Reisekrankheit

Letzte Aktualisierung am 22. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Reisekrankheit (Kinetose) ist kein Phänomen der modernen Zeit. Es gibt sie, seit Menschen sich nicht nur auf ihren eigenen Beinen fortbewegen. Die Zahl der Betroffenen hat nicht zugenommen, nur die Möglichkeiten, sie zu durchleiden, sind in der mobilen Welt von heute so zahlreich wie nie zuvor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Reisekrankheit?

Reisekrankheit - vor allem Beifahrer leiden oft unter dem "flauen Gefühl" im Magen

Unter dem Oberbegriff Reisekrankheit (Kinetose) versteht man eine Reihe von Symptomen, die bei der passiven Fortbewegung auftreten. Je nach Fortbewegungsmittel spricht man von Flugkrankheit oder Seekrankheit.

Als neuere Formen treten etwa die Simulatorkrankheit, zum Beispiel am Flugsimulator, die Gamingkrankheit am Computer und die Raumkrankheit bei Astronauten auf.

Eine Sonderform der Reisekrankheit ist die Landkrankheit. Sie zeigt sich vor allem nach langen Aufenthalten auf See, kann aber auch nach sehr langen Autofahrten oder Flugreisen in abgeschwächter Form auftreten. Obwohl ihre Symptome dieselben wie bei der Reisekrankheit sind, wird sie als weniger belastend empfunden.

Die Vermutung, dass Frauen häufiger an der Reisekrankheit leiden, ist in wissenschaftlichen Untersuchungen übrigens nicht bestätigt worden. Als kleiner Trost für alle Betroffenen sei erwähnt, dass die Symptome ab fünfzig Jahren stark zurückgehen beziehungsweise ganz verschwinden.

Ursachen

Als Ursache für Reisekrankheit gilt der Widerspruch in den Körperwahrnehmungen. Einerseits melden die Augen und das Innenohr dem Gehirn Bewegung, andererseits signalisieren die Muskeln und die Nerven eine Ruhestellung.

Als weiterer Faktor kommt die Unvorhersehbarkeit der passiven Bewegungen hinzu. Das könnte erklären, warum ein Mensch als Lenker bzw. Fahrer eines Autos nicht reisekrank wird, während er als Mitfahrer sehr wohl von der Reisekrankheit betroffen ist. Stress und Angst können in diesem Zusammenhang als Verstärker wirken.

Das Gehirn ist durchaus fähig, die widersprüchlichen Sinneseindrücke nach einiger Zeit anders zu interpretieren, es gewöhnt sich daran und dann ist auch die Reisekrankheit vorbei.

Wann zum Arzt?

Wissen Betroffene um ihre Neigung zur Reisekrankheit, ist ein Gang zum Arzt in der Regel nicht notwendig. Oft ist die Diagnose der Reisekrankheit eine Art Selbstdiagnose, wenn Übelkeit und Erbrechen oder andere Symptome wirklich nur bei Reisen (z. B. auf dem Schiff, im Auto oder im Flugzeug) auftreten. Treten Symptome jedoch erstmalig auf, kann dies zunächst auch andere Ursachen haben.

Um andere Erkrankungen (z. B. Vergiftungen, Blinddarmentzündungen, Virusinfektionen) auszuschließen, sollte deshalb bei erstmaligem Auftreten – auch wenn es während einer Reise ist – ein Arzt aufgesucht werden. Gleiches gilt, wenn eine vom Magen ausgehende Übelkeit länger als zwei bis drei Tage anhält und sich auch durch Erbrechen nicht wesentlich verbessert.

Auch bei Kindern ist unbedingt ein Arztbesuch angezeigt, wenn das Kind aus bis dato unerklärlichen Gründen unter Übelkeit leidet, grünlich gefärbte Galle erbricht oder Fieber über 38,5 Grad Celsius aufweist. Gerade bei Säuglingen sollte auch keine Selbstmedikation erfolgen, wenngleich diese eher selten unter der Reisekrankheit leiden.

Symptome und Verlauf

Wer unter Reisekrankheit leidet, zeigt meist folgende Symptome: Anfangs nervöse Unruhe und Kältegefühl, dann bricht kalter Schweiß aus. Der Betroffene wirkt abwesend und desinteressiert. In der Regel kommt es zu Übelkeit und Brechreiz bis hin zum Erbrechen. Vielen Patienten geht es, nachdem sie sich übergeben haben, deutlich besser und sie bleiben häufig beschwerdefrei. Wiederum andere durchleiden die Symptome erneut.

Je nach persönlicher Verfassung und den Begleitumständen der Reise (z.B. starker Seegang, Turbulenzen, kurvige Straßen) gibt es bei der Reisekrankheit leichte und schwere Verläufe.

Beim leichten Verlauf gewöhnt sich der Körper an die widersprüchlichen Signale, manchmal innerhalb von Stunden, manchmal dauert es bis zu drei Tage.

Bei einem schwereren Verlauf beginnt der verhängnisvolle Kreislauf von Neuem und der Patient wird zusehends geschwächt. Ältere, Kranke oder Menschen, die ein stark geschwächtes Herz-Kreislauf-System haben, zählen dabei zur Risikogruppe.

Wenn ein Patient sehr häufig und über Stunden oder Tage hinweg erbricht, besteht die Gefahr einer Dehydrierung. Hier muss ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Reisekrankheit bedarf in der Regel keiner speziellen Diagnostik. Die Diagnose ergibt sich meist aus den vorhandenen Symtomen (Übelkeit, Schwindel, Erbrechen) infolge ungewohnter Bewegungen oder Beschleunigungen. Denn die Reisekrankheit in all ihren Formen tritt tatsächlich nur bei der passiven Fortbewegung auf. Es ist aber durchaus möglich, dass Patienten ohne Probleme fliegen können, das Autofahren aber nicht vertragen.

Behandlung und Therapie

Solange die Krankheitssymptome in einem gewissen Rahmen bleiben, sucht kaum ein Patient deswegen den Arzt auf. Meist fragt er in der Apotheke nach geeigneten Mitteln und wird sie auch erhalten. Die Bandbreite reicht von Zäpfchen über Tabletten bis zum Kaugummi. Vielen Menschen helfen diese Medikamente. Wie viel davon dem sogenannten Placeboeffekt zu verdanken ist, ist nicht durch Studien belegt. Nachgewiesen ist allerdings, dass er auch bei der Reisekrankheit seine Wirkung nicht verfehlt.

Ist der Krankheitsverlauf sehr belastend für den Patienten, stehen dem verschreibenden Arzt wirksame Medikamente in Form von Tabletten, Injektionen oder Pflastern zu Verfügung. Da sie aber nicht ganz frei von Nebenwirkungen sind, ist es nötig, eventuelle Risiken ausführlich abzuklären und zu bedenken.

Auch die Homöopathie hält wirksame Mittel gegen Reisekrankheit bereit. Je nach Art der passiven Fortbewegung und der individuellen Symptome können Standardmittel oder eigens zubereitete Mischungen genommen werden.

Viele Betroffene entwickeln mit der Zeit Rituale gegen die Reisekrankheit, die ihnen helfen, die Symptome in den Griff zu bekommen oder sie ganz verschwinden zu lassen. Für viele Patienten ist es hilfreich, dort, wo es möglich ist, eine freie Sicht nach vorne zu haben und den unbewegten Horizont zu fixieren. Auch der Platz im Auto, Flugzeug oder Schiff hat Einfluss auf die Stärke der Reisekrankheit. So ist im Auto der Beifahrersitz für Betroffene am besten geeignet, im Flugzeug ist ein Platz am Mittelgang über den Tragflächen am ruhigsten und an Bord eines Schiffes sollte die Kabine im mittleren Bereich knapp über der Wasserlinie liegen.

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Vorbeugung

Abhängig vom jeweiligen Fortbewegungsmittel gibt es verschiedene Alternativen der Reisekrankheit vorzubeugen:

Bei einer Autofahrt sollte der Blick nach vorne in die Richtung der Fahrt fixiert werden. Gelegentliche Pausen und frische Luft wirkt der Reisekrankheit entgegen.

Im Flugzeug sollte ein Platz im Gang reserviert werden. Gelegentlich sollte man im Flugzeug kurz auf und ab gehen. Ebenso hilft die Schlafstellung, indem der Sitz zurück geklappt wird und die Augen geschlossen werden. Dadurch tritt eine allgemeine Beruhigung ein.

Auf dem Schiff sollte auf keinem Fall unter Deck geblieben werden. Wichtig ist frische Luft zu atmen und sich den Schiffsbewegungen anzupassen. Dabei sollte ein Punkt am Horizont fixiert werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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