Vakuumbiopsie


Aktualisiert am 13. Februar 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Vakuumbiopsie ist eine optimierte Variante der Nadelbiopsie und dient der Entnahme von auffälligem Gewebe. Speziell an der weiblichen Brust und der männlichen Prostata kommt die minimalinvasive Methode häufig zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Biopsie/ Vakuumbiopsie?

Krebsdiagnostik: Röntgengesteuerte Brustbiopsie (Vakuumbiopsie) zur Gewebeentnahme.

Biopsien sind Gewebeentnahmen mit anschließend histologischer, zytologischer oder laborchemischer Analyse. Zum Einsatz kommt die Biopsie im Rahmen von unterschiedlichen Gewebeveränderungen und hat vorwiegend diagnostische Zwecke. Offen Biopsie-Verfahren werden von geschlossenen Formen der Biopsie unterschieden. Die geschlossenen Formen der Biopsie entsprechen minimalinvasiven und damit schonenden Verfahren. Ein solches Verfahren ist die Vakuumbiopsie. Im Prinzip handelt es sich bei diesem Biopsie-Verfahren um eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Nadelbiopsie, die an sich bereits zu den minimalinvasiven Verfahren zählt.

Bei der Vakuumbiopsie wird mittels Unterdruck Gewebe von einer Nadel angesaugt und zur anschließenden Analyse aus dem Körper entfernt. Stereotaktisch gestützte Vakuumbiopsien der Brust gibt es seit 1996, als Burbank und Parker die Technik erstmals in den USA einsetzten. In Europa kam die Methode 1997 erstmals zur Anwendung.

Anwendungsgebiete

Die häufigsten Indikationen zur Vakuumbiopsie stellen Veränderungen der weiblichen Brust und verdächtige Gewebeveränderungen der Prostata. Die relevanteste Rolle spielt die Entnahme von Gewebe im Rahmen der Krebsdiagnostik. Nur die Histologie der entnommenen Stellen gibt sicheren Aufschluss über die Gutartigkeit oder den Grad der Bösartigkeit von Tumoren.

Bei der weiblichen Brust gelten in diesem Zusammenhang die BI-RADS-Kriterien. Wahrscheinlich gutartige Läsionen müssen nur bei Patientinnen mit einem entsprechenden Risikoprofil feingeweblich untersucht werden. Wahrscheinlich bösartige Befunde erfordern vor der Entnahme immer eine feingewebliche Befundung.

Mikrokalzifikationen, also minimale Kalziumablagerungen, lassen sich mittels anderer Verfahren kaum abklären. Daher bleibt die Biopsie in diesem Fall die diagnostisch einzige Möglichkeit. Abhängig von der Größe einer Gewebeveränderung sind auch andere Ablagerungen möglicherweise nicht zufriedenstellend abzuklären und erfordern deshalb eine Biopsie. Da der Patient nicht unnötig belastet werden soll, kommen bei der Indikation zu Biopsien bevorzugt minimalinvasive Eingriffe zum Einsatz.

Die Vakuumbiopsie zählt zu den schonendsten Biopsie-Verfahren und ist weiteren Techniken der Probeentnahme deshalb soweit wie möglich vorzuziehen. Kontraindikationen ergeben sich mit unzureichender Blutgerinnung sowie Befunden nahe der Haut.

Methoden und Verfahren

Die Prostatavakuumbiopsie und die Mammavakuumbiopsie sind die bekanntesten Verfahren der Saugbiopsie. Beiden Einsatzgebieten gemein, sind die Komponenten der Gewebeentnahme. Neben einer Interventionsnadel zur Durchdringung des Biopsie-Bereichs ist eine innere Schneidkanüle zur Gewebeauslösung erforderlich. Außerdem beinhaltet die Vakuumbiopsie einen Driver, der mit Zahnrädern an der Interventionsnadel hängt und die Kanüle zur Schnittsetzung in kreisenden Bewegungen hin und her bewegt. Das Herzstück jeder Vakuumbiopsie ist die Vakuumpumpe, die in der Biopsie-Kammer Unterdruck erzeugt. Das angesaugte Gewebe wird von einem winzigen Messer aus dem Gewebeverband getrennt und anschließend ins Labor geschickt, wo eine histologische, zytologische oder laborchemische Analyse durchgeführt wird. Zytologisch heißt die Zellen betreffend. Histologisch bedeutet das Gewebe betreffend.

Was muss der Patient beachten?

Am Tag einer Vakuumbiopsie müssen die Patientinnen oder Patienten nüchtern sein. Außer klarem Wasser dürfen sie nichts zu sich nehmen. Die Risiken und Nebenwirkungen des Eingriffs sowie alle relevanten Verhaltensanweisungen erhalten sie von ihrem betreuenden Arzt.

In der Regel bedarf die Probeentnahme trotz der schonenden Verfahrenstechnik einer stationäre Aufnahme in die Klinik. Zwar können die untersuchten Patienten in der Regel unmittelbar nach der Entnahme des betroffenen Gewebes in ihren normalen Alltag, allerdings müssen sie Anstrengungen wie Sport oder ähnliche Belastungen für mindestens 24 Stunden meiden.

Der winzige Einschnitt zur Gewebeentnahme per Vakuumbiopsie wird in den meisten Fällen mit einem einfachen Druckverband geschützt. Größere Nachsorgeuntersuchungen sind meist nicht erforderlich. Außerdem muss der Verband in den meisten Fällen nicht gewechselt werden, sondern wird alsbald wieder abgenommen.

Bei Schmerzen oder anderweitigen Veränderungen im biopsierten Bereich müssen die Patienten zur Nachkontrolle erscheinen. In allen anderen Fällen heilt der minimale Schnitt binnen kürzester Zeit ab. Bis etwa zwei Stunden nach der Biopsie sollten Patientinnen und Patienten nicht am Straßenverkehr teilnehmen, da ihr Kreislauf durch das örtliche Betäubungsmittel noch immer geschwächt ist. Abhängig von den Befunden kann nach der Vakuumbiopsie eine größere Operation zur Entnahme bösartiger Gewebeveränderungen erforderlich sein.

Durchführung - Wie läuft die Vakuumbiopsie ab?

Unter Lokalanästhesie wird Patienten bei der Vakuumbiopsie Gewebe entnommen. Patientinnen mit Brustveränderungen liegen dazu in Bauchlage auf einem Fischer-Tisch, der die betroffene Brust frei nach unten hängen lässt und die Komprimierung der Brust senkrecht zur Thorax-Wand zulässt. Durch die Einstichrichtung sind die Gewebeveränderung auf kürzest möglichem Weg erreichbar. Die jeweilige Veränderung im Gewebe wird mittels einer geraden Bildaufnahme sowie nach links und nach rechts verkippten Aufnahmen dargestellt, um die Tiefe der Gewebeauffälligkeit zu ermitteln. Daraufhin werden Einstichwinkel und Einstichtiefe berechnet, um die Läsion mittels Hohlnadel genau zu erreichen.

Nach einer Inzision der Haut dringt die Biopsie-Nadel bis an die vorher bestimmten Koordinaten vor. Stereotaktische Zielaufnahmen lassen die Überprüfung der korrekten Position zu.

Mit der Biopsie-Nadel durchbohrt der Arzt daraufhin die Läsion, bis er die Höhe des Entnahmefensters erreicht. Das geöffnete Biopsie-Fenster erzeugt einen Vakuumsog im Bereich 1, der das anliegende Gewebe ins Nadelinnere zieht.

Ein rotierendes Messer trennt das Gewebe ab. Ein Sog im Vakuumbereich 2 transportiert das abgeschnittene Biopsat zum hinteren Ende der Nadel, wo es sich herausnehmen lässt. Von mehreren Stellen wird auf diese Weise eine Probe genommen. Die Hautwunde verschließt der Arzt mit einem Pflaster.

Wer übernimmt die Kosten?

Vakuumbiopsien werden bei entsprechender Indikation von gesetzlichen wie auch privaten Krankenkassen übernommen. Vorausgesetzt ist dabei die medizinische Notwendigkeit der Gewebeentnahme. Diese Notwendigkeit bestätigt der behandelnde Arzt.

Risiken und Komplikationen

Zur Vakuumbiopsie ist keine Vollnarkose erforderlich. Sichtbare Narben oder Gewebsdefekte hinterlässt die Probeentnahme nicht. Auch die Schmerzen halten sich nach dem Eingriff in Grenzen. Nichtsdestotrotz kann es im Extremfall zur Hämatom-Bildung, zur Infektionen oder zu allergischen Reaktionen auf das örtliche Betäubungsmittel kommen. Bei den hohen Standards der westlichen Medizin treten solcherlei Komplikationen aber mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit auf. Allenfalls Kopfschmerzen, leichte Übelkeit und Kreislaufprobleme sind für den Tag des Eingriffs als Nebenwirkungen zu befürchten.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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