Nykturie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. Februar 2016
Gesundpedia.deSymptome Nykturie

Mit Nykturie wird das krankhafte Wasserlassen während der Nachtstunden bezeichnet. Die Behandlung der Nykturie richtet sich dabei nach der eventuell zu Grunde liegenden Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nykturie?

Personen, die mehrmals während der Nacht zur Toilette gehen müssen, sind von einer Nykturie betroffen. Wird speziell abends vermehrt Flüssigkeit aufgenommen, kann es normal sein, dass vermehrt nächtliches Wasserlassen auftritt. Muss die betroffene Person jedoch regelmäßig nachts aufstehen und die Toilette aufsuchen, kann eine Nykturie auf eine Krankheit hin deuten.

Fachärzte sprechen bereits ab einem zweimaligen nächtlichen Toilettengang von Nykturie. Übermäßiger nächtlicher Harndrang ist ein Symptom, welches somit bei den unterschiedlichsten Beschwerden auftritt. Einer harmlosen Nykturie liegt zum Beispiel eine wesentlich vermehrte Trinkmenge im Lauf des gesamten Tages zugrunde.

Ursachen

Eine akute Nykturie kann zum Beispiel als Symptom einer Blasenerkrankung beziehungsweise Blasenentzündung (Brennen des Urins beim Wasserlassen) auftreten. Hierbei verspüren Betroffene allerdings auch während des Tages einen übermäßigen Harndrang.

Ebenso können gewisse Herzerkrankungen eine Nykturie begünstigen. Hierbei wird mittels der verminderten Leistung des Herzens innerhalb des Körpers Wasser eingelagert, welches durch das flache nächtliche Liegen ausgeschieden wird. Bei diesen Personen zeigen sich zusätzlich zu der Nykturie über den Tag verteilt geschwollene Beine.

Eine Nykturie kann zudem im Verlauf einer Schwangerschaft auftreten. Die anschließende Geburt beansprucht den Beckenboden derart stark, dass der Entbindung folgend eine Beckenbodenschwäche (Harnträufeln) auftreten kann. Hierdurch können sich wiederum eine Nykturie und sogar eine Inkontinenz entwickeln.

Bei Männern fortgeschrittenen Alters tritt sehr häufig eine vergrößerte Prostata (schwacher Harnstrahl) auf, welche eine Nykturie nach sich zieht. Des Weiteren kann eine Nykturie durch einen Diabetes mellitus hervorgerufen werden.

Krankheiten

typische Krankheiten mit einer Nykturie:

Diagnose und Verlauf

Eine exakte Diagnose zur Nykturie beziehungsweise dem nächtlichen Wasserlassen, kann der behandelnde Arzt lediglich durch intensives Befragen (Anamnese) der betroffenen Person stellen. Hierfür ist es äußerst hilfreich, wenn ein Miktionstagebuch (Trinktagebuch) bei derartigen Beschwerden geführt wird. Hierin wird über mindestens zwei Tage dokumentiert, was, wann und wie viel getrunken wird. Dazu kommen Notizen über die Urinabgabemengen.

Mit Untersuchungen wie beispielsweise einem Ultraschall vom Oberbauch, der Niere und Harnblase sowie der Prostata, Urin- und Blutwertebestimmung und eventuell einer Blasenspiegelung können Grunderkrankungen erkannt werden. In einigen Fällen werden zudem andere Organe wie das Herz sorgfältig untersucht.

Durch eine Nykturie kommt es zu einem übermäßigen Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung) des Körpers. Diese Gefahr tritt vor allem auf, wenn die Betroffenen versuchen, mittels massiver Einschränkung der Flüssigkeitsmenge, den nächtlichen Harndrang zu verhindern.

Je nachdem welche Grunderkrankung vorliegt, können zudem weitere Folgebeschwerden auftreten. Bei einer Nykturie ist die ausgeschiedene Menge Harns charakteristisch, wobei innerhalb der Nacht über ein Drittel der über Tag (24 Stunden) aufgenommenen Flüssigkeit ausgeschieden wird.

Behandlung

Patienten, die von einer Nykturie betroffene sind, sind nicht immer auch von Kontinenzproblemen geplagt. Eine Nykturie bewirkt jedoch, dass die Betroffenen dauerhaft unter Schlafmangel leiden können. Das nächtliche Wasserlassen der Nykturie selbst kann nicht behandelt werden, jedoch die dafür verantwortliche Erkrankung.

Ist die Blase überaktiv hilft ein regelmäßiges Blasentraining. Hierbei spielt als erster Schritt der Therapie ein Tagebuch die tragende Rolle, in welchem die Betroffenen sämtliche Toilettengänge notieren. Als zweiter Schritt wird versucht den Harndrang bewusst kurzzeitig zu unterdrücken. Durch ein derartiges Training wird die Blase langsam wieder an mehr Füllmenge gewöhnt und der Harndrang setzt später ein, sodass die Zeiten zwischen den Toilettengängen langsam und stetig verlängert werden.

Die Nykturie beziehungsweise die Symptome verbessern sich bei den meisten Betroffenen mit dieser Behandlung meistens innerhalb von 2 bis 3 Monaten. Eine Nykturie kann zudem zusätzlich mit gewissen Medikamenten therapiert werden. Hierzu zählen Mittel, die die Wirkungsweise des Acetylcholins (körpereigener Botenstoff) auf die Enden der Nerven unterdrückt. Das Acetylcholin ist für die Entleerung der Harnblase verantwortlich.

Des Weiteren werden speziell bei Frauen Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) in Salbenform sowie als Zäpfchen eingesetzt, falls ein Mangel besteht. Nach einer Geburt helfen Rückbildungskurse zur Stärkung des Beckenbodens, damit eine Nykturie wieder verschwindet. Speziell bei Männern werden bei einer Nykturie Alphablocker angewandt, welche die winzigen Muskelzellen innerhalb der Prostata entspannen und den Harnstrahl vergrößern, sodass Wasserlassen im Allgemeinen wesentlich erleichtert wird.

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Vorbeugung

Wer unter Nykturie leidet, sollte kurz vor dem Schlafengehen harntreibende Flüssigkeiten wie Kaffee, Bier oder Tee unbedingt meiden. Die Trinkmenge kann am Abend reduziert werden, sollte deshalb am Tag etwas erhöht werden.

Der Harndrang ist jedoch keinesfalls durch verminderte Trinkmengen drastisch unterbunden werden. Bei anhaltender Nykturie muss deshalb ein Arzt konsultiert werden, um eventuelle Grunderkrankungen zu erkennen sowie auch dementsprechend zu behandeln.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Simon-Kephas kommentierte am 13.10.2014 um 17:41 Uhr

Ich leide seit fast einem Jahr an Nykturie. Mein Hausarzt schickte mich zum Urologen. Dieser wollte von mir eine Tabelle erstellt haben, aus der hervorgeht wie oft ich zu welchen Urzeiten wieviel Wasser lassen muss. Es waren jede Nacht ca. 3 - 4 Mal, knapp 200ml. (Mittlerweile sind es 4 - 5 Mal!) Daraufhin teilte der Urologe dem Hausarzt mit, dass kein Fall von Nykturie vorläge, was letzterer mit großer Verwunderung und Kopfschütteln entgegennahm. Mittlereweile bin ich tagsüber gar nicht mehr zu gebrauchen. Gleich nach dem Aufstehen möchte ich mich am liebsten wieder hinlegen. Können Sie mir helfen? (Ich bin übrigens 77 Jahre alt und wurde vor gut 10 Jahren an der Prostata operiert.)