Blutentnahme


Medizinische Qualitätssicherung am 5. Mai 2020 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Blutentnahme bezeichnet die Entnahme von Blut aus einer Vene mithilfe einer dünnen Hohlnadel. Das gewonnene Blut wird für Laboruntersuchungen in der Diagnostik verwendet, bei Entnahme von größeren Mengen auch als Blutspende.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blutentnahme?

Die Blutentnahme ist eines der einfachsten und schnellsten diagnostischen Verfahren in der modernen Medizin. Ein Blutbild gibt Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitzustand des Menschen, die Ernährung, Vorhandensein von Krankheitserregern und der Immunantwort auf diese, dem Status des Impfschutzes oder der Werte gewisser Marker für Krankheiten wie Krebs. Hierzu wird mithilfe einer dünnen Hohlnadel Blut aus einer Vene entnommen, gut geeignete Stellen sind die Armbeuge oder das Bein. Für eine Blutspende wird eine größere Hohlnadel in die Armvene eingeführt und es wird mehr Blut entnommen als für eine Laboruntersuchung, für die wenige Ampullen ausreichend sind.

Wozu dient eine Blutuntersuchung?

Blutbilder können u.a. Erkenntnisse über vorhandene Krankheitserreger und die Immunantwort auf diese liefern, sodass auch festgestellt werden kann, ob noch ein Impfschutz besteht. Weiterhin dient die Blutentnahme der Feststellung der allgemeinen Gesundheit, der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen und der Erkennung von Erkrankungen durch bestimmte Marker im Blut. Erhöhungen einzelner Blutwerte liefern Hinweise auf eine Reihe von organischen Erkrankungen, darunter Krebs, Hormon- oder Stoffwechselstörungen. In dieser Funktion sind Blutentnahmen wegweisend für das weitere diagnostische Vorgehen oder bieten eine Möglichkeit der eindeutigen Diagnose.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

Blutentnahmen werden mit sehr feinen Hohlnadeln und Ampullen durchgeführt, wenn sie fürs Labor gebraucht werden. Bei einer Blutspende muss mehr Blut entnommen werden, was eine größere Hohlnadel erfordert. Wurde bereits ein Katheter gesetzt, da der Patient etwa bereits im Krankenhaus liegt, kann eine Blutentnahme auch direkt durch diesen erfolgen, sodass kein weiterer Einstich notwendig ist. Besonders ängstliche Patienten bekommen die Möglichkeit, die Körperstelle vorher mit Lidocain-Creme betäuben zu lassen, wodurch sie weniger spüren sollen.

Was muss der Patient beachten?

Eine Blutentnahme ist ein risikoarmes Verfahren, bei dem keine größeren Verletzungen entstehen dürften. Je nachdem, wofür die Blutprobe gedacht ist, kann es sein, dass der Patient bei der Blutentnahme nüchtern sein muss. Der Arzt meint damit nicht, dass er keinen Alkohol getrunken haben sollte, sondern dass er vorher nichts gegessen und getrunken haben darf. Meist werden Patienten zur nüchternen Blutentnahme morgens in die Praxis bestellt, ohne dass sie vorher gefrühstückt haben.

Wird dagegen eine Blutspende abgegeben, sollte der Patient durchaus vorher etwas essen und trinken, da das den Kreislauf belastet. Für den Fall, dass die Einstichstelle danach mit einem Pflaster abgedeckt wurde, kann der Patient dieses bereits wenige Stunden danach wieder entfernen. Besonders ängstliche Patienten oder auch Kinder können die Einstichstelle vor einer geplanten Blutentnahme mit einer Creme mit einem sanften, lokalen Betäubungsmittel behandeln. Dadurch wird die Hautschicht an der Stelle unempfindlicher für den kleinen Einstich und der Patient reagiert weniger ängstlich.

Blutbild lesen

Blutbild - Erklärung
Blutwert Normalwert Erläuterung
Hb-Wert (Hämoglobin) 12-18 g/dlMenge an roten Blutfarbstoff: Wert sinkt bei Eisenmangel
Erythrozyten 4,3 – 5,9 Mio./µlRote Blutkörperchen (enthalten roten Blufarbstoff Hämoglobin): Wert steigt bei Tumoren, verschiedenen Herz- und Lungenerkrankungen; Wert sinkt bei verminderter Blutbildung (z.B. Eisenmangel, Vitaminmangel), Blutverlust (z.B. Menstruation, Geburt)
Leukozyten 3.800-10.500/µlWeiße Blutkörperchen (Abwehrzellen): Wert steigt bei bakterieller Infektion (Entzündungen), Leukämie; Wert sinkt bei Virusinfekt (z.B.Grippe)
Blutzucker 70 – 99mg/dl (nüchtern)Glucosespiegel: Wert steigt bei Diabetes (Zuckerkrankheit); Wert sinkt bei gestörtem Blutzucker-Regelmechanismus (z.B. durch Diabetes, Übergewicht, Stress, Alkohol)
HKT-Wert (Hämatokrit) 35-52Vol%Maß für den Anteil fester Blutbestandteile (Zähigkeit des Blutes): Wert steigt bei Flüssigkeitsmangel; Wert sinkt bei Erkrankungen des Blutes
Blutsenkungs-Geschwindigkeit (BSG)Männer: <20mm/h; Frauen: <30mm/hBlutsenkungsgeschwindingkeit: Wert kann ansteigen u.a. bei Entzündungen, Blutarmut, Schwangerschaft, Regelblutung

Durchführung - wie läuft die Untersuchung ab?

Zu Beginn einer Blutentnahme wird der Arm abgebunden, wenn das Blut hier entnommen werden soll. Dadurch staut sich das Blut etwas im Arm und kann schneller entnommen werden, auch der Einstich ist einfacher - die Armvene wird durch den Stau gut sichtbar. Vor der Blutentnahme wird die Stelle meist mit einem Spray, alternativ mit einem getränkten Tupfer desinfiziert und der Arzt kann das Blut mit Hohlnadel und Ampulle entnehmen. Die Nadel selbst ist dabei an eine kleine Kanüle angeschlossen, sodass mehrere Ampullen bei Bedarf entnommen werden können, ohne dafür noch einmal in die Vene stechen zu müssen. Anschließend wird die Nadel aus der Vene gezogen und bei Bedarf wird die Einstichstelle mit einem Pflaster behandelt. Das gewonnene Blut wird ans Labor weitergegeben, die es beispielsweise unter dem Mikroskop untersuchen.

Wer übernimmt die Kosten?

Manche Blutuntersuchungen werden von der Krankenkasse übernommen, während andere freiwillig sind und selbst gezahlt werden. Übernommen werden beispielsweise Blutbilder, die eine vermutete Erkrankung abklären sollen. Die Suche nach Krebsmarkern, Viren, Bakterien oder anderen auf eine Erkrankung hindeutenden Bestandteilen des Blutes wird durch die Krankenkasse bezahlt. Auch in der Schwangerenvorsorge stehen regelmäßige Blutentnahmen an, die unter anderem den Impfstatus prüfen und Mängel an lebenswichtigen Mikronährstoffen aufdecken sollen. Diese zählen zu den Kassenleistungen. Wünscht der Patient dagegen, ohne konkreten Bedarf - wie etwa eine anstehende OP - seine Blutgruppe zu ermitteln oder Nährstoffgehalte im Blut zu überprüfen, zahlt er dies selbst direkt an das untersuchende Labor und den Arzt, der das Blut entnommen hat.

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Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen

Eine Blutentnahme ist ein vergleichsweise risikoarmes diagnostisches Verfahren und birgt nur sehr kleine Gefahren. Besonders für Kinder und Jugendliche sind Blutentnahmen psychisch belastend, da sie den Zusammenhang zwischen dem Arzt, der ihnen helfen will, und dem Arzt, der ihnen dafür kurz wehtun muss, noch nicht begreifen können.

Einem Erwachsenen fällt das leichter, auch wenn das die Blutentnahme selbst natürlich noch nicht angenehm macht. Je nach Anatomie des Patienten kann es sich als schwierig erweisen, eine geeignete Vene zu finden. Manche Venen führen nicht viel Blut oder "verstecken" sich vor der Nadel, sodass diese sie nicht sofort treffen kann und schlimmstenfalls mehrmals gestochen werden muss.

Selbst manche erwachsene Patienten haben so große Angst vor einer Blutentnahme, dass ihr Blutdruck dadurch in die Höhe schießt und sofort wieder abfällt, wenn alles vorbei ist - das zieht schlimmstenfalls einen kurzen Kreislaufkollaps nach sich. Bei der Entfernung der Hohlnadel aus der Vene darf auf die Stelle kein Druck ausgeübt werden, sondern erst, wenn das Pflaster aufgebracht ist, sonst kann ein blauer Fleck entstehen.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Neumeister, B. et al.: Klinikleitfaden Labordiagnostik. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008
  • Bieber, C. et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012

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