Fleischallergie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Dezember 2016
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Die Fleischallergie ist eine allergische Reaktion auf den Verzehr mancher Fleischsorten. Das Immunsystem verwechselt ein im Fleisch enthaltenes Zuckermolekül dabei mit einem Krankheitserreger.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Fleischallergie?

Fleischallergien sind sehr selten, jedoch kann ein Mensch grundsätzlich auf die im Fleisch enthaltenen Zuckermoleküle allergisch reagieren. Etwa 20 Allergene kommen grundsätzlich in Fleisch vor, allerdings enthält nicht jede Fleischsorte die gleichen Allergene. So kann es dazu kommen, dass bei einer Fleischallergie Geflügel nicht vertragen wird, rote Fleischsorten dagegen schon. Es existiert allerdings auch eine Fleischallergie auf alle Fleischsorten.

Da Fleisch als Nahrung aufgenommen wird, sind die allergischen Reaktionen besonders gefährlich und können eine schnell eintretende Atemnot mit Atemstillstand beinhalten. Fleischallergien sind nicht ganz einfach zu diagnostizieren, da Symptome Stunden nach dem Verzehr auftreten können und manchmal nicht klar nachzuvollziehen ist, auf welche Fleischart der Patient überhaupt reagiert.

Eine weitere Besonderheit der Fleischallergie ist, dass der Mensch auf ein Zuckermolekül reagiert und nicht wie sonst auf ein Protein. Jede andere Allergie ist die Überreaktion des Immunsystems auf ein Protein.

Ursachen

Am häufigsten scheinen Fleischallergiker auf das Zuckermolekül a-Gal zu reagieren. Es kommt in vielen Fleischsorten vor, der Mensch kann es jedoch selbst nicht bilden und deswegen wird es vom Körper manchmal als Krankheitserreger eingeordnet - und nicht als der ungefährliche Stoff, der es eigentlich ist.

Wissenschaftlich betrachtet ist die Fleischallergie eine ganz besondere Art der Allergie. Symptome treten Stunden nach dem Kontakt auf und die Allergie besteht gegen ein Zuckermolekül und nicht wie normalerweise gegen ein Protein.

Bislang ging man davon aus, dass Allergien ausschließlich durch Proteine und Unverträglichkeiten ausschließlich durch Zucker ausgelöst werden konnten. Die Fleischallergie ist allerdings nicht als Unverträglichkeit einzuordnen, es handelt sich um eine echte Allergie.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Stunden nach dem Verzehr von Fleisch bekommt der Patient bei einer Fleischallergie starken Juckreiz an der Haut. Es kommt häufig auch zur Bildung roter Quaddeln, die für allergische Reaktionen typisch sind. Derartige Reaktionen treten immer wieder ohne erkennbaren Grund auf, denn der Patient denkt selbst nicht daran, dass das am Fleischverzehr liegen könnte. Selbst manche Medikamente enthalten das Zuckermolekül a-Gal, das Fleischallergien auslöst - das kann für den Patienten lebensbedrohlich werden.

Schlimmstenfalls führt die Fleischallergie bei Kontakt mit Allergenen zu Atembeschwerden bis hin zu akuter Atemnot und Atemstillstand, da die Schleimhäute des Mundes und des Halses so stark anschwellen, dass der Patient nicht mehr selbständig atmen kann.

In seltenen Fällen bei besonders heftigen Reaktionen endet dies im Tod des Allergikers. Die Fleischallergie tritt nicht von Geburt an, sondern im Laufe des Lebens das erste Mal auf. Es wird vermutet, dass Zeckenbisse durch einen im Zeckenspeichel enthaltenen Stoff die Sensibilisierung des Immunsystems überhaupt erst auslösen.

Diagnose

Die Diagnose einer Fleischallergie geschieht über den Prick-Test. Dabei wird eine kleine Hautstelle markiert und das mutmaßliche Allergen wird auf die vorher angeritzte Haut aufgetragen. Alternativ befindet sie sich an einer feinen Nadel, mit der die Haut gestochen wird. Dieses Verfahren ist vollkommen schmerzfrei. Der Patient darf die Hautstelle danach einige Zeit nicht waschen, sodass der Arzt beim nächsten Termin erkennen kann, ob allergische Reaktionen aufgetreten sind. Zur Erkennung der Fleischallergie gibt es mittlerweile auch einen modernen Bluttest, der die Prick-Methode ersetzen kann und mindestens genauso gründlich diagnostizieren kann wie diese.

Behandlung und Therapie

Die Desensibilisierung, die bei anderen Allergien wirkt, funktioniert bei der Fleischallergie leider nicht. Sie ist schließlich die einzige Allergie, die auf einem Zuckermolekül statt auf einem Protein beruht. Allerdings wäre eine Desensibilisierung die einzige dauerhafte Möglichkeit der Heilung bei Allergien, sodass die Fleischallergie an sich nicht heilbar ist. Ist sie einmal diagnostiziert, wird sie den Allergiker ein Leben lang begleiten.

Die effektivste Behandlung besteht also darin, Fleischsorten zu vermeiden, in denen das Allergen steckt. Besonders riskant sind Fleischsorten von Säugetieren, also beispielsweise Rind, Schwein oder Pferd.

Geflügel dagegen kann oft problemlos gegessen werden und es kann sein, dass der Mensch Fleisch von Tieren gut verträgt, die im jeweiligen Kulturkreis normalerweise nicht verzehrt werden, etwa Strauß oder Känguru. Bevor damit aber eigenständig experimentiert wird, sollte unbedingt der Arzt konsultiert werden. Jeder Kontakt mit Fleisch kann zu Symptomen der Fleischallergie führen, wenn es die allergenhaltige Sorte ist.



Vorbeugung

Bei der Fleischallergie treten nur dann Symptome auf, wenn allergenhaltiges Fleisch verzehrt wird. Vermeidet der Allergiker dieses, lebt er symptomfrei. Er sollte deshalb auf Fleischsorten ausweichen, die er nachweislich verträgt, und beim Auftreten von Symptomen umgehend den Arzt aufsuchen. Statt Fleisch kann auch auf Fisch ausgewichen werden.

Bei einer Fleischallergie entscheiden sich manche Allergiker auch für den vegetarischen oder veganen Lebensstil, da es heutzutage oft nicht einfach ist, die Herkunft von Fleisch genau zuzuordnen. Selbst, wenn in Deutschland genau angegeben werden muss, was in einem Fleischprodukt enthalten ist, kam es doch immer wieder zu Lebensmittelskandalen.

Zudem sollte weiterhin auf Bestandteile von Medikamenten geachtet werden, insbesondere aber auf a-Gal. Ein Kontakt mit diesem häufig zur Allergie führenden Zuckermolekül könnte für den Allergiker in extremen Fällen tödlich enden.

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