Schlaflabor - Wann ist eine Untersuchung sinnvoll


Medizinische Qualitätssicherung am 16. August 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Wenn Menschen unter Schlafstörungen leiden, die stark ihren Alltag beeinträchtigen und ihre Gesundheit gefährden, ist meistens eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnografie) angezeigt, besonders der Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom besteht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Schlaflabor

Ein Schlaflabor ist eine medizinisches Labor mit verschiedenen Schlafkabinen, in denen der Schlaf von Patienten mit einer Reihe von technischen Geräten überwacht wird, um Aufschluss über die Ursache der Schlafstörungen zu bekommen, für die bis dato keine klare Ursache gefunden werden konnte. Abgetrennt von den Kabinen gibt es einen Raum, in dem der Hauptteil der technischen Ausstattung des Schlaflabors untergebracht ist und wo sich auch das Personal während der Untersuchungen aufhält.

Anwendungsgebiete

Zu den Hauptindikationen für eine Untersuchung im Schlaflabor zählen alle Arten von Schlafstörungen wie Einschlafprobleme, häufige nächtliche Aufwachphasen, eine regelmäßige Tagesmüdigkeit oder Schnarchen mit Atemstillständen.

Da die Untersuchung in einem Schlaflabor sehr aufwändig ist, wird sie erst durchgeführt, wenn durch andere Diagnoseverfahren keine Ursache für vorhandene Schlafstörungen gefunden werden konnten.

2009 legte die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin einen Kriterienkatalog fest, bei welchen Befunden eine Untersuchung im Schlaflabor erfolgen sollte:

  • schwere Schlafstörungen mit massiven Beeinträchtigungen der Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit am Tage
  • Verdacht auf organische Ursachen wie ein:
  • Schlafauffälligkeiten mit ungeklärter Ursache, z. B. nächtliches Schlafwandeln oder Zähneknirschen
  • Schlafstörungen durch einen veränderten Schlafrhythmus, von denen oft Schichtarbeiter betroffen sind.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

In der Regel dauert eine Untersuchung im Schlaflabor je nach Untersuchungsaufwand zwischen 2 und 4 Nächten. In dieser Zeit werden üblicherweise folgende Untersuchungsverfahren durchgeführt:

  • ein EEG zur Messung der Hirnströme während der Schlafphasen
  • eine Blutuntersuchung durch Sensoren am Ohrläppchen und am Zeigefinger zur Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut
  • eine Videoaufzeichnung von Schlafauffälligkeiten im Schlaf
  • ein multipler Schlaflatenz-Test(MSLT) am Tage zur Erfassung der Tagesmüdigkeit

==Was muss der Patient beachten==? Vor einer Untersuchung im Schlaflabor findet zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten statt, in dem er ausführlich darüber aufgeklärt wird, wie die Untersuchung abläuft. Er kann selbst auch Fragen an den Schlafmediziner stellen. Am Tag der Untersuchung sollten Patienten ab 14.00 Uhr keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee, Tee oder Cola und auch keinen Alkohol mehr trinken, tagsüber auch nicht mehr schlafen, weil das die Ergebnisse beeinflussen und die Aussagekraft verfälschen kann.

Wenn Patienten regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, sollten sie ihren Arzt und den Schlafmediziner vorher darüber informieren. Damit die Elektroden während der Messungen am Kopf besser halten, müssen die Haare frisch gewaschen sein und es sollten Stylingprodukte weggelassen werden. Für die Nächte benötigen Patienten Schlafkleidung, Körperpflegeutensilien und frische Kleidung für den Tag, bei Bedarf Medikamente, die eingenommen werden müssen.

Nach der Untersuchung im Schlaflabor führt der Schlafmediziner zunächst ein Gespräch mit dem Patienten, eine genauere Auswertung bekommt er erst ein paar Tage später bei einem zweiten Termin, wenn der Schlafmediziner die Ergebnisse der Aufzeichnungen ausgewertet hat. Wenn wegen eines Schlafapnoe-Syndroms eine Atemmaske getragen werden muss, wird das Anlagen und die Handhabung im Schlaflabor mit ihm eingeübt, damit sie zu Hause richtig benutzt wird.

Durchführung - Wie läuft die Untersuchung ab?

Zur Untersuchung im Schlaflabor kommt der Patient in den frühen Abendstunden. Das Personal des Schlaflabors nimmt ihn auf, zeigt ihm seine Schlafkabine, die technischen Instrumente und erklärt ihm, wie die Untersuchung abläuft. Nach dieser Einführung erfolgt die Vorbereitung auf das Schlafengehen, wie es auch zu Hause praktiziert wird. Er darf sich aber erst ins Bett legen, wenn er vom Personal dazu aufgefordert wird.

Im Liegen wird er im Bett mit verschiedenen Sensoren und Messgeräten ausgestattet, die den Schlaf überwachen sollen. Am Kopf und am Brustkorb werden Elektroden angebracht sowie Gurte, die die Körperbewegungen im Schlaf messen. Die Sauerstoffsättigung im Blut wird über einen Sensor am Ohrläppchen und Zeigefinger aufgezeichnet. Zwischen Mund und Nase befindet sich ein Atemflusssensor zur Messung des Atemstroms.

Im Kehlkopfbereich wird ein Mikrofon zur Aufzeichnung von Schnarchgeräuschen justiert. Während der Patient schläft, wird er von einem Schlafmediziner oder Pflegekräften in einem separaten Raum überwacht. Während der Untersuchung kann er bei Bedarf jederzeit mit dem Personal über eine Gegensprechanlage in Kontakt treten. Der Patient und seine Messungen werden während des Schlafens werden über eine Infrarot-Kamera beobachtet.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine Polysomniografie werden üblicherweise von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen unter der Voraussetzung, dass ärztliche Untersuchungen stattgefunden haben und der Arzt dem Patienten eine Überweisung an das Schlaflabor zur weiteren Untersuchung ausstellt. Sicherheitshalber sollte vorher die Kostenübernahme mit der Krankenkasse abgeklärt werden.

Werden die Kosten übernommen, muss der Patient nur den üblichen Eigenanteil zahlen, der auch bei anderen Krankenhausaufenthalten fällig wird. Wer privat versichert ist, lässt sich vorab auch am besten die Kostenübernahme durch die private Krankenkasse bestätigen.

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Risiken und Komplikationen

Im Allgemeinen gibt es keine Risiken oder Nebenwirkungen. Lediglich die Umgebung des Schlaflabors und die ungewohnte Situation zusammen mit der Verkabelung des Körpers ist für manche Patienten etwas gewöhnungsbedürftig. Manche schlafen wegen der ungewohnten Umgebung in der ersten Nacht im Schlaflabor noch schlechter als zu Hause, die meisten gewöhnen sich aber schon in der nächsten Nacht daran und manche von ihnen schlafen dann sogar besser als zu Hause, weil sie im Schlaflabor nicht den Druck verspüren, unbedingt schlafen zu müssen, wie das zu Hause meistens der Fall ist.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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