Naturheilkunde, um Infektionskrankheiten und Fieber zu behandeln. In der Naturheilkunde wird die Haut als wichtiges Ausscheidungsorgan angesehen. Heiße oder stetig wärmer werdende Ganzkörper- oder Teilbäder stellen eine wirkungsvolle Maßnahme, um die Schweißbildung zu provozieren. Neben Schwitzpackungen fördern auch spezielle Tees die Produktion von Schweiß. Beim Schwitzen gehen wertvolle Mineralstoffe verloren und somit sollte der Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust entsprechend ausgeglichen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind schweißtreibende Mittel?

Ätherische Öle, Wärme und Wasser: die schweißtreibende Wirkung eines traditionelles Heubads kann bei Muskelbeschwerden, Schmerzen, Infekten oder Schlafstörungen helfen.

Als Diaphoretika werden schweißtreibende Arzneimittel bezeichnet, welche Großteils pflanzlicher Herkunft sind.

Schwitzen wird in der Fachsprache als Transpiration oder Diaphorese bezeichnet. Bei der Transpiration wird die Körpertemperatur reguliert. Die diaphoretische Therapie führt zu einer Steigerung der Hautdurchblutung und zu einer Verhinderung von Wärmestau.

Günstige Nebeneffekte sind die Steigerung der Durchblutung, die Beschleunigung des Blutflusses und die Erwärmung lokaler Unterkühlungsbereiche.

Die diaphoretische Wirkung wird mittels Schwitzbädern, Schwitzpackungen und speziellen Tees erreicht. Weitere Maßnahmen, welche die Transpiration fördern, sind Wickel, Saunagänge, Dampfbadbesuche.

Da bei diesen Therapieformen Schweiß abgesondert wird, ist auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Patienten bis 70 kg sollten täglich mindestens zwei Liter trinken. Drei Liter Flüssigkeit sind bei 70 bis 90 kg Körpergewicht empfehlenswert. Ab 90 kg sollten täglich vier Liter Flüssigkeit zugeführt werden.

Anwendungsgebiete

Schwitzen stellt eine Entgiftung bzw. ein Ausleitungsverfahren dar. Die Bildung von Schweiß führt aufgrund der Verdunstungskälte zur Absenkung der erhöhten Körpertemperatur. Pflanzliche Diaphoretika, schweißtreibende Tees und Bäder steigern die Abwehrkräfte. Das Immunsystem wird angeregt und Viren ebenso wie Bakterien werden effektiv bekämpft.

Bei Infekten gilt die Schwitztherapie als effektive Maßnahme. Dieses Ausleitungsverfahren findet bei Halsinfektionen, Husten, Schnupfen und Entzündungen der Nebenhöhlen Einsatz. Nach Auskühlung oder Durchnässung ist ein Diaphoretikum eine effektive Maßnahme, um Erkältungen vorzubeugen.

Schwitztherapien sind bei Störungen der Wärmeregulation, Kopfschmerzen aufgrund verspannter Nackenmuskeln und beim Zervikobrachialsyndrom empfehlenswert. Erkrankte nehmen diese Maßnahme als heilsam und angenehm wahr.

Bei Hautkrankheiten, hohem Fieber und akuten rheumatischen Erkrankungen ist von der therapeutischen Diaphorese abzusehen.

Ätherische Öle und Heilpflanzen

Pilocarpus pennatiflorius stellt das stärkste natürliche Diaphoretikum dar. Weitere Heilpflanzen sind Tilia cordata und Sambucus nigra. Zubereitungen aus Mädesüß begünstigen die Behandlung von fieberhaften grippalen Infekten und Erkältungskrankheiten.

Cayennepfeffer und Kamillenblüten besitzen ebenso eine schweißtreibende Wirkung wie Holunder- und Lindenblüten. Zu den pflanzlichen Diaphoretika gehören zudem Himbeeren, Stiefmütterchen, Löwenzahn, Weiden und Kletten. Weitere Heilpflanzen mit schweißtreibendem Effekt sind Acker-Hellerkraut, Acker-Winde, Alant und Aronstab.

Bittersüßer Nachtschatten, Borretsch und Feldlume fördern die Schweißproduktion ebenso wie Frühlingszwiebel, Gelbsenf und Glockenheide. Zu den natürlichen Diaphoretika zählen zudem Habichtskraut, Indianernessel, Karde, Lapacho und Lotus.

In der Naturheilkunde wird neben Lungenkraut und Natternkopf auch Sassafras und Schwalbenwurz eingesetzt, um die Schweißproduktion anzukurbeln. Bei extrem starker Schweißbildung sollte ausreichend getrunken werden.

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Arten von schweißtreibenden Maßnahmen

Ganzkörperbad

Das Ganzkörperbad wird mit einer Wassertemperatur zwischen 36 und 37,5 Grad Celsius begonnen. Patienten mit leichtem Fieber messen zuerst die Temperatur unter der Achsel und wählen dieselbe Wassertemperatur. Alle zwei Minuten wird ein Schub heißes Wasser hinzugefügt, sodass die Wassertemperatur um 0,5 Grad Celsius ansteigt. Je nach Verträglichkeit liegt die Endtemperatur des Badewassers zwischen 39 und 42 Grad Celsius.

Die Anwendungsdauer des Ganzkörperbads reicht von 15 bis 20 Minuten. Im Anschluss an das Bad wird der Körper kurz kühl abgeduscht oder mit einem feucht-kühlen Waschlappen abgerieben. Dies bewirkt, dass sich die Hautporen schließen und die gespeicherte Wärme nicht über die Haut abgegeben wird. Ganzkörperbäder sollten am Abend vor dem Schlafen durchgeführt werden. Es ist empfehlenswert, den Kopf nach dem Bad abzudecken.

Ganzkörperbäder empfehlen sich bei Kindern ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr, da Kinder schneller als Erwachsene erhitzen. Die Badedauer ist bei Kindern kürzer und die Wassertemperatur sollte vorsichtig gehandhabt werden. Für das Ganzkörperbad empfehlen sich Zusätze zur Wirkungsverstärkung. Neben Haushaltssalz können ätherische Öle oder ein Erkältungsbad zugegeben werden. Da Ganzkörperbäder den Kreislauf stark belasten, ist diese Maßnahme ausschließlich für Patienten mit stabilen Kreislauf anzuraten. Auf ansteigende oder heiße Ganzkörper- und Teilbäder sollte bei einer erhöhten Temperatur ab 39 Grad verzichtet werden.

Teilbäder

Bei einem Teilbad wird im Gegensatz zum Vollbad nicht der gesamte Körper mit warmen Wasser bedeckt. Entweder wird ein Teilbad für die Beine oder die Arme durchgeführt.

Hierfür eignet sich am besten eine tiefe Wanne. Ebenso wie beim Vollbad wird mit einer Wassertemperatur von 36 Grad oder der gemessenen erhöhten Temperatur begonnen. Alle zwei Minuten wird ein Schuss heißes Wasser hinzugefügt. Die Endtemperatur des Wassers liegt zwischen 39 und 40 Grad Celsius. Die Badedauer variiert individuell von zehn bis 20 Minuten.

Schwitzpackungen

Diese Variante der schweißtreibenden Maßnahmen wird mit zwei bis drei Wärmflaschen durchgeführt und stellt eine Alternative zum Voll- oder Teilbad dar.

Die aufgelegten Wärmeflaschen bewirken einen Anstieg der Körpertemperatur. Folglich wird die Durchblutung angeregt, das Abwehrsystem wird aktiviert und körpereigene Heilmechanismen werden unterstützt.

Um Verbrennungen vorzubeugen, sollten Wärmflaschen mit Stoffüberzug zum Einsatz kommen. Die Wärmflaschen sollten beidseitig aufgelegt werden. Die Wirkung kann durch feuchte Hitze verstärkt werden. Hierfür wird ein feuchtes Tuch unter die Wärmflasche gelegt.

Eine Wärmflasche wird ohne feuchtes Tuch auf die Füße gelegt, während die weiteren Schwitzpackungen je nach Krankheit entsprechend positioniert werden. Bei einer Erkrankung der Atemwege wird die Wärmflasche auf dem oberen Brustbereich positioniert. Die Schwitzpackung sollte keinesfalls direkt über dem Herzbereich aufgelegt werden. Im Falle einer Nebenhöhlenentzündung wird die nicht allzu heiße Wärmflasche im Nacken und im Bereich des Hinterkopfs aufgelegt.

Bei Nebenhöhlenentzündung sollte die Flasche auch eine Weile in den Nacken und Hinterkopfbereich gelegt werden.

Die Anwendungsdauer liegt bei etwa einer halben Stunde. Schwitzpackungen können mehrmals täglich angewendet werden. Bei akuten Entzündungen und Fieber über 39 Grad ist von einer Schwitzpackung abzuraten.

Schweißtreibende Tees

Tees, welche die Transpiration fördern, zählen zu den effektivsten Anwendungen bei grippalen Infekten, Erkältungen und hohem Fieber. Schweißtreibende Tees bewirken eine Absenkung der Körpertemperatur. Empfehlenswert ist Lindenblütentee.

Lindenblüten wirken einerseits schweißtreibend, andererseits stimulieren sie das Abwehrsystem. Ein Tee aus Holunderblüten, Weidenrinde oder Mädesüßkraut wirkt die Schweißproduktion an und wirkt fiebersenkend.

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S.H.E., Schulz, Th.F. (Hrsg.) : Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012


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