Enkopresis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Oktober 2016
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Enkopresis bezeichnet einen wiederholten, meist ungewollten Stuhlabgang. Das Einkoten übersteigt bei weitem die Qual, die Patienten bei etwa dem Bettnässen empfinden und stellt daher für Betroffene ein starkes psychisches Leiden dar. Unter Erwachsenen tritt die Enkopresis kaum auf, zudem findet sie im Gegensatz zu einer Inkontinenz meist am Tage statt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Enkopresis?

Unter der Enkopresis versteht man grundsätzlich das unkontrollierte Einkoten, welches zumeist unter Patienten im Kindesalter auftritt. Bemerkenswert ist bei dieser Form der Stuhlinkontinenz, dass die betroffenen Kinder zuvor bereits gelernt hatten, ihren Darm zu kontrollieren.

Die Enkopresis tritt dann aufgrund verschiedenster Ursachen plötzlich auf. Dies bedeutet für die Kinder eine erhebliche seelische Belastung, da die Enkopresis meist tagsüber und nicht in der Nacht auftritt. In vielen Fällen ist eine Enkopresis mit Störungen des Verdauungstraktes wie etwa verhärtetem Stuhl oder auch chronischer Verstopfung verbunden.

Ursachen

Die Ursachen einer Enkopresis können äußerst unterschiedlich sein. Im Allgemeinen unterscheiden Ärzte hier zwischen der nicht-retentiven und der retentiven Enkopresis.

Im Falle einer nicht-retentiven Enkopresis liegen die Ursachen für die Erkrankung in psychischen Problemen. Diese können infolge von Stresszuständen wie etwa Traumata oder tiefgreifende Veränderungen der Lebensumstände des Kindes auftreten. Auch besteht bei einer nicht-retentiven Enkopresis die Möglichkeit, dass das betroffene Kind an einer geistigen Zurückgebliebenheit leidet.

Neben diesen unbewussten Formen des Einkotens existiert die retentive Enkopresis, wobei die Patienten zunächst ganz bewusst den Stuhlgang zurückhalten. Dies geschieht meist in Fällen einer Erkrankung des Darm- oder Analbereichs wie beispielsweise bei Hämorrhoiden. Aufgrund der dadurch verursachten Schmerzen beim Stuhlgang vermeiden die Kinder den Gang zur Toilette solange, bis sie ihren Stuhl nicht mehr zurückhalten können und schließlich einkotet.

Symptome und Verlauf

Die Symptome einer Enkopresis liegen nicht nur in der Tatsache des Einkotens selbst. Allgemein lässt sich sagen, dass das Leiden Jungen etwa 3 Mal häufiger trifft als Mädchen. Zudem tritt eine Enkopresis fast niemals allein auf - sie ist meist verbunden mit einer Enuresis, also dem Bettnässen. Kinder, die von der Erkrankung betroffen sind, verhalten sich häufig sehr abwehrend, wenn sie auf die Thematik angesprochen werden und geben häufig an, das Einkoten selbst gar nicht zu bemerken. Man unterscheidet bei der Enkopresis zwischen zwei Arten: Bei der primären Enkopresis haben Kinder sind Kinder im Alter von etwa 4 Jahren noch immer auf Windeln angewiesen, bei der sekundären Enkopresis verlernen Kinder den Stuhlgang wieder, obwohl sie zuvor bereits als "sauber" galten.

Diagnose

Besteht der Verdacht einer Enkopresis, muss von einem Facharzt auf zweierlei Art und Weise bei der Untersuchung vorgegangen werden. So beginnt die Diagnose mit einer Anamnese, in deren Rahmen ein Gespräch mit den Eltern des betroffenen Kindes geführt wird. Hierbei muss Auskunft zum Stuhlgang des Patienten gegeben werden. So wird beispielsweise nach der Häufigkeit oder auch nach Besonderheiten des unfreiwilligen Einkotens gefragt. Außerdem werden die Kinder körperlich neurologisch sowie an den Genitalien und dem Rücken untersucht. Zudem müssen organische Ursachen einer Enkopresis durch beispielsweise Untersuchungen des Stuhls ausgeschlossen werden, da unter anderem immer die Möglichkeit des Vorliegens eines Megakolons besteht.

Behandlung

Aufgrund der vielfältigen Ursachen, denen eine Enkopresis zugrunde liegen kann, bestehen auch vielfältige Möglichkeiten einer Therapie. So bietet sich bei einer nicht-retentiven Enkopresis in erster Linie eine psychotherapeutische Therapie an. Hierbei muss, zunächst in einzelnen Sitzungen und Therapiemaßnahmen, der Ursprung der Enkopresis beim Kind geklärt werden. Zudem müssen Ängste und Schamgefühle, die im Rahmen des Leidens auftreten, beseitigt werden. In vielen Fällen werden die Eltern aktiv in die Therapie mit einbezogen.

Parallel zu den Sitzungen muss die Kontrolle des Stuhlgangs durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen neu eingeübt werden. Außerdem erlernen die betroffenen Kinder Möglichkeiten der Entspannung und Selbstberuhigung, da häufig psychosozialer Stress, der nicht abgebaut wird, einen Großteil zur Enkopresis beisteuert.

Zeigen diese Therapiemaßnahmen nach etwa 3 bis 6 Monaten noch keinen Erfolg, wird meist mit einer teilstationären oder stationären Behandlung angesetzte, wobei tiefer gehende psychische Betreuung angewandt wird.

Bei Vorliegen einer retentiven Enkopresis hingegen genügt eine ausreichende rein körperliche Untersuchung, woraufhin die Erkrankung je nach Ursache ärztlich behandelt wird. Meist werden hier zunächst Abführmittel gegeben, um den Stuhlgang angenehmer zu gestalten. Eine psychotherapeutische Maßnahme ist hier meist nicht von Nöten.



Vorbeugung

Die Vorbeugung einer nicht-retentiven Enkopresis gestaltet sich meist schwierig, da psychische Ursachen zugrunde liegen. Jedoch sollte nicht nur im Zusammenhang mit dem unbewussten Einkoten darauf geachtet werden, unnötigen psychischen Stress möglichst von den Kindern abzuwenden. Präventiv sollte zudem auf eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen Acht gegeben werden, um dem Kind den Stuhlgang so angenehm wie möglich zu gestalten und keine Schmerzen zu verursachen. Sobald Kinder den täglichen Stuhlgang mit negativen Gefühlen verbinden, ist eine Enkopresis eine schnelle Folge.

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