Achillessehnenriss

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Mai 2017
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Unter Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) versteht man die plötzlich auftretende, äußerlich nicht sichtbare Durchtrennung der Sehne zwischen Fersenhöcker und Wadenmuskulatur (Achillessehne). Meist tritt dieser Riss in Folge starker Muskelanspannung bei sportlichen und körperlichen Belastungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Achillessehnenriss?

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Medikamente gegen: Sportverletzungen

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Menschen. Sie verbindet den Fersenknöchel mit dem kräftigen dreiköpfigen Wadenmuskel. Damit ist die Achillessehne für das Gehen, Laufen und Springen unabdingbar.

Ein Achillessehnenriss oder Achillessehnenruptur ereignet sich meist an der schwächsten Stelle der Sehne etwa 5 cm über ihrem Ansatz am Fersenbein. Statistisch sind weitaus mehr Männer als Frauen von einer Achillessehnenruptur betroffen.

In seltenen Fällen findet ein Achillessehnenriss auch an der Ansatzstelle der Sehne am Knochen statt. Meistens führt der Achillessehnenriss zu einer vollständigen Durchtrennung der Sehne. Einen Achillessehnenriss, der die Sehne nur anreißt, bezeichnen die Ärzte als partielle Achillessehnenruptur.

Achillessehnenriss

Ursachen

Zu einem Achillessehnenriss kommt es bei plötzlicher Überbelastung. Zum Beispiel ein Sprint oder drehende Sprungbewegungen beim Tennis können zu einem Achillessehnenriss führen. Allerdings passiert das meist nur, wenn die Sehne vorgeschädigt oder zu schwach ist.

Überhaupt ist der Altersdurchschnitt der Patienten, die einen Achillessehnenriss erleiden, zwischen 30 und 50 Jahren, wobei jenseits der Vierziger der Achillessehnenriss deutlich gehäuft auftritt. In dieser Altersgruppe hat die Stärke der Sehne schon etwas nachgelassen.

Trifft der Achillessehnenriss jüngere Menschen, sind meistens Vorerkrankungen vorausgegangen. Entzündliche Sehnenreizungen und feinste, unbemerkt verlaufene Risse haben die Sehne geschwächt. Einige Krankheiten wie Diabetes und Arthrosen gelten als Risikofaktoren für den Achillessehnenriss.

Auch untrainierte Menschen, die sich zu viel vornehmen, erleiden den Achillessehnenriss. In der Gruppe der jüngeren Patienten sind vielfach Sportler, die das Aufwärmtraining vor der eigentlichen Arbeitsphase unterlassen haben. Sehr selten führen Verletzungen wie Stöße, Tritte oder gar Stiche zum Achillessehnenriss.

Wann zum Arzt?

Bei plötzlich auftretenden Schmerzen in der Wade, ist ein Arzt schnellstmöglich aufzusuchen. Ein Riss der Achillessehne führt zu sofortigen Problemen bei der Fortbewegung. Der Fuß kann nicht mehr wie gewohnt mit dem Eigengewicht belastet werden. Das lässt das Stehen, Gehen oder Laufen unmöglich werden. Der Betroffene humpelt und muss gestützt werden.

Treten Schwellungen am Fuß und der Wade auf, wird eine medizinische Versorgung der Körperregion benötigt. Entstehen Hautschädigungen, können Keime in den Organismus gelangen und zu weiteren Entzündungen oder Infektionen führen. Daher ist ein Arztbesuch notwendig und eine Desinfektion sowie eine Behandlung müssen eingeleitet werden. Hautrötungen und Veränderungen des Gewebes sind von einem Arzt abzuklären. Kommt es durch die Schmerzen zu einem Herz-Kreislauf-Problem, Übelkeit oder Schwindel, sollte sich der Betroffene sofort hinsetzen und genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Halten die Beschwerden an, wird ein Arzt benötigt, der ihn versorgt und stabilisiert.

Bei Einblutungen, Blutergüssen oder Beschwerden durch leichte Druckausübung an der Ferse, ist ein Arzt zu konsultieren. Es können Störungen der Durchblutung vorliegen, die kontrolliert und behandelt werden müssen, damit sich kein Blutgerinnsel bildet. In schweren Fällen kommt es zu einem Herzrasen und Bluthochdruck. Damit steigen die Risiken, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Achillessehnenriss:

  • Hautdellen im Sehnenverlauf

Der Riß der Achillessehne wird in der Regel durch einen hörbar peitschendenden Knall (Peitschenhieb) begleitet. Der betroffene verspürt häufig heftige Schmerzen im Bereich der Ferse. Der Betroffene kann den Fuß anschließend nicht mehr richtig durchstrecken und nur noch mit Hilfeleistung laufen.

Äußere Verletzungen sind beim Achillessehnenriss meist nicht erkennbar. Ein offener Achillessehnenriss kommt nur selten vor.

Mit Hilfe der Physiotherapie sowie einer konsequenten Nachbehandlung gelingt es sehr häufig, die ursprüngliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit der Sehne wiederherzustellen. Ob es zu Komplikationen kommt, ist von der jeweiligen Therapie abhängig.

Wird die Achillessehne operativ behnadelt, kann es zu Infektionen oder Störungen in der Wundheilung kommen. Diese gibt es in der konservativen Therapie ohne Operation nicht.

Diagnose

Die Diagnose bei einem Achillessehenriss ist meist sehr eindeutig. Nachdem der Arzt während des Patientengespräches den Unfallhergang erfragt hat, erkennt dieser den Achillessehnenriss schnell. Einerseits kann der Patient, nur auf dem verletzten Bein stehend, nicht die Ferse vom Boden abheben und andererseits ist an der Haut direkt über der Achillessehne eine Delle zu ertasten.

Folgend wird das Ausmaß des Achillessehnenrisses genauer unterucht. Ob die Sehne komplett oder nur teilweise gerissen ist, wird nach der Magnetresonanztomographie (MRT) deutlich. Eine Ultraschalluntersuchung ermöglicht die genaue Rissstelle zu überprüfen und zu bestimmen.

Befindet sich der Riss der Achillessehne in der Nähe des Fersenbeines, kann die Sehne dabei ein Knochenteil herausreissen. Um diesen Verdacht auszuschließen, wird mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung eine mögliche Beschädigungen des Knochens untersucht.

Komplikationen

Ein Achillessehnenriss, auch Achillessehnenruptur genannt, stellt eine komplette Durchtrennung der Achillessehne dar. Diese kann zu einem Kraftverlust führen, wenn nicht umgehend eine medizinische Versorgung eingeleitet wird. Innerhalb von zwei bis vier Monaten bildet sich neues Sehnenregenerat. Das aber ist im Vergleich zur natürlichen, intakten Sehne kein vollwertiger Ersatz. Deshalb sind meistens langfristige oder auch dauerhafte Beeinträchtigungen nicht selten. Eine Operation führt normalerweise zur vollständigen Wiederherstellung der Achillessehne. Allerdings kann es auch hier zu Komplikationen kommen.

Nicht auszuschließen sind:

  • Strukturverletzungen der näheren Umgebung
  • Blutgerinnsel
  • Blutergüsse
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Wundheilungsstörungen sowie Wundinfektionen
  • Nervenverletzungen, aus denen Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen resultieren können
  • allergische Reaktionen
  • überschießende Narbenbildung
  • Sensibilitätsstörungen im Bereich der Operationsnarbe

Bei Verwendung einer Blutstauungsmanschette kann es zu Druckschäden, zum Beispiel Lähmungen, kommen. Das Risiko einer Beinvenenthrombose sollte bei einem Achillessehnenriss berücksichtigt werden. Postoperativ (nach der Operation) kann es zu vorübergehenden oder lang anhaltenden Schwellungen kommen. Diese können die Therapie beeinträchtigen. Die Anpassung der (speziellen) Schuhe gestaltet sich dann relativ schwierig. Seltener kommt es zu einer Re-Ruptur. Der Verband kann zu Gefäß- und Nervenschädigungen führen. Durch die eingeschränkte Bewegung kann evtl. eine Muskelschwäche resultieren. Seltener ist ein Sudek-Syndrom (Knochenabbau mit Entzündungsmerkmalen) die Folge.

Behandlung und Therapie

Wer einen Achillessehnenriss erlitten hat, muss schnellstens zum Arzt. Denn je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Chancen auf eine komplette Genesung. Eine vollständige Belastung des Sprunggelenkes wird so wieder möglich. Bis der Patient beim Arzt ist sollten Ersthelfer das Sprunggelenk ruhigstellen und kühlen. Der Orthopäde entscheidet dann, wie der Achillessehnenriss zu behandeln ist.

In Deutschland ist meistens die Operation das Mittel der Wahl. Der Chirurg näht die beiden Enden der Sehne zusammen. Dabei verbindet er die Achillessehne zur Verstärkung manchmal mit einer Nachbarsehne. Operiert wird der Achillessehnenriss überwiegend bei jüngeren Patienten. Denn das verspricht die beste Aussicht darauf, dass sich ein Achillessehnenriss nicht wiederholt.

Nach der Operation stellt der Arzt das Sprunggelenk für einige Tage mit einem Gipsverband oder einer Stiefel-Orthese ruhig. Dann darf eine vorsichtige Belastung unter Anweisung eines Physiotherapeuten beginnen. Bei älteren Patienten neigen die Ärzte beim Achillessehnenriss zur konservativen Behandlung. Dabei wird das Sprunggelenk ohne vorhergehende Operation fixiert.



Vorbeugung

Ein regelmäßiges Training ist die beste Vorbeugung gegen einen Achillessehnenriss. Spitzenleistungen sind dafür gar nicht erforderlich, wichtig ist nur, dass die Sehne gefordert und ausreichend gedehnt wird.

So erhält sie ihre Elastizität und eine ausreichende Stärke für gelegentliche höhere Belastungen. Desweiteren ist die Aufwärmphase vor dem Sport niemals zu vernachlässigen.

Dazu gehören auch Dehnübungen, mit denen die Sehne gut vorbereitet wird und so besser gegen einen Achillessehnenriss geschützt ist. Während des Sportes ist eine kontinuierliche Leistungssteigerung ratsam. Sofortiges lossprinten kann einen Achillessehnenriss provozieren.

Der normale Alterungsprozess kann nicht aufgehalten werden und das gilt auch für die Sehnen. Sport sollte altersgemäß sein und keine Überbeanspruchung darstellen. Auch das hilft, einem Achillessehnenriss vorzubeugen.

Bücher über Achillessehnenriss

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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