Übereinander liegende Zehen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. Mai 2017
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Rücken die einzelnen Fußzehen immer weiter zusammen oder schieben sie sich sogar zu übereinander liegende Zehen zusammen, sind oft falsche Schuhe der Auslöser. Lesen Sie, welche weiteren Faktoren die Fehlstellungen der Zehen verursachen, welche Therapien dagegen helfen und was vorbeugend stärkt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind übereinander liegende Zehen?

Fehlstellungen der Fußzehen gehören zu den häufigsten Problemen unter den Fußerkrankungen. Vor allem Frauen haben häufig mit dem Problem zu kämpfen, schmerzhafte Zehenverschiebungen am Fuß zu beheben. Beim so genannten Hallux valgus schiebt sich der große Zeh, auch Ballenzeh oder Ballengroßzehe genannt, schrittweise nach innen. Schuld daran ist der erste Mittelfußknochen: Er wandert in Richtung Fußaußenseite, wodurch sich der obere Teil des Fußes nach und nach verbreitert.

Bei diesem Prozess zieht sich die Großzehe nach innen und bedrängt die mittleren Zehen schließlich so stark, dass sie sich übereinander legen. Häufig schiebt sich der große Zeh über oder unter die anderen Zehen, so dass sich in einigen Fällen durch die Enge auch der dritte Zeh über den vierten Zeh legt. Diese Fehlstellung verursacht bei vielen Betroffenen Schmerzen, nicht nur an den Stellen, wo der Ballenzeh an den Schuh drückt, sondern auch an den mittleren Zehen und an den entstehenden Schwielen am Fuß.

Ursachen

Eine der Hauptursachen für den so genannten Hallux valgus und den meist dadurch entstandenden übereinanderliegenden Zehenbereich besteht im Tragen von falschen Schuhe. Und weil besonders Frauen dazu neigen, ihre Füße in zu enge und spitze Schuhe zu drücken, leiden sie wesentlich häufiger unter diesem Zehenproblem als Männer. Doch auch eine genetische Veranlagung oder ein schwaches Bindegewebe können dazu führen, dass sich der große Zeh Schritt für Schritt verformt und sich über die anderen legt.

Des Weiteren kann sich durch Übergewicht, häufiges Stehen oder durch rheumatische Erkrankungen das Risiko für dieses Fußproblem deutlich erhöhen. Auch Faktoren, die eine Bindegewebsschwäche verursachen, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft oder entsprechende Medikamente, können die Fehlstellung der Zehen auslösen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

In der Regel sollte bei übereinander liegenden Zehen immer dann ein Arzt aufgesucht werden, falls die Zehen schmerzen und das gewöhnliche Laufen und Tragen von Schuhen nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Dadurch kann der Alltag des Patienten stark eingeschränkt werden. In diesem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, da die schmerzenden Zehen nicht von alleine wieder verschwinden werden. Meistens ist bei einer Behandlung durch den Arzt ein operativer Eingriff notwendig, in welchem der Arzt aus dem Knochen ein Stück entfernt.

Der Arzt muss auch dann aufgesucht werden, wenn aufgrund der übereinander liegenden Zehen Entzündungen und Infektionen an den Zehen auftreten. Diese können ebenso sehr schmerzhaft sein und sollten immer durch einen Doktor untersucht werden. Der Arzt kann allerdings auch dann aufgesucht werden, wenn die Zehen ästhetisch nicht ansprechend aussehen. Auch in diesem Fall kann der Arzt diese begradigen. Sie treten vor allem im höheren Alter auf und stellen ein gewöhnliches Symptom dar. Falls die Zehen allerdings nicht schmerzen und der Patient mit dem Aussehen der Zehen nicht unzufrieden ist, müssen diese auch nicht operiert werden.

Diagnose und Verlauf

Um eine präzise Diagnose zu stellen, untersucht der Facharzt zunächst den ganzen Fuß und tastet ihn ab. Zumeist folgt eine Röntgenuntersuchung, um festzustellen, in welchem Stadium sich die Fehlstellung befindet. Anhand des Röntgenbildes kann außerdem festgestellt werden, ob das Grundgelenk der Großzehe verformt ist. Eine Gelenkverformung kann unter Umständen auch zu einer Arthrose führen, weil sich das Fußgelenk durch eine Fehlstellung leichter abnutzt.

Die unnatürliche Komposition der Fußzehen entsteht schrittweise als Folgeerkrankung im Fußbereich. In den meisten Fällen beginnt das Fußleiden mit dem so genannten Spreizfuß. Er bewirkt zunächst, dass sich der vordere Fußteil verbreitert. Dieser Prozess wirkt sich schmerzhaft auf die mittleren Zehen aus und verursacht dort Hornhaut, Schwielen und in manchen Fällen Hühneraugen.

Im nächsten Schritt drückt sich der große Zeh zu den mittleren Zehen, während sich zugleich die Innenseite des Fußes leicht wölbt. Dieses Stadium gilt als Beginn der Hallux-valgus-Erkrankung, die im weiteren Verlauf zur Übereinanderstellung der Zehen, Schwellung des Ballens oder einer Schleimbeutelentzündungen führen kann.

Komplikationen

Übereinander liegende Zehen sind ein häufiges Endergebnis, wenn jahrelang zu enge Schuhe getragen wurden. Als Komplikation können bei Diabetikern, die vom diabetischen Fuß betroffen sind, Druckstellen durch Reibung entstehen. Praktisch keine normalen Schuhe passen mehr. Um mit übereinander liegenden Zehen gehen zu können, werden oft Sandalen mit Klettverschluss genutzt. Das Gehen wird jedoch mit zunehmendem Alter erschwert. Da bei einem diabetischen Fuß Druckstellen dramatische Folgen bis zur Amputation zeitigen können, sollten übereinander liegende Zehen korrigiert werden. Bei operativen Korrekturen an den Füßen von Diabetikern geht es nicht um eine bessere Optik. Es geht vielmehr darum, die Druckstellen zu entfernen. Nur so können die möglichen Folgeerscheinungen eines diabetischen Fußes rechtzeitig verhindert werden.

Bei der Operation übereinander liegender Zehen können diese unter Narkose begradigt werden. Gegebenenfalls werden Zehen entfernt. Der Begradigungs-Eingriff zeitigt bis zur Abheilung schmerzhafte Folgen. Er verläuft im Endergebnis aber meistens gut. Nach einer Amputation von Zehen muss der Patient sich oft erst wieder an das Gehen gewöhnen. Jeder Zeh übernimmt dabei eine stützende Funktion. Diese fehlt nun. Um Komplikationen durch übereinander liegende Zehen zu vermeiden, ist bereits im Vorfeld ihrer Entstehung Sorge dafür zu tragen, dass die Fußgesundheit erhalten wird. Druckstellen sind leicht zu vermeiden. Häufiger Schuhwechsel wird angeraten.

Behandlung und Therapie

Als Therapie versorgt der Arzt den Fuß zunächst mit Einlagen, Schaumstoffpolstern, Nachtlagerungsschienen oder Bandagen, um die Schmerzen zu lindern. Auch Schaumstoffkeile zwischen den einzelnen Zehen helfen in vielen Fällen, den Bereich der Zehen zu entlasten und die Beschwerden zu verringern. Obwohl durch nächtliche Schienen und Bandagen die falsche Zehenstellung für eine bestimmte Zeit korrigiert werden kann, lässt sich die Erkrankung dadurch nicht ganz ausheilen.

Notwendig ist daher immer eine Operation. Dabei schneidet der Spezialist aus dem Knochen der großen Zehe einen Keil heraus. Dieser Eingriff begradigt den Ballenzeh und sorgt dafür, dass auch die anderen Zehen in ihre natürliche Stellung zurückkehren können. Allerdings bleibt der große Zeh häufig nach einer solchen Operation unbeweglich. Um die Heilung nach einem Eingriff zu unterstützen, sollten die Patienten für einige Monate Schienen tragen und den Fuß hoch lagern. Des Weiteren gilt Physiotherapie als wichtiges therapeutisches Instrument nach der Operation. Die gymnastischen Übungen stärken die Muskulatur und mobilisieren die Beweglichkeit der Gelenke.



Vorbeugung

Um eine Zehenfehlstellung langfristig zu vermeiden, sollten vor allem Schuhe getragen werden, die sich bequem und locker anfühlen. Weil sich Füße im Verlauf des Tages vergrößern, ist es sinnvoll, zum abendlichen Ausgehen Schuhe mit einer größeren Nummer zu tragen. Auch regelmäßige Fuß- und Zehengymnastik, bei der die große Zehe häufig von den anderen abgespreizt wird, wirkt dem Übereinanderliegen von Zehen entgegen.

Sie stärkt auf Dauer die Muskulatur und sorgt für ein straffes Bindegewebe. Zudem beugt häufiges Barfußlaufen Fehlstellungen der Zehen vor, denn es bewirkt, dass die natürliche Fußstellung beibehalten und gestärkt wird. Betroffenen, die eine Veranlagung zum Hallux valgus haben, helfen außerdem regelmäßige Fußbäder und Fußmassagen.

Bücher über Gelenkerkrankungen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Strahm kommentierte am 20.06.2016 um 12:19 Uhr

Meine Frau (70 Jahre alt) leidet unter einer Fehlstellung der Zehen, hervorgerufen durch einen Hallux der den großen Zeh nach innen verschiebt und damit auch die Lage der anderen Zehen beeinträchtigt. Sie hat mit Keilen und Schaumstoffeinlagen so ziemlich alles versucht, aber ohne echten Erfolg. Gibt es keine "Fußschuhe" (so wie die Handschuhe bei Velorennfahrern), vorne offen mit einem stabilen Spreizeffekt, um den Zehen mehr Platz zu bieten? Für eine Antwort danken wir Ihnen.