Starke Behaarung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. April 2017
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Starke Behaarung, also das vermehrte Auftreten und Wachstum von Haaren an verschiedenen Stellen des Körpers, wird von Betroffenen oft als störend und unangenehm empfunden. Das Phänomen kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten, wobei bei den weiblichen Betroffenen der Leidensdruck oft deutlich höher ist. Es gibt eine große Zahl an Methoden und Maßnahmen, die sich bei starker Behaarung mit Erfolg anwenden lassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist starke Behaarung?

Starke Behaarung wird meist als Störung empfunden, wenn sie durch übermäßigen Haarwuchs gekennzeichnet ist und an ungewöhnlichen Stellen des Körpers auftritt, die sonst wenig oder gar nicht behaart sind.

Eine Körperbehaarung findet sich normalerweise bei allen Menschen in bestimmten Körperregionen. Wenn diese jedoch das normale Maß deutlich überschreitet, kann eine so genannte Hypertrichose (verstärkter Haarwuchs) oder bei Frauen ein Hirsutismus (männliches Behaarungsmuster, zum Beispiel mit Bartwuchs im Gesicht) als starke Behaarung vorliegen.

Ursachen

Die Ursache für starke Behaarung kann unterschiedlich sein. Bei der Hypertrichose, bei welcher das starke Haarwachstum den ganzen Körper betreffen kann (so genannte "Wolfsmenschen" oder "Haarmenschen") oder nur an einzelnen Körperstellen auftritt (z.B. an Rücken oder Brust), ist die die Störung in der Regel genetisch bedingt. Das bedeutet, dass der starke Haarwuchs innerhalb einer Familie vererbt wird und an sich nicht krankhaft ist.

In seltenen Fällen können auch Tumoren der inneren Organe Ursache für eine Hypertrichose sein. Medikamente sind ebenfalls dazu in der Lage, starke Behaarung am Körper auszulösen.

Beim Hirsutismus, der ein männliches Behaarungsmuster bei Frauen darstellt, ist normalerweise ein Überschuss an männlichen Hormonen (so genannte Androgene) der Grund für den starken Haarwuchs.

Dieser Überschuss kann durch Tumorerkrankungen, Eierstockzysten oder bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Es kann aber auch eine genetische Veranlagung ohne krankhaften Hintergrund als Ursache für die starke Behaarung in Betracht kommen.

Wann zum Arzt?

Bei einer starken Behaarung muss in der Regel kein Arzt aufgesucht werden. Dieses Symptom stellt keine gesundheitliche Gefahr für den Menschen dar und muss nicht zwingend behandelt werden. Anders sieht es aus, wenn sich die Person mit der starken Behaarung unwohl fühlt oder dadurch sozial benachteiligt wird. In diesen Fällen kann die starke Behaarung durch den Arzt behandelt werden.

Die Behandlung kann nicht zu einem dauerhaften Ergebnis führen, da die Haare meistens wieder nachwachsen und damit jedes Mal wieder entfernt werden müssen. Ein Arzt kann in diesem Fall die Behandlung selten durchführen, hierfür ist eine Kosmetikerin zuständig, die die Haare regelmäßig entfernt. Sollte es durch die starke Behaarung zu einer sozialen Belastung oder einer sozialen Ausgrenzung kommen, so führt dies oft zu Depressionen und anderen psychischen Problemen.

In diesem Fall ist ein Gespräch mit einem Psychologen sehr ratsam, da dieser helfen kann, den Scham für die starke Behaarung zu überwinden und zu einem gewöhnlichen Leben zurückzukehren. Sollte die Behaarung den Betroffenen allerdings nicht weiter stören, so müssen keine zusätzlichen Schritte eingeleitet werden und die starke Behaarung kann am Körper bleiben. Sie hat keine gesundheitlichen Nachteile und muss daher nicht behandelt werden.

Diagnose und Verlauf

Starke Behaarung ist zunächst keine Diagnose mit Krankheitswert, denn es kann sich um eine normale genetische Veranlagung handeln. Wenn diese jedoch am ganzen Körper und im Gesicht auftritt, bei Frauen plötzlich als männlicher Haarwuchs zum Beispiel in Form von Bartwuchs vorkommt oder sich plötzlich neu bildet, wird eine mögliche Diagnose anhand der jeweiligen Symptome gestellt.

Hirsutismus kann bei Frauen außerdem anhand eines Index festgestellt werden, der die Verteilung der Körperhaare an neun verschiedenen Stellen auf einer Skala von 0 bis 4 definiert. Werden insgesamt mehr als 8 Punkte erreicht, liegt ein Hirsutismus vor.

Eine genaue körperliche Untersuchung sollte zudem unterschiedliche Arten von Tumoren beim Auftreten männlicher Behaarung bei Frauen ausschließen, da diese die Produktion von Androgenen ankurbeln. Meist handelt es sich dabei um Tumoren in den Eierstöcken, der Nebenniere oder auch der Hypophyse(Hirnanhangdrüse), ebenso können Eierstockzysten die Androgenproduktion erhöhen. Nehmen die Betroffenen bestimmte Medikamente ein und die Behaarung tritt relativ plötzlich auf, sind die Arzneistoffe meistens die Ursache und führen letztendlich zu einer passenden Diagnose und Behandlung.

Bei einer Ursache mit Krankheitswert lässt das Wachstum der Haare erst dann nach, wenn auch der Grund behandelt und beseitigt wird. Bei einer genetischen Veranlagung für die starke Behaarung bleibt diese über die Zeit normalerweise unverändert oder nimmt sogar noch zu.

Behandlung und Therapie

Eine starke Behaarung kann bei Betroffenen einen sehr unterschiedlichen Leidensdruck verursachen. Bei Hirsutismus kann eine medikamentöse Behandlung zugrunde liegende Hormonstörungen oder Tumore behandeln und somit das Wachstum der Haare unterbinden. Bei manchen Tumoren wird auch eine chirurgische Behandlung notwendig, nach welcher dann auch das Haarwachstum unterbleibt.

Liegt keine behandlungsbedürftige Erkrankung dem starken Haarwuchs zugrunde, kann das Bleichen der Haare bei betroffenen Frauen kosmetisch eine Hilfe darstellen.

Auch mit mechanischen Verfahren lassen sich die störenden Haare relativ erfolgreich entfernen. Dies kann durch Epilation (Entfernung der Haare mit Wurzeln) oder Depilation (Entfernung der Haare ohne Wurzeln, zum Beispiel durch Rasur oder Enthaarungscreme)geschehen, welche die starke Behaarung verringern können.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen starke Behaarung ist eigentlich nur in den Fällen möglich, in denen die Ursachen allein durch äußerliche Faktoren begründet sind.

So sollten Frauen Medikamente vermeiden, welche das Wachstum der Haare anregen, was meist bereits im Beipackzettel angegeben ist.

Dasselbe gilt für die Einnahme anaboler Steroide, die teilweise auch von Frauen als Dopingmittel genutzt werden, obwohl dies eigentlich verboten ist.

Weiterhin ist die Vorsorge beim Frauenarzt ein sehr wichtiger Punkt, da so Zysten oder Tumore an den Eierstöcken früh erkannt und behandelt werden können. Auf diese Weise kann es gar nicht erst zu einer Überproduktion von Androgenen und damit zu starker Behaarung kommen.

Bücher über Haare

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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