Enkopresis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. Juni 2017
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Enkopresis bezeichnet einen wiederholten, meist ungewollten Stuhlabgang. Das Einkoten übersteigt bei weitem die Qual, die Patienten bei etwa dem Bettnässen empfinden und stellt daher für Betroffene ein starkes psychisches Leiden dar. Unter Erwachsenen tritt die Enkopresis kaum auf, zudem findet sie im Gegensatz zu einer Inkontinenz meist am Tage statt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Enkopresis?

Unter der Enkopresis versteht man grundsätzlich das unkontrollierte Einkoten, welches zumeist unter Patienten im Kindesalter auftritt. Bemerkenswert ist bei dieser Form der Stuhlinkontinenz, dass die betroffenen Kinder zuvor bereits gelernt hatten, ihren Darm zu kontrollieren.

Die Enkopresis tritt dann aufgrund verschiedenster Ursachen plötzlich auf. Dies bedeutet für die Kinder eine erhebliche seelische Belastung, da die Enkopresis meist tagsüber und nicht in der Nacht auftritt. In vielen Fällen ist eine Enkopresis mit Störungen des Verdauungstraktes wie etwa verhärtetem Stuhl oder auch chronischer Verstopfung verbunden.

Ursachen

Die Ursachen einer Enkopresis können äußerst unterschiedlich sein. Im Allgemeinen unterscheiden Ärzte hier zwischen der nicht-retentiven und der retentiven Enkopresis.

Im Falle einer nicht-retentiven Enkopresis liegen die Ursachen für die Erkrankung in psychischen Problemen. Diese können infolge von Stresszuständen wie etwa Traumata oder tiefgreifende Veränderungen der Lebensumstände des Kindes auftreten. Auch besteht bei einer nicht-retentiven Enkopresis die Möglichkeit, dass das betroffene Kind an einer geistigen Zurückgebliebenheit leidet.

Neben diesen unbewussten Formen des Einkotens existiert die retentive Enkopresis, wobei die Patienten zunächst ganz bewusst den Stuhlgang zurückhalten. Dies geschieht meist in Fällen einer Erkrankung des Darm- oder Analbereichs wie beispielsweise bei Hämorrhoiden. Aufgrund der dadurch verursachten Schmerzen beim Stuhlgang vermeiden die Kinder den Gang zur Toilette solange, bis sie ihren Stuhl nicht mehr zurückhalten können und schließlich einkotet.

Wann zum Arzt?

Bei einem ungewollten und nicht kontrollierbaren Einkoten sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu einer Zunahme der Beschwerden durch eine vermehrte Häufigkeit oder Intensität, muss ein Arzt konsultiert werden. Er klärt ab, ob es sich bei dem Einkoten um eine virusbedingte Reaktion des Körpers handelt und prüft die Funktionsfähigkeit der Organe. Sind diese Ursachen auszuschließen, besteht das Risiko, dass sich das Einkoten unwillkürlich wiederholt.

Daher müssen Behandlungsmaßnahmen oder Therapien für eine Linderung eingeleitet werden. Treten Gefühle wie Scham, Schuld oder ein Rückzugsverhalten auf, können langfristig weitere psychische Erkrankungen entstehen. Es sollte ein Arzt aufgesucht werden, sobald es zu Stimmungsschwankungen, depressiven Zuständen oder Antriebslosigkeit kommt. Kann aufgrund der Beschwerden die Teilnahme am alltäglichen Leben und gewohnten Freizeitaktivitäten nicht mehr wie gewohnt stattfinden, sollte ein Arzt konsultiert werden.

In vielen Fällen werden Reisen abgesagt oder Übernachtungen außerhalb des eigenen Heims abgelehnt. Seelische und emotionale Probleme treten auf. Kommt es zu Verhaltensänderungen oder aggressiven Tendenzen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Wird die Essensaufnahme verweigert, um das Einkoten zu verhindern, ist eine Gewichtsabnahme die Folge. Um eine Essstörung oder eine Unterversorgung des Organismus vorzubeugen, muss ein Arzt hinzugezogen werden, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann.

Symptome und Verlauf

Die Symptome einer Enkopresis liegen nicht nur in der Tatsache des Einkotens selbst. Allgemein lässt sich sagen, dass das Leiden Jungen etwa 3 Mal häufiger trifft als Mädchen. Zudem tritt eine Enkopresis fast niemals allein auf - sie ist meist verbunden mit einer Enuresis, also dem Bettnässen. Kinder, die von der Erkrankung betroffen sind, verhalten sich häufig sehr abwehrend, wenn sie auf die Thematik angesprochen werden und geben häufig an, das Einkoten selbst gar nicht zu bemerken. Man unterscheidet bei der Enkopresis zwischen zwei Arten: Bei der primären Enkopresis haben Kinder sind Kinder im Alter von etwa 4 Jahren noch immer auf Windeln angewiesen, bei der sekundären Enkopresis verlernen Kinder den Stuhlgang wieder, obwohl sie zuvor bereits als "sauber" galten.

Diagnose

Besteht der Verdacht einer Enkopresis, muss von einem Facharzt auf zweierlei Art und Weise bei der Untersuchung vorgegangen werden. So beginnt die Diagnose mit einer Anamnese, in deren Rahmen ein Gespräch mit den Eltern des betroffenen Kindes geführt wird. Hierbei muss Auskunft zum Stuhlgang des Patienten gegeben werden. So wird beispielsweise nach der Häufigkeit oder auch nach Besonderheiten des unfreiwilligen Einkotens gefragt. Außerdem werden die Kinder körperlich neurologisch sowie an den Genitalien und dem Rücken untersucht. Zudem müssen organische Ursachen einer Enkopresis durch beispielsweise Untersuchungen des Stuhls ausgeschlossen werden, da unter anderem immer die Möglichkeit des Vorliegens eines Megakolons besteht.

Komplikationen

Eine Enkopresis führt nicht selten auch zu psychischen Beschwerden. Diese können dabei nicht nur beim Patienten selbst, sondern auch bei den Eltern des Kindes auftreten. Dabei kommt es nicht selten zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen. In vielen Fällen leiden Kinder durch die Enkopresis auch an Mobbing und Hänseleien, falls dieses Verhalten von Mitschülern oder Freunden bemerkt wird. Es kommt dabei zu einer Stuhlinkontinenz und weiterhin auch zu Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen. Weiterhin kann es auch zu einem blutigen Stuhlgang kommen, der nicht selten zu Panikattacken oder Schweißausbrüchen führt.

Die Patienten nehmen dann absichtlich weniger Nahrung und Flüssigkeit zu sich, um die Toilette weniger häufig aufsuchen zu müssen. Durch das Zurückhalten des Stuhlgangs kann es zu einer erhöhten Reizbarkeit oder einer Blässe des Betroffenen kommen. Ebenso treten Verstopfungen und Blähungen auf, die die Lebensqualität des Betroffenen deutliche einschränken. Die Behandlung der Enkopresis kann mit Hilfe von Medikamenten oder durch verschiedene Therapien erfolgen. Dabei kommt es in der Regel zu keinen weiteren Komplikationen. Allerdings kann es mehrere Monate andauern, bis die Behandlung zu einem Erfolg führt und sich ein positiver Krankheitsverlauf einstellt.

Behandlung und Therapie

Aufgrund der vielfältigen Ursachen, denen eine Enkopresis zugrunde liegen kann, bestehen auch vielfältige Möglichkeiten einer Therapie. So bietet sich bei einer nicht-retentiven Enkopresis in erster Linie eine psychotherapeutische Therapie an. Hierbei muss, zunächst in einzelnen Sitzungen und Therapiemaßnahmen, der Ursprung der Enkopresis beim Kind geklärt werden. Zudem müssen Ängste und Schamgefühle, die im Rahmen des Leidens auftreten, beseitigt werden. In vielen Fällen werden die Eltern aktiv in die Therapie mit einbezogen.

Parallel zu den Sitzungen muss die Kontrolle des Stuhlgangs durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen neu eingeübt werden. Außerdem erlernen die betroffenen Kinder Möglichkeiten der Entspannung und Selbstberuhigung, da häufig psychosozialer Stress, der nicht abgebaut wird, einen Großteil zur Enkopresis beisteuert.

Zeigen diese Therapiemaßnahmen nach etwa 3 bis 6 Monaten noch keinen Erfolg, wird meist mit einer teilstationären oder stationären Behandlung angesetzte, wobei tiefer gehende psychische Betreuung angewandt wird.

Bei Vorliegen einer retentiven Enkopresis hingegen genügt eine ausreichende rein körperliche Untersuchung, woraufhin die Erkrankung je nach Ursache ärztlich behandelt wird. Meist werden hier zunächst Abführmittel gegeben, um den Stuhlgang angenehmer zu gestalten. Eine psychotherapeutische Maßnahme ist hier meist nicht von Nöten.



Vorbeugung

Die Vorbeugung einer nicht-retentiven Enkopresis gestaltet sich meist schwierig, da psychische Ursachen zugrunde liegen. Jedoch sollte nicht nur im Zusammenhang mit dem unbewussten Einkoten darauf geachtet werden, unnötigen psychischen Stress möglichst von den Kindern abzuwenden. Präventiv sollte zudem auf eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen Acht gegeben werden, um dem Kind den Stuhlgang so angenehm wie möglich zu gestalten und keine Schmerzen zu verursachen. Sobald Kinder den täglichen Stuhlgang mit negativen Gefühlen verbinden, ist eine Enkopresis eine schnelle Folge.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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