Wässriger Ausfluss

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. Mai 2017
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Wässriger Ausfluss bezeichnet die Veränderung des Scheidenausflusses bei einer erwachsenen Frau. Er nimmt mengenmäßig zu und ist flüssiger als gewohnt. Hält wässriger Ausfluss aus der Scheide länger als einen Tag an und kommen begleitende Symptome hinzu, sollte die Frau die Ursache durch einen Arzt abklären lassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist wässriger Ausfluss?

Mädchen in der Pubertät bekommen in der Regel kurz vor oder unmittelbar nach Einsetzen ihrer ersten Menstruationsblutung den ersten Scheidenausfluss. Er ist der natürliche und gesunde Reinigungsmechanismus der weiblichen Vagina und wird sie begleiten, bis sie in die Wechseljahre kommen. Schon bald merken junge Mädchen, welche Art von Ausfluss für sie normal ist, sodass sie es bemerken würden, wenn er sich verändert. Veränderungen des Scheidenausflusses können verschiedene Formen annehmen, sie reichen von abweichenden Gerüchen bis hin zur Farbe, Menge und Konsistenz des Ausflusses.

Wässriger Ausfluss ist eine Veränderung, die die Frau ernst nehmen sollte, da sie zusammen mit anderen Symptomen auf eine Infektion der Scheide hindeuten kann. Normal und harmlos wäre wässriger Ausfluss dagegen während einer Schwangerschaft. Höchstwahrscheinlich handelt es sich nicht nur um Scheidenausfluss, sondern gleichzeitig um winzige Mengen Urin, die die Frau mit dem Ausfluss ausscheidet, ohne es zu bemerken.

Ursachen

Wässriger Ausfluss kommt selten allein, meistens verändern sich auch Farbe oder Geruch des Scheidenausflusses. Dadurch lassen sich wiederum leichter Rückschlüsse auf die Ursache schließen. Handelt es sich tatsächlich nur um wässrigen Ausfluss, der weder eine auffällig andere Farbe hat noch unangenehm riecht oder mit Schmerzen, Jucken und Brennen einhergeht, kann es sein, dass schlichtweg der weibliche Zyklus verantwortlich ist.

Manche Frauen bemerken solche Veränderungen im Zusammenhang mit ihrer Regelblutung oder erleben sie dann, wenn sie auf ein neues hormonelles Verhütungsmittel umsteigen. Empfindliche Reaktionen auf latexhaltige Kondome sind ebenfalls möglich. Bei bekannter Schwangerschaft ist wässriger Ausfluss normal und liegt neben hormonellen Veränderungen auch daran, dass die Kontrolle über die Blase erschwert sein kann. Je größer das Baby wird, desto mehr drückt es auf die Blase und das führt dazu, dass die Frau winzige Mengen Urin verliert, ohne es zu bemerken. Das mag unangenehm sein, ist aber tatsächlich vollkommen ungefährlich.

Verändert sich der Ausfluss dagegen stark, wird gelblich und riecht unangenehm, kann das auf Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe oder die bakterielle Scheidenentzündung Kolpitis hindeuten. Neben wässrigem Ausfluss kann dabei auch krümeliger Ausfluss mit kleinen Blutbeimengungen auftreten. Darüber hinaus kommen bei wässrigem Ausfluss Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane in Frage. Frauen, die unter Immunschwäche leiden, falsche Intimpflege betreiben oder in seltenen Fällen Tumore in der Scheide oder Gebärmutter tragen, sind besonders anfällig für diese Ursachen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein wässriger Ausfluss, der für mehrere Tage anhält, ist von einem Arzt abzuklären. Die Beschwerden gelten als ungewöhnlich und sollten untersucht werden. Kommt es zu weiteren Beschwerden wie Schmerzen, einer Veränderung der Libido oder ein Unwohlsein bei sexuellen Aktivitäten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Treten Blutungen oder ein ungewöhnliches Spannungsgefühl im Unterleib auf, ist ein Arztbesuch notwendig.

Nimmt die Flüssigkeitsmenge des Ausflusses zu oder tritt er sporadisch auf, sollten die Symptome ärztlich untersucht werden. In einigen Fällen kann der Ausfluss eine allergische Reaktion des Körpers auf Verhütungsmittel sein. Insbesondere bei Kondomen, die Latex beinhalten, kann es zu einer Überempfindlichkeit des Körpers kommen. Es genügt, wenn künftig latexfreie Kondome genutzt werden. Kommt es zu einem Juckreiz, Rötungen der Haut oder Schwellungen im Intimbereich, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

In Phasen einer hormonellen Umstellung kann es zu einem wässrigen Ausfluss kommen. Die Beschwerden sind mit einem Arzt zu besprechen, um abzuklären, ob es sich um eine zu erwartende Reaktion handelt. Riecht der wässrige Ausfluss ungewöhnlich oder stechend, liegt meist eine Infektion vor. Es müssen Untersuchungen vorgenommen werden. Verändert sich die Konsistenz oder die Färbung des Ausflusses, sind die Beschwerden ebenfalls einem Arzt vorzustellen.

Diagnose und Verlauf

Wässriger Ausfluss kann vereinzelt auftreten und ist kein Grund zur Sorge, wenn er am nächsten Tag wieder verschwunden ist. Passiert das aber regelmäßig ohne erkennbaren Grund oder verändert sich der Ausfluss dauerhaft ins Wässrige, muss die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Bei infektiösen oder organischen Ursachen hält der wässrige Ausfluss an und bessert sich von alleine eher nicht. Es kann vielmehr noch zu weiteren unangenehmen Erscheinungen kommen, darunter zu übel riechendem Ausfluss, Blutungen aus der Scheide, Schmerzen im Unterbauch und einem juckenden, brennenden Gefühl an der Scheide.

Der Arzt wird zunächst einen Abstrich der Scheide und des Muttermundes entnehmen und die Frau nach ihren Lebensgewohnheiten, Veränderungen dieser Gewohnheiten, der Verhütungsmethode und ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte befragen. Der Abstrich kann auf Bakterien, Viren und ungewöhnliche Zellen hin untersucht werden, die eine Diagnose ermöglichen. Möglicherweise kann auch eine Ausschabung der Gebärmutter notwendig sein, um die Diagnose zu sichern.

Komplikationen

Ein wässriger Ausfluss aus der Scheide kann verschiedene Komplikationen hervorrufen, sodass in der Regel auch ein Arzt aufgesucht werden sollte. Die häufigste Ursache für einen wässrigen Ausfluss aus der Scheide ist eine bakterielle Infektion. Komplikationen die in diesem Zusammenhang auftreten können, sind zum Beispiel ein starker Juckreiz oder auch eine Rötung der betroffenen Stellen. Wer an dieser Stelle den Gang zum Arzt meidet, der muss sich auf einer erheblichen Verschlimmerung der einzelnen Symptome einstellen. Außerdem kann sich die Infektion unter Umständen im gesamten Körper ausbreiten, sodass weitere Erkältungsbeschwerden hinzukommen können. Dazu zählt eine erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Übelkeit oder auch Erbrechen.

Wenn die betroffene Person in einem solchen Fall frühzeitig einen Arzt aufsucht, dann können entsprechende Medikamente eine schnelle und effektive Linderung herbeiführen. Somit gilt: Wer unter einen wässrigen Ausfluss aus der Scheide leidet, der sollte einen Besuch beim Arzt nicht zu lange hinauszögern. Nicht selten verbirgt sich dahinter eine bakterielle Infektion, die eine Behandlung mit entsprechenden Medikamenten erfordert. Wer daher die oben genannten Komplikationen und Beschwerden vermeiden möchte, der sollte den eigenen Hausarzt bzw. den eigenen Frauenarzt aufsuchen. So ist eine schnelle und vollständige Heilung und Genesung garantiert.

Behandlung und Therapie

Wässriger Ausfluss bedarf nur dann einer Behandlung, wenn die Ursache behandlungsbedürftig ist. Das bedeutet, dass bei wässrigem Ausfluss während einer Schwangerschaft oder durch normale hormonelle Veränderungen während des weiblichen Zyklus nichts unternommen werden muss. Da der wässrige Ausfluss für die Frau aber unangenehm sein kann, tragen viele Frauen in diesen Zeiten gerne Slipeinlagen, um die Kleidung zu schützen und sich im Alltag wohler zu fühlen.

Bei Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe dagegen muss schnellstmöglich eine Bekämpfung der Erreger in die Wege geleitet werden. In der Regel werden die Symptome nicht behandelt, sondern nur die Ursache - Erscheinungen wie wässriger Ausfluss verschwinden mit der erfolgreichen Bekämpfung der Erreger. Etwas schwieriger können dagegen Entzündungen der äußeren oder inneren Geschlechtsorgane sein. Zunächst muss abgeklärt werden, woher die Entzündung kommt. Häufig sind Frauen betroffen, die ohnehin schon an einer Immunschwäche leiden, beispielsweise Diabetes-Patientinnen.

Damit ein solcher Fall nicht noch einmal auftritt, müssen sie wissen, was sie künftig vermeiden müssen. Behandelbare organische Ursachen von wässrigem Ausfluss werden genau wie Infektionen nach Möglichkeit behandelt, ohne dass auf die Symptome eingegangen wird. Liegt der wässrige Ausfluss dagegen an der Einnahme eines hormonellen Verhütungsmittels, kann zunächst versucht werden, so lange abzuwarten, bis der Körper der Frau sich auf die Hormone eingestellt hat. Bessert sich der wässrige Ausfluss nicht von allein, kann das Verhütungsmittel gewechselt werden.



Vorbeugung

Wenn der wässrige Ausfluss lediglich eine Reaktion auf ein Verhütungsmittel war, verschwindet er schnell wieder, wenn das Verhütungsmittel gewechselt wird. Die betroffene Frau sollte Verhütungsmittel grundsätzlich meiden, die zu Symptomen führen, die für sie zu unangenehm sind. Es gibt genug Alternativen. Ohne Verhütung geht Geschlechtsverkehr allerdings nicht, denn insbesondere Kondome und Femidome schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Sie sind einer der häufigsten Auslöser von wässrigem Ausfluss.

Eine besondere Intimpflege außer einer regelmäßigen Dusche oder einem Bad ist nicht notwendig. Das schwächt die Scheidenflora und kann das Risiko für Infektionen der Scheide erhöhen, da sie nur mit gesunder Scheidenflora dazu in der Lage ist, sich selbst zu reinigen und Krankheitserreger abzuwehren. Frauen mit erhöhtem Risiko für vaginale Infektionen sollten ihren Gynäkologen fragen, wie sie diese am effektivsten vermeiden können.

Bücher über Geschlechtskrankheiten

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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