Frühgeborenen-Retinopathie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. Januar 2015
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Bei der Frühgeborenen-Retinopathie (Retina = Netzhaut) kommt es zu Gewebeveränderungen und -schäden an der noch unvollständig ausgebildeten Netzhaut vorzeitig geborener Säuglinge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Frühgeborenen-Retinopathie?

Die Frühgeborenen-Retinopathie (Retinopathia praematurorum) ist eine Netzhauterkrankung, die bei Frühgeborenen durch die postnatal veränderten Entwicklungsumstände auftreten kann. Bis zu 10 Prozent aller Neugeborenen kommen deutlich vor dem eigentlichen Geburtstermin (vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche) zur Welt und zählen somit zur Risikogruppe für eine Frühgeborenen-Retinopathie.

Das veränderte Sauerstoff-Milieu, dem die Neugeborenen nach der vorzeitigen Geburt ausgesetzt sind, kann sich zu diesem Zeitpunkt schädigend auf die noch unreife Netzhaut auswirken. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Atmung der Säuglinge durch zusätzliche Sauerstoffgabe unterstützt werden muss.

Unbehandelt kann die gestörte Netzhautentwicklung zu Sehschwächen bis hin zur Erblindung führen – was heute dank erfolgreicher medizinischer Eingriffe jedoch nur noch selten vorkommt. Schwere und Verlauf der Frühgeborenen-Retinopathie hängen maßgeblich vom Zeitpunkt der Frühgeburt ab.

Ursachen

Die Netzhaut Frühgeborener ist noch nicht ausreichend an die Lebensumstände außerhalb des Uterus angepasst und es kann somit zu einer Frühgeborenen-Retinopathie kommen. Erst gegen Ende einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist die Bildung der Netzhautblutgefäße vollständig abgeschlossen. Je früher der Säugling auf die Welt kommt, desto höher ist das Risiko einer Frühgeborenen-Retinopathie.

Zur vollständigen, kontrollierten Ausreifung der Blutgefäße bedarf die Netzhaut einer lediglich moderaten Sauerstoffversorgung – wie sie im Mutterleib vorherrscht. Ein Zuviel an Sauerstoff hingegen wirkt sich auf die unreife Netzhaut toxisch aus. Die normale Entwicklung der Blutgefäße wird gehemmt und es kann zu unkontrollierten Gewebewucherungen kommen, die in angrenzendes Augengewebe einwachsen können.

Bereits normale Raumluft bietet für die Netzhaut des unterentwickelten Säuglings ein relatives Überangebot an Sauerstoff; nicht selten muss bei extremen Frühgeburten außerdem noch künstlich beatmet werden. Diese lebenswichtige Maßnahme stellt durch die zusätzliche Sauerstoffzufuhr einen erheblichen Risikofaktor für eine Frühgeborenen-Retinopathie dar. Neben einer erhöhten Sauerstoffexposition fördert auch eine generell gestörte postnatale Entwicklung – durch einen Mangel oder Überschuss an regulierenden Wachstumsfaktoren – die Entstehung einer Frühgeborenen-Retinopathie.

Symptome und Verlauf

Äußerlich sichtbare Anzeichen einer Frühgeborenen-Retinopathie gibt es nicht. Insbesondere bei extrem früh geborenen Säuglingen muss die Netzhaut daher einem regelmäßigen augenärztlichen Screening unterzogen werden, um eventuelle Schäden im Frühstadium erkennen und gegebenfalls Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

In der Regel bleibt es bei leichteren Stadien einer Frühgeborenen-Retinopathie, die sich selbst wieder zurückbilden können. Hierbei sind bei der Untersuchung lediglich leichte Gewebeirritationen im Übergangsbereich zwischen unreifer und normal entwickelter Netzhaus zu sehen. Bei etwa einem Prozent der Frühgeborenen kommt es zu behandlungsbedürftigen Krankheitsstadien mit Bildung von Gewebewucherungen bis hin zu partieller oder kompletter Netzhautablösung.

Eine ausgeprägte Schädigung der Netzhaut kann bei nicht rechtzeitig eingeleiteten Gegenmaßnahmen zur Ausbildung von Sehproblemen und weiteren Augenkrankheiten (Kurzsichtigkeit, Schielen, grüner oder grauer Star), in schweren Fällen auch zur Erblindung durch Netzhautablösung führen. Erblindung infolge von Frühgeborenen-Retinopathie tritt heute durch gute medizinische Versorge- und Behandlungsmöglichkeiten jedoch nur noch äußerst selten auf. In seltenen Fällen können auch im späteren Kindes- und Jugendalter noch Komplikationen und Folgeschäden einer Frühgeborenen-Retinopathie auftreten.

Diagnose

Die Frühgeborenen-Retinopathie wird durch eine augenärztliche Untersuchung der Netzhaut diagnostiziert. Hierzu werden pupillenerweiternde Tropfen in die Augen des Säuglings eingebracht, die den Blick auf den Augenhintergrund freigeben. Der Arzt kann dann die Entwicklung der Blutgefäße, sowie die Beschaffenheit der Netzhaut beurteilen und das Stadium der Krankheit feststellen. Erste Veränderungen durch eine Frühgeborenen-Retinopathie sind etwa ab der dritten postnatalen Woche erkennbar. Der Verlauf der Erkrankung muss kontinuierlich überwacht werden.

Behandlung

Leichtere Verläufe einer Frühgeborenen-Retinopathie bilden sich häufig selbst komplett zurück. Bei behandlungsbedürftigen Krankheitsstadien können folgende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden:

Sofern sie früh erkannt werden, können Wucherungen des Netzhautgewebes durch Laser- und Kältetherapien verödet werden. Die weitere unkontrollierte Ausbreitung der Wucherungen kann so zwar eingedämmt werden, es wird jedoch oft auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem kann es zu Vernarbungen kommen, die sich ungünstig auf das spätere Sehvermögen auswirken.

Weitere Behandlungsmaßnahmen einer Frühgeborenen-Retinopathie setzen bei der Beeinflussung der Wachstumsfaktoren an; durch direkte Injektion eines hemmenden Wirkstoffs wird das wuchernde Wachstum der Blutgefäße unterdrückt. Kam es bereits zu einer Netzhautablösung bleiben nur noch komplexe operative Eingriffe, die nicht immer zum Erfolg führen.

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Vorbeugung

Einer Frühgeborenen-Retinopathie lässt sich nicht direkt vorbeugen. Generell gilt es, extrem frühe Geburtstermine möglichst zu vermeiden, um das Risiko einer Frühgeborenen-Retinopathie zumindest zu verringern. Lässt sich ein verfrühter Geburtszeitpunkt nicht hinauszögern, muss eine gegebenenfalls notwendige künstliche Zufuhr von Sauerstoff möglichst minimal und schonend durchgeführt werden. Der sogenannte Sauerstoffpartialdruck im Blut des Säuglings muss dabei einer kontinuierlichen Überwachung unterliegen.

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