Sehtest - Ablauf, Kosten und Risiken


Medizinische Qualitätssicherung am 25. Januar 2020 von Dr. med. Nonnenmacher

Der Sehtest zählt zu den Standardverfahren der Augenheilkunde. Dabei werden unterschiedliche Prüfungen des Sehens sowie der visuellen Wahrnehmung vorgenommen. Benötigt ein Mensch aufgrund abnehmender Sehschärfe eine Sehhilfe, lässt sich dies durch einen Sehtest feststellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Sehtest?

Bei einem Sehtest handelt es sich um die Kontrolle der Sehschärfe (Visus) des menschlichen Auges. Darunter wird die Fähigkeit der Retina (Netzhaut) verstanden, zwei unterschiedliche Punkte getrennt wahrzunehmen. Die normale Sehschärfe des Menschen beträgt 1,0. Bei Jugendlichen fällt die Sehschärfe meist besser aus als bei erwachsenen Menschen. Mit zunehmendem Lebensalter ist dann eine Abnahme des Visus zu verzeichnen.

Augenärzte differenzieren zwischen Fernvisus und Nahvisus. Als Nahvisus gilt die Sehschärfe im Bereich von rund 40 Zentimetern. Sie dient vor allem zum Lesen. Vom Fernvisus ist die Rede bei einer Sehschärfe ab ca. einem Meter. Sie ist u. a. wichtig, um beim Autofahren Verkehrsschilder erkennen zu können.

Durchgeführt wird ein Sehtest nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern auch aus arbeitstechnischen Motiven, um spezielle Berufe ausüben zu können. Darüber hinaus muss ein Sehtest beim Erwerb eines Führerscheins erfolgen. So darf ein bestimmter Sehschärfenwert nicht unterschritten werden.

Wann wird ein Sehtest durchgeführt?

Vorgenommen wird ein Sehtest, wenn Verdacht auf eine Sehschwäche vorliegt. Dies ist meist der Fall, wenn die betroffene Person Gegenstände, die weit entfernt sind, nicht mehr gut erkennt oder beim Lesen die Texte nur noch verschwommen sieht. So lassen sich mit einem Sehtest Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie), Schwachsichtigkeit (Amblyopie), Halbseitenblindheit (Hemianopsie) oder Nachtblindheit feststellen.

Weitere Indikationen für einen Sehtest sind Schielen, Farbfehlsichtigkeiten wie eine Rot-Grün-Schwäche sowie Erkrankungen der Netzhaut wie eine Makuladegeneration.

Besonders wichtig sind Sehtests bei Kindern. So bedürfen die meisten Fehlsichtigkeiten wie zum Beispiel eine Hornhautverkrümmung eine frühzeitige Therapie, um einer dauerhaften Sehschwäche entgegenzuwirken. Daher gibt es im Kindesalter spezielle Vorsorgeuntersuchungen wie die U7 bei zweijährigen Kindern, die U7a bei dreijährigen Kindern, die U8 bei vierjährigen Kindern sowie die U9 bei fünfjährigen Kindern.

Eine bedeutende Rolle spielt der Sehtest außerdem in der Arbeitsmedizin. So können manche Menschen einen bestimmten Beruf nur mit einer guten Sehschärfe ausüben, da sonst Gefahren für sie oder andere Personen drohen. Dazu gehören zum Beispiel Fahr- und Steuerberufe wie Pilot, Busfahrer oder Zugführer, Überwachungstätigkeiten wie das Bedienen von Kraftwerken oder komplizierten Maschinen sowie das Arbeiten an einem Bildschirm wie im Büro oder beim Wachdienst.

Anwendungsgebiete

  • Schwachsichtigkeit (Amblyopie)
  • Halbseitenblindheit (Hemianopsie)

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

Bestimmung der Sehschärfe

Es gibt unterschiedliche Arten von Sehtests. Der gebräuchlichste Test dieser Art ist der Sehtest zur Bestimmung der Sehschärfe. Dabei greift der Augenarzt auf zwei Sehtafeln zurück. Auf diesen muss der Patient Buchstaben oder Zahlen erkennen.

Amsler-Gitter-Test

Einen speziellen Sehtest stellt der Test für Gesichtsausfälle dar. Eine simple Methode bildet der Amsler-Gitter-Test, der sich vom Patienten sogar in dessen eigenen vier Wänden durchführen lässt. Mit ihm können zu einem frühen Zeitpunkt Erkrankungen der Netzhaut festgestellt werden.

Farberkennungsvermögen

Ebenfalls zu den Sehtestverfahren zählt der Sehtest zur Farberkennung. Er dient dazu, das Farbwahrnehmungsvermögen des Menschen zu kontrollieren und Störungen wie eine Rot-Grün-Schwäche zu diagnostizieren. Die gängigste Methode dieser Art in Deutschland ist die Ishihara-Farbtafel, bei der es sich um eine preiswerte und einfach durchzuführende Methode handelt.

Lichtbrechungszustand des Auges (Refraktionsbestimmung)

Des Weiteren kann ein Sehtest zur Refraktionsbestimmung erfolgen. Bei der Refraktion handelt es sich um den Lichtbrechungszustand des Auges. Sie hängt vom Verhältnis zwischen Achsenlänge und Brechkraft des Auges ab. Im Rahmen der Refraktionsbestimmung setzt der Patient unterschiedliche Brillengläser auf. Dem Augenarzt teilt er dann mit, durch welche Brille er am besten sieht. Bei kleineren Kindern oder dementen Patienten wird eine Schattenprobe (Skiaskopie) durchgeführt.

Stereo- und 3D-Sehtest

Weitere Sehtests stellen der Stereosehtest zur Überprüfung des räumlichen Seheindrucks sowie der moderne 3D-Sehtest dar, bei dem eine 3D-Brille samt Monitor anstatt von Bildtafeln verwendet wird.

Was muss der Patient beachten?

Besondere Maßnahmen muss der Patient weder vor noch nach dem Sehtest beachten. So sind die Untersuchungsmethoden vollkommen harmlos. In manchen Fällen können im Rahmen des Sehtests allerdings weiterführende Maßnahmen erforderlich sein, was vom Resultat des Tests abhängt. In solchen Fällen werden zur weiteren Diagnostik die Pupillen des Patienten mit speziellen Augentropfen erweitert. Diese können für einen gewissen Zeitraum die Fahrtüchtigkeit behindern. Aus diesem Grund wird empfohlen, nach einer solchen Untersuchung auf das Autofahren zu verzichten.

Ergibt der Sehtest eine Sehbeeinträchtigung, findet im Anschluss eine Beratung mit dem Augenarzt über die weiteren Behandlungsmaßnahmen statt.

Durchführung - Wie läuft das Screening ab?

Die Durchführung eines Sehtests zur Überprüfung der Sehstärke beinhaltet die Kontrolle von Nahvisus und Fernvisus. Der Patient nimmt dazu auf einem Stuhl Platz und muss Buchstaben und Zahlen auf einer Tafel ablesen, die sich etwa fünf oder sechs Meter entfernt von ihm befindet.

Zuerst erfolgt der Sehtest mit einem einzelnen Auge, dann wird er mit beiden Augen fortgesetzt. Zur Kontrolle der Nahsehschärfe sind die Lesetafeln ungefähr 30 bis 40 Zentimeter entfernt. Bei diesem Verfahren findet ebenfalls eine getrennte Untersuchung beider Augen statt.

Neben Zahlen und Buchstaben kommen beim Sehtest auch sogenannte Landolt-Ringe zur Anwendung. Dabei handelt es sich um schwarze Zeichen, die sich auf einem weißen Hintergrund befinden und sich von Reihe zu Reihe verkleinern. Bei Sehtests für Kinder greifen die Augenmediziner auf spezielle Bildtafeln zurück, auf denen zum Beispiel Leitern, Scheren oder Schaukelpferde abgebildet sind. Sie gelten als wichtig für das Erkennen von Formen.

Wer übernimmt die Kosten?

Wird ein Sehtest im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung vorgenommen, erfolgt die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen, sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Patient das Gefühl hat, dass sich seine Sehkraft verschlechtert. Liegen jedoch private Gründe für das Durchführen des Tests vor, muss er die Kosten selbst tragen. Das gilt auch für einen Sehtest zur Führerscheinprüfung.

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Risiken und Komplikationen

Risiken und Nebenwirkungen sind durch einen Sehtest nicht zu befürchten. Mitunter kann es zu falschen Testergebnissen kommen, was zumeist auf eine schlechte Mitarbeit des Patienten zurückzuführen ist. Um Spätfolgen durch Falschdiagnosen zu vermeiden sollte er mit seinen Antworten stets ehrlich sein.

Quellen

  • Grehn F.: Augenheilkunde. Springer Verlag. 30. Auflage 2008
  • Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wutta, H.P., Brucker, K.: Theorie und Praxis der Augen-Akupunktur. Hippokrates Verlag, Stuttgart 2014
  • Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012

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