Schwermetallvergiftung

Letzte Aktualisierung am 18. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Gesundpedia.deKrankheitenSchwermetallvergiftung

Eine Schwermetallvergiftung bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen, welche durch den Einfluss von sogenannten Schwermetallen hervorgerufen werden. Dabei ist der Begriff Schwermetall nicht eindeutig definiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schwermetallvergiftung?

Der Begriff Schwermetallvergiftung wird bei Erkrankungen verwendet, die man landläufig Metallen zuschreibt, welche eine große Dichte, eine hohe Ordnungszahl und ein hohes Atomgewicht besitzen. Allerdings gibt es keine einheitliche Definition für Schwermetall. Nach einer Liste der UPAC existieren mehr als 38 Definitionen dieses Begriffes. Deshalb empfiehlt sie auch, diesen Begriff für die Chemie nicht mehr zu verwenden.

Mit dieser Begrifflichkeit ist für die Öffentlichkeit nämlich immer auch die Toxizität dieser Metalle assoziiert, was den Sinn dieser Bezeichnung infrage stellt. Denn viele sogenannte Schwermetalle sind sogar essenziell für den Körper. Allerdings haben sich einige Metalle, wie Quecksilber, Blei, Kadmium, Arsen oder Plutonium, herauskristallisiert, die eine Hauptursache für Schwermetallvergiftungen darstellen.

Ursachen

Die Ursache für eine Schwermetallvergiftung liegt zunächst in einer erhöhten Aufnahme der gefährlichen Metalle über die Nahrung, das Wasser oder die Luft. Trinkwasser kann beispielsweise bleihaltig sein, wenn das Wasser durch Bleirohre fließt. In Industriegebieten kann das Erdreich sehr stark mit Schwermetallen belastet sein, wobei diese dann durch Einatmen von belastetem Staub oder durch Übertritt in die Nahrungskette den menschlichen Organismus kontaminieren.

Die Belastung ist auch über technische Produkte, Chemikalien, Farben, Lacke, Baustoffe oder Plastikartikel möglich. Eine wichtige Quelle für Quecksilber sind beispielsweise die Amalgam-Zahnfüllungen. Aber auch zerstörte Thermometer mit Quecksilberfüllung oder gar Strom sparende quecksilberhaltige Glühbirnen können Quellen der Belastung sein.

Des Weiteren sind einige Pflanzen und Pilze geradezu ideale Speicher für Schwermetalle, da sie über den Boden belastete Mineralien aufnehmen und dann in ihre Biomasse einbauen.

Schwermetalle entfalten ihre Wirkung hauptsächlich über drei verschiedene Mechanismen. Zum einen findet im Körper eine langfristige Speicherung in verschiedenen Organen und den Gelenken statt, ohne nennenswert ausgeschieden zu werden. Zum anderen haben Schwermetalle die Fähigkeit, mit Eiweißen, sowie auch mit Enzymen, Komplexe zu bilden und diese damit unwirksam zu machen. Die Folge sind gestörte Stoffwechselprozesse, die zu vielfältigen Symptomen führen können.

Drittens äußern sich Schwermetallvergiftungen teilweise auch durch Allergien gegen Schwermetalle oder genauer gesagt gegen die von ihnen veränderten körpereigenen Eiweiße, was auch die Entstehung von Autoimmunerkrankungen fördert.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Schwermetallvergiftungen:

Schwermetallvergiftungen erzeugen die unterschiedlichsten Symptome, die man zunächst nicht einer bestimmten Erkrankung zuordnen kann. Diese Symptome reichen von extremer Müdigkeit, Gereiztheit, abnehmenden Gedächtnisleistungen, Magen-/Darm-Problemen, Autoimmunerkrankungen, rheumatischen Beschwerden bis hin zu Arteriosklerose und Herz-/Kreislaufkrankheiten.

Meist ist auch die Leber betroffen, weil sie das zentrale Entgiftungsorgan ist. Die Schwermetalle stellen die Leber jedoch vor schier unlösbare Probleme, die die Entgiftungsleistung dieses Organs überfordern. Es gibt akute und chronische Formen der Vergiftung.

Wie bei jeder anderen Vergiftung treten bei einer Überdosis des Schwermetalls oft sehr heftige akute Beschwerden auf, die in schweren Fällen auch zum Tode führen können. Chronische Schwermetallvergiftungen treten jedoch häufig bei längerem Kontakt mit einer kleinen Dosis des Giftes auf.

Diagnose

Die Diagnose einer Schwermetallvergiftung kann aufgrund der vielen Symptome und unklaren Krankheitserscheinungen oft sehr lange auf sich warten lassen. Je nachdem, welches Organ besonders betroffen ist, müssen viele Differenzialdiagnosen erstellt werden, um alle anderen Ursachen auszuschließen.

Die Grundlagen der Untersuchung sind die Anamnese der Krankengeschichte und mannigfache Laboruntersuchungen. Wurde eine Schwermetallvergiftung diagnostiziert, muss die Quelle der Belastung durch eventuelle Untersuchungen des Wohn- und Arbeitsbereiches gesucht werden.

Behandlung und Therapie

Wurde eine Schwermetallvergiftung festgestellt, ist die nächste Aufgabe die Entfernung des Schwermetalls aus dem Körper. Das heute vorwiegend angewendete Verfahren ist die Chelat-Therapie. Dabei werden die Schwermetalle über eine Komplexbildung mit geeigneten Substanzen gebunden und aus dem Körper ausgeleitet.

Als Komplexbildner haben sich ETDA (Ethylendiamintetraessigsäure) und DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) bewährt. Diese werden über eine Infusion verabreicht. Im Körper bildet sich mit den Schwermetallen ein stabiler Komplex, der reaktionsunfähig ist und renal ausgeschieden wird. Bei akuten Vergiftungen sind zunächst notfallmedizinische Maßnahmen zur Beseitigung der Lebensgefahr und Stabilisierung des Körpers notwendig.

Dazu gehören Maßnahmen zur Entleerung des Magens und Darms, Gabe von Aktivkohle zur Bindung der Schwermetalle, Blutwäsche und anderen lebensrettenden Behandlungen. Zur vollständigen Therapie von Schwermetallvergiftungen ist in diesem Zusammenhang auch die Suche nach der Quelle der Schwermetalle notwendig.

Hier finden Sie Ihre Medikamente


Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor Schwermetallvergiftungen sollte man sich zunächst umfassend über mögliche Quellen der Schwermetalle informieren. Bei berufsmäßigem Kontakt mit Schwermetallen ist immer die entsprechende Schutzausrüstung zu tragen, wobei man bedenken muss, dass eine Vergiftung durch Einatmen oder auch durch Hautkontakt hervorgerufen werden kann. Bei der Zahnsanierung sollten Amalgamfüllungen durch andere Zahnfüllungen ausgetauscht werden, um eine Schwermetallvergiftung mit Quecksilber zu verhindern.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


Hat Ihnen der Artikel geholfen? Dann empfehlen Sie ihn weiter:

Das könnte Sie auch interessieren: