Abrissfraktur


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 24. August 2018

Eine Abrissfraktur wird auch als Avulsionsfraktur bezeichnet und ist das Abbrechen eines Knochenstücks durch einen zu starken Zug an einer Sehne oder einem Band. Meist gehen diese Verletzungen mit relativ geringen Schmerzen einher. Auch die Beweglichkeit ist oft nicht stark eingeschränkt. Eine typische Abrissfraktur tritt bei sportlicher Belastung im Bereich des Fußgelenks auf. Auch die Finger sind häufig von dieser Verletzung betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Abrissfraktur?

Durch zu starke Belastungen eines Muskels entsteht wiederum ein sehr starker Zug auf entsprechende Sehnen oder Bänder. Sehnen sind dabei der Muskelteil aus Bindegewebe, welcher den Muskel mit dem Knochen verbindet. Zu einer Abrissfraktur oder Avulsionsfraktur kommt es, wenn ein Fragment des Knochens durch den starken Sehnenzug abbricht oder absplittert. Bänder dagegen verbinden Knochen mit Knochen und können ebenfalls durch zu starke Dehnung oder Zug zu einer Abrissfraktur führen. Je nach Zugstärke und betroffenem Knochen können die bei Abrissfrakturen herausgerissenen Fragmente unterschiedliche Größen und Formen aufweisen.

Ursachen

  Die Ursache für eine Abrissfraktur ist die abrupte Steigerung der Spannung an einer Sehne mit Knochenverankerung durch starke muskuläre Belastung etwa beim Sport. Der Knochen hält dieser plötzlichen Belastung durch den Sehnenzug nicht mehr stand, und es kommt zum Herausreißen eines Knochenstückes. Dasselbe gilt für die zu starke Belastung von Bändern, durch deren Zug ebenfalls Fragmente aus den Knochen herausreißen können. Das herausgerissene Stück des Knochens kann von unterschiedlicher Größe und Form sein. Manchmal ist auch nur die Knochenrinde von der Fraktur betroffen. Generell ist Knochen gegenüber abrupter Spannung weniger widerstandsfähig als das elastische Bindegewebe von Sehnen und Bändern, welches auf solche Kräfte ausgelegt ist.

Wann zum Arzt?

Sobald sich plötzliche Schmerzen bei Bewegungsabläufen an den Knochen oder den Gelenken einstellen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Nehmen die Schmerzen an Intensität oder Umfang zu, müssen medizinische Untersuchungen erfolgen, die Aufschluss über die Ursache geben. Kommt es zu einer Fehlhaltung bei der Fortbewegung oder einer Schiefhaltung des Körpers durch die Beschwerden, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Es können dauerhafte Schäden entstehen, die rechtzeitig behandelt werden müssen.

Setzt ein Leistungs- oder Kräfteabfall ein, liegen Schäden der Sehnen, Bänder oder Muskeln vor, die behandelt werden müssen. Bei einer Belastung der betroffenen Region nehmen die Beschwerden zu und können zu weiteren Rissen führen. Daher ist ein Arzt aufzusuchen, um Behandlungs- und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Sind die Beschwerden sehr gering und führen zu keiner starken Beeinträchtigung im Alltag, können Selbsthilfemaßnahmen ergriffen werden. Es genügt häufig, die verletzte Region zu schonen, zu entlasten und regelmäßig zu kühlen. Reduzieren sich die Beschwerden, kommt es im Normalfall innerhalb von wenigen Tagen zu einer vollständigen Heilung. Ein Arztbesuch ist nur notwendig, wenn sich keine Linderung einstellt. Vor der Einnahme schmerzstillender Medikamente sollte die Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Es gilt Nebenwirkungen und Risiken zu besprechen und auszuschließen.

Symptome und Verlauf

Bei einer Abrissfraktur kommt es zur Schwellung im Bereich der Verbindung von Knochen und Sehne oder Knochen und Band an der Stelle, wo das Knochenstück herausgerissen ist. Gleichzeitig funktioniert die Sehne oder das Band im betroffenen Bereich nicht mehr, die Muskelspannung kann nicht mehr übertragen werden. Das Knochenstück und der eigentliche Knochen haben durch den Zug der Sehne einen kleinen Abstand und reiben nicht aufeinander. Dies ist auch der Grund, warum Abrissfrakturen meist wenig Schmerzen verursachen.

So kommt es vor, dass Fußballspieler nach einer Abrissfraktur im Fußgelenk noch weiter spielen. Generell sind eher jüngere Menschen von Abrissfrakturen betroffen, da ihre Sehnen und Bänder noch dehnbarer sind und weniger Verschleiß aufweisen, Bei älteren Menschen dagegen reißen die Sehnen oder Bänder bei starker Belastung eher, da sie weniger elastisch sind und einen höheren Verschleiß zeigen.

Diagnose

Bei einer Abrissfraktur erfolgt die Diagnose durch Röntgenaufnahmen, wie generell bei Frakturen und anderen Knochenverletzungen üblich. Eine detaillierte Anamnese und Untersuchung sind bei dieser Art der Fraktur sehr wichtig, da die Betroffenen oft noch über längere Zeit Bewegungen relativ schmerzfrei ausführen können. Oft ist nur eine Schwellung vorhanden. Eine klare Abgrenzung der Abrissfraktur zu einer reinen Verletzung von Sehnen oder Bändern ist zudem manchmal schwierig. Sehnen- oder Bänderverletzungen sind im Gegensatz zum köchernen Sehnenausriss aber nur in einer Computer- oder Kernspintomographie, und nicht im Röntgenbild erkennbar.

Komplikationen

Eine Abrissfraktur kann natürlich auch verschiedene Komplikationen entstehen lassen, falls die betroffene Person sich nicht rechtzeitig in ärztliche Behandlung begibt. Wenn eine Abrissfraktur vorliegt, dann sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Nur so können schwerwiegende Folgeerkrankungen behandelt bzw. ausgeschlossen werden. In den meisten Fällen liegt bei einer Abrissfraktur auch eine Muskel- oder Sehnenverletzung vor. Handelt es sich lediglich um eine Überdehnung, so muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Es ist nicht mit weiteren Beschwerden oder Komplikationen zu rechnen, sofern die betroffene Stelle geschont wird.

Wird die Muskulatur jedoch weiterhin belastet, so bleibt die Verletzung weiterhin bestehen. Es kann unter Umständen auch zu einer Entzündung kommen, die einen Abszess entstehen lässt. Sind erste Anzeichen eines Abszesses zu erkennen, so darf ein Besuch beim Arzt nicht länger hinausgezögert werden. Es kann sogar zu einer Blutvergiftung kommen, wenn die darin befindlichen Bakterien und Viren in den Blutkreislauf gelangen. Wird ein Besuch beim Arzt vermieden, so besteht in so einem Fall sogar akute Lebensgefahr. Aus diesem Grund gilt: Bei einer Abrissfraktur ist zwingend eine ärztliche Behandlung erforderlich. Wird darauf verzichtet, dann ist mit oben genannten Komplikationen zu rechnen. Hinzu kommen weitere Beschwerden, die je nach Härtegrad der Verletzung variieren können.

Behandlung und Therapie

Die akute Therapie einer Abrissfraktur besteht zunächst in der Entlastung, Ruhigstellung, Kühlung und falls nötig in der Gabe von Schmerzmitteln. Generell richtet sich die Behandlung einer solchen Fraktur dann vor allem nach ihrer Größe sowie nach der Lage des Knochens. Sind kleinere Knochen wie etwa an den Fingern betroffen und sind nur kleine Fragmente herausgerissen, wird die Verletzung meist nur mit einer Schiene behandelt. Diese bewirkt eine Entlastung des Knochens und das abgerissene Fragment wächst von selbst wieder an.

Sind jedoch größere Knochen betroffen oder handelt es sich um ein größeres Knochenstück, wird normalerweise operiert. Die Spannung auf den Knochen ist bei diesen größeren Frakturen für ein selbstständiges Zusammenwachsen zu hoch. Für die Operation einer Abrissfraktur gibt es zwei verschiedene Operationsmöglichkeiten: Dabei handelt es sich um die Verbindung mit Schrauben oder das Verbinden mit Drähten. Bei der Schraubenosteosynthese wird das herausgerissene Stück Knochen mit Hilfe einer Schraube an dem betroffenen Knochen befestigt.

Die zweite Möglichkeit ist die Verbindung der Knochenteile durch so genannte Kirschner Drähte. Die Verbindung der Knochen mittels einer Schraube gilt als stabiler mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eines erneuten Herausreißens der Fragments. Allerdings ist die Gefahr von Verwachsungen an der Frakturstelle höher, und auch das Entfernen der Schraube nach der Heilung kann schwieriger sein. Die Nutzung der Kürschner Dräht ist weniger invasiv als die Verschraubung. Gleichzeitig zeigt sich diese aber auch weniger stabil.

Sehr wichtig ist hier die zusätzliche Versorgung mit einer Gipsschiene, die den gedrahteten Bruch entsprechend stabilisiert. Auch bei der Schraubenosteosynthese wird die Verwendung einer Gipsschiene empfohlen. Während der Ausheilung der Abrissfraktur und einige Wochen danach ist Physiotherapie je nach betroffenem Knochen wichtig, um die Beweglichkeit wieder voll herzustellen und die Muskeln zu kräftigen. Auch ist die Vermeidung von Bewegungen mit starkem Zug auf die Fraktur in der ersten Zeit unverzichtbar für die Ausheilung.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung einer Abrissfraktur erfolgt zum Einen durch das Vermeiden zu abrupter, starker Belastung und zum Anderen durch das richtige Training beim Sport. So ist es ganz wichtig, sich bei Sportarten mit schnellen, plötzlichen Bewegungen gründlich aufzuwärmen und zu dehnen. Durch Dehnübungen sind Sehnen und Bänder elastischer und üben weniger abrupten Zug aus. Auch Muskelaufbau ist eine zentrale Komponente der Vorbeugung, da trainierte Muskeln mehr Belastung standhalten.

Das Tragen entsprechender Schienen wie etwa am Fußgelenk kann eine weitere sinnvolle Vorbeugungsmaßnahme gegen Abrissfrakturen sein. Kommt es beim Sport zu einer Verletzung mit Schwellung im Knochenbereich, ist das sofortige Ruhigstellen sehr wichtig. Denn trotz oft noch vorhandener Beweglichkeit und relativ geringer Schmerzen kann bereits eine Abrissfraktur vorhanden sein. Kommt es dennoch zur weiteren Belastung, besteht die Gefahr weiterer Verletzungen durch das Knochenfragment.

Quellen

  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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